Dr. Hans Kollwitz

Dr. Hans Kollwitz, Sohn von Käthe Kollwitz, wohnte in Lichtenrade.

Der Mediziner Dr. Hans Kollwitz (1892-1971), ältester Sohn von Käthe Kollwitz, trat in die Gesundheitsverwaltung ein, wurde 1928 Schularzt und nach 1945 stellvertretender Amtsarzt in Berlin-Tempelhof. Er ließ sich nach dem Zweiten Weltkrieg vorzeitig pensionieren und stellte nun seine gesamte Freizeit in den Dienst, am Werk seiner Mutter zu arbeiten. Er veröffentlichte erstmals ihre Tagebücher und Briefe in Auswahlbänden, unterstützte Ausstellungen und gab einen Band mit Fotografien ihrer Plastiken heraus.
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Dr. Hans Kollwitz, in den 1930er Jahren, Fotograf unbek., Käthe Kollwitz Museum Köln, Schenkung Jutta Bohnke-Kollwitz © Erbengemeinschaft Kollwitz

1920 heiratete er Otthilie Ehlers (1900-1963), die wie seine Mutter ebenfalls Grafikerin war. Sie illustrierte unter anderem auch Kinderbücher und fertigte Holzschnitte und Holzstiche von überwiegend ostpreußischen Landschaften an.

Trotz eines eher melancholischen und nach innen gekehrten Naturells verstand sie es, in ihrer Lehrtätigkeit an verschiedenen Berliner Volkshochschulen, lebendige Kontakte zu ihren Schülern zu knüpfen und diese nachhaltig zu beeindrucken und zu beeinflussen.

Zusammen bekamen sie 1921 Sohn Peter, 1923 zwei Töchter Jutta und Jordis und 1930 Sohn Arne.

Der Sohn Peter fiel 1942 im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront in Russland mit 21 Jahren.

Er war im Gedenken an den jüngeren Bruder des Vaters benannt worden, der im Ersten Weltkrieg 1914 an der Front bei Esen in Belgien mit 18 Jahren fiel.

Professor Dr. Arne Kollwitz war Urologe und viele Jahre Medizinischer Direktor des Francikus-Krankenhauses in Berlin-Charlottenburg.

Dr. Hans Kollwitz wohnte mit seiner Familie seit 1922 in der Abendrot-Siedlung1 in dem Reihenhaus, Waldweg 29 /Ecke Grenzweg. 1939 kaufte er das Nachbarhaus mit Grundstück Nummer 302 dazu. Im Dachgeschoss richtete sich Otthilie Ehlers-Kollwitz ihr Atelier ein. Das Erdgeschoß wurde vermietet.

Der Luftangriff auf Berlin am 3. Dezember 1943 hatte besonders Lichtenrade getroffen.

Das Haus der Familie Kollwitz wurde stark beschädigt und war danach nicht mehr bewohnbar. Die Familie fand im Abendrotweg eine Unterkunft3.

Fehlendes Baumaterial in den ersten Nachkriegsjahren erschwerte den Wiederaufbau des Hauses Waldweg 29. Mit viel Eigeninitiative gelang es das Haus mit einem Flachdach wieder bewohnbar zu machen. Die Enge des Hauses sorgte schon bald für den Wiederaufbau des alten Dachstuhls, der der Familie Kollwitz mehr Wohnraum brachte.
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Waldweg 29/30 in den Nachkriegsjahren Das Haus Nr. 29 mit Notdach. Blickrichtung: > auf den Grenzweg
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Franziusweg 42/44/46/48 Ende der 50er Jahre Der Gehweg naturbelassen und der Fahrweg gepflastert. Blickrichtung: vom Grenzweg >

Der Waldweg verlief von der Maffeistraße bis zum Grenzweg und wurde 1949 in den Franziusweg einbezogen, so dass der gesamte Franziusweg neu nummeriert werden musste.

Otthilie Ehlers-Kollwitz starb 1963 im Alter von 63 Jahren in Lichtenrade.

Dr. Hans Kollwitz starb 1971 in Dahlem, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte.

Das Ehepaar fand seine letzte Ruhe auf dem Heidefriedhof in Mariendorf; Grabstätte im Feld A VI.

Heute stehen die Kinder von Dr. Hans Kollwitz der „Erbengemeinschaft Käthe und Hans Kollwitz“ vor.

Dietrich Seidlitz / Januar 2014

Herrn Professor Dr. Arne Kollwitz danke ich sehr für die freundliche und aufgeschlossene Beantwortung meiner Fragen ebenso für die Zurverfügungstellung der Fotografien.

1 Die Abendrot-Siedlung ist eine Kleinhaussiedlung mit Gartenstadtcharakter, die in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg entstand. Sie wurde nach den Zielen des neuen Wohnungsbaus errichtet: wenig Aufwand, geringe Kosten, gesunder Wohnraum und für breitere Bevölkerungsgruppen vorgesehen.

Frisches Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten und die Kleintierhaltung bereicherte den Speisezettel der Familie und zudem noch preiswert.

In dem Buch LICHTENRADE – „Ein Dorf in Berlin von Wilfried Postier, herausgegeben vom Verlag Lichtenrader Bücherstube Klaus Schlotmann, 1983“ ist auf der Seite 52 die Postkartenansicht „Siedlung Berlin-Lichtenrade“ mit dem Bilduntertitel „In der Künstlersiedlung am Franziusweg wohnten Künstler und Schriftsteller wie Otthilie Ehlers-Kollwitz und Paul Fechter“ zu finden.

Eine Gedenktafel am Haus Franziusweg 48 (vorm. Waldweg 32) erinnert an Paul Otto Heinrich Fechter (1880-1958), den Journalisten, Schriftsteller und Literaturhistoriker, der von 1921 bis 1958 in Lichtenrade lebte.

Die Abendrot-Siedlung wird begrenzt durch den Grenzweg, den Friedensweg, die Maffeistraße und den Wirtschaftsweg, der hinter den Grundstücken Franziusweg (bis 1949 Waldweg) verläuft.

2 In den Berliner Adressbüchern von 1920-1943 der Zentralen Landesbibliothek Berlin ist der Arzt Dr. Hans Kollwitz als Eigentümer des Hauses Waldweg 29 eingetragen. Als Eigentümer des Hauses Waldweg 30 ist er es 1930/31, danach wechseln die Eigentümer. Zuletzt gehörte es der Witwe K. Geier. Ab 1939 ist Dr. Hans Kollwitz wieder als Eigentümer zu finden.

3 Zwangseinquartierung war in den Kriegs- und Nachkriegsjahren eine amtliche Anweisung um tausende von Menschen vor der drohenden Obdachlosigkeit zu bewahren. Jeder Haushalt hatte ohne Wenn und Aber, je nach Größe des bewohnbaren Hauses oder der zur Verfügung stehenden Wohnung, eine oder mehrere Personen aufzunehmen.

Viele verloren durch die Luftangriffe der Alleierten ihr Zuhause, andere durch Flucht und Vertreibung.

Da hieß, man musste zusammenrücken. Oft mussten ein Erwachsener und ein Kind in einem Bett schlafen.

Quellen: www.zlb.de/besondere-angebote/berliner-adressbuecher.html

www.berliner.de/ba-tempelhof-schoeneberg/ … /abendrotsiedlung-start.html

www.kultur.de/museum/kaethe-kollwitz-museum/ottilie-ehlers-kollwitz-zeichnen

www.google.de/bilder-von-hans-kollwitz

www.berlin.friedpark.de/such/gedenkstaette.php?gdst_id=2350

und eigene Recherchen

Vielen Dank an Dietrich Seidlitz!