Die Mälzerei ist der Leuchtturm in der Bahnhofstraße

Berlin-Lichtenrade, 28. Oktober 2010 Der Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümerverein Lichtenrade hat zur öffentlichen Mitgliederversammlung geladen. Wegen der aktuellen Themen in Lichtenrade hat dann auch die Aula der Ulrich-von-Hutten-Oberschule kaum ausgereicht.

Als Gast war Baustadtrat Bernd Krömer (CDU) eingeladen, der zu den aktuellsten städtebaulichen Planungen Stellung nehmen sollte. Nach der Begrüßung durch den Vereinsvorsitzenden Frank Behrend nahm Bernd Krömer, der jetzt auch der CDU-Spitzenkandidat für die nächste Wahl im Bezirk ist, kurz zur Dresdner Bahn und zu den Flugrouten Stellung. Zur Dresdner Bahn erklärte er: „Der Ortsteil darf nicht zerschnitten werden. Das wäre der Gau!“ Der Vorsitzende der BI Dresdner Bahn Boto Mertins gibt noch ergänzende Informationen, zum Beispiel das das geplante Gefälle für die Autounterführung am S-Bahnhof Lichtenrade 8,7 % betragen wird und wegen der Schließung des Bahnüberganges Wolziger Zeile von täglich 19.000 Autos in der Bahnhofstraße auszugehen ist. Bei den Flugrouten geht Krömer davon aus, das das letzte Wort noch nicht gesprochen ist: „Wir müssen aber am Ball bleiben!“

Zur Situation in der Bahnhofstraße erklärt Stadtrat Krömer, dass, wenn alles so bleiben würde, er Sorge um die Bahnhofstraße hat und eine negative Entwicklung, wie bei anderer Straßen, befürchtet: „Es gibt Potenziale, wo etwas passieren sollte.“ In diesem Zusammenhang erläutert er die Vorstellungen des Großinvestors Dr. Huth (HIGH GAIN HOUSE INVESTMENTS GmbH –HGHI), der rund um die Mälzerei ein Einkaufszentrum bauen will. Die „Internetzeitung“ von www.lichtenrade-berlin.de hat ausführlich darüber berichtet. Die HGHI hat jetzt auf ihrer Website die Überlegungen zum Einkaufszentrum veröffentlicht (Link siehe unten).
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Bernd Krömer -CDU- (Foto: Thomas Moser, BerLi-Press)

„Denkmale werden nicht besser, wenn sie nicht genutzt werden“, sagt Krömer und meint damit, dass die Mälzerei mit dem Konzept eines Einkaufszentrums gewinnen wird. „Die Mälzerei ist der Leuchtturm in der Bahnhofstraße!“ erklärt der Baustadtrat.  Er will, dass die historische Mälzerei deutlich sichtbar ist! Krömer will rund um die Mälzerei eine Platzsituation schaffen.

Das ehemalige Haus Buhr, das nicht unter Denkmalschutz steht, ist wegen der Bausubstanz nicht zu retten. Bei allem Verständnis für die Mieter im ersten Hochhaus in Lichtenrade, direkt hinter dem Haus Buhr, erklärt Krömer, dass der „Solitär“ sicherlich kein „architektonisches Kleinod“ ist. Der Eigentümer bzw. Investor muss aber sehen, wie er den jetzigen Mietern sozialverträgliche Alternativen anbietet. Darauf werde auch das Bezirksamt bestehen.
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In diesem Zusammenhang liegt der Redaktion der Internetzeitung ein Brief der Hausverwaltung vom 19.10.2010 vor: „…Gleichzeitig möchten wir Ihnen mitteilen, das das Gerücht, dass das Objekt Steinstraße 42 und 43 abgerissen werden soll, nicht stimmt.“ Wie diese Äußerung einzuordnen ist, wird an dieser Stelle nicht weiter kommentiert.

Insgesamt wird die Verkehrssituation der Anfahrwege und der Parkplätze als diskussionswürdig dargestellt. So wird besonders diese Frage auch immer wieder bei den Diskussionsbeiträgen der Zuhörer angeschnitten.

Krömer geht von 7.000 Quadratmeter zusätzlicher Verkaufsfläche aus. Somit sieht der Baustadtrat den Beschluss der BVV Tempelhof-Schöneberg, der von 4.000 Quadratmeter ausgeht, nicht als letztes Wort an. Diese Fläche liegt noch im geplanten Bedarf an Einkaufsfläche für Lichtenrade, betont Stadtrat Krömer.
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Krömer nimmt den Versammlungsteilnehmern die Sorge, dass das Einkaufszentrum schnell realisiert werden könnte: „Selbst wenn heute der grundsätzliche Beschluss im Bezirksamt gefasst werden würde, was nicht der Fall ist, würden mindestens 18 Monate ab der Planungsreife bis zum ersten Spatenstich vergehen.“ Auf der Website der HGHI spricht der Investor von einer voraussichtlichen Eröffnung Frühjahr/Sommer 2012.

Offene Fragen, die noch genau geklärt und untersucht werden müssen, sind für den Baustadtrat der Autoverkehr, die Anlieferungssituation, die Parkplätze und die „Öffnung“ zur Bahnhofstraße. Wünschenswert wäre auch, wenn die Mälzerei für kulturelle und soziale Projekte erschlossen wird.
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Der Stadtrat sagt den Anwesenden Bürgerbeteilung zu. Die Möglichkeiten im Planfeststellungsverfahren sollten wahrgenommen werden. Von der Ökumenischen Umweltgruppe Lichtenrade meldet sich Reinhard Kraft zu Wort, um die Sorge zu benennen, dass das Zentrum noch mehr Käufer, und damit noch mehr Autoverkehr, aus der Umgebung anziehen wird. Damit wird die Situation rund um die Bahnhofstraße noch unerträglicher, betont die Umweltinitiative.

Krömer weißt energisch alle persönlichen Interessen an einem Stadtteilzentrum, die ein Diskutant in die Menge rief, von sich. Bernd Krömer betont, dass er aber auch als Anwohner aus Lichtenrade ein großes Interesse an einer funktionierenden Bahnhofstraße hat. Er will, dass „um 18.01 Uhr noch nicht die Bürgersteige hochgeklappt werden“. Andere Diskussionsteilnehmer sehen ein Einkaufszentrum als völlig unnötig an und verweisen auch auf eine Unterschriftenliste.

Man hat den Eindruck, dass die Argumente von Krömer gehört und aufgenommen werden. Er erhält durchaus Applaus. Andererseits ist es in Lichtenrade oftmals ein Reflex, so auch in dieser Versammlung bei einigen Redebeiträgen, dass automatisch besonders der beklatscht wird, der sich gegen Änderungen im Ortsteil ausspricht. Sicherlich ist hier noch, neben der formalen Einbindung im Planfeststellungsverfahren, eine weitere rechtzeitige Bürgerinformation und Beteiligung sinnvoll, wichtig und zwingend notwendig. Die Bürger sind zu recht sensibilisiert und lassen sich nicht mehr alles gefallen (siehe zum Beispiel Stuttgart 21, Atomkraft oder Fluglärm über Lichtenrade).

In der Frage des Einkaufszentrums gibt es durchaus Befürworter in Lichtenrade. Bernd Krömer betont, dass letztlich der Käufer es in der Hand hat, welche Geschäfte Erfolg haben. Krömer appelliert, dass man nicht nur nach Einzelhändler rufen kann, dann jedoch trotzdem im Discounter einkaufen geht.

Die Ausführungen, rund um das geplante Einkaufszentrum an der Mälzerei in Lichtenrade, haben erwartungsgemäß keine wirklich neuen Informationen gebracht. Man hat den Eindruck, dass Diskussionen und Anregungen von der bezirklichen Bauverwaltung immer wieder aufgegriffen werden. Die Diskussion und der Meinungsfindungsprozess ist keineswegs abgeschlossen.

Baustadtrat Bernd Krömer erläutert weitere Vorhaben und Diskussionen im Baubereich in Lichtenrade:

- Die Erweiterung der Jugendarrestanstalt (Lützowstraße bzw. am Kirchhainer Damm) auf 61 Plätze (knappe Verdoppelung) ist geplant, wobei die Bebauung von der „Wohnbebauung abgewandt“ sein soll. Dies ist eine Planung des Senats.

- Die Gerüchte, dass das Seniorenheim in der Augsburger Straße als Unterkunft für Asylbewerber oder Wohnungslose genutzt werden soll, sind nur Gerüchte. Verkaufs- und Umnutzungsabsichten stehen nicht an, erklärt Krömer.

- Ein Teilbereich am Lore-Lipschitz-Haus an der Horstwalder Straße wird für Einfamilienhäuser abgetrennt.

- Das Georg-Kriedte-Haus am Kirchhainer Damm, eine städtische Pflegeeinrichtung, wird vom Bezirksamt verkauft. Es soll aber weiter als Seniorenheim genutzt werden.

- Der Bau von weiteren Discountern, nach dem Bau von Lidl am Lichtenrader Damm, ist gestoppt. In dieser Frage gibt es bei den Bürgern durchaus unterschiedliche Interessen, erklärt Krömer.

-Der Automarkt an der Blohmstraße konnte verhindert werden. Das Planungsziel ist, dass die Gegend zum allgemeinen Wohngebiet erklärt wird und der Rest als Gewerbegebiet mit „nicht störendem Gewerbe“ ausgewiesen wird.

Der Vorsitzende vom Eigentümerverein, Frank Behrend, bedankt sich besonders bei Bezirksstadtrat Krömer und erhofft sich, bei künftigen Versammlungen, ähnlich viele Teilnehmer. Nach drei Stunden, gegen 22 Uhr, war die Versammlung beendet und die Aula der Schule lehrte sich langsam.

Thomas Moser (auch Fotos) – BerLi-Press (www.berli-press.de) für www.lichtenrade-berlin.de


 

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