Das Interview mit dem 1. Vorsitzenden, Frank Behrend, ist am Ende dieses Berichtes nachzulesen! 

2. Juni 2013 Vor 110 Jahren begannen sich die Siedler in Lichtenrade zu organisieren und für Ihre Interessen einzutreten.

Das Jubiläum wurde im historischen Familienrestaurant Reisel in Alt-Lichtenrade begangen.



Der 1. Vorsitzende, Frank Behrend, empfing die Gäste und Vereinsmitglieder, die sich von den feuchten Witterungsverhältnissen am kalendarischen Sommerbeginn nicht abhielten ließen. Im Hof von Reisel sorgte ein Zelt für den Schutz der Veranstaltung.

Behrend begrüßte besonders die Mitglieder und Gäste aus der Politik und den befreundeten Vereinen. Aus der Bundespolitik waren die Lichtenrader Bundestagsabgeordneten Dr. Jan-Marco Luczak (CDU) und Holger Krestel (FDP) vertreten.


Jan-Marco Luczak im Gespräch mit Frank Behrend


Holger Krestel ist gerne in Lichtenrade

Für die erkrankte Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler, die die herzlichsten Glückwünsche ausrichten ließ, gratulierte Stadtrat Oliver Schworck (beide SPD) für dieses ganz besondere Jubiläum.



Schworck richtet die Glückwünsche des Bezirksamtes aus.
Schworck betonte in seiner Rede, dass er die Vielfältigkeit der Vereinsaktivitäten schätzt. Schworck, der auch in Lichtenrade wohnt, erwähnt, dass neben dem wichtigen Kerngeschäft, der vielfältigen Beratung der Mitglieder, noch weitere Aktivitäten besonders zu loben sind. So setzt sich der Verein im Kiez zum Beispiel für ein sauberes Lichtenrade ein und kümmert sich auch um die Bepflanzung einiger Beete in der Bahnhofstraße. Oliver Schworck betont besonders die enge Vernetzung mit den anderen Vereinen und Bürgerinitiativen.


Jan-Marco Luczak ließ es sich nicht nehmen, auf die neuesten Bemühungen für eine Tunnellösung bei der Dresdner Bahn in Lichtenrade hinzuweisen.


Frank Behrend gab einen kleinen historischen Abriss der Vereinsgeschichte. Anfang 1900 ist Lichtenrade rasant gewachsen. Zu dieser Zeit zählte Lichtenrade noch rund 800 Einwohner. Grundstücke wurden immer mehr parzelliert. Viele Berliner zog es ins Grüne und so ist Lichtenrade schnell gewachsen. Im Jahr 1910 zählte die Ortschaft vor den Toren von Berlin schon 3.239 Einwohner.


Straßenbau und Verkehr, Kanalisation und Entwässerung, Plätze und Schulen waren die wichtigsten Themen. So war es dann fast zwangsläufig, dass der Haus- und Grundbesitzer-Verein Lichtenrade 03 e. V, gegründet wurde. Der Wilmersdorfer Rechnungsrat Franz Carl Emil Rohrbach, nachdem noch heute eine Straße benannt ist, erreichte in zähen Verhandlungen die Pflasterung der Hilbertstraße, Krügerstraße, Paetschstraße und zahlreicher weiterer Straßen westlich der Eisenbahn. Die Eigentümer initiierten jedoch auch die Gründung einer Privatschule in Lichtenrade.


Nach den starken Regenfällen 1926/1927 war es wichtig, dass auf den Grundstücken das Problem des Oberflächenwassers gelöst wurde. Auf Druck des Vereins wurden in Lichtenrade und den angrenzenden Ortsteilen kleine Kanäle gebaut, die das Wasser in den Teltowkanal leiten sollten. So ist noch heute an einigen Stellen der Lichtenrader-Lankwitzer-Regenwasser-Sammelkanal, kurz LiLaReSa, zu sehen.



Luczak mit Volksparkchef Wolfgang Spranger...
Der Heimatchronist Hermann Wundrich schrieb viele kleine Begebenheiten auf. So ist sehr nett beschrieben, wie Wundrich selbst in den damals kleinen Ort Lichtenrade kam. Der Heimatforscher war von 1947 bis 1949 Vorsitzender des Vereins. Diese Geschichten lässt Frank Behrend in seiner Ansprache wieder lebendig werden.


Andreas Schwager (re) wird, beim Kampf gegen das Logistikzentrum in der Säntisstraße, vom Eigentümerverein unterstützt.
Auch das dunkle Kapitel in der deutschen Geschichte ließ Behrend nicht aus, wo die gleichgeschalteten Haus- und Grundbesitzervereine sich in den Dienst des nationalsozialistischen Staates stellten und der Vorsitzende dann Führer genannt wurde. Auch durften nur „Reichsdeutsche arischer Abstammung“ Mitglied werden.


Michael Delor (re), mit Sohn, von der BI Rettet die Marienfeldeler Feldmark und BUND-Bezirksgruppe. Auch die Sprecherin
Regina Pribyl von der BI war auch da.
Nach dem 2. Weltkrieg schlossen sich 1947 sieben Vereine zusammen. Im ersten Jahr nach dem Zusammenschluss hatte dieser Verein bereits 1.650 Mitglieder. Heute hat der Verein rund 3.000 Mitglieder und damit ein Gewicht in der Stimme von Lichtenrade.

„Im Laufe der 110 Jahre engagierten sich viele ehrenamtlich, waren in ihrer Freizeit tätig und halfen vielen anderen bei den Fragen und Problemen rund um Haus- und Grundeigentum. Allen diesen Aktiven sei für ihre Arbeit gedankt. Hoffen wir, dass sich auch in Zukunft viele Menschen in unserem Verein engagieren und der Verein sich weiterhin aktiv für das Eigentum einsetzen kann“, so der Vorsitzende Frank Behrend anlässlich des Jubiläums.


Joachim Grunow (lks) ist mit dem Verein eng verbunden.
Auch war der Ehrenvorsitzende Joachim Grunow, Vorsitzender von 1996 bis 2007, zum Festakt erschienen und wurde besonders von Frank Behrend begrüßt. Behrend ist selbst seit 2007 der 1. Vorsitzende des Vereins.



Das Unternehmer-Netzwerk gratuliert (re. Karl Wachenfeld).
Nach dem feierlichen Festakt genossen die Gäste das rustikale Berliner Buffet, das in der Märchenstube vom Restaurant Reisel aufgebaut war.


Für Musik war gesorgt.
Lichtenrade gratuliert und wünscht mindestens noch weitere 110 Jahre!

Thomas Moser (auch Fotos)

Das Interview mit dem 1. Vorsitzenden, Frank Behrend, soll die Spanne zwischen Historie und Zukunft etwas näher beleuchten.

110 Jahre Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümerverein Berlin-Lichtenrade e.V.. Herzlichen Glückwunsch! Das ist eine lange Zeit.

BerLi-Press: Worauf ist der Verein mit seiner langen Tradition besonders stolz?

Behrend: Wir sind besonders stolz darauf, dass es uns schon 110 Jahre gibt und wir nicht wie viele andere Vereine – gerade auch bei Eigenheimern und Siedlern – uns Überleben kämpfen müssen.

BerLi-Press: Was sind ihre wichtigsten Alltagsaufgaben als Eigentümerverein?

Behrend: Tagesgeschäft ist die Beratung unserer Mitglieder zu Themen wie Nachbarrecht, Mietrecht, Erbrecht usw. Im vergangenen Jahr ließen sich unsere Mitglieder 1.600-mal beraten – persönlich, telefonisch oder schriftlich.

BerLi-Press: Wie sind ist der Verein in Lichtenrader vernetzt?

Behrend: Unser Verein ist selbst wiederum Mitglied bei anderen Vereinen – BI Dresdner Bahn, BI Fluglärm, Bürgerforum Zukunft Lichtenrade, AG Bahnhofstraße. Außerdem erfolgt themenbezogen auch die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und Initiativen in Lichtenrade.

BerLi-Press: Wo liegen die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft für den HWGV?

Behrend: Die größte Herausforderung für uns ist die demografische Entwicklung. Rund 50 Prozent (!) unserer Mitglieder sind älter als 70 Jahre. Wir müssen also ständig neue, möglichst jüngere Mitglieder werben, um unseren Mitgliederbestand stabil zu halten.

BerLi-Press: Was freut Sie als 1. Vorsitzenden am meisten?

Behrend: Mich freut es besonders, wenn unsere Aktivitäten und die Beratung unserer Mitglieder dann auch konkrete Erfolge bringen im Großen (zum Beipiel die Aufhebung des Straßenausbaubeitragsgesetzes) wie im Einzelfall (zum Beispiel die Korrektur einer Grundsteuerberechnung und damit verbunden eine Steuerersparnis von rund 1.000 € pro Jahr.)

BerLi-Press: Vielen Dank für das Interview!


 

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