Eine kleine Nachbetrachtung von Ende 2013...

Wenn man in Berlin an Samba und rhythmisches Trommeln denkt, kommt man an der temperamentvollen Musikgruppe „Terra Brasilis“ aus der ufa-Fabrik nicht vorbei. Rhythmik und Show wird zur Einheit auf der Bühne!

Die „Brasilianische Erde“, wie der Name der Supertrommler übersetzt werden kann, hat ihr 25jähriges Jubiläum mit zwei umjubelten Konzerten und vielen internationalen Gästen gefeiert.

Manfred Spaniol (59) ist, neben Sara, Gabi, Funky und Marco, eines der Urgesteine und künstlerische Triebfeder und die musikalische Leitung der Samba-Gruppe. Manni, wie er überall nur genannt wird, war am 9. Juni 1979 dabei, als das UFA-Gelände von einer Kommune friedlich besetzt wurde. Im bürgerlichen Bezirk Tempelhof hat sich schnell eine alternative und kreative künstlerische Szene entwickelt. Beim ufa-Fabrik Circus, der „Circusschule mit Herz“, war Manni Bandleader und Komponist. Durch den Kontakt zu Brasilien und Percussionsmusik war dann 1988 die Geburtsstunde der Samba-Gruppe „Terra Brasilis“.

Zu Beginn der Trommelkarriere lebten 95 Prozent der Musiker in der ufa-Fabrik. Das hat sich im Laufe der Zeit verändert. Aber Manni und zwei andere Bandmitglieder leben nach wie vor im ehemaligen Film-Kopierwerk der UFA, wo „Terra Brasilis“ auch noch heute mit seinen Übungsräumen beheimatet ist.

Terra Brasils bei "30 Jahre ufa-Fabrik"
Das Besondere an „Terra Brasilis“ sind die überwiegend eigenen Kompositionen, die mit verschiedenen kulturellen Elementen und mit brasilianischen Percussiongrooves verknüpft werden. Die Gruppe selbst beschreibt es so: „Das Repertoire beinhaltet ausgefeilte Percussionarrangements bis hin zum donnernden Trommelgewitter unterstützt von Gitarre, Keyboard und Saxophon.“

In den Anfängen haben die Trommler möglichst genau Musik nachgespielt. Das hat sich jedoch schnell verändert. So pflegt „Terra Brasilis“ bis heute mit viel Erfolg ihren eignen brasilianischen ufa-Fabrik-Stil. Die Genauigkeit im Spiel, das hohe Niveau und der „Spirit“ der Band begleiten „Terra Brasilis“ von Anfang an. Ein wichtiges Erfolgsrezept war immer, dass sehr intensiv geprobt wurde. Manni beschreibt, dass man diszipliniert proben muss: „Bei den Proben ist es wichtig, nicht allzu sehr die ´Sau` rauszulassen.“ Auf der Bühne könne man dann die Musik „laufen lassen“. Nach den Auftritten ist Manni zwar „körperlich platt“, es stellen sich dann jedoch auch glückliche und befriedigende Gefühle ein.

Zu den wichtigsten Auftritten in den Anfängen gehörte 1989, noch vor dem Fall der Mauer, ein Konzert auf dem Roten Platz in Moskau. Damit war „Terra Brasilis“ die erste westliche Gruppe, die live auf dem Platz vor dem Kreml spielen durfte. 1994 stellte „Terra Brasilis“ beim Sambafestival in Coburg ihr eigenständiges authentisches Repertoire vor und wurde zur besten deutschen Sambaband gewählt. Ein wichtiger Meilenstein war erreicht.

Neben zahlreichen Inlandskonzerten spielte „Terra Brasilis“ in Korea, Japan, Hongkong, Italien, La Palma, Belgien, Luxemburg und beispielsweise Schottland.


„Terra Brasilis“ taucht bei vielen Veranstaltungen auf und bereichert mit der mitreißenden Musik. Beim „Karneval der Kulturen“, bei der „Love Parade“ oder beim Wolkenkratzer-Festival in Frankfurt: „Terra Brasilis“ mischt an vielen Stellen mit!

Die 16köpfige Gruppe bildet die Stammmannschaft. Aus der Juniorband „Tebras“ erwächst der Nachwuchs für die Meister-Trommler der Kerngruppe.

„Terra Brasilis“ wäre aber auch nicht „Terra Brasilis“, wenn sie sich nur in ihrem eigenen Erfolg sonnen würden. „Terra Brasilis“ ist immer offen für Kontakt zu internationalen Musikern und Künstlern und so entstehen spannende Begegnungen mit anderen Kulturen und Musikrichtungen. Seit 2007 gibt es mit Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Kambodscha, Brasilien, Frankreich, Tansania und Berlin eine intensive Projektarbeit mit vielen persönlichen Kontakten. Die Begegnungen finden in Berlin in der ufaFabrik und vor Ort in den Partnerprojekten statt. Manni Spaniol erzählt von spannenden musikalischen Kontakten mit den Tambas aus Lyon, einer Percussionsband mit Menschen mit geistigen Handicaps.

Manni, der wie Juppy aus Trier kommt, freut sich immer wieder über die vielen unterschiedlichen Kontakte. Am Anfang fragte sich Manni, was er den Afrikanern noch über das Trommeln beibringen soll: „Das Trommeln haben diese Menschen im Blut.“ Ein wichtiger Punkt bei den Kontakten ist das Ensemblespiel. Und damit hat die ufa-Fabrik-Gruppe dann doch schon lange Erfahrungen und kann dies gut weitergeben.

„Terra Brasilis“ hat schon verschiedene CDs rausgebracht. Wenn man „Terra Brasilis“ wirklich erleben und den musikalischen Funken spüren will, geht man am Besten zum nächsten Konzert. Es kommt bestimmt: Samba, made in Berlin!


„Terra Brasilis“ und Manni wollen jedenfalls weitermachen! Herzlichen Glückwunsch für 25 Jahre Trommelfeuer.

Thomas Moser

Auch wer an Trommelangeboten und Samba-Reggae-Kursen teilnehmen will, schaut auf die Website: http://www.terrabrasilis.de
Der Kurz-Bericht zum Jubiläumskonzert: http://weblog.thomasmoser-berlin.de/archive/2013/11/17/25-jahre--trommeln-mit-terra-brasilis.htm
Lichtenrader Magazin Feb/2014
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