Das Bürgerforum, ein lockerer Zusammenschluss von verschiedenen Vereinen, Verbänden, Bürgerinitiativen und Künstlern, hat zu einer Informationsveranstaltung zur Zukunft der Lichtenrader Einkaufsmeile in das Ulrich-von-Hutten-Gymnasium (UvH) eingeladen. Das Treffen am 6. September stand unter dem Motto: „Was kann aus der Bahnhofstraße werden - Rennstrecke oder Flaniermeile?“

Dem Aufruf folgten knapp 100 interessierte Bürger, Einzelhändler, Verbands- und auch Behördenvertreter.

Das Bürgerforum Zukunft Lichtenrade, das sich am 12. März 2012 gegründet hat, hatte intern schon einige Diskussionen über „ihre“ Bahnhofstraße. Über ein Ziel ist man sich einig, man will die Lebensqualität in Lichtenrade fördern und diese Anliegen gemeinsam vertreten.

Frank Behrend, Vorsitzender des Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümervereins, eröffnete das abendliche Treffen. Ein wichtiges Ziel dieser Veranstaltung ist, dass die Situation der Bahnhofstraße aus verschiedenen Richtungen betrachtet wird, führt Behrend aus. Auch sollen neue Erkenntnisse für die weiteren Diskussionen gewonnen werden.

Das Fazit sei vorweggenommen: Große Veränderungen sind in der Einkaufsmeile in der nächsten Zeit, schon aus finanziellen Gründen, nicht zu erwarten. Der Autoverkehr kann und soll nicht verbannt werden. Vielmehr geht es um einige kleine, eher kurzfristig finanzierbare, Schritte. Dies könnte die Einrichtung von einer Tempo 30-Zone sein und die Wiedereinführung der Rechts-vor-Links-Regelung. Nicht ganz einig war man sich darin, ob und wie die Entwicklung, rund um die Dresdner Bahn, einzubeziehen ist.

Nils Busch-Petersen, Frank Behrend, Karl Wachenfeld (v.lks.)
Vom Handelsverband Berlin-Brandenburg e. V. sprach der Hauptgeschäftsführer Nils Busch-Petersen zum Thema „Chancen und Risiken des Einzelhandels in der Bahnhofstraße“. Anschaulich erläuterte Busch-Petersen die Situation des Einzelhandels in Berlin und Brandenburg, besonders der Einkaufsstraßen und das Verhältnis zu den großen Einkaufszentren. „So schlecht ist es wirklich nicht in der Bahnhofstraße“, meint der Hauptgeschäftsführer. Weiter findet er aber den „Gastronomiebereich ein bisschen mau“. Wichtig wäre für alle Beteiligten, dass die Aufenthaltsqualität in der Bahnhofstraße erhöht wird. Nils Busch-Petersen unterstreicht, dass die Interaktion aller Beteiligten wichtig ist. Als Thema der Zukunft sieht er das „generationenfreundliche Einkaufen.“

Karl Wachenfeld, vom Unternehmer-Netzwerk Lichtenrade, will mit dem Bürgerforum „Schritte nach vorne“ machen. Seine Sorge ist, dass der im Bau befindliche Großflughafen BER, wenn er dann in Betrieb geht, auch Kaufkraft aus Lichtenrade abziehen könnte. Diese Sorge konnte Nils Busch-Petersen gleich zerstreuen, da fast alle Einkaufsmöglichkeiten am neuen Flughafen im Sicherheitsbereich liegen und damit nur für Fluggäste zugänglich sind.

An dieser Stelle waren erste Diskussionen und Anmerkungen zugelassen. So hieß es: „Es soll so bleiben, wie es ist“ oder „Ich will die Bahnhofstraße nicht als Spielstraße.“ René Minow, dessen Tabakwarengeschäft seit Generationen in der Bahnhofstraße ansässig ist, äußert sich eindeutig: „Die Straße lebt vom Handel und der Handel lebt vom Konsumenten.“ Damit ist für ihn auch der Autoverkehr ein wichtiger Bestandteil. Auch der Schulleiter der UvH, Thomas Hungs, sprach sich eindeutig dafür aus, dass der Autoverkehr nicht verbannt wird. Sein Argument ist, dass die Schüler, besonders der benachbarten Grundschule, von vielen Eltern mit dem Auto gebracht werden. Auch viele seiner 900 Schüler sind auf die BVG angewiesen. Am Applaus konnte man eindeutig ablesen, dass die meisten Gäste gegen eine reine Fußgängerzone sind.

Sabine Klein vom Unternehmer-Netzwerk ist im Bürgerforum aktiv. Aus ihrer ganz persönlichen Sicht als Zugereiste, sie ist seit 2003 Lichtenraderin, machte sie sich in einer Präsentation Gedanken über ein verändertes Lichtenrade. Sie vergleicht Lichtenrade mit anderen kleinen Städten und wünscht sich Änderungen. Ein Argument ist, dass bei der jetzigen Situation Lichtenrade 166,7 Millionen Euro Kaufkraft verloren gehen. Sabine Klein beleuchtet verschiedene Aspekte und ruft die Gewerbetreibenden auf, dass sie „Spaß“ dabei entwickeln, ihre Einstellungen und Ansprüche zu verbessern und fortzuentwickeln. Dazu gehören für sie die politischen Rahmenbedingungen und auch das gemeinsame Engagement.

Von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt berichtete Horst Wohlfarth von Alm über das Projekt „Berliner Fußverkehrsstrategie“.


Dem Gruppenleiter aus der Senatsverwaltung war es wichtig, dass es nicht darum geht, dass der Autoverkehr ausgeschlossen wird. Er präsentierte verschiedene Beispiele von Begegnungszonen. Im Rahmen des Projektes wurde die Bahnhofstraße über 12 Stunden beobachtet. Das Fazit von Wohlfahrt von Alm ist, dass er sich eine Art Begegnungsraum für Teilbereiche der Bahnhofstraße vorstellen kann. Die Bürgerinitiative „Rettet die Marienfelder Feldmark“, die auch am Bürgerforum beteiligt ist, hat schon 3.500 Unterschriften für eine „Begegnungszone“ gesammelt, erzählt Georg Wagner-Lohse von der beteiligten Ökumenischen Umweltgruppe Lichtenrade. Für ihn ist es wichtig, dass die Maßnahmen miteinander abgestimmt werden.

Es gab Befürchtungen, dass die vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg geplante Standortkonferenz aus personellen Gründen im Herbst nicht stattfinden kann. Diese Bedenken konnte der Leiter vom Stadtplanungsamt, Andreas Baldow, und der Bezirksstadtrat für Jugend, Ordnung und Bürgerdienst, Oliver Schworck (SPD), ausräumen. Die finanziellen Mittel zur Durchführung der Konferenz sind in den Haushalt eingestellt und durch personelle Umstrukturierungen sind auch diese Probleme beseitigt worden.

Raimund Bayer vom Bürgerforum erläuterte zum Ende der Veranstaltung, dass es noch keine festen unumstößlichen Vorstellungen des Bürgerforums gibt. Für ihn ist es wichtig, dass die Positionen der Fußgänger und Radfahrer verbessert werden. Das Stichwort für Bayer war, dass die Aufenthaltsqualität in der Bahnhofstraße „im Interesse aller Beteiligten“ verbessert werden sollte. „Ihre Mitarbeit ist gefragt“, war sein abschließender Aufruf an die Gäste der Veranstaltung.

Fazit ist, dass noch nichts entschieden ist, aber man will im Bürgerforum alle Positionen zusammenbringen. Man war sichtlich bemüht, dass keine Fronten zwischen den verschiedenen Positionen aufgebaut wurden.

Die Beteiligten im Bürgerforum treffen sich weiterhin und werden sich aktiv in die anstehende Standortkonferenz, deren Termin noch nicht feststeht, einbringen.

ToM (Fotos BerLi-Press)

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