… oder: „Sei einfach du selbst!“

Die „Neuköllner Oper“ hat mit dem neuen Stück „Kopfkino“ viel Musik, Tanz, Freude und Lebendigkeit gepaart mit einem Stück Nachdenklichkeit auf die Bühne gebracht. Ein junges Musical, das Lust auf mehr macht!

Die Macher bezeichnen die Kunstform des Stückes selbst als „Ein musikalisches Filmprojekt. Oder ein filmisches Musical“. Man kann es auch als ein junges und frisches Musical mit filmischen Einlagen bezeichnen. Egal wie, die Zuschauer der Premiere waren begeistert von dem Stück von Thomas Zaufke und Peter Lund, die schon öfters gemeinsam für die Neuköllner Oper Stücke produziert haben. Das Stück ist eine Koproduktion mit dem Studiengang Musical der Universität der Künste (UdK Berlin), was mittlerweile eine 20-jährige Tradition hat.
kopfkino Neukoellner Oper 1
Original-Plakatfoto von Matthias Heyde
Der 18-jährige Lennard flieht aus der schwäbischen bzw. badensischen Provinz nach Berlin. Er strandet in einer Wohngemeinschaft bei dem tiefenentspannten Ben und der durchgeknallten Fine. Aber Lennard kam nicht ganz alleine, denn zumindest in seinem Kopf schwirren viele Mitbewohner rum. Jede Stimme weiß genau, was für Lennard richtig ist. Aber jeder versteht darunter etwas ganz Anderes. Und diese Unsicherheit spürt man in allen Fasern dieses unsicheren und verängstigten jungen Mannes. In Lennards Oberstübchen geht es wild Zu: Mit dabei ist der Heteromacker Boris und seine weibliche Seite Helena, die vernünftige Jutta mit Lennards innerem Kind Theo, die saucoole Tess und natürlich sein gesammeltes Angstpotential Günter. Und alle sagen Lennard ungefragt ihre Meinung. Das kann einen wahrlich verrückt machen. Also absolut kein Wunder, dass Lennard so viel Zeit braucht, sich zu entscheiden. Besonders in den Liebesdingen zeigt sich die Zerrissenheit von Lennard, der die WG- und die Großstadteindrücke erst einmal verkraften muss. Der Song „Meine Stimmen und ich, sind eine Sache für sich“ bringen die fast schon schizophrenen Züge musikalisch auf den Punkt.

Natürlich wird im Musical viel gesungen und getanzt. Das aber die Qualität der jungen Schauspielerinnen und Schauspieler soviel Power und Ausstrahlung hat, ist schon faszinierend. Da kann man keinen rausnehmen. Das gesamte Ensemble ist Klasse. Stimmlich brillant, tänzerisch bei der ansprechenden Choreographie absolut fit und eine auf den Punkt kommende Darstellung der eigenwilligen Charaktere. Immer wieder kommen Filme zum Tragen, die gut in die Handlung eingepasst sind.

Das der brillanten Band musikalisch keiner etwas vormachen kann, hätte ich fast vergessen zu erwähnen. Da ist man halt sowieso nur Gutes von der Neuköllner Oper gewöhnt.

Beim „Kopfkino“ geht es um Drogenerfahrungen, Kriminalität, Standpunkte, ums Versagen, um das Suchen nach seiner Sexualität, um Ängste, ums Kindisch sein, aber auch nur einfach darum seinen Weg zu finden. Das Ganze aber mit viel Humor und ohne den moralischen Zeigefinger. Eine Moral der Geschichte gibt es schon: „Sei einfach du selbst, egal was für Entscheidungen du triffst.“ Wenn das kein lohnenswertes Lebensziel ist.

Auch wenn das Ende ein langer, teils auch mühsamer, skurriler und psychedelischer Abschluss ist, spürt man, dass es wie im Leben auch nicht so einfach ist, stets das „richtige Ende“ zu finden.

Das Markenzeichen „Neuköllner Oper“ hat mit seinem neuen Projekt mal wieder gezeigt, wieviel künstlerisches Potential in dieser Stadt liegt. Ein Musical mit Hauptstadtniveau, das Kunstliebhaber aber auch „normale“ Berlin-Besucher sicher gut in Erinnerung behalten werden. Einfach richtig gut!

Thomas Moser BerLi-Press
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Foto vom Schlussapplaus bei der Premiere am 13. April 2017 (Foto: Thomas Moser)

Regie: Peter Lund | Musikalische Leitung: Hans-Peter Kirchberg, Tobias Bartholmeß | Choreographie: Neva Howard | Bühne und Kostüm: Darja Kornysheva | Video: Richard Marx

Ensemble: Sophia ist Jasmin Eberl, Fine ist Linda Hartmann, Mona ist Lisa Hörl, Tess ist Friederike Kury, Helena ist Lisa Katharina Toh, Boris ist Adrian Burri, Lennard ist Markus Fetter, Ben ist Jonathan Franke, Jürgen ist Helge Lodder und Theo ist Nico Went.

Spieltermine 13./14., 17., 20.-23., 27.-30. April, 2., 5.-7., 9. und 12.-14. Mai 2017, 20 Uhr

Spielort NEUKÖLLNER OPER, Karl-Marx-Str. 131-133, 12043 Berlin

Verkehrsanbindung: U 7 - Karl-Marx-Straße, S 41/42/46/47 – Neukölln, Bus 104

Karten 16 bis 25 Euro, ermäßigt 9 Euro. Vorbestellung unter 030/6889 0777 sowie unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! und an allen bekannten Vorverkaufsstellen

Tel: 030/68 89 07-0 Fax: 030/68 89 07 89 Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! www.neukoellneroper.de