Echt krass: Didi & Stulle als Oper

Die Neuköllner Oper steht immer mal wieder für etwas Außergewöhnliches. Mit dem Stück „Didi & Stulle. Die Oper“ ist der experimentierfreudigen Bühne etwas Einzigartiges gelungen.

Philip Träger, alias FiL, ist der Erfinder von „Didi & Stulle“. FiL ist selbst Urberliner, der Ex-Punk ist im Märkischen Viertel aufgewachsen und mit seinen Comic-Helden in der Szene bekannt geworden. FiL begrüßt die Besucher auf seine ganz eigene Art und Weise: „Da musst du Bock drauf haben; da musst du hingehen: Etwas crazy und außerirdisch.“

Und nun werden Didi und Stulle in Opernbühnengewänder gesteckt. Die Prollsprache, verpackt in den Operngesang, ist schon für den „Normalo“ gewöhnungsbedürftig. Proll-Berlinisch und Proll-Türkisch vornehm mit Operntönen garniert, das hört man nicht jeden Tag und ist auch nicht jedermanns bzw. jederfraus Sache.

Besser als im Programmheft kann man Didi und Stulle kaum ankündigen: „Sie sind legendär, sie sind zu zweit, sie sind befreundet, sie sind Männer, sie sind Schweine, sie graben Frauen an (kriegen aber keine ab), sie sind schwul (trau‘n sich aber nicht), sie berlinern übers Universum, über Bier und über die kulturpessimistische Bedeutung einer erschlafften Erektion, kurzum: Sie sind, wie sie sind, und wir lieben sie. Dieter Kolenda und Andreas Stullkowski, genannt Didi und Stulle.“

Die Hauptfiguren Didi und Stulle werden von Lars Feistkorn und Fabian Martino gesungen und gelebt. Schon sehr deftig, mit jeder Menge Schlüpfrigkeit, die nicht jeder Opernfreund lieben wird. Wenn man aber an Typstudien, Comics und Klischeedarstellungen Gefallen findet, dann kann man sich köstlich unterhalten. Wenn man sich von einem singenden Phallus nicht abschrecken lässt und Oper zwischendurch mal gerappt ertragen kann, dann ist man hier genau richtig.

So ein bisschen fühlt man sich wie auf einem verrückten Kindergeburtstag auf Droge, ach nein, auf Oper. Die Opernmacher Anita Augustin (Text und Dramaturgie), Matthias Herrmann (Komposition und musikalische Leitung) und Eike Hannemann (Regie) haben ein Opernwerk mit viel Fantasie nach einer fantastischen Vorlage gezaubert. Stulle versucht sich mit einem 1 Euro-Studium und Didi erfindet dann lieber einen Denkomat. Bei der Produktion des „Denkomat 2000“ macht es „Schawomm“ und auch Didi explodiert und findet sich in der Hölle wieder. Stulle hält es nicht lange alleine aus und muss zu Didi. Ein theatralisches Happy-Ende, mal janz anders.

Eine im Wesentlichen inhaltsleere Oper, die es aber auch gut mit vielen anderen klassisch einfach gestrickten Werken aufnehmen kann. Die wichtigen großen Themen „Liebe, Tod und Bier“ sind enthalten. Was will man mehr?

Die weiblichen Gesangsrollen, Big Bad Mother, Background Girl und geile Braut werden von Pascal von Wroblewsky, Barbara Ehwald und Julia Gámez Martin präsentiert, die bestens ihr musikalisches Handwerk verstehen. Ansprechende Musik von einem wundervollen Orchester präsentiert, das sich im besonderen Bühnenbild wiederfindet! Für die Ausstattung zeichnet sich Daniela Petrozzi verantwortlich.

Die Neuköllner Oper schreibt selbstbewusst: „Eine Opernschweinerei, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat, und die Welt ist Berlin!“

Oder kurz gesagt: Ein ganz besonderes Berliner Opernwerk!

Thomas Moser –BerLi-Press-


 

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