Neuer Wachstumsraum im Süden von Berlin

Das Industriegebiet in der Motzener Straße in Marienfelde hat noch ein erhebliches Wachstumspotenzial zur Ansiedlung von Industrieunternehmen bzw. Erweiterung.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die der Standortexperte Hardy Schmitz zusammen mit der Freien Planungsgruppe Berlin für das Unternehmensnetzwerk Motzener Straße erstellt hat. Die Planer präsentierten die Ergebnisse ihrer Untersuchung unter dem Titel "Perspektiven Motzener Straße" an diesem Mittwoch anlässlich der 5. Standort-Konferenz des Unternehmensnetzwerks Motzener Straße mit dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Die Konferenz fand unter der gemeinsamen Leitung von Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler und dem Netzwerk-Vorsitzenden Ulrich Misgeld im Rathaus Schöneberg statt.

Für die Studie hatten die Planungsexperten die bereits ansässigen Unternehmen befragt, was aus ihrer Sicht für den Standort wichtig sei und welche Voraussetzungen dazu auch im Hinblick auf die Infrastruktur, die Verkehrsanbindung und die Flächen nötig wären. So besteht bei einer Reihe der dortigen Unternehmen der dringende Wunsch, ihre Areale zu erweitern. In der Studie wurden die Planungen für in der unmittelbaren Nachbarschaft liegenden Flächen untersucht. Im Ergebnis wurden fast 50 Hektar als Wachstumsraum identifiziert. Bis zu 4000 Arbeitsplätze könnten hier neu entstehen.

In der vorgelegten Studie bestätigen die Unternehmen vor Ort die ungebrochene Attraktivität des Standortes, der vor 50 Jahren als Industriegebiet gegründet wurde und heute mit 200 Betrieben und insgesamt rund 5.000 Beschäftigten einer der stärksten produktionsorientierten Standorte Berlins ist. Dabei handelt es sich hauptsächlich um mittelständische Unternehmen aus allen Branchen mit einem innovations- und exportorientierten Geschäft.

Die Planungsexperten sehen den Standort für die Bereitstellung zusätzlicher Ansiedlungs- und Erweiterungsflächen für Industrieunternehmen gut gerüstet.

Die Studie geht auch auf die Verkehrssituation rund um das Industriegebiet ein. Zwar ist der Standort laut Studienergebnis über öffentliche Verkehrsmittel gut angeschlossen, könnte aber durch die Schaffung eines Regionalbahnhaltes am S- Bahnhof Buckower Chaussee deutlich verbessert werden. Die dafür erforderlichen Investitionen fallen nach ersten Erkundungen im Vergleich zur Gesamtinvestition kaum ins Gewicht, seien planungstechnisch möglich und wären eine wichtige Ergänzung zu den hohen Unternehmensinvestitionen.

Aufgewertet werden soll auch das Umfeld der beiden das Gebiet erschließenden S-Bahnhöfe Buckower Chaussee und Schichauweg. Hier sollen moderne Fahrradabstellmöglichkeiten entstehen. Damit gäbe es auch eine gute Grundlage für die Firmen, bei ihrem Personal für die Nutzung der Bahn und von Fahrrädern zu werben.
463 Neuer Wachstumsraum Motzener Str.
Hardy Schmitz, BzBm’in Angelika Schöttler, Frank Braun, BzStR’in Christiane Heiß, Ulrich Misgeld, Thomas Dreusicke (v.lks.n.re.) ©Wirtschaftsförderung Tempelhof-Schöneberg

Die Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg, Angelika Schöttler, erklärt zur Standortkonferenz:

„Ich begrüße die Initiative des Unternehmensnetzwerkes, Zukunftsfragen eines der wichtigsten Industriegebiete unseres Bezirkes aber auch Berlins konstruktiv anzusprechen und mit Politik und Verwaltung zu diskutieren. Das Bezirksamt wird seine Möglichkeiten nutzen, um die Vorschläge zu prüfen und dort, wo es möglich ist, einer baldigen Klärung zuzuführen. Über das eigentliche Netzwerkgebiet hinaus könnten die Wohnbevölkerung und weitere wichtige Gebiete im Süden unseres Bezirkes von den Überlegungen profitieren. Das ist für mich tatsächlich gelebte gesamtgesellschaftliche Verantwortung, die hier von Unternehmen übernommen wird.“

Hardy Schmitz erklärt zur Studie:

"Wir konnten in unserer Untersuchung Maßnahmen vorschlagen, die die ohnehin große Attraktivität des Standortes um die Motzener Straße einmal mehr unterstreichen, aber gleichzeitig neue Entwicklungslinien markieren. Wir konnten Industrie-Potentiale identifizieren, von denen Umwelt und wirtschaftliches Wachstum gleichermaßen profitieren. Das Industriegebiet Motzener Straße zeigt, wie man mit integrierten Konzepten die Zukunft gestalten kann. Mit seinem Potential an Wachstumsflächen, der guten Verkehrsanbindung und seiner dynamischen Unternehmer braucht dieser Standort einen Vergleich mit anderen Gebieten in der Stadt nicht zu scheuen."

Der Vorsitzende des UnternehmensNetzwerks Motzener Straße, Ulrich Misgeld, zeigt sich erfreut über die Studienergebnisse:

"Die von uns beauftragte Studie zeigt die erheblichen Standort-Potentiale auf, die in gemeinsamer Anstrengung in den nächsten zehn Jahren gehoben werden können. Öffentliche Mittel sind dafür nur in geringem Umfang erforderlich. Es geht um politische Entscheidungen, die Raum geben für private Investitionen und den Standort fit machen für nachhaltiges Wachstum und Arbeitsplätze."

Motor der Standortentwicklung ist das mit Unterstützung des Bezirksamtes Tempelhof-Schöneberg vor zwölf Jahren von den Firmen gegründete Unternehmensnetzwerk Motzener Straße e.V. Gemeinsame Initiativen der Unternehmen führten vor fast zehn Jahren zur Errichtung einer betriebsnahen Kita mit inzwischen 80 Plätzen, regelmäßigem Erfahrungsaustausch zwischen den Firmen und zu einem Klimaschutzprogramm, mit dem Ziel, bis 2050 CO2 frei zu sein (Null Emission Motzener Straße „NEMo“). Das Projekt NEMo ist im Rahmen des bundesweiten Innovationswettbewerbes „Deutschland – Land der Ideen“ als „Ausgezeichneter Ort 2016“ prämiert worden." (BA T-S)