Auch in diesem Jahr war die Marienfelder Gustav-Heinemann-Oberschule wieder ein Eldorado für Eisenbahnfans. So waren wieder 30 alte Bahnen verschiedener Marken und Baugrößen aus der Zeit zwischen 1910 und 1960 zu bestaunen. Sammler und Freunde von historischen Modelleisenbahnen kamen voll auf ihre Kosten.

Aber auch an die kleinen Besucher, die mit den besonders großen Augen, wurde wieder gedacht. Da ist an erster Stelle die Modellbahnanlage der Gustav-Heinemann-Oberschule zu erwähnen, die im Foyer besonders die Kinder in den Bann zog. Die Anlage der Modellbahn-AG der Schule wird als Pendant zu den alten Raritäten präsentiert. An dieser Anlage wurde und wird seit rund 30 Jahren an verschiedenen Teilabschnitten der Berliner Stadtbahn gebaut. S-Bahnen und Fernzüge drehen hier ihre Runden. Diesmal wird nicht der bekannte Bahnhof Zoo im Mittelpunkt der Schulanlage stehen, sondern der neu gebaute Bahnhof Alexanderplatz.



Und dann geht es zum historischen Teil der Ausstellung. Die meisten dieser Bahnen waren im Fahrbetrieb zusammen mit dem historischen Zubehör zu bewundern. Es wurden jedoch auch Vitrinen für bestimmte Themen und Sammelgebiete präsentiert. Die teilweise sehr seltenen Bahnen und Exponate wurden von Sammlern aus dem In- und Ausland nach Berlin gebracht. Aus den Niederlanden, aus Großbritannien, aus der Schweiz und aus anderen Ländern sind die Aussteller, die selbst alle Fans von diesen kleinen Wunderwerken sind, nach Berlin-Marienfelde angereist.

Als erstes verweilen wir vor der TRIX-Vitrine mit einigen ganz besonderen Raritäten aus dem Jahr 1936. Der Veranstalter zeigt Loks, Anhänger und Zinnfiguren, die hier ihren Ehrenplatz gefunden haben. Besonders prächtig gefällt uns der Postwaggon. Gleich daneben wird die TRIX EXPRESS Bakelitbahn mit Zügen von 1936 auf einer Anlage der Veranstalter präsentiert. Da sind selbst bespielte Loks noch echte Wertgegenstände. Der Organisator und Veranstalter Dieter Weißbach zeigt gerne und mit Stolz diese noch fahrenden Wunderwerke der Spielzeugkunst.



In diesem Jahr wurde an die Glanzzeit der großen Bahnhöfe erinnert, die im Fertigungsprogramm der Modellbahnhersteller nachgebaut wurden. Auf vielen Schauanlagen waren die Bahnhofshallen zu sehen.


Ganz aktuell wurde der sogenannte Brexit, der Ausstieg der Britten aus der EU, aufgegriffen. Es wurden typische Bahnhofshallen aus Großbritannien, Frankreich und Deutschland vorgestellt. Die europäische Verbindung über die Eisenbahn ist dem Veranstalter wichtig. Der Austritt der Britten aus der EU wird von den britischen Teilnehmern voller Sorge betrachtet. So heißt dann auch die Anlage folgerichtig: „TRIX gegen BREXIT“, denn TRIX-Bahnen bleiben nicht an Grenzen stehen.

Die Veranstalter zeigen nicht nur die Modelleisenbahnen, sondern bereiten immer wieder andere historische Zusammenhänge auf. Das ganz wird anschaulich fürs Auge gemacht und Informationstafeln erläutern die geschichtlichen Zusammenhänge.

Unter dem Thema „Rückblick auf das Jahr 1976 – 40 Jahre Verbesserungen für die Berliner Transitzüge“ wurden vier typische Interzone und Transitzüge am Bahnhof Zoo vorgestellt.


Bis 1956 gab es noch die dritte Wagenklasse. Um 1965 konnten die rekonstruierten Hochleistungsdampflokomotiven der BR 01.5 die schweren Zugleistungen im Transitverkehr bewältigen. Danach (um 1970) traten die neugebauten Diesellokomotiven der BR V 180 aus DDR-Produktion zusätzlich verstärkt in Erscheinung, bevor ab 1980 die importierten sowjetischen Großdiesellokomotiven den Transitverkehr dominierten. Heute ist es nicht mehr vorstellbar, dass die D-Züge damals in Halle, Leipzig oder Erfurt nicht hielten und für DDR-Bürger ein Tabu waren. Diese Transitzüge wurden nach dem Mauerbau 1961 eingeführt und fuhren schwer bewacht durch das Gebiet der damaligen DDR, um Flucht­versuche von DDR-Bürgern zu verhindern. Auch die Reisenden dieser Züge wurden genauestens in den Kontrollbahnhöfen überprüft.


Ein besonderes Thema ist auch der Rückblick auf 100 Jahre LEUNA-Werke. Modelle der LEUNA-Tankwagen fuhren in den 1930er Jahren auf den meisten Tischbahnen. Aber die Hintergründe der LEUNA-Werke sind auch ein dunkler Teil der deutschen Geschichte, der in der Marienfelder Ausstellung beleuchtet wird. Dazu heißt es auf den Informationstafeln: „Deutsche Forscher waren viele Jahre führend in der Entwicklung neuer Syntheseverfahren, um aus heimischen Rohstoffen Kunstdünger, Methanol und Benzin herstellen zu können. Mit den neuen Produktionsverfahren versprach man sich in Zeiten der Not wirtschaftlichen Aufschwung und Unabhängigkeit von Importen. Tatsächlich aber wurden die Produktionskapazitäten für synthetisches Benzin und synthetischen Stickstoff durch das Hitlerregime aus militärstrategischen Gründen massiv ausgebaut. Das Synthesebenzin war der wichtigste Treibstoff von Wehrmacht und Luftwaffe. Die künstlich gewonnene Salpetersäure wurde zu Sprengstoff weiterverarbeitet, um Munition herstellen zu können.“ Der stilisierter Nachbau des LEUNA-Werkes innerhalb einer TRIX EXPRESS Tischbahnanlage soll an diese historischen Zusammenhänge erinnern, die kaum noch im öffentlichen Bewusstsein sind.

Die TRIX EXPRESS-Bahn ist eine Erfolgsgeschichte der Modellbahnen. Auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1935 wurde sie erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit TRIX EXPRESS begann der Einzug der Modellbahnen in die Wohnzimmer weiter Teile der Bevölkerung.


Ein weiteres Schmackerl ist immer wieder die Moskabel Pionerskaya-Bahn von 1950. Sie gehört zu den besonderen kaum bekannten Raritäten der Ausstellung. Diese sowjetrussische Pionerskaya-Bahn, wird bei Sammlern oft auch als „Stalin-Bahn“ bezeichnet. Diese Spur 0 Bahn wurde um 1950 auf der Grundlage amerikanischer und deutscher Tinplate-Bahnen entwickelt und bis 1960 zur Vorführung in sowjetischen Pionierhäusern und anderen staatlichen Einrichtungen gebaut, um Nachwuchs für die sowjetischen Eisenbahnen zu gewinnen. Bei der aktuellen Ausstellung konnte die Pionerskaya-Bahn deutlich erweitert werden.






So könnte man ohne Ende über die Ausstellung ins Schwärmen kommen. Ob BUB Tischbahnen (1925-1935), Zinnfiguren für Modellbahnen, die YPSILON Holz-Bahn der Spur 1 (1920-1927) die SCHUKO Werksanlagen mit Disneyland Monorail (1962 und 1967), die BILLER-Bahn (1950-1965) und natürlich auch Bahnen von Piko, Fleischmann oder Märklin, alles historische Zeugen im Spielzeugformat.

Das Straßenbahndiorama der Spur 0 von Joachim Hobuß wurde mit Original-Ansagen der Haltestellen präsentiert.

Bei der Thomas-Modelleisenbahn begegnen wir dem lustig angemalten Reisebus. Hier verweilen die Kinder, die hier auch selbst mitspielen dürfen.



Die für uns schönste Anlage war dann die internationale Tinplate-Bahn der Spur 0 mit Zügen von Bing, Märklin, Jep und Lionel sowie Zubehör von Kibri. Eine besonders prächtige Anlage von Daniel und von weiteren Sammlerfreunden.!


Aber manchmal weiß man dann doch nicht, von welcher Firma ein Modell hergestellt wurde (siehe unser Beispielsfoto). Was jedoch die Veranstalter genau wissen: Am 28. und 29. Oktober 2017 wird in Marienfelde die nächste Ausstellung mit neuen Überraschungen zu bestaunen sein. Wir freuen uns darauf!

Thomas Moser (auch alle Fotos)

Internetseite der TRIX EXPRESS Freunde Berlin: https://trixstadt.de

Direktlink zur Ausstellungsseite: https://trixstadt.de/trixstadt-terminkalender/historische-modellbahnausstellung-berlin-oktober-2016/