Dass die Suppenküche mehr kann, als nur Suppe, zeigt sie offensiv in ihrem neuen Namen. Mit der Bezeichnung  „Nachbarschaftszentrum Suppenküche Lichtenrade e.V.“ wird jetzt deutlich, dass die Suppenküche nicht nur ein Angebot für Bedürftige ist, sondern sich ganz bewusst auch für die Nachbarschaft öffnet. Neu ist das Ganze zwar nicht, aber die zu Beginn des Jahres vollzogene Namensergänzung macht die Vielfältigkeit des Engagements deutlich.

Suppenküche ein wichtiges "Geschäft", aber nicht das Einzige.

Was ist jetzt richtig neu? Schul-Koch AG sucht noch Unterstützung.

Neu ist die Arbeitsgemeinschaft (AG) Kochen. Dieses Kooperationsprojekt mit dem Georg-Büchner-Gymnasium sucht noch begeisterte Hobby- oder Profiköche zur Unterstützung, oder anders gesagt: weibliche und männliche Küchenfeen. Circa 10 Schülerinnen und Schüler treffen sich in den Räumen der Suppenküche zum Kochen und Essen. Zuvor findet eine gemeinsame Planung statt und die Zutaten werden eingekauft. Damit verbunden ist immer eine Nahrungskunde mit gesundheitlichen Aspekten. Zur Planung gehören die Überlegungen regionale, saisonale und nachhaltige Produkte zu verwenden; das Ganze jedoch unter dem Aspekt der damit verbundenen Kosten. Dann werden Grundtechniken des Kochens vermittelt, dazu gehört, dass keine Fertigprodukte aus der Tüte genutzt werden.

Volles Haus, es wird in mehreren Schichten gegessen.

Bevor es zum Verspeisen geht, muss der Tisch richtig gedeckt werden. Und einmal im Monat werden Gäste bewirtet. Ein praktisches und theoretisches Komplettpaket für gesunde Ernährung! Wer da nicht Appetit bekommt, ist selber schuld! Die AG wird von einem kochbegeisterten Lehrer betreut. Ein Küchenführerschein wird die Erfahrungen und Kenntnisse am Ende der AG dokumentieren.

Die Suppenküchen-Chefin, Alex Benkel-Abeling, ist überzeugt von dem Konzept: „Wir finden es toll wie es angelaufen ist. Schön wäre noch, wenn uns geduldige und zugewandte Helferinnen und Helfer mit Kocherfahrung unterstützten könnten.“

Suppenküche kann Suppe und jetzt auch Kultur!

Dass mit dem „Gäste bewirten“, das in der Koch-AG auch gelernt werden soll, verbindet das „Nachbarschaftszentrum Suppenküche Lichtenrade“ ab April einmal im Monat mit Kultur. Das nennt sich dann „Ein Abend mit Poesie“. Im Flyer heißt es dazu: „Es gibt Gedichte über Gedichte aus der Feder unserer Haus- und Hofpoetin Lisa Kaah.“ Die Gedichte werden gelesen, gespielt und eigenwillig präsentiert.“ Man darf auf den Vortrag „der ganz eigenen Art“ gespannt sein. Der Eintritt kommt mit 5 € der Suppenküche zu Gute. Schulkinder haben freien Eintritt. Für ein geringes Entgelt bietet die AG Kochen des Georg-Büchner-Gymnasiums ein kleines Buffet an. Damit die Suppenküche richtig planen kann, sind die Karten vorher zu erwerben. Für den Kartenverkauf steht die Ansprechpartnerin Rosi Skunca zur Verfügung (Samstags von 13 bis 16.30 Uhr im Nachbarschaftszentrum Suppenküche Lichtenrade, Finchleystr. 11). Oder man meldet und fragt nach den nächsten Terminen: Tel. 030-746 823 56  oder 0163 885 07 05 oder per mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .

Und noch ein neues offenes Kinder- und Jugendangebot

Zusammen mit der Lichtenrader Theodor-Haubach-Oberschule wird unter dem Motto „Spiele, Sport Spaß, Sprache“ für Kinder und Jugendliche, auch wenn sie nicht von dieser Schule kommen, jeden Donnerstag von 15 bis 17 Uhr ein offenes Angebot präsentiert. Es kann gemeinsam gekocht werden, es gibt Spiele zum Kennenlernen und Mal- und Bastelangebote. Neben sportlichen Aktivitäten soll auch Berlin entdeckt werde. Den Kindern mit Problemen in der deutschen Sprache wird Unterstützung angeboten.


Auch Flüchtlinge besuchen die Suppenküche

Alex Benkel-Abeling hört zu und versucht zu helfen.
Dieses Angebot richtet sich auch an Flüchtlinge, aber ganz bewusst auch an alle anderen Kinder und Jugendliche.

Suppenküche kann mehr als Suppe, dass wird bei den ganzen Planungen deutlich. In Planung ist eine Hausaufgabenhilfe, ein individuelles Bewerbungstraining und ein Mentoring-Programm, bei dem junge Menschen in der Ausbildung bis zum Abschluss begleitet werden. Alex Benkel-Abeling erzählt ganz begeistert von den Planungen. Für dieses Mentoring-Projekt, also so eine Art Pate für einen Auszubildenden, sucht sie Menschen „mit einem ganz normalen Kopf.“ Sie meint damit, dass keinesfalls eine sozialpädagogische Ausbildung notwendig ist, sondern der gesunden Menschenverstand oft reicht.

Koordinatoren, Fahrer und viele Helfer gesucht

Alex Benkel-Abeling weist am Schluss des Gesprächs darauf hin, dass man in der Suppenküche auch Praktika für die unterschiedlichsten Anforderungen machen kann.

Aber auch eine längerfristige Hilfe ist gerne gesehen. Neben der tatkräftigen Hilfe rund um die Ausgabe des Essens und der Einsammlung von Lebensmitteln, sind auch Menschen gesucht, die die vielen Aufgaben Vorort koordinieren und somit tatkräftig die vielen ehrenamtlichen Menschen unterstützen und Verantwortung übernehmen.

Zum Vormerken: Am 19. Juni 2016 wird es auf der Trabrennbahn Mariendorf einen Renntag zu Gunsten des Nachbarschaftszentrum Suppenküche Lichtenrade geben.

Was die Suppenküche schon seit vielen Jahren macht…

Weitere Hintergrundinformationen

Die Suppenküche Lichtenrade ist eine bekannte Institution im Berliner Süden. In einem Bungalow am Graben in der Finchleystraße 11 werden Sonntag für Sonntag über 150 Suppen und ein gesunder Nachtisch ausgegeben.

In den ersten Monaten im Jahr 2016 wurde sogar jeden Sonntag circa 170 Essen ausgegeben, wobei auch viele Kinder dabei waren.

Die Suppenküche Lichtenrade ist schon seit über 10 Jahre tätig. Die kostenlose Ausgabe einer warmen Mahlzeit und die kostenlose Abgabe von Lebensmitteln erfolgt jeden Sonntag von 12 bis 14 Uhr. Ohne Nachweis der Lebensumstände wird hier mit viel ehrenamtlichen Engagement, nur durch Sach- und Geldspenden finanziert, unbürokratisch geholfen. Zurzeit sind circa 50 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer aktiv.

Die Suppenküche Lichtenrade wurde 2015 als Träger der Jugendhilfe anerkannt und ist Mitglied bei „Der Paritätische Berlin.“

Weitere Hilfe, in den unterschiedlichsten Feldern, ist erwünscht. Hilfe wird beim Transport der Lebensmittel, bei der Essenszubereitung oder Ausgabe oder für die Pflege der Internet-Website benötigt. Die Lebensmittelspenden werden jede Woche am Freitag und Samstag eingesammelt und am Sonntag wird die Suppe gekocht und die Lebensmittelausgabe vorbereitet. Ab 12 Uhr beginnt dann die Essensausgabe. Als Spenden sind die Lebensmittelspenden der Geschäfte die wichtigste Grundlage. Ohne Lebensmittel kann es keine Suppe geben. Die Geld-Spendenquellen sind genauso wichtig, da es verschiedenste Betriebsausgaben gibt und Anschaffungen immer wieder dringend notwendig sind.

Die Suppenküche ist in den verschiedensten sozialen Feldern tätig. Seit mehreren Jahren läuft eine enge Kooperation mit dem Georg-Büchner-Gymnasium. Im Projekt „Soziale Jugendbildungsarbeit“ lernen die Schüler aus meist gutsituierten Elternhäusern Aspekte von Armut kennen. Außerdem lernen sie, dass man ohne große finanzielle Mittel vor Ort Hilfe leisten kann. Und so ganz nebenbei bekommen die Schüler einen neuen Blick auf Lebensmittel, da die Suppenküche Lebensmittel verwendet, die die jungen Menschen sonst vermutlich entsorgen würden.

In der Suppenküche sind regelmäßig junge Erwachsene und Jugendliche, die mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind. Es gibt eine enge Zusammenarbeit mit der Jugendgerichtshilfe. Die jungen Menschen leisten in der Suppenküche Sozialstunden ab und lernen so ganz nebenbei Sozialkontakte mit ganz anderen Menschen zu pflegen und auch Ausdauer und Zuverlässigkeit. Übrigens ist der Kontakt mit diesen Jugendlichen auch für die Schüler sehr hilfreich. Von der Stiftung SPI und dem Diversionsbüro „Schadenswiedergutmachung statt Strafe“ wird für straffällig gewordene Jugendliche und Heranwachsende freiwillige gemeinnützige Arbeit vermittelt. Die Suppenküche leistet in diesem Rahmen eine Arbeit mit pädagogischen Ansätzen.

Thomas Moser (auch alle Fotos)

Fleißige Helferinnen und Helfer in der Suppenküche:

...bei der Vorbesprechung...

Hier findet die Lebensmittelausgabe statt.

Franzl schaut mit Hund vorbei; war jahrelang aktiv als Ehrenamtlicher tätig... jetzt noch manchmal als "Praktikant."

ALLE FOTOS: Thomas Moser

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