Seine Augen glänzen, wenn er über sein Hobby und seine Leidenschaft spricht. Dann findet er kaum ein Ende und weiß immer neue Geschichten zu erzählen. Hans-Ulrich Schulz (62) ist Mariendorfer mit Herz und Seele und hat sich mit Postdokumenten, wie historischen Briefen und Postkarten, und mit vielen historischen Zusammenhängen auseinandergesetzt. „Ich bin immer wieder fasziniert, wie vielfältig Philatelie ist,“ erzählt mit viel Temperament der agile Sammler.

Ein eingefleischter Mariendorfer „durch und durch“

Hans-Ulrich Schulz, alle Bekannte und Freunde nennen ihn nur Uli, ist in Berlin-Mariendorf aufgewachsen. Mittlerweile lebt er in der vierten Generation in seinem Ortsteil Mariendorf im Bezirk Tempelhof-Schöneberg von Berlin. Er arbeitet als Sozialarbeiter im bezirklichen Jugendamt und ist in seinem Job für die pädagogische Vernetzung in seinem Ortsteil zuständig. Hans Ulrich-Schulz kennt hier jeden Stein.

In seiner Freizeit hat Uli-Schulz noch nie Langeweile verspürt. Neben der Philatelie hat er bis vor einigen Jahren mit seiner Frau Romy auf vielen Turnieren getanzt. Aber auch jetzt begleitet er neben seinem Hobby noch Ferien-Zeltlager der Diakonie mit Kindern und Jugendlichen und ist dort für das Catering zuständig.

Wie die Sammelleidenschaft begann

Wie fing alles mit seinem Geschichtsinteresse an? Hans-Ulrich Schulz begleitete seinen Großvater, der eine Bäckerei und Konditrei mit Café in Mariendorf besaß, beim Ausfahren von Backwaren. Mit dem Roller war er viel im Stadtteil unterwegs und hatte sich schon in früher Kindheit für seinen Ortsteil und die Veränderungen interessiert. Seit dem 8. Lebensjahr sammelte Schulz Briefmarken. Ab circa 1980 wurde sein Interesse für Berliner Heimat- und Postgeschichte immer größer. Der Vorsitzende des Briefmarkenvereins brachte ihn auf die Idee: „Bau doch mal eine richtige Sammlung auf und schreibe etwas für den Ausstellungskatalog zur Geschichte des Flughafens Tempelhof.“ So fing alles an! Die Regale im Arbeitszimmer in seiner Mariendorfer Wohnung sind mittlerweile von oben bis unten mit Dokumenten und Literatur für seine Hintergrundrecherchen bestückt.

Uli Schulz, der mittlerweile nur noch Dokumente und keine Briefmarken mehr sammelt, hat eine umfangreiche Sammlung über Tempelhof, Mariendorf und Marienfelde mit Dokumenten, Ansichtskarten, Fotos und Briefen. Der Sammler hat keine elektronische Datenbank seiner Schätze, aber mit einem Griff findet er sich in seinen gut sortierten Ordnern sofort zurecht. So ganz nebenbei hat er bei seinen Recherchen einige Lücken in der Geschichtsschreibung füllen und auch fehlerhafte Hinweise in den Archiven aufdecken können.

Die Berliner Flughäfen, vom Zeppelin und der „Tante Ju“

Besonders interessiert sich Uli Schulz für die Postgeschichte der Berliner Flughäfen. Er hat spannende Postkarten, die die Geschichte vom Tempelhofer Feld zum Zentralflughafen erzählen. Ob Zeppeline oder die gute alte „Tante Ju“, das bekannte Flugzeug Ju 52 von Junkers, der Sammler kennt immer noch eine neue Geschichte.

Für Sammler ist es immer etwas ganz Besonderes, wenn die Briefmarken auf den Postkarten auf die Ansichtsseite geklebt wurden. Die „Franzosen“ und „Engländer“, wie sie bei den Sammlern genannt werden, sind so begehrt, weil Postkarten mit Wertzeichen auf der falschen Seite so selten tatsächlich verschickt und befördert wurden bzw. „gelaufen“ sind. Diese Karten werden deshalb so bezeichnet, weil sie in der Regel nur von Franzosen und Engländer verschickt wurden.

Aber Uli Schulz kann auch einiges zu den Pionierflügen nach China im Jahr 1931 erzählen, wo der Brief auch nur 11 Tage unterwegs war. Andere Storys weiß Schulz über die „Katapultbriefe“. In Katapultschiffen der Lufthansa wurden Briefe im südatlantischem Postverkehr vor dem Zweiten Weltkrieg befördert.

Ob die Beförderung mit der Rohrpost geschah, die natürlich auch zusätzliches Porto gekostet hat, der Transport im Zeppelin erfolgte oder andere Vorkommnisse passierten: Jeder Schritt in der Beförderung wurde mit Stempelaufdruck oder anderen Hinweisen genau dokumentiert und kann daher noch heute dem Experten viele Geschichten erzählen.

Die Crash-Post und der Cholerabrief

So ist die gerettete „Crash-Post“, zum Beispiel nach Flugzeugabstürzen, für den Sammler besonders interessant. Teilweise angekokelte Briefe zeugen von Tragödien und Geschichten, die hinter den Papierresten stehen.

Spannend ist auch der Cholerabrief aus dem Jahr 1831, der sich im Besitz des Mariendorfer Sammlers befindet. Dieser Brief wurde geräuchert, was man heute wiederum noch am Zangenabdruck erkennen kann. Für Uli Schulz ist auch ein Brief vom 31. August 1939 symbolisch, weil er einen Tag vor dem Beginn des 2. Weltkrieges von einer abgestürzten Ju 52 befördert wurde. Uli Schulz erzählt und erzählt und man kann stundenlang wie gebannt seinen Geschichten zuhören.

Über seine Sammelschwerpunkte hat er schon Bücher geschrieben, viele Vereine und Institutionen mit Veröffentlichungen und Vorträgen unterstützt und sich mit Erfolg an nationalen und internationalen Wettbewerben beteiligt. Mit Stolz präsentiert er seine bisherigen Auszeichnungen in der Vitrine im Arbeitszimmer.

Mit der Sammlung unterwegs bei Ausstellungen

Für Ausstellungen hat Uli Schulz einzelne Blätter zusammengestellt und Dokumente kombiniert, die eine besondere Geschichte erzählen und Geschichte in einem ganz neuen lebendigen Kontext erscheinen lassen. Der Mariendorfer hilft immer wieder gerne, wenn seine Fachkompetenz und seine Schätze gefragt sind. Sein Hobby ist nicht ganz billig. So sind 50 Euro für eine Karte schnell ausgegeben. Über Geld spricht Uli Schulz nicht so gerne, weil es ihm um die Sache geht. Aber erst kürzlich hat er eine Lücke in seiner Sammlung schließen können und hat dafür einige Tausend Euro für einen einzelnen Brief bezahlen müssen. Besonders stolz ist der Postgeschichtler auf seine lückenlose Sammlung historischer Telegram-Schmuckblätter von 1928 bis 1941.

Neue Sammelstücke bekommt er oft nur per Zufall, bei Auktionen, mit Hilfe der Internetsuche und, mittlerweile ganz selten, auf Flohmärkten. Oftmals gibt es nur noch wenige Exemplare. Es ist eine mühsame Sisyphos-Arbeit eine Lücke in der Sammlung zu schließen und manchmal hilft nur der Zufall.

Mit dem Sammler-Verein „Berliner Bär“ im Tempelhofer Hafen

Die Ausstellung zum 65. Geburtstag des Briefmarkensammlervereins Berliner Bär e. V. im Tempelhofer Hafen Anfang November 2012 hat der Sammler mit einigen Exponaten gerne unterstützt, obwohl er hier kein Mitglied ist.


Der Vorsitzende vom „Berliner Bär“, Franz-Josef Pütz (Foto: rechts neben U. Schulz), freut sich immer, wenn Uli Schulz sich beteiligt: „Wir halten immer ganz engen Kontakt.“ So konnte Schulz bei dieser gut besuchten Ausstellung auch wieder alte und neue Kontakte knüpfen.


Für die aktuelle Festschrift des Vereins hat Hans-Ulrich Schulz einen Text mit vielen Bildern und Dokumenten zum Thema „80 Jahr Post in der Mariendorfer Königstraße – vom Postamt zum Postbank-Finanzcenter (1932 bis 2012)“ beigesteuert.




Die Besucher hören Uli Schulz gebannt zu, wie er im Einkaufszentrum am Tempelhofer Hafen, vor den Geschäften, von seinen Exponaten berichtet. „Der kann spannend erzählen,“ war die begeisterte Anmerkung einer jüngeren Frau. „Mit dem Nachwuchs ist es in der Philatelie so eine Sache“ erzählt Schulz. Jüngere Leute kann man heute nicht für Briefmarken gewinnen: „Erst wenn die Menschen so um die Fünfzig sind, fangen sie an sich näher für die Heimatgeschichte zu interessieren.“ In der Jugend von Schulz konnte man noch gelegentlich mit seiner Briefmarkensammlung die Freundin beeindrucken. So hat Hans-Ulrich Schulz auch ein klein wenig seine Frau Romy mit der Sammelleidenschaft angesteckt. Sie hat bei der Ausstellung im Hafen auch eine eigene Vitrine zum Thema „Vom Schamanentanz zur Rumba“ mit Briefmarken zusammengestellt.

Historische Kalender für das Jahr 2013 und kein bisschen Langeweile!

Für das Jahr 2013 hat Hans-Ulrich Schulz wieder zwei schöne Kalender mit historischen Postkarten rausgebracht. In einem Kalender hat sich der Sammler „Tempelhof und seine Vororte in alten Ansichten“ vorgenommen und der zweite Kalender hat den Titel „Gruß aus den Lüften - Berliner Luftfahrt in alten Ansichten“ bekommen. Diese drucktechnisch hochwertigen Kalender waren für jeweils nur 12 Euro in Tempelhofer Buchhandlungen und im Fliegerladen am ehemaligen Flughafen Tempelhof erhältlich. (Direktkontakt zum Morgana-Verlag www.berliner-kiez-kalender.de ).Mittlerweile gibt es schon viele Kalender-Fans, die Hans-Ulrich Schulz wohl auch im nächsten Jahr nicht enttäuschen wird.

Hans-Ulrich Schulz hat sich noch viele Projekte vorgenommen und ist der vollen Überzeugung, dass es sich auch später als Rentner nicht langweilen wird. Wir sind uns da auch ganz sicher! Uli Schulz wird noch viele Spuren in der Tempelhofer und Mariendorfer Geschichte hinterlassen!

Thomas Moser (auch alle Fotos)
Hier noch Fotos von der Ausstellung: