Berliner Traditionsunternehmen von Lichtenrade nach Britz umgesiedelt


Lesezirkel, was ist denn das? Das sind doch die Zeitschriften, die oft beim Arzt oder Friseur ausliegen. Hier sind gerade die Hefte sehr beliebt, die man sonst nicht ließt. Klatsch und Tratsch aus den Könighäusern Europas und dann noch schnell ein Kreuzworträtsel lösen. Da wird das Warten fast zum Vergnügen! Genau diese Vorstellungen von Lesezirkel hört die Chefin Ute Weißgerber-Knop (51) immer wieder: „Wie haben jedoch eine Vielfalt von über 150 Magazinen und Zeitschriften und wir freuen uns auch über die vielen Privatkunden.

Seniorenchefin Helga Weißgerber, Seniorchef Lothar Weißgeber und Inhaberin Ute Weißgerber-Knop

Die Geschäftsidee ist einfach, aber zeitlos genial. Der Lesezirkel vermietet mehrfach Zeitschriften und Magazine. Die Kunden entscheiden, ob sie aktuelle oder auch schon etwas ältere Zeitschriften lesen wollen. Die Zeitschriften werden von den Lesezirkelfahrern wöchentlich geliefert und abgeholt. Damit die Zeitschriften geschont werden, sind sie in einem dickeren Deckel verpackt. Der Deckel dient gleichzeitig als Werbeträger. Durch den Umlauf der Zeitschriften, die regelhaft bis zur vierten Woche nach Erscheinen Woche für Woche vermietet werden, kann der Kunde bis zu 50 Prozent einsparen. Wichtig ist für die Firmenchefin: „Da gibt es keinen Haken für den Kunden. Das Abonnement kann jederzeit verändert oder gekündigt werden.“ Diese Freiheit der Kunden und das Erfüllen der individuellen Wünsche ist für den Seniorchef Lothar Weißgerber (80) das Erfolgsgeheimnis des Unternehmens. Für die Verlage ist der Lesezirkel auch sehr interessant, da die Hefte immer garantiert abgenommen werden.


Weißgerber Lesezirkel ist schon seit 87 Jahren im Geschäft. Weißgerber ist einer von drei in Berlin ansässigen Lesezirkeln und ist als echtes Berliner Familienunternehmen in der Branche bundesweit bekannt. Lothar Weißgerber kann noch davon erzählen, dass es in Berlin über 120 Lesezirkel gab. Als kleiner Junge half der heutige Senior seinem Vater beim Ausliefern. Er fuhr in den Ferien die Hefte noch mit dem Fahrrad aus. Viele Jahre residierte der „Weißgerber Lesezirkel“ in Lichtenrade. Die Räumlichkeiten an der Buckower Chaussee platzen aber aus allen Nähten. So war der Umzug in die Neuköllner Mohriner Allee 30-34 vor einiger Zeit eine logische Folge für das Unternehmen. Im Oktober wurden offiziell die neuen Geschäftsräume in Britz eingeweiht.

Wenn man die Halle vom Lesezirkel auf dem Firmengelände betritt, riecht man die Druckerschwärze. Regal an Regal, gefüllt mit blauen Umschlägen und Stapeln von den unterschiedlichsten Zeitschriften: Stern, Spiegel, Bunte, Geo, Mickey Mouse, PC-Welt und wie sie alle heißen.

Etwas Unruhe ist im Raum zu spüren, wo jetzt gerade um die zehn Personen rumwuseln. Die „Gala“ ist noch nicht da! Es ist 7.30 Uhr. Arbeitsbeginn ist hier um 6 Uhr, einige sind sogar schon vorher da. Die Zeitschrift kommt heute etwas später aus der Druckerei. Die meisten Tourenpakete sind schon fast vollständig zusammengestellt. An vielen Stellen weist ein Fähnchen in den Mappen noch darauf hin, dass an dieser Stelle die „Gala“ nachsortiert werden muss. Auf einmal kommt, kaum merkbar, wieder Bewegung in die Halle. Paletten der fehlenden Zeitschrift werden durch den Wareneingang geschoben und die Zeitschrift kommt nun direkt zu den Heftmaschinen. Hier erhält jedes Heft einen stabilen Umschlag. Heft für Heft wird hier alles, mit fast historischen Maschinen, zusammengetackert. Alles ist ruhig, sehr freundlich, aber hochkonzentriert.

Andre Bever (lks) an der Heftmaschine

An den Heftmaschinen müssen sich die langjährigen Mitarbeiter immer noch konzentrieren, damit kein Unfall passiert. Aber Andre Bever (43) hat immer noch Zeit, um die Kollegen mit einem kleinen Scherz aufzumuntern. Die eine Heftmaschine liebt Bever besonders: „Das ist mein Porsche!“ Aber Andre Bever gibt auch zu, dass er schon manche Nacht vom Tackern an seiner Heftmaschine geträumt hat.

Yvonne Simat hat Alles im Blick
Die Zusammenstellung der verschiedenen Mappen, mit den vielfältigen Zeitschriften in den unterschiedlichsten Wochen erfordert Genauigkeit in der Arbeit. In den Gesichtsausdrücken kann man diese Konzentration förmlich spüren, wenn beispielsweise die Klassikmappe, die Freizeitmappe, die Wissensmappe und auch die Kindermappe zusammengestellt wird. Yvonne Simat (43) kann aber bei dieser Arbeit nichts aus der Ruhe bringen.

Jan Weber-Göhr beim Heften

Beim Weißgerber Lesezirkel ist alles sehr familiär. Da kann man spüren, wie die Mitarbeiter freundlich miteinander umgehen. Das bedeutet aber auch, dass alle ein offenes Auge für notwendige Arbeiten haben. So ist Jan Weber-Göhr (35) mal an der Heftmaschine tätig, dann stellt er seine Mappen zusammen, bevor er mit dem Firmenwagen auf Tour geht und 77 Kunden beliefert. Hat denn schon einmal am Ende der Tour ein Heft gefehlt? Dank der gut organisierten Arbeitsabläufe konnten alle Fahrer bestätigen, dass dies noch nicht passiert ist. Eine Reservemappe haben die Fahrer jedoch immer dabei: „Man weiß ja nie.“

Thorsten Johne, die "Allzweckwaffe" und der "Deckelweltmeister"

Auch Torsten Johne, einer von 40 Beschäftigten, fehlt an dem Auslieferungstag nicht in der Halle, obwohl er sonst für den Kundenservice und die Systemadministration der Computeranlage zuständig ist. Torsten Johne wird von einem Kollegen auch liebevoll der „Deckelweltmeister“ an der Heftmaschine genannt. Johne ist auch dafür da, wenn eine der alten Heftmaschinen kurzfristig ihren Geist aufgibt. Bislang hat er noch alles zum Laufen gebracht. Heute reichten ein paar Tropfen Öl, um die Maschinen in Schwung zu halten. Bei allen Mitarbeitern hat man den Eindruck, dass sie mit Spaß bei der Sache sind und hier gerne arbeiten.

Seniorchef Lothar Weißgeber hilft noch regelmäßig...

Lothar Weißgerber ist stolz auf das Unternehmen und auf seine Familie: „Ohne meine Frau wären wir nicht so weit gekommen.“ Liebevoll tätschelt er die Hand der beherzten Seniorchefin Helga Weißgerber. Ob Seniorchefs und Juniorchefin; die Weißgerbers pflegen und hegen ihre Beschäftigten und wissen ganz genau, was sie an ihren Mitarbeitern haben. Im freundlich gestalteten Frühstücksraum des Unternehmens ist eine gelöste Atmosphäre zu spüren. Hier kann jeder in Ruhe seine Brote essen und einen Kaffee trinken.


Die Inhaberin Ute Weißgerber-Knop bestätigt, dass das Unternehmen langsam, aber stetig wächst. Mit 14 Lieferfahrzeugen werden über 150.000 Zeitschriften ausgeliefert. Eine Filiale hat man sogar in Forst, in der Nähe von Cottbus. Ute Weißgerber-Knop macht es „Spaß auf Kundenwünsche einzugehen“. Hier wird sogar darauf geachtet, dass für Kunden mit älteren Exemplaren auch mal bereits gelöste Rätsel ausgetauscht werden. „Der private Kundenstamm hat heute eher ein etwas höheres Einkommen“ erzählt die Chefin. Besonders bei dieser Kundengruppe hat man erkannt, dass der Lesezirkel Kosten einspart und außerdem sehr bequem ist. Eine Erfolgsgarantie sind die sehr zuverlässigen und freundlichen Ausfahrer. Überhaupt sind im Unternehmen viele Menschen beschäftigt, die schon jahrelang dem Lesezirkel Weißgerber die Treue halten. Weißgerber Lesezirkel hat aber immer etwas von ihrem Erfolg abgegeben. So werden regelmäßig Jugendeinrichtungen und andere soziale Projekte mit Firmenspenden unterstützt.

Thomas Moser – BerLi-Press

http://www.weissgerberlesezirkel.de

Bericht aus der Internetzeitung von Lichtenrade zum 85. jährigen Firmenjubiläum: http://weblog.lichtenrade-berlin.de/archive/2010/02/27/wei-gerber-lesezirkel-wird-85-jahre-jung.htm

Die Chronik vom Weißgerber Lesezirkel: http://www.lichtenrade-berlin.de/weissgerber.html