Und wieder hat Roncalli sein weihnachtliches Zelt im Berliner Tempodrom aufgeschlagen. Dem Original Roncalli Weihnachtscircus liegt eine langjährige und enge Kooperation von Roncalli mit Semmel Concerts zugrunde. In diesem Jahr ist die weihnachtliche Atmosphäre zu einhundert Prozent gelungen und jede Faser schmeckt und riecht nach Roncalli.
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Die Zuschauer begeistert es, wenn die Show als Gesamtkunstwerk mit viel Liebe und Leidenschaft einhergeht. Im letzten Jahr waren einige kritische Punkte zur Atmosphäre anzumerken, die jetzt in keinster Weise mehr vorhanden waren. Gratulation an die Künstlerinnen und Künstler und besonders an den Impresario und Gründer Bernhard Paul, der seit über 40 Jahren die wahre Circus-Tradition aufrechterhält. Die Poesie, die künstlerische Perfektion, die besonderen Attraktionen und den Mut zu viel Clownerie machen Roncalli und auch den Weihnachtscircus aus. Natürlich war alles wie in den Vorjahren perfekt weihnachtlich geschmückt, aber diesmal durfte es auch im Programm weihnachtlich werden. Und dies gelang in einer modernen perfekt umgesetzten Art und Weise. Die hervorragende Lichttechnik bot den einmaligen Rahmen für die weihnachtliche Circus-Show. Die Circus-Band, das Roncalli Royal Orchestra unter der Leitung von Georg Pommer, sorgte für eine gelungene musikalische Untermalung. Ob romantischen oder rockigen Sound, es wurde der perfekte Ton zum perfekten Programm geliefert.

Es hört sich nicht nur perfekt an, es war alles grandios und kann nur als Familienvergnügen zu Weihnachten empfohlen werden. Wer im letzten Jahr, wie der Autor dieses Berichtes, etwas enttäuscht gewesen sein sollte, kommt in diesem Jahr wieder voll auf seine Kosten. Denn dort wo Roncalli draufsteht, ist auch Roncalli drin. Die außergewöhnliche Einrad-Jonglage von White Night überzeugte genauso wie Acrobatik & Chinese Pole an den Masten vom Circustheater Bingo, die spielerisch die Stangen bewältigten. Für Begeisterung sorgte auch das Duo Pykhov beim Seiltanz. An der wackligen Wippe wurden die Schrägen spielerisch überwunden.




Die schwankenden Masten mit Sway Pole wurden märchenhaft in Szene gesetzt und die quirligen kanadischen Trampolinakrobaten Catwall Trampo zeigten dem Publikum, wie man gefühlvoll und mit anspruchsvollster sportlicher Akrobatik begeistern kann.

Mit Swing und viel Pepp und Power war diese Nummer eine der großen Höhepunkte der bunten Veranstaltung. Auch kleine Kinder kamen aus dem Staunen nicht mehr raus und bezeugten dies mit unentwegten Cool-Rufen.

Der Roncalli „Nachwuchs“ gab sich ebenfalls die Ehre. Die Töchter Vivi und Lili Paul sorgten mit dem Luftring und der Kontorsionsnummer für besonders viel künstlerisches Gefühl.

Das Roncalli modern und trotz Romantik kein bisschen verstaubt ist, unterstrich in diesem Jahr der freche und sehr charmante Beatbox-Akrobat und Comedian Robert Wicke, der das Publikum spielerisch mit einbezog und mit Klamauk-Zaubern und Jonglage begeisterte. Schleuderbrett und Seifenblasen-Illusionen sorgten neben der letztmalig gezeigten sehr natürlichen Pferdenummer für den nötigen Stallgeruch im Circus-Rund. Die sehr ausgiebigen und abgestimmten Clownerien waren nicht nur für die Kinder der absolute Höhepunkt. Der akrobatische Clown Anatoli Akermann, der Weißclown Gensi oder der Clown Eddy Neumann, alle beherrschen das humorvolle Clown-Handwerk auf eine ganz besondere Art und Weise. Damit unterstreicht der in diesem Jahr 70 Jahre alt gewordene Bernhard Paul seine ganz besondere Liebe zum Circus, der trotz Perfektion auch gut ohne Raubtiere und halsbrecherischen Nummern auskommen kann. Meine Hochachtung vor einem solchen Programm, was ich ohne wenn und aber empfehle.

Zur Premiere gaben sich wieder viele bekannte Gäste aus Kunst und Kultur die Ehre.

Neben dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller und seiner Frau (Foto mit Bernhard Paul), für die es sichtlich kein unerwünschter Pflichttermin war, war auch wieder der Schauspieler Ben Becker dabei. Sichtlich angetan vom Programm zeigte er seine aufrichtige Hochachtung vor den Leistungen der Künstlerinnen und Künstlern.

Ein wundervoller Weihnachtsauftakt, der noch bis zum 2. Januar 2018 genossen werden kann.

Thomas Moser (auch Fotos)

14. Original RONCALLI Weihnachtscircus

16.12.2017 – 02.01.2018 Tempodrom Premiere; Samstag, 16.12.2017 um 19:00 Uhr

Tickets unter: 030 / 479 974 77 oder 01806 / 57 00 99 *0,20 EUR/Anruf – Mobilfunkpreise max. 0,60 EUR/Anruf Online: www.semmel.de sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen



 

Herzlichen Glückwunsch den Teilnehmerinnen und Teilnehmern! Herzlichen Glückwunsch, lieber Johannes! Fotos: Thomas Moser
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Marius Müller-Westernhagen, was für ein Mann... Der Düsseldorfer ist mit 68 Jahren noch immer ein echter Rock-Musiker. Davon konnten sich die Zuschauer am 5. September 2017 bei seinem MTV unplugged Konzert selbst überzeugen.
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Promo-Foto: Daniela Midenge
Bei besten Wetter schlenderten die Westernhagen-Fans zur Berliner Waldbühne, die allein schon wegen ihrer einmaligen Atmosphäre immer einen Besuch wert ist. Zu diesem Konzert wurden die Bäume im Eingangsbereich durch blaue und grüne Licht-Installationen in Szene gesetzt und machten so bereits beim Einlass Lust auf einen stimmungsvollen Abend.

Ein unplugged Konzert ist immer etwas Besonderes, denn hier kann man die bereits bekannten Songs nochmal völlig neu erleben. Wie Westernhagen seine Stücke neu interpretiert hat, ist einfach Klasse. Unplugged bedeutet im musikalischen Sinne so viel wie unverstärkt, was natürlich bei einer Location wie der Waldbühne nicht gänzlich funktioniert Lautsprecher gab es natürlich schon...dennoch wurde auf e-Gitarren, Keyboards, E-Bass usw. verzichtet.

Das Konzert startet und Marius betritt die Bühne in einer zum Sound passenden Westernjacke. Die ersten Lieder werden nur mit Gitarre begleitet, später kam dann die gesamte Band mit Klavier, Streichern, Schlagzeug, Percussion und vier grandiosen Backgroundsängern dazu.

Bereits bei den ersten härteren Tönen hält es kaum einen der 18.000 Fans auf den Stühlen. Es wird zu Liedern wie "Sexy", "Es geht mir gut" und "Wieder da" mitgesungen, getanzt und geklatscht.
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Als Special Guest hat Westernhagen seine vor zwei Monaten geheiratete Frau mitgebracht, die bei zwei Liedern eine tolle Gesangsstimme beweist. Selbst seine Tochter bindet er bei dem Lied "Ich lebe" mit ein. Das familiäre Gefühl, was auch zwischen dem Künstler und der Band rüberkommt, wird so noch verstärkt.

Der Meister selbst beweist sein Multitalent, denn er kann wahrlich nicht nur singen. Er spielt Gitarre, Piano und auch Mundharmonika; und das grandios. Die ganze Band macht auf der Bühne einen sehr souveränen Eindruck, besonders gut kam auch der Saxophon-Part beim "Alphatier" an.

Der ganze Abend war voller Rock, Funk und Soul. Als beim Abschluss "Freiheit" gespielt wurde, merkte man auch Westernhagen an, dass dieser Abend für ihn etwas ganz Besonderes war. Für die tolle Leistung gab es vom gesamten Publikum am Ende stehenden Applaus.

Vielen Dank für dieses Erlebnis!

Kai Oliver Moser (auch Fotos)


 

Es ist der 1. September 2017 und neben der IFA startete in Berlin noch ein weiteres großes alljährige Event: die Pyronale. Das zweitägige Feuerwerk-World-Championat fand dieses Jahr zum 12. Mal statt. Es hat in den letzten 11 Jahren bereits über 600.000 Menschen begeistern können. Es haben bislang 53 verschiedene Teams aus 36 Ländern teilgenommen. Wenn man so beeindruckende Zahlen liest, sind die Erwartungen natürlich riesig. Vorweg gesagt sei so viel, dass die Hoffnungen auch in diesem Jahr nicht enttäuscht wurden.

Drei Jurys entscheiden den Wettbewerb

Die Pyronale ist in erster Linie ein Wettbewerb. Es vergleichen sich jährlich 6 Teams aus unterschiedlichen Ländern und müssen dabei sowohl eine Fachjury, eine Kreativjury und auch das Publikum überzeugen. Die Fachjury achtet dabei vor allem darauf, wie die fachliche Ausführung ist, also ob die Wertigkeit und die Synchronität der Feuerwerkskörper mit der Musik stimmt. Des Weiteren achten sie darauf, dass verbotene Feuerwerkskörper wie Blitzknalleffekte nicht eingesetzt werden. Die Kreativjury urteilt wie auch das Publikum eher subjektiv nach Gefallen. Die Zuschauer stimmen am Ende eines jedes abends für den Favoriten per Telefon ab. Pro Tag gibt es einen Publikumssieger, die Wertung geht dann zu 30 Prozent in die Gesamtwertung ein. Am Tag Zwei wird Bronze, Silber und Gold vergeben. Diese Titel sind bei den Feuerwerkern Weltweit geachtet.

Feuerwerkserlebnis und die Zaungäste

Bereits die Anreise zu diesem Event ist für die Zuschauer ein Erlebnis für sich. In der Bahn zum Olympiastadion kann man gut ausmachen, wer sich das Spektakel ansehen will. Dabei kann man den Unterschied zwischen Karteninhabern und anderen Schaulustigen sehen, die sich das Feuerwerk als Zaungäste vom Vorplatz des Olympiastadions ansehen wollen. Denn diese haben Stühle, Picknickkörbe und Stative mit, welche auf dem Maifeld nicht erlaubt sind. Wer vor dem Eingang sitzt, verpasst dabei aber einen Großteil des Bodenfeuerwerks und bekommt auch weniger von der Musik mit. Meine Empfehlung ist, sich die Pyronale einmal von drinnen anzusehen und dann zu urteilen, ob der Eintrittspreis sich doch lohnt.
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Auf dem Maifeld kann man sich die Show entweder sitzend auf Decken oder im Stehen anschauen. Am Ende stehen jedoch die meisten Zuschauer, weil das stehende Publikum die freie Sicht einschränkt. Hinter dem Maifeld gibt es jedoch auch Sitzplätze auf Tribünen und eine VIP Tribüne. Hier werden natürlich höhere Eintrittspreise verlangt. Durch die erhöhten Sitzplätze gibt es eine bessere Sicht.

Zwei Tage mit jeder Menge Feuerwerk

Am ersten Tag traten Smart Pyrotechnics Ltd aus England, Pandora Pyrotechnie aus Frankreich und North Star Fireworks AS aus Norwegen zum Feuerwerkswettbewerb an. Am zweiten Tag traten das kroatische Team Mirnovec Pyrotehnika, aus Kanada Firemaster Productions und das Team Martarello Group aus Italien an.

Pro Team erlebt das Publikum 15 Minuten Feuerwerk, welches sich aus zwei Pflichtteilen und einer Kür zusammensetzt. Der erste Pflichtteil ist eine Minute Feuerwerk ohne Musik mit Farbvorgabe, dieses Jahr Weiß/Silber. Im zweiten Teil gibt es 4 Minuten Feuerwerk zu einem neu komponierten instrumentalen Pop-Song von Steve Last mit dem Namen „Pyro Passion“. Die Kür sind 10 Minuten Feuerwerk zu dem Motto „Pyronale Classics“. Dafür gab es eine Auswahl von 73 klassischen Stücken (z.B. von Wagner, Strauß, Vivaldi, Mozart, Beethoven), aus dem sich die Teams dann selbst die 10 Minuten zusammensetzen konnten. Persönlich finde ich es sehr schade, dass es wie auch letztes Jahr die Begrenzung auf klassische Musik gibt. Dieses Vorgehen lässt zwar einen besseren Vergleich der Teams zu, doch es fehlen die großen Emotionen der Pop-Rock-Gesangsstücke aus den ersten 10 Jahren der Pyronale. Diese Songs haben oft verzaubert. Besonders in Erinnerung geblieben sind Songs von ABBA, Queen, Michael Jackson und Metallica.

Die Rahmenbedingungen waren perfekt

Dieses Jahr hat es das Wetter wieder mit der Pyronale gut gemeint, denn außer ein paar Wolken war es fast perfekt; nicht zu warm oder zu kalt und kein Regen. Nur der Wind stand zumindest am ersten Tag ungünstig und drückte den Rauch etwas in Richtung Publikum. Doch die Sicht auf das Feuerwerk war super und das Gesamterlebnis genial. Alle Teams haben ihre Zeit super genutzt und es gab keinerlei Ausfälle. Wirkliche Neuheiten gab es dieses Jahr nicht zu sehen, aber die Mischung aus Bodenfeuerwerk, mittelhohen und hohen Bomben sowie auch wieder Kometenbomben und Gold-/Silberregen war wie jedes Jahr gelungen.


Besonders beeindruckend war die Show der Norweger. Diese sorgte mit großer Klasse für Synchronität und Abwechslung und erntete viele „Ohs" und „Ahs“. Dafür gab es dann den Publikumssieg am ersten Tag und sogar den Gesamtsieg, also die Goldtrophäe. Italiens Team brachte das Publikum am zweiten Tag mit einer atemberaubenden Show von Anfang bis Ende in Verzückung, holte so den Publikumspreis des zweiten Tages und die Silbertrophäe, also den zweiten Platz. Bronze ging an das französische Team, welches auch am ersten Tag zu sehen war. Doch auch die Auftritte der drei anderen Teams hatten es in sich und machten den diesjährigen Besuch wieder unvergesslich.

Am Ende eines jeden abends gab es ein Abschlussfeuerwerk, welches wie jedes Jahr von der Firma Flash Art aus Deutschland geplant und ausgeführt wird. Sie sorgten damit für einen perfekten Abschluss des Abends.

Als Fazit kann man nur sagen, es war wieder genial. Was einem bei der Pyronale geboten wird ist erstklassig. Man kann dieses Spektakel jedem Feuerwerksliebhaber nur ans Herz legen. ich freu mich auf jeden Fall schon jetzt auf die Pyronale im nächsten Jahr. Diese findet am 31. August und am 1. September 2018 statt. Der Vorverkauf ist bereits gestartet.

Kai Oliver Moser (Text und Fotos)

http://www.pyronale.de


 

Daniel Barenboim und Martha Argerich erneut gemeinsam auf der Bühne

13. August 2013
Besonders die Waldbühnenkonzerte mit klassischer Musik begeistern das Berliner Publikum immer wieder. Schon zum siebten Mal in Folge und erneut unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel verzaubert in der Waldbühne das West-Eastern-Divan Orchestra die Gäste. Und was wäre so ein Konzert ohne den Meister mit Taktstock: Daniel Barenboim? Der Dirigent und musikalischer Leiter Barenboim hat erneut die begnadete Pianistin Martha Argerich mitgebracht und gemeinsam ist das Dream-Team nicht mehr zu schlagen. Das war besonders bei einer kleinen Ravel-Zwischeneinlage vor der Pause zu spüren, als vierhändig der Flügel förmlich Flügel bekam. Martha Argerich und Daniel Barenboim sind Freunde aus Kindheitstagen: „Es gibt niemanden, den ich so lange kenne wie Martha. Unsere Beziehung basiert natürlich auf der Musik, jedoch verbindet uns zugleich eine echte, menschliche Liebe“, so beschreibt Barenboim die besondere zwischenmenschliche Verbindung zur argentinischen Pianistin.
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Foto/Archiv: Kai Heimberg
Glücklicherweise hat der eher verregnete Sommer ein kleines regenfreies Zeitfenster für das Konzert eingeplant, sodass die Musik trotz einiger dunkler Wolken trockenen Fußes bei milden Temperaturen genossen werden konnte.
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Gemeinsam „rockten“ alle Musiker die Waldbühne, auch wenn es klassische Töne von Michail Glinka, Dmitri Schostakowitsch und Pjotr Tschaikowsky waren. Circa 15000 Zuschauer waren von der Reise in die russische Musikgeschichte begeistert.

Das außergewöhnliche Orchester spielte mit über 100 Mitwirkenden auf und garantierte einen unvergesslichen Abend. Beim West-Eastern Divan Orchestra sind Nationen musikalisch friedlich vereint, die sich sonst oft kriegerisch gegenüberstehen. Die besondere völkerverbindende Orchesteridee wird von der Bundesregierung gefördert. So genoss Finanzminister Dr. Wolfgang Schäuble sichtlich das Konzert. Vom Berliner Senat ließ es sich ebenfalls Kultursenator Dr. Klaus Lederer nicht nehmen, den wunderbaren Klängen zu folgen.

Russische Musik in der Open-Air Arena

Beschwingt und heiter wurde mit der Ouvertüre zur Oper Ruslan und Ljudmila von Michail Glinka der Abend eröffnet. Dmitri Schostakowitsch sorgte für die Musik des folgenden Konzertes. Neben Martha Argerich am Klavier konnte Bassam Mussad an der Trompete überzeugen. Ursprünglich sollte es nach der Idee des Komponisten nur ein Konzert für Trompete und Orchester werden. Die teils witzigen und neckigen Trompetenparts mit dem dominierenden Klavier brachten den lebhaft-spritzigen Charakter des Stücks gut zur Geltung.

Nach der Pause wurde die berühmte fünfte Symphonie des russischen Komponisten Peter I. Tschaikowsky präsentiert. Ähnlich wie Schostakowitschs Werk durchlief auch dieses Stück eine unerwartete Entwicklung: Obgleich Tschaikowsky nach Fertigstellung seiner Komposition große Selbstzweifel plagten und er sogar Bedenken äußerte, sich „ausgeschrieben“ zu haben, entwickelte sich die Symphonie mit ihrem Schicksalsmotiv als Leitthema schließlich zu einem seiner beliebtesten Werke. Dass die Skepsis des Komponisten keineswegs begründet war, hat die Interpretation des West-Eastern Divan Orchestra eindrucksvoll belegt.

Der Part vor der Pause fiel eher kurz aus. Dafür knauserte Daniel Barenboim und das West-Eastern-Divan Orchestra nach dem zweiten längeren Teil auch nicht mit wunderbaren Zugaben. Die Besucher genossen einen schönen musikalischen Sonntagabend.

Zum West-Eastern-Divan Orchestra
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Foto/Archiv: Kai Heimberg
Von Daniel Barenboim und von dem Literaturwissenschaftler Edward Said 1999 ins Leben gerufen, vereint das West-Eastern Divan Orchestra junge Musiker aus Israel, Palästina, Syrien, Ägypten, dem Iran und anderen Staaten des Nahen Ostens und unterstützt den interkulturellen Dialog durch die Kraft der Musik. 18 Jahre nach Gründung des West-Eastern Divan Orchestra ist die Philosophie von Daniel Barenboim und Edward Said fest in Berlin verankert: mit der Barenboim-Said Akademie, die 2016 ihren Lehrbetrieb aufnahm, sowie durch den im März eröffneten Pierre Boulez Saals – eines Orts der Begegnung, Interdisziplinarität und Kreativität – wird der 1999 geborene Leitgedanke „Bildung durch Musik“ in der Hauptstadt gelebt und weitergetragen. Dass das West-Eastern Divan Orchestra und die damit verbundene Vision nicht mehr aus der Berliner Kulturlandschaft wegzudenken sind, beweist auch das alljährliche Waldbühnenkonzert, das sich inzwischen zum etablierten Sommerkonzerthöhepunkt Berlins entwickelt hat.

Ein grandioser Abend

Ein grandioser musikalischer Abend mit großer Musik, einem großen Orchester, wunderbaren Solisten am Flügel und Trompete, einen charismatischen Dirigenten und eine große Idee.
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Einfach nur ein musikalischer Zauber, der im nächsten Jahr am 19. August 2018 erneut in der Waldbühne erwartet werden kann.

Thomas Moser
Fotos, sofern nicht extra gekennzeichnet, auch Thomas Moser, BerLi-Press


 

Macht Geld wirklich glücklich? Eine der Fragen von Menschen, die davon nicht so viel haben und sich einen Geldsegen vielleicht dann doch mal wünschen würden. Die Londoner Komödie von Ray Cooney wurde von Maria Harpner und Regisseur Anatol Preissler im Schlosspark Theater Berlin in das Berlin der 1970er Jahre versetzt. So wurde aus der Themse der Teltowkanal, das Pfund Sterling zur alten D-Mark und die Londoner Underground zur U-Bahn.
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Auf der Bühne spielt das Stück in einem typisch bürgerlichen Haushalt in der Wrangelstraße in Steglitz. Also quasi in unmittelbarer Nähe vom Theater. Nierentisch-Optik, Röhrenradio, ein ganz normales Telefon mit Wählscheibe und so manches Klischee dieser Jahre und auch noch manch andere Einstellung zum Leben; da fühlen sich viele Zuschauer an ihre Jugend erinnert. So war das Premierenpublikum auch sehr begeistert von der Veranstaltung.

Zur Handlung heißt es in der Vorankündigung: Heinrich Liebig verwechselt in der U-Bahn seine Aktentasche mit der eines Fremden und ist plötzlich Besitzer von 735.000 Mark. Spontan erwacht in Heinrich kriminelle Energie. Der Plan, mit seiner Frau Deutschland zu verlassen, wird jedoch undurchführbar, als Freunde auftauchen, als zwei Polizisten sich intensiv für Heinrich interessieren (und sich dabei als ausgesprochen bestechlich zeigen), als der eigentliche Inhaber des Geldes tot im Teltowkanal gefunden und anhand der Papiere in seinem Aktenkoffer als Heinrich Liebig identifiziert wird, und als ein mysteriöser Gangsterboss vor dem Haus auftaucht ...

Ein recht lautes sich überschlagendes Theaterstück mit viel Verwechslungen, die sich rund um den ominösen Aktenkoffer ranken. Eine Sommer-Komödie, auf berlinisch könnte man auch Klamotte sagen, die im Steglitzer Schlosspark Theater Berlin bis Anfang September zu sehen und hören sein wird. Eine zweistündige kurzweilige Unterhaltung, die fast kein Klischee auslässt und so manchmal auch etwas überfrachtet scheint. Besonders faszinierend ist jedoch dabei, dass man besonders gute schauspielerische Leistungen in allen Fassetten zu sehen bekommt. Die Darsteller sind treffend ausgewählt und setzen das Stück professionell um. Jens Wawrczeck als Heinrich Liebig und als Ehefrau Maria Hartmann sollen an dieser Stelle besonders hervorgehoben werden, was die Ensembleleistung aber keinesfalls schmälern soll.

Die Uraufführung dieser typischen Ray Cooney-Farce fand 1994 in London statt, wo die Komödie anschließend zwei Jahre lang am Westend gespielt wurde. Der Autor Cooney selbst hatte Regie geführt und stand in der Hauptrolle auf der Bühne. Nur ein Jahr später wurde das Stück zum ersten Mal in Deutschland inszeniert. In der US-Verfilmung von 2006 übernahm Chevy Chase die Hauptrolle.

Das Schlosspark Theater Berlin in der Steglitzer Schlossstraße 48 wartet auf Sie!

Thomas Moser (auch Fotos)

Zum Stück:

Funny Money von Ray Cooney / deutsch von Maria Harpner & Anatol Preissler

Regie & Bühnenbild: Anatol Preissler Kostüme: Viola Matthies

Mit Maria Hartmann, Jens Wawrczeck, Martin Armknecht, Harald Effenberg, Christian Hartmann/Daniel Wobetzky, Tilmar Kuhn, Anne Rathsfeld & Santiago Ziesmer

Vorstellungstermine: 15. & 16.06.2017 (Voraufführungen) / 18.-25.06.2017 / sowie vom 13.07.-03.09.2017 jeweils donnerstags bis sonntags.

NEU: Vorstellungsbeginn montags bis sonnabends jeweils 20 Uhr – sonntags 18 Uhr


 

… oder: „Sei einfach du selbst!“

Die „Neuköllner Oper“ hat mit dem neuen Stück „Kopfkino“ viel Musik, Tanz, Freude und Lebendigkeit gepaart mit einem Stück Nachdenklichkeit auf die Bühne gebracht. Ein junges Musical, das Lust auf mehr macht!

Die Macher bezeichnen die Kunstform des Stückes selbst als „Ein musikalisches Filmprojekt. Oder ein filmisches Musical“. Man kann es auch als ein junges und frisches Musical mit filmischen Einlagen bezeichnen. Egal wie, die Zuschauer der Premiere waren begeistert von dem Stück von Thomas Zaufke und Peter Lund, die schon öfters gemeinsam für die Neuköllner Oper Stücke produziert haben. Das Stück ist eine Koproduktion mit dem Studiengang Musical der Universität der Künste (UdK Berlin), was mittlerweile eine 20-jährige Tradition hat.
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Original-Plakatfoto von Matthias Heyde
Der 18-jährige Lennard flieht aus der schwäbischen bzw. badensischen Provinz nach Berlin. Er strandet in einer Wohngemeinschaft bei dem tiefenentspannten Ben und der durchgeknallten Fine. Aber Lennard kam nicht ganz alleine, denn zumindest in seinem Kopf schwirren viele Mitbewohner rum. Jede Stimme weiß genau, was für Lennard richtig ist. Aber jeder versteht darunter etwas ganz Anderes. Und diese Unsicherheit spürt man in allen Fasern dieses unsicheren und verängstigten jungen Mannes. In Lennards Oberstübchen geht es wild Zu: Mit dabei ist der Heteromacker Boris und seine weibliche Seite Helena, die vernünftige Jutta mit Lennards innerem Kind Theo, die saucoole Tess und natürlich sein gesammeltes Angstpotential Günter. Und alle sagen Lennard ungefragt ihre Meinung. Das kann einen wahrlich verrückt machen. Also absolut kein Wunder, dass Lennard so viel Zeit braucht, sich zu entscheiden. Besonders in den Liebesdingen zeigt sich die Zerrissenheit von Lennard, der die WG- und die Großstadteindrücke erst einmal verkraften muss. Der Song „Meine Stimmen und ich, sind eine Sache für sich“ bringen die fast schon schizophrenen Züge musikalisch auf den Punkt.

Natürlich wird im Musical viel gesungen und getanzt. Das aber die Qualität der jungen Schauspielerinnen und Schauspieler soviel Power und Ausstrahlung hat, ist schon faszinierend. Da kann man keinen rausnehmen. Das gesamte Ensemble ist Klasse. Stimmlich brillant, tänzerisch bei der ansprechenden Choreographie absolut fit und eine auf den Punkt kommende Darstellung der eigenwilligen Charaktere. Immer wieder kommen Filme zum Tragen, die gut in die Handlung eingepasst sind.

Das der brillanten Band musikalisch keiner etwas vormachen kann, hätte ich fast vergessen zu erwähnen. Da ist man halt sowieso nur Gutes von der Neuköllner Oper gewöhnt.

Beim „Kopfkino“ geht es um Drogenerfahrungen, Kriminalität, Standpunkte, ums Versagen, um das Suchen nach seiner Sexualität, um Ängste, ums Kindisch sein, aber auch nur einfach darum seinen Weg zu finden. Das Ganze aber mit viel Humor und ohne den moralischen Zeigefinger. Eine Moral der Geschichte gibt es schon: „Sei einfach du selbst, egal was für Entscheidungen du triffst.“ Wenn das kein lohnenswertes Lebensziel ist.

Auch wenn das Ende ein langer, teils auch mühsamer, skurriler und psychedelischer Abschluss ist, spürt man, dass es wie im Leben auch nicht so einfach ist, stets das „richtige Ende“ zu finden.

Das Markenzeichen „Neuköllner Oper“ hat mit seinem neuen Projekt mal wieder gezeigt, wieviel künstlerisches Potential in dieser Stadt liegt. Ein Musical mit Hauptstadtniveau, das Kunstliebhaber aber auch „normale“ Berlin-Besucher sicher gut in Erinnerung behalten werden. Einfach richtig gut!

Thomas Moser BerLi-Press
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Foto vom Schlussapplaus bei der Premiere am 13. April 2017 (Foto: Thomas Moser)

Regie: Peter Lund | Musikalische Leitung: Hans-Peter Kirchberg, Tobias Bartholmeß | Choreographie: Neva Howard | Bühne und Kostüm: Darja Kornysheva | Video: Richard Marx

Ensemble: Sophia ist Jasmin Eberl, Fine ist Linda Hartmann, Mona ist Lisa Hörl, Tess ist Friederike Kury, Helena ist Lisa Katharina Toh, Boris ist Adrian Burri, Lennard ist Markus Fetter, Ben ist Jonathan Franke, Jürgen ist Helge Lodder und Theo ist Nico Went.

Spieltermine 13./14., 17., 20.-23., 27.-30. April, 2., 5.-7., 9. und 12.-14. Mai 2017, 20 Uhr

Spielort NEUKÖLLNER OPER, Karl-Marx-Str. 131-133, 12043 Berlin

Verkehrsanbindung: U 7 - Karl-Marx-Straße, S 41/42/46/47 – Neukölln, Bus 104

Karten 16 bis 25 Euro, ermäßigt 9 Euro. Vorbestellung unter 030/6889 0777 sowie unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! und an allen bekannten Vorverkaufsstellen

Tel: 030/68 89 07-0 Fax: 030/68 89 07 89 Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! www.neukoellneroper.de


 

Maritime Töne, Möwen kreischen, die Schiffsglocke ertönt und das SANTIANO-Schiff macht auf der Bühne des Berliner Tempodroms fest. Die Band, die große Hallen und die Berliner Waldbühne gefüllt hat, kann auch leise. Bevor die dreifachen Echo-Gewinner wieder mit dem ganz großen Dampfer in See stechen, haben sie sich mit der Tour „Die Ruhe vor dem Sturm – Das Akustik-Erlebnis 2017“ in etwas seichtere Gewässer begeben. Am Horizont kann man jedoch schon stürmische Zeiten sehen, denn für die große Tournee 2018 hat gerade der Vorverkauf begonnen.

Aber erstmal sollte die besagte Ruhe vor dem Sturm kommen, hieß es. Obwohl ein akustischen Erlebnis angekündigt wurde, ging es in alt bekannter SANTIANO-Manier nicht nur leise, sondern oft auch temperamentvoll zur Sache. Gleich nach dem Landgang startete das Konzert und so gut wie Jeder im Saal stand, mindestens jeder zweiter Konzertbesucher sang textsicher mit und alle klatschen im Takt. Den Start machte das Namenslied der Gruppe . Das Shanty „Santiano“ ist vermutlich der bekannteste Song der Gruppe.

Der Namen der „Fischköpfe“ aus dem Norden leitet sich vom traditionellen Shanty ab, obwohl von dieser Musikrichtung strenggenommen kaum was im Programm enthalten ist. Aber egal, die Band aus Schleswig-Holstein, die erst 2011 eher als so eine Art Schnapsidee gegründet wurde, ging innerhalb kürzester Zeit ab wie „Schmidts Katze“ und stürmte alle Charts. Mit traditionellen Volkslieder, Irish-Folk und Seemannslieder hat man den Nerv vieler Menschen getroffen. Das Seemannsliedgut wird mit Pop und Rock angerichtet, Hymnen im alten Kelly-Sound klingen gelegentlich raus und das Ganze ist mit viel Lust und Liebe an der Musik gesalzen. Ein Rezept, dass offensichtlich gegen die beste Seekrankheit hilft.
Pressefoto SANTIANO Michael Mey
Foto: Michael Mey
Die „Stamm-Santianos“ holen sich immer musikalische Verstärkung. So waren diesmal insgesamt acht musikalische Matrosen, zeitweise mit Unterstützung einer singenden Leichtmatrosin an Bord und sorgten für die leisen und auch für die akustisch lauten Töne. Mit Gitarren, Geige, Schlagzeug, Perkussion, Klavier, Schifferklavier und jeder Menge Flötentönen wurde der rauhe Gesang der Besatzung untermalt. Obwohl die Musiker fast die ganze Zeit auf dem Treibgut saßen, spürte man ihre unbändige Power. Trotz Akustik ist eine ordentliche Kraft in der Musik. Die Lieder erzählten von der Meeresbrise, der Bottle of Rum, der großen Fahrt und von ganz viel Freiheit. Sie tanzten mit Marie, besangen Johnny Boy und Californio.

Das vierte Konzert innerhalb der diesjährigen Akustik-Tour kommt bei den Fans groß an. Und auch die Santianos äußern sich in ihrem Logbuch begeistert: „Großartig! Schön war es wieder bei Euch. Wir sind mittlerweile so sehr in Berlin zuhause, dass Konzerte bei Euch inzwischen echte Heimspiele sind. Das Tempodrom war genau die richtige Location für unser Akustik-Set. Fühlte sich gut an. Sogar sehr gut.“

Beim Publikum sprang sofort der Funke über. Die Band fühlte sich ein bißchen so an, wie ein Seemannschor auf Ecstasy, aber halt richtig schön und völlig ohne Nebenwirkung. Der Suchtfaktor hat die Fans natürlich schon längst erfasst, besonders wenn die Geige den Gänsehautfaktor bedient. Kribbeln ohne Ende, wenn die Klänge weit übers Meer klingen. Alle singen Minutenlang mit: „Es gibt nur Wasser, Wasser überall, doch wir haben nichts zu trinken… und das Schiff droht zu versinken…wir brauchen Rum, Rum, Rum, sonst verdursten wir.“ Stundenlang hätte es so weitergehen können. Ab und an ein leiser Song und dann wieder ein richtiger maritimer „Gröler“. Großartig! Das fast letzte Lied, der gefühlvolle plattdeutsche „Fresenhof“ von Knut Kiesewetter, war die Krönung der melancholischen Meer-Balladen.

Maritimer Rock-Pop mit einem Hauch Shanty und immer das Meer-Gefühl im Gesang. „Hoch im Norden“ und ein Smartphone-Lichtermeer leuchtet den Weg. Und der Weg steht fest: 2018 hisst die Band wieder die großen Segel und macht Halt in den großen Arenen Deutschlands. Am 8. März 2018 steht auf der großen Tour der Landgang wieder in Berlin an. Man darf sich freuen!

Thomas Moser – BerLi-Press

Auf der großen Deutschland-Arena-Tour in Berlin: Am 8. März 2018 in der Mercedes-Benz-Arena.

Tickets können jetzt erworben werden!