21. Februar 2013 Anfang November 2012 wurde auf Senatsebene laut darüber nachgedacht, ob die ehemalige Senioreneinrichtung „Georg-Kriedte-Haus“ am Kirchhainer Damm 74 in Lichtenrade zu einer Dauerunterkunft für circa 250 bis 300 Asylbewerber werden soll.

Diese Überlegung ist nunmehr vom Tisch, wie der Lichtenrader Bundestagsabgeordnete Dr. Jan-Marco Luczak (CDU) in einer Presseerklärung vom gestrigen Tag mitteilte: „Das geplante Asylbewerberheim am Kirchhainer Damm kommt definitiv nicht!“


Luczak vor der ehemaligen Senioreneinrichtung (Foto Thomas Moser)
Sozialsenator Mario Czaja teilte dem Abgeordneten schriftlich mit, dass „die Senatsverwaltung davon Abstand genommen hat, Flüchtlinge am Standort Kirchhainer Damm unterzubringen.“ Er bezog sich dabei auf die „zahlreichen Briefe, Hinweise und Anrufe“, die von Luczak kamen. Der Standort sei wegen seiner cityfernen Lage „keine optimale Lösung“; es fehle auch an schulischer und sozialer Infrastruktur. Der Senator hob hervor, dass Tempelhof- Schöneberg bereits einen „überdurchschnittlichen Beitrag“ bei der Unterbringung von Flüchtlingen leiste. Ein weiterer Standort wäre daher ein „falsches Signal“, solange andere Bezirke sich nicht adäquat beteiligten. Czaja führt aus: „Tempelhof-Schöneberg gehört zu den Bezirken, die sich langjährig in besonderem Maße bei der Unterbringung von Asylbewerbern und Flüchtlingen engagieren und bereits mit den vollständig ausgelasteten Standorten Marienfelder Allee und Trachenbergring einen im Landesvergleich überdurchschnittlichen Beitrag zu dieser gesamtstädtisch wahrzunehmenden Aufgabe leisten.“

Luczak zeigte sich sehr erfreut, dass es gelungen ist, eine weitere Belastung für Lichtenrade zu verhindern: „Die Entscheidung der Senatsverwaltung ist ein wichtiges Signal an die Bezirke, die bislang kaum Plätze zur Unterbringung zur Verfügung gestellt haben. Die müssen sich jetzt bewegen!“

In die Zukunft gewandt ergänzte Luczak: „Jetzt geht es darum, eine wirtschaftlich sinnvolle Nachnutzung für das Georg-Kriedte-Haus zu finden. Das kann zum Beispiel ein Studentenwohnheim sein, wie es die CDU-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Tempelhof-Schöneberg beantragt hat.“ Dieser Antrag wurde in der BVV mit der Mehrheit von SPD und Grünen abgelehnt.

Die ehemalige Senioreneinrichtung wurde im Jahr 2011 aus finanziellen Gründen geschlossen. Das Haus steht seitdem leer.

Für die Senioreneinrichtung war die Sozialstadträtin Dr. Sibyll Klotz (Bündnis 90/Die Grünen) zuständig. In einem Interview mit der Lichtenrader Internetzeitung erklärte die Stadträtin Ende Januar 2013, dass die Einrichtung „aus Sicht der Flüchtlinge“ ungeeignet sei. Aber auch als Studentenwohnheim sieht Sibyll Klotz den Standort des Hauses als „überhaupt nicht geeignet“ an.

Weiter heißt es in dem Interview von Klotz: „Übel finde ich allerdings, wie die Bezirks-CDU gegen die Aufnahme von Flüchtlingen in Lichtenrade Stimmung macht. Deshalb ist es mir wichtig zu sagen: Flüchtlinge sind in Tempelhof-Schöneberg willkommen, und ich bin mir ganz sicher, dass die übergroße Mehrheit der Lichtenraderinnen und Lichtenrader das genau so sieht!“

Für den Bundestagsabgeordneten Luczak stellt sich die Lage anders dar. So berichtet er, dass zahlreiche Anwohner Bedenken geäußert hatten. Darunter waren auch die Anwohner des AWO-Seniorenheims Marie-Juchacz, die sogar eine eigene Unterschriftensammlung starteten.

Jan-Marco Luczak, selbst Lichtenrader, freut sich jedenfalls über die Entscheidung. Seine Erwägungen sieht Luczak jedoch auch als grundsätzlich an: „Hier (in Lichtenrade - Anm. der Redaktion) haben wir bereits die Jugendarrestanstalt Berlin. Dadurch wird das Sicherheitsgefühl der Menschen nicht unerheblich beeinträchtigt. Auch der vierspurige Ausbau des Kirchhainer Damms, die nervenraubenden Diskussionen um die neuen Flugrouten und den Ausbau der Dresdner Bahn stellen eine erhebliche Belastung für den Ortsteil da. Eine weitere Belastung erscheint mir daher nicht zumutbar. Das würde zudem die Gefahr bergen, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung, die das hohe Gut des Asylrechts verdient, Schaden nimmt.“ Für Jan-Marco Luczak ist wichtig, dass, nach monatelanger Unruhe und Sorge der Menschen, „jetzt die Lichtenrader endlich aufatmen können".

Thomas Moser


 

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