Man kann es kaum glauben: Juppy ist 65 Jahre alt geworden und hat damit das reguläre Rentenalter erreicht. Aber der legendäre Chefkommunarde des Tempelhofer Kulturzentrums „ufa-Fabrik“, Juppy, der als Josef Becher 1948 in Trittenheim bei Trier geboren wurde, geht sicher nicht in den Ruhestand. „Denn Revoluzzer gehen nicht in Rente,“ sagt der Buchautor Daniel Gäsche. Juppy kann sein Alter selbst kaum glauben: „Das darf eigentlich nicht wahr sein, ich war doch gerade erst in der Pubertät."

Der Freigeist Juppy ist von der ufa-Fabrik nicht mehr wegzudenken. Egal, ob man eine Veranstaltung besucht oder nur im Café Olé einen Kaffee schlürft, Juppy ist mit seinem Zirkushund immer präsent. Sein Markenzeichen ist der schwarzer Hut, der nicht mehr von Juppy wegzudenken ist. Seine langen roten Locken wurden mittlerweile von einer eher grauen Haarpracht verdrängt.

Der Alt-68er Juppy besetzte am 9. Juni 1979 mit circa 100 Gleichgesinnten das ehemalige Gelände des Ufa-Filmkopier-Werkes an der Tempelhofer Viktoriastraße. Das rund 18.500 quadratmetergroße Grundstück, nördlich vom Teltow-Kanal, schien für die alternativen Freigeister ideal zu sein. Es gab im Bezirk und in Berlin parteiübergreifend einen großen Aufschrei und die Besetzung war sehr umstritten. Bezirksbürgermeister a. D. Dieter Hapel, damals Vorsitzender der Tempelhofer Jungen Union, sah es skeptisch, dass sich die Gruppe im bürgerlichen Tempelhof etabliert. Das ist aber alles Schnee von gestern! Dieter Hapel ist mit Juppy längst befreundet und die Wellen im politischen Raum glätteten sich ganz schnell. Juppy hatte nie Probleme auf konservative Politiker zuzugehen. Längst sind alle Stolz auf die ufa-Fabrik. Letztendlich handelt es sich um ein großes alternatives Unternehmen, dass neben den vielen Veranstaltungen auch das Nachbarschaftszentrum NUSZ beherbergt. Heute besteht das ufa-Fabrik-Unternehmen aus mehreren Vereinen und kleinen GmbH-Einheiten und hat einen langfristigen Pachtvertrag. Der scheinbar unverwüstliche Juppy immer an der Spitze als Markenzeichen und ufa-Fabrik-Ikone! "Wir sind so ähnlich wie eine amerikanische Holdinggesellschaft organisiert", erklärt Juppy gegenüber der Berliner Woche.


Juppy und der rbb-Moderator Daniel Gäsche haben sich 2005 für die Biografie „
Juppy – Aus dem Leben eines Revoluzzers“ zusammengetan. Juppy plaudert über seine Lebensgeschichte, vielen interessanten Erlebnissen und über Visionen. "Ein bisschen Schwejk, ein bisschen Hauptmann von Köpenick" charakterisiert Autor Daniel Gäsche Juppy. Und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit bedankte sich beim Revoluzzer Juppy mit den Worten: "Ohne dich und dein Engagement, deinen Enthusiasmus und deine Ideen, wäre aus der ufa-Fabrik wohl nicht solch ein einzigartiger Ort der Kultur, der Begegnung und des sozialen Miteinanders für Menschen aller Altersgruppen geworden.“

2009, beim 30jährigen Jubiläum der ufa-Fabrik, betont Klaus Wowereit: Es war
sehr positiv, dass die damaligen alternativen Besetzer das Grundstück (erst mal) freiwillig geräumt haben, damit der Weg für den Abschluss von Nutzungsverträgen geschaffen war.“ Die Vorsitzende des Paritätischen Verbandes Prof. Barbara John sieht die ufaFabrik als das einzige gallische Dorf in Berlin: „Eure Stärke ist immer gewesen, dass ihr wild und mild zugleich seid“. Und Renate Künast von Bündnis 90 / Die Grünen spricht von einer Art Leuchtturm „Ihr ward von Anfang an Kosmopoliten!“ Multikulturimpresario Juppy, der mittlerweile bekannt ist wie ein bunter Hund, ist so eine Art Berliner Original geworden. Juppy selbst spricht von der ufa-Fabrik als „Land der begrenzten Unmöglichkeiten.“

Wir wünschen Juppy alles Gute, viel Kraft und jede Menge Gesundheit: „Bleib einfach Juppy!“

Thomas Moser

Wenn ich an Juppy denke… Aktuelle Stimmen von Weggefährten:

Daniel Gäsche hat die Biografie von Juppy geschrieben:

Wenn ich an Juppy denke, sehe ich ein kreatives Kind im Körper eines Mannes. Ein positiv Verrückter, der seine kleine Welt mit all' seinen Ideen nachhaltig verändert hat. Materielle Dinge sind ihm eher fremd.

Wir waren in Hongkong, Vietnam, Simbabwe und überall, wo wir auftauchten, war Juppy ein Phänomen für die Menschen.

Denn er ist ein Geschichtenerzähler, ein Träumer, manche würden ihn Spinner nennen. Ich sage: Spinn' weiter, Juppy, bleib' interessiert, bring' dich ein, zünde in den kommenden Jahren eine neue Kreativ-Rakete. Denn Revoluzzer gehen nicht in Rente... Alles Gute wünscht Dir Dein Freund Daniel.

Literaturtipp: Juppy – Aus dem Leben eines Revoluzzers. Militzke, Leipzig, 2005. ISBN 3-86189-730-X

Ed Koch und PaperPress haben die ufa-Fabrik von Anfang an begleitet:

1979, das war ein heißes Jahr. Im Schnarchbezirk Tempelhof passierte endlich mal etwas. Und paperpress war von Anfang an dabei. Die Morgenpost leistete sich damals noch einen eigenen Bezirksreporter für den Bezirk. Gert Hilde und ich waren ständig bei Juppy, Rudolf Brünger und den anderen und versorgten die Welt mit neuesten Informationen über die Besetzung. Ohne Handy, Tablett oder sonst was. Zur telefonischen Übermittlung des Textes für die Morgenpost nahm ich Gert Hilde mit zu mir ins Büro im nahe gelegenen Jugendfreizeitheim Mariendorf. Wenn das die CDU gewusst hätte. Juppy und seine Freunde haben sich durchgesetzt und durch Kreativität, Leistung und unternehmerisches Geschick überzeugt. Seit 35 Jahren! Ein Glück für Tempelhof, dieses ufa-Gelände und seine Besetzer.

http://www.paperpress.org

Henning Hamann, Seele vom Medienpoint Tempelhof und Nachbar von Juppy und der ufa-Fabrik

Er ist einer der letzten Originale. Wenn der ufa-Multikultur-Impresario Juppi mit seinem schwarzen Hut und "Bodyguard" Hund Willi durch die Straßen spaziert, wandern automatisch alle Augen zu dem stets in schwarz gekleideten 1,90 Meter ufa-Markenzeichen. Juppy, der Ex-Revoluzzer, dessen freundliches Lächeln gepaart mit seinem unerschöpflichen Fundus an Geschichten immer gute Laune verbreitet! Happy Birthday "altes Haus"...

www.kulturring.org Medienpoint Tempelhof, Werderstr. 13, 12105 Berlin

Juppy mit Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler, Senatorin Dilek Kolat und Melanie Kühnemann

Informationen zur ufaFabrik unter www.ufafabrik.deLichtenrader Magazin Nr. 12/2013



 

„Mit 100 Jahren laufen die Beine nicht mehr so schnell“, erzählt die sehr agile Ulla Müller (101), die mit sieben weiteren Protagonisten zur Ausstellungseröffnung „100 Jahre Rathaus Schöneberg: Hochzeit, Schwarzmarkt und Randale-Hundertjährige erzählen“ erschienen ist.

100 Jahre wird das Rathaus Schöneberg alt. In West-Berlin war hier der Sitz des Senats und des Abgeordnetenhauses und jetzt ist das Rathaus der Hauptstandort vom Bezirksamt Tempelhof–Schöneberg. Auf die Geschichten, die das Leben in einhundert Jahren geschrieben hat, wird in diesen Tagen in einer biografischen Ausstellung mit Hundertjährigen im Rathaus Schöneberg zurückgeblickt. Fast alle 10 Interviewte, 8 Frauen und 2 Männer, sind zur Ausstellungseröffnung in den Goldenen Saal des Rathauses Schöneberg gekommen.

Dank an die Hundertjährigen

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler und Bezirksstadträtin Dr. Sibyll Klotz, die die Idee für das Projekt hatte, begrüßten die Gäste der Vernissage. Wenn alle Befragten erschienen wären, hätte man die 1.000 Jahre-Grenze schon in der ersten Sitzreihe locker erreichen können.


Für Sibyll Klotz ist die Ausstellung eine Herzensangelegenheit: „Herzlichen Dank, dass sie uns gestattet haben, einen Blick in ihr Leben zu werfen. Das ist überhaupt nicht selbstverständlich. Vielen Dank für ihr Vertrauen und ihre Offenheit.“ Es ist das zweite Mal, dass Einhundertjährige im Bezirk befragt wurden. Mit der Ausstellung 2011 gibt es eine große Übereinstimmung, betont die Stadträtin für Gesundheit, Soziales und Stadtentwicklung. Sibyll Klotz erläutert: „Fast alle Befragten sahen ihr Alter trotz einiger Widrigkeiten positiv.“ Die schlimmen Erlebnisse brachten schon alleine die Kriegs- und Nachkriegserfahrungen mit sich. In der Begrüßungsrede ist die Bezirksstadträtin beeindruckt von den Lebensleistungen: „Immer haben sie nach vorn in die Zukunft geschaut und den Kopf nicht hängen lassen.“

Als kleines Dankeschön wurde das Hörbuch von „Der Hunderjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Janasson, gelesen von Otto Sander, an die Ehrengäste verschenkt.


Der noch fast jugendliche Albert Josef K. (99 Jahre jung), ging kurz entschlossen zum Rednerpult und bedankte sich für den würdevollen Empfang, der von der „Ivy Six Dixieland Jazz Band“ musikalisch begleitet wurde.

Sport hält jung und ein Sportfest in Lichtenrade

Stadträtin Sibyll Klotz unterhielt sich angeregt mit Ulla Müller.


Die ehemalige Leichtathletin sieht auf eine lange sportliche Karriere zurück. Die leidenschaftliche Sportlerin erinnert sich gerne an ihre Erfolge als Kugelstoßerin und die vielen geselligen Stunden im Verein. Seit dem 1.12.1929 ist sie Mitglied im Sportverein TIB (Turngemeinde in Berlin-Tempelhof): „Ab 60 Jahre brauchste keinen Beitrag mehr zahlen“, erklärt Ulla Müller schelmisch. Auch fällt Ulla Müller im Gespräch gleich ein, dass sie Ende der 20iger Jahre an einem Sportfest in Lichtenrade teilnahm. Viele Jahre hat sie erfolgreich als Torsteherin Handball gespielt. „1938 waren wir sogar Deutscher Meister und ein paar Mal Vizemeister“. Bei der Ausstellungseröffnung erzählt Ulla Müller noch: „Wir waren eine dufte Gruppe.“ Das war für die Sportlerin, der man die einhundert Jahre nicht ansieht, immer besonders wichtig. 1997 hat sie mit dem Sport aufgehört.

Ulla Müller lächelt die Ausstellungsbesucher an...
Im Dezember wird sie ihren 102. Geburtstag feiern. Im Interview zur Ausstellung verrät Frau Müller, dass sie ihren 100. Geburtstag im Sportverein gefeiert hat: „Da hab ick ´nen Vortrag gehalten“, der gespickt mit vielen Anekdoten war. Auf die Frage nach einem Ratschlag für die nächste Generation hat Ulla Müller mit ihrem berlinischen Humor geantwortet: „Das mit dem Sport? Ach, das steht doch schon dauernd in der Zeitung. Mit dem Nichttrinken? Nee, das möchte ich ablehnen. Wir haben viel gefeiert! Geraucht habe ick aber nicht.“ Seit vielen Jahrzehnten kann sie von ihrer Schöneberger Wohnung im vierten Stock direkt den Turm vom Rathaus Schöneberg sehen.

Eine besondere Ausstellung mit Hörstationen

In der Ausstellung sind die Gespräche nachzulesen.

Bezirksbürgermeisterin Schöttler mit den 99jährigen Kurt im Gespräch.
Die Interviews kann man sich in den Hörstationen, mit den tatsächlichen Stimmen der Befragten, anhören und bekommt so ein besonderes Gefühl für die erlebten Geschichten. Beim Pförtner des Rathauses stehen dafür Walkmans zur Verfügung. Einige Erinnerungsstücke der Hundertjährigen runden die Ausstellung ab.

Die spannenden Interviews, die viele persönlichen Geschichten erzählen, wurden von Rita Preuß geführt. Marion Schütt setzte die Hundertjährigen fotografisch ins richtige Licht.

Die Fotografin Marion Schütt zeigt Helga G. (101) "ihre" Ausstellungstafel.

In den Gesprächen wird auch von den Erlebnissen rund um das Rathaus Schöneberg berichtet. Bei Ulla Müller gehörte die Rede des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy am 26. Juni 1963 dazu: „Der kann doch nicht herkommen und sagen, er ist ein Berliner. Das ärgert mich noch heute. Nicht, dass ick den nicht leiden kann. Aber diese Art von Spruch hat mich jeärgert. Der Platz war knackend voll und es wurde begeistert geklatscht.“ Andere erinnern sich an Austellungen, die eigene Hochzeit und Besuchen von bekannten Persönlichkeiten.

Interview und Bilder von Gertrud (99).

Hildegard J. (99): "Es enkelt ganz schön."
Gelebte Geschichte kann bei dieser besonderen Ausstellung hautnah nachvollzogen werden. Ein besonders interessantes Projekt, dass von den Verantwortlichen äußerst gelungen umgesetzt wurde! Ein Besuch lohnt sich!

Thomas Moser (auch alle Fotos)

Ausstellungsdauer vom 2.11. bis 15.12.2013, täglich von 9 bis 18 Uhr, im Foyer des Rathauses Schöneberg am John-F.-Kennedy-Platz 1.


 

 

Unter dem Motto "Darf ich bitten" ludt der Bereich für Dezentrale Kulturarbeit Tempelhof-Schöneberg zu einer Open-Air-Milonga ein. Der Tanzlehrer Michael Sacher machte Mut und bat zur offenen Práctica. 







Beim "Blind date" konnte Jeder mal probieren, wie intensiv man den Tanz und Tango mit geschlossenen Augen spürt.










Der Schöneberger Meister des Bandoneons, Klaus Gutjahr, zog die Zuhörer in seinen Bann.

Die Kulturstadträtin Jutta Kaddatz eröffnete dann ganz offiziell das Fest.
Fotos: Thomas Moser - BerLi-Press


 

Ein Künstler zwischen Musikschule, Talentshow und Kreuzfahrt

Ein Leben für die Musik! Der Mariendorfer Sänger, Musiker und Entertainer Gerald Mann wurde im Alter von 11 Jahren Gewinner eines Talentwettbewerbes. Das war 1976. Seit 1989 organisiert und präsentiert Gerald Mann (49) selbst, mit viel Liebe und Engagement, die jährlichen Talentshows beim stadtbekannten Kulturlustgarten im Mariendorfer Volkspark. Im Jahr 2013 wurde ein „Best-of“ mit vielen Siegern der letzten Jahre präsentiert. Wir berichteten darüber.

Die Karriere von Gerald Mann

Seine Kinderkarriere fing mit einem Schallplattenvertrag und dem ersten Fernsehauftritt in der „ZDF-Umschau“ an. Der kleine Gerald präsentierte seine Single „Bye, bye, Mama“ und brachte dabei sicher viele Mütterherzen zum Schmelzen. Damals ging der Schüler in Mariendorf zur Schule und heute ist er dort im Kiez selbst als Musikdozent aktiv. Gerald Mann lebt und arbeitet nach wie vor gerne im Ortsteil Mariendorf von Tempelhof-Schöneberg.

Nach seiner Kinderkarriere hat Gerald Mann konsequent seine berufliche Entwicklung als Sänger und Musiker verfolgt. Ein klassisches Musikstudium im Bereich Gesang und Musiktheater mit Nebenfach Klavier schloss der ambitionierte Musiker an der Berliner Hochschule der Künste mit sehr guter Note ab. Ein Zusatzstudium an der Hamburger Musikhochschule im Bereich „Popularmusik“ war für den jungen Mann ein wichtiger Baustein. Hier wurden besonders die Kenntnisse im Bereich Musical, Chanson und Instrumentalmusik vermittelt. Beim Jazzsänger und Schlager-Veteran Bill Ramsey hat Gerald Mann Gesangsunterricht bekommen und bei den bekannten Gitarristen Peter Horton und Peter Weihe Gitarrenunterricht erhalten. Seit der Kindheit hat Gerald jahrelang Instrumentalunterricht für Klavier, Keyboard, Gitarre, Bass und Schlagzeug besucht. All diese Kenntnisse kann Gerald Mann gut für seinen Musikerberuf nutzen.

Seine Vita nimmt kein Ende und ließt sich beeindruckend. Viele Schallplatten und CDs hat Mann aufgenommen, als Synchronsänger und Sprecher hat er bei der NDR-Sesamstraße mitgewirkt und ist auch in vielen Fernseh- und Rundfunkshows aufgetreten (zum Beispiel bei der „Michael-Schanze-Show“, „Erkennen Sie die Melodie“ oder „Ein Platz an der Sonne“). Die Presse lobte Gerald Mann als „Multi-Talent“ und „Mann für alle Unterhaltungs-Fälle“.

Für Gerald Mann gab es viele sehr unterschiedliche Karrierehaltestellen. Als Geschäftsführer eines Hamburger Musikverlages war er tätig, als Hauptdarsteller und musikalischer Leiter des Berliner „Kabarett Klimperkasten“ war Mann aktiv, er trat als Gesangssolist in einer Friedrichstadt-Palast-Revue auf, viele Galaauftritte absolvierte der Künstler zum Beispiel auch mit der damaligen „RIAS-Big-Band“ und konnte außerdem auch einige Preise, wie den Günter-Neumann-Preis und den Bundesgesangswettbewerb, gewinnen. Mittlerweile hat Mann eine eigene Musikproduktion mit einem kleinen Tonstudio.

Der Gerald Mann von heute


Die großen Auftritte sind nun schon einige Zeit her. Der berufliche Schwerpunkt von Gerald Mann liegt heute bei der Musiklehrertätigkeit. Gerald Mann gibt unumwunden zu: „In den Anfängen meiner Karriere habe ich mein Musiker-Dasein als Berufung gesehen. Jetzt ist es doch mehr Beruf.“ So hat Gerald Mann auch eine kleine Familie und seine zwölfjährige, tänzerisch-talentierte Tochter ist sein ganzer Stolz.

Gerald Mann berichtet, dass er seine Kräfte für Familie und Beruf schon gut einteilen muss, nachdem er vor vielen Jahren schon einmal gesundheitliche Einbußen zu verzeichnen hatte.

Manchmal wird Mann zum Tiger und sticht in See

Gerald Mann ist ernsthaft und konzentriert bei der Sache, wenn er bei seiner Talenteshow hinter der Bühne den ganzen Ablauf managet. Auf der Bühne sprüht Gerald Mann als Entertainer und Musiker eine besondere professionelle Präsenz aus. Wenn Gerald Mann aber „einfach nur singen darf“, am liebsten mit einem Orchester im Hintergrund, ist der Mariendorfer überglücklich. Das Publikum hat den Eindruck, dass ein anderer Mensch auf der Bühne steht! Mit Hüftschwung und guter Stimme präsentiert Mann am Liebsten Welthits von Tom Jones bis Frank Sinatra, alleine oder mit der „Gerald-Mann-Band“, bei der er auch das Keyboard bedient. Gerald Mann: „Songs vom Tiger, Tom Jones, sind meine wahre Liebe“ und dann wird Gerald selbst zum Tiger auf der Bühne.

Für den Musiker darf es aber auch gerne etwas Klassisches sein. Bis vor einigen Jahren ist Gerald Mann auch als Entertainer und Sänger auf großen Kreuzfahrtschiffen, wie der MS Albatros, der TS Maxim Gorki, der MS Europa, der MS Berlin oder der MS Arkona unterwegs gewesen.

Gerald Mann mit Band
In seiner freien Zeit als Berliner Musiklehrer beglückte er dann musikalisch die anspruchsvollen Passagiere auf den Weltmeeren mit seiner Show „Lieder, die um die Welt gehen“. Die Kreuzfahrtauftritte sind keinesfalls Urlaub für den Musiker: „Nach dem ersten Auftritt bin ich dann keine Privatperson mehr und werde überall angesprochen.“ Trotzdem haben Gerald Mann diese Auftritte immer wieder Spaß gemacht. Seit zwei Jahren hat er keine Schiffsreise mehr begleitet. Mann versichert aber, dass sich das wieder ändern wird.

Das Repertoire von Gerald Mann, der in seinen musikalischen Anfängen aus Marketing-Gründen hauptsächlich deutschen Schlager gesungen hat, ist sehr vielfältig und geht von Klassik, Chanson, Musical, Swing, Jazz, Pop, Blues und Rock ‘n’ Roll bis hin zur Rockmusik. Gerald Mann lebt für seine Musik, ohne sein Leben zu vergessen!

Im zweiten Teil kann man Gerald Mann als Musikschullehrer hautnah erleben.

Thomas Moser

Link zu Gerald Mann: http://www.gerald-mann.de

Link zur Leo-Kestenberg-Musikschule: http://www.lkms.de


 

Link zum Artikel der Berliner Morgenpost/Leserreporter: LINK Klicks und Facebook-Votes erwünscht! :-)

Ernst Wiese ist in Marienfelde der letzte praktizierende Landwirt.

Aus Liebe zur Natur und besonders zur Technik ist Ernst Wiese als Jugendlicher Bauer geworden. Damit ist er in die Fußstapfen seines Vaters getreten.


Die lange Tradition von Bauer Wiese

Die Familie Wiese ist seit circa 400 Jahren in Marienfelde. Ein Vorfahre soll als Soldat durch das kleine Dorf gekommen sein und ist dann in Marienfelde „hängengeblieben“. Aber so genau kann man den Beginn von Familie Wiese in Marienfelde nicht belegen. Mittlerweile sind sie aber als alte Marienfelder eine feste Größe im südlichen Ortsteil am Stadtrand von Berlin und überall bekannt.


Wenn man das schöne alte denkmalgeschützte Bauernhaus in Alt-Marienfelde betritt, bleibt man gleich in der großen Wohnküche hängen. Hier hält sich die Familie Wiese oft auf.

Um 1900 lebten der Opa und sein Bruder ein Stück weiter, wo der Stammhof in Alt-Marienfelde war. Zwei Höfe wurden benötigt. Die Scheune wurde an der Stelle, wo sie heute noch steht, 1900 gebaut. Dann folgte das Wohnhaus 1904, dass dann im Jahre 1907, wie Frau Wiese es bezeichnet, mit dem Balkon „aufgemotzt“ wurde. Heute lebt die Familie Wiese immer noch hier, wo ein großer Hof Scheune und Wohnhaus verbinden. Der alte Stammhof ist längst nicht mehr vorhanden.


Ehefrau Margit (68) und Ernst Wiese (67) lieben die Natur. Wenn Sie zu ihrem zweiten großen Betrieb nach Niedersachsen fahren, erfreuen sie sich jede Woche bei der Autofahrt an den vorbeiziehenden Feldern.

Von der Aral-Tankstelle zum Landwirt

Wenn man Ernst Wiese befragt, wie er zum Beruf des Bauern kam, kommt er ins Schwärmen. Am Ende der Schulzeit überlegte er, was er beruflich machen kann. „Ich wollte unbedingt etwas mit Maschinen machen. Das hat mich schon immer interessiert“ erzählt der agile und drahtig wirkende Bauer.

Schön wäre auch die Arbeit an einer Tankstelle gewesen, berichtet Ernst Wiese. Für ihn ist klar, dass es eine Aral-Tankstelle hätte sein müssen. Dann sprach er mit seinem Vater. Schnell wurde deutlich, dass er im väterlichen Betrieb seine technische Liebe mit der Liebe zur Natur gut verbinden kann. Die Geräte mussten alle gewartet werden, da war der technische Sachverstand des gelernten Jung-Landwirts gefragt. Nach dem Tod seines Vaters musste der junge Wiese dann mit 25 Jahren den Hof ganz alleine bewältigen. Seine einzige Schwester lebt heute im Schwarzwald. Die Vorfahren der Familie Wiese sind an der naheliegenden alten Dorfkirche in Marienfelde begraben.

Die Elefanten warten schon auf die Rüben von Bauer Wiese

In Berlin haben die Wieses, die nur in der Landwirtschaft tätig sind, 10 Hektar (ha) zu beackern. Hier werden Futterrüben angebaut, die der Zoologische Garten, die Forstämter und das Bundesinstitut für Risikobewertung (das sich auch in Marienfelde befindet) gerne abnehmen.

Na, der Winter ist jetzt aber vorbei :-)
Im Winter werden die Rüben aus der Rübenmiete auf dem Feld raus geholt. Jeden Mittwoch geht die Fahrt dann mit dem Unimog und Anhängern durch die Stadt zum Zoo. Die Elefanten freuen sich immer schon auf den leckeren Schmaus.

Berlin wurde für den Bauern zu klein... Mit dem Unimog nach Helmstedt

Bis 1953 konnte man noch Heu von den Feldern in Großbeeren mit Passierschein holen. Das ging dann nicht mehr. Die Flächen innerhalb der Stadtgrenze reichten vorne und hinten nicht aus, so dass sich Wiese noch zur Zeit der Mauer Felder in Westdeutschland suchen musste. Es war natürlich wichtig, dass diese direkt hinter der Grenze waren. In Helmstedt wurde man fündig und erwarb einen großen Hof auf. Damals ist man dann voll beladen mit verplombten Anhängern über die Transitstrecke der DDR gefahren. Noch heute wird Heu und Stroh mit dem Unimog angeliefert. Zweieinhalb Stunden ist man schon unterwegs.

Über das Stroh freut sich zur Weihnachtszeit auch der traditionelle und empfehlungswerte „Gasthof zur grünen Linde“ in Alt-Marienfelde. Hier wird so immer eine schöne gemütliche weihnachtliche und bäuerliche Atmosphäre geschaffen.

In Niedersachsen, genau gesagt in Rennau, und im angrenzenden Sachen-Anhalt, wo sich Ernst Wiese nach der Grenzöffnung 1989 noch deutlich ausgeweitet hat, sind es mittlerweile beachtliche 700 ha geworden. 200 ha liegen in Niedersachsen und 500 ha im Nachbarbundesland. Hier werden Weizen, Raps und Zuckerrüben angebaut. Dieser große Hof wird von fünf ständigen Mitarbeitern bearbeitet und verwaltet. Ernst und Margit Wiese fahren einmal die Woche nach Niedersachsen und klären persönlich die notwendigen Dinge und halten so engen Kontakt.

Bauer Wiese mit dem NaturRanger, Hand in Hand

Hier in Berlin helfen sich der Marienfelder NaturRanger Björn Lindner und der Bauer gerne: „Wir arbeiten gut zusammen. Es ist ein Geben und Nehmen. Es ist toll, was Lindner macht!“ Wiese findet, dass Landwirtschaft und Naturschutz Hand in Hand gehen: „Die Zusammenarbeit ist jedenfalls Top!“ Aber auch NaturRanger Björn Lindner spricht auf Nachfrage begeistert von der Hilfsbereitschaft des Bauern: „Ohne Ernst Wiese wären vielen große Arbeiten nicht machbar. Die Marienfelder Feldmark und wir brauchen Bauer Wiese!“


Björn Lindner hat die Familienkreuze restauriert.
Der Bauer beklagt sich über die Hundebesitzer, die ihre Hunde frei über die Felder rennen lassen: „Es ist nicht mal ein Hund, sondern die Konzentration durch die vielen Hunde.“ Ernst Wiese sagt: „Das ist dann Stress für die anderen Tiere und die Hasen werden verjagt.“ Andererseits unterschätzen die Menschen die Gefahr für ihre Tiere durch die Wildschweine: „Die Leute machen sich darüber keine Gedanken!“

Der Bauer und die Akten

Ernst Wiese ist offen und freundlich. Er unterhält sich gerne und lebt in seinem Beruf auf. Die Arbeit eines Bauern ist körperlich heute gar nicht mehr so schwer, weiß Wiese zu berichten. Die Geräte und Maschinen machen die körperliche Arbeit leichter.

Heute ist viel mehr Bürokratie zu bewerkstelligen: „Alles muss genau dokumentiert werden.“ Früher hatte Wiese einen Aktenordner, heute ist es schon ein Schrank voll Unterlagen. Auch die Planung ist bei den globalisierten Märkten sehr schwierig geworden. So musste schon längst der Dünger für nächstes Jahr berechnet und bestellt werden. Für die ganzen EU-Verwaltungsarbeiten hat Bauer Wiese jetzt jedoch eine externe Unterstützung.

Bauer Wiese und seine Maschinen

Noch heute repariert Ernst Wiese mal gerne seinen Traktor. Bei diesem Fendt geht es noch, weil er älter ist. Seine Frau frotzelt dann immer: „Du mit deinen historischen Traktoren.“ Bei den großen modernen Geräten kann man nichts mehr selbst machen. Ernst Wiese hat in Niedersachsen einen Mähdrescher mit einer Schnittbreite von 7,80 Meter sowie eine kleinere Leihmaschine. Die Gerätschaften kosten viel Geld. Da kommt für einen Mähdrescher schon mal über 350.000 Euro zusammen oder für jedes einzelne PS bei einem Trecker rund 1.000 Euro. Sein größter moderner Trecker hat stattliche 260 PS. Diese Fahrzeuge sind mit viel Computertechnik ausgestattet.

Die Liebe zum Beruf und noch längst nicht Ruhestand

Auf die Frage, was einen guten Bauern ausmacht, überlegt der Landwirt Ernst Wiese nur kurz: „Es ist die Liebe zum Beruf und die Liebe zur Natur.“ Für den Bauern ist seine Landwirtschaft, die nicht Biolandwirtschaft ist, ökologisch: „Man spritzt halt wirklich nur dann, wenn es unbedingt notwendig ist.“ Neben den Umweltgründen sind das auch wichtige finanzielle Aspekte, erläutert Wiese.

Im Winter ist am wenigsten zu tun. Da sind Betriebsferien und das Paar Wiese kann in den geliebten Skiurlaub fahren. Margit und Ernst Wiese sind stolz darauf, dass alle Beschäftigten in dieser Zeit, auch wenn der Winter wie jetzt länger ist, nicht entlassen werden. In anderen landwirtschaftlichen Betrieben ist das durchaus üblich. Ernst Wiese ist stolz auf seine zuverlässigen Mitarbeiter. Ein Beschäftigter ist schon 25 Jahre dabei.

Bauer Wiese hat keine eigenen Nachkommen, die den Hof weiter führen werden. Ernst Wiese denkt aber noch längst nicht an den Ruhestand: „Mir macht es Spaß! Und wenn ich gesund bleibe...“

Thomas Moser (auch alle Fotos)

1 Hektar (ha)= 10.000 Quadratmeter


 

1. Juni 2013 Eine Schule wird 50 Jahre alt! Wenn das kein Grund zum Feiern ist?

Die katholische St.-Alfons-Schule in Marienfelde feiert im Schuljahr 2012/2013 ihr 50-jähriges Schuljubiläum. Petrus hat zum Festakt, der im Rahmen eines großen Sommerfestes stattfand, kurzzeitig die Schleusen geschlossen.


Viele Gäste, Lehrer, Eltern, Schüler von Heute und aus den Gründungstagen haben sich in Marienfelde eingefunden.


Buntes Kindertreiben auf der kleinen Bühne vermittelte eine offene und freundliche Atmosphäre. Musikalisch wurden die vergangenen Jahrzehnte liebevoll und mit viel Freude von den Kindern in Szene gesetzt. Der musikalische Ritt durch die Vergangenheit fing bei der Rock ´n Roll-Zeit an, ließ Abba-Sound erklingen, wurde vom Popping-Tanzstil des Michael Jackson inspiriert, Star-Wars-Helden kämpften mit Schwertern und der Mango No. 5 animierte zum Tanzen. Ein abwechslungsreiches und sehr liebevoll gestaltetes Bühnenprogramm!

Hier das "knallrote Gummiboot"...


Frau Dr. Katharina Gamillscheg, die Vorsitzende des Schulelternrats, hielt die Festansprache, in der sie den Bogen von der Vergangenheit zu Heute aufzeigte.

Pfarrer Harry Karcz wünschte den Versammelten Gottessegen.

Der Schulleiter Konrad Böhm begrüßte herzlich die Besucher, nachdem er von Schülerinnen auf der Bühne zum Mittanzen animiert wurde. Konrektor Gerhard Lenz hielt die Festaktivitäten für die Schulchronik mit der Kamera fest.

Die Schulleitung: Konrad Böhm und Gerhard Lenz
Eine Jubiläums-Broschüre gibt interessante Einblicke in das Schulleben im Laufe der letzten fünfzig Jahre.

Es haben sich sogar zehn Schülerinnen und Schüler der ersten Klasse, die vor 50 Jahren eingeschult wurden, in einem „Ehemaligen-Klassenzimmer“ wiedergetroffen. Am 19. April 1963 wurden diese ersten ABC-Schützen, nach einem Gottesdienst in der St.-Alfons-Kirche, in die Schule aufgenommen. Das erste Schulgebäude war noch eine Holzbaracke der „Armen Schulschwestern“ in der Paralellstraße, die heutige Bruno-Möhring-Straße. Schwester Reinharda war die sehr beliebte erste Lehrerin, die damals eine große Klasse zu unterrichten hatte.

Einige Zeit konnten beim Sommerfest von den Kindern noch die vielen Spielangebote genutzt werden, bevor wieder eine heftige Regendusche die Gäste aufschreckte.

Nach wie vor erfreut sich die St.-Alfons-Schule einer großen Beliebtheit und kann über mangelnden Schülernachwuchs nicht klagen. Neben religiösen Aspekten wird viel Wert auf eine gute Qualifizierung von Lehrkräften und Erziehern gelegt. Die Entwicklung, Stärkung und Förderung einer gesunden Sozial-, Sach- und Lernkompetenz der Kinder steht im Leitbild der Schule. Ein wesentlicher Faktor ist auch die Vermittlung von Achtung, Höflichkeit und Respekt im Umgang miteinander.

Ein Dankgottesdienst mit Kardinal Woelki wird am 23. August 2013 einen würdigen Abschluss der Jubiläumsaktivitäten darstellen.

Thomas Moser (auch Fotos)

http://www.kssa.de


Auch meine ganz persönlichen Glückwünsche!
Thomas Moser, Schüler der "wirklich" 1. Klasse :-)


 

Der Mariendorfer Musiklehrer

Im ersten Teil haben wir den Mariendorfer Multikünstler Gerald Mann vorgestellt. Sein Leben ist die Musik und besonders der Gesang. Selbst in einer Talenteshow in Kindertagen entdeckt, hat er schon seit vielen Jahren eine eigene Talenteshow und hat seine Passion, die Musik, zum Beruf gemacht.

Gerald Mann arbeitet seit mittlerweile 26 Jahren als Lehrer an der Leo-Kestenberg-Musikschule Tempelhof-Schöneberg. Diesen Teil seiner Arbeit sieht er als beruflichen Schwerpunkt und sorgt für ein geregeltes Einkommen für sich und seine Familie. Der Musiklehrer ist an fünf Tagen in der Woche in der Mariendorfer Schätzelberg Grundschule zu finden. Gerald Mann unterrichtet Gesang, Klavier und Theorie für musikinteressierte Menschen. Die Altersspanne seiner Schüler liegt derzeit zwischen 8 Jahre und Ende 60.

Durch die verschlossene Tür der Aula hört man am Nachmittag wundersame Stimmlaute. Das Rätsel lüftet sich, wenn man den großen Raum betritt. Am Konzertflügel sitzt Gerald Mann und daneben steht ganz konzentriert seine Gesangsschülerin Gabriele Seidel-Schäffer (58).

Stimmübungen am Anfang

Am Beginn der Stunde sind immer Stimmübungen in Verbindung mit Einsingen angesagt.


Das, was wir eben gehört haben, war das Intervall-Training in Verbindung mit Gehörbildung, wie Gerald Mann erläutert. Er spielt am Flügel mehrere Tonfolgen vor, die zu hören und dann nachzusingen sind. Gerald Mann und seine Schülerin sind sehr ernsthaft bei der Sache. Der Dozent Gerald Mann erklärt genau die körperlichen Zusammenhänge, die mit Stimme und Gesang berührt werden. Zur richtigen Stimmbildung gehört auch das Training der sängerischen Tiefenatmung in Verbindung mit dem Zwerchfell, dem wichtigsten Atemmuskel. Einzelne Konsonanten werden über mehrere Sekunden gesungen, gebrummt und gesummt: „Die verschiedenen klingenden Konsonanten sprechen unterschiedliche Klangräume im Körper an und dienen als Resonatoren”, erklärt Gerald Mann.

Zum Training gehören auch der nahtlose Wechsel und das unterschiedliche Einsetzen von Brust- und Kopfstimme. Die Körperspannung zeigt sich deutlich bei den ganzen Übungen. Auch ein kraftvoller Vokalausgleich (Susa, Sosa, Sesa, Sisa und Ähnliches wird intoniert) und das Üben eines gleichmäßigen Vibratos gehört zur Schulung einer professionellen Stimme. Ganz ungünstig ist es, weiß Mann zu berichten, wenn man direkt vor einem Auftritt geschlafen hat und sich vorher nicht einsingt.

Gerald Mann geht auf Wünsche ein

Auch für die Schülerin ist die Gesangsschulung sehr wichtig und “keinesfalls langweilig!” Gabriele Seidel-Schäffer, die nur zum eigenen Vergnügen singt, sagt über Gerald Mann: “Ich finde es gut, dass Gerald mit seinen Schülern keine ehrgeizigen Pläne verfolgt, sondern sehr auf unsere Wünsche eingeht.” Mit einigen Unterbrechungen geht die Schülerin schon seit langer Zeit zu Gerald Mann zum Musikunterricht. Einige Schülerinnen hat der Musiklehrer zum Studium geführt, manche lassen sich später auch noch coachen. So haben die Schauspielerin Mariella Ahrens und sogar die dänische Sängerin Gitte Haenning vor Jahren ihre Stimmen bei Gerald Mann schulen lassen. Die meisten Schülerinnen (der weibliche Anteil ist sehr stark vertreten) singen schon viele Jahre bei Mann.

Singen macht Spaß

So richtig Vergnügen kam auf, als einige Lieder angestimmt wurden: “Memory” aus dem Musical Cats, “Don´t Cry for Me Argentina” aus Evita und, zusammen mit Gerald Mann “Ännchen von Tharau”. Es wurde immer wieder am richtigen Ton gefeilt. Dabei ging es durchaus ernsthaft, aber nicht verkniffen zu. Lehrer und Schülerin hörte man den Spaß bei der Sache und an schönen Tönen in der Stimme an. Gerald Mann spart nicht mit Lob, er gibt aber auch immer wieder kritische Hinweise und zeigt gerne die unterschiedlichen, verbesserungswürdigen  Möglichkeiten mit der eigenen Stimme auf.

Gerald Mann ist ein einfühlsamer Lehrer, der seine Schüler bei den Musikschulkonzerten selbstverständlich am Flügel begleitet.

Ein Leben für die Musik und für den Gesang! Gerald Mann ist ein beeindruckend vielfältiger Künstler, der sein Können mit Freude weitergibt!

Thomas Moser

Link zu Gerald Mann: http://www.gerald-mann.de

Link zur Leo-Kestenberg-Musikschule: http://www.lkms.de


 

Das neue Straßenverzeichnis von Tempelhof-Schöneberg

Vom Abendrotweg bis zur Züllichauer Straße: Alle rund 900 bezirklichen Straßen, Plätze und Brücken sind im neuen Straßenverzeichnis von Tempelhof-Schöneberg auf eine sehr anschauliche und übersichtliche Weise dargestellt.

Anschauliche Stellstafeln rundeten die Präsentation ab.
Warum heißt die Straße, in der ich wohne, so, wie sie heißt? Hatten die Straßen einst andere Bezeichnungen und wie sahen sie früher aus? Alle diese Fragen werden für den interessierten Leser im neuen Werk des Stadtentwicklungsamtes beantwortet.

Präsentation des neuen Straßenverzeichnisses

Im Rathaus Schöneberg stellte die Bezirksstadträtin Dr. Sibyll Klotz und der Leiter des Fachbereichs Vermessung und Geoinformation, Ulrich Hopp, das neue Buch vor.



Die Stadtentwicklungstadträtin spricht begeistert von der Arbeit des bezirklichen Vermessungsamtes: „Die vielen dort gelagerten Karten sind eine Schatzkammer für historisch Interessierte!“ Sibyll Klotz bedankt sich bei den Mitarbeitern des Amtes.

Besonders bedankt sie sich bei Michael Thiele (68) und Hans-Ulrich Schulz (62). Michael Thiele war vor seinem Ruhestand Gruppenleiter im Vermessungsamt. Thiele erzählt, dass er vor Bezirks-Fusionszeiten ein Straßenverzeichnis in Tempelhof erstellt hat und auch einige Ausstellungen organisiert hat. Eine Ausstellung behandelte den Flughafen Tempelhof. Dazu gibt es sogar noch die interessante Broschüre „Landing on Tempelhof“. Das gemeinsame Bezirksverzeichnis hat Thiele in seiner aktiven Dienstzeit bis zum Buchstaben „M“ erstellt. Danach hat er seine ehemaligen Kollegen bei Bedarf immer noch gerne unterstützt.

Ulrich Hopp, Michael Thiele, Hans-Ulrich Schulz und Sibyll Klotz freuen sich über das neue Verzeichnis.

Historische Straßenzüge auf Postkarten

Das Buch hat mit fast 500 Seiten einen beachtlichen Umfang und wird mit über 350 historischen Fotos und Postkarten ergänzt. Die Abbildungen machen das Werk erst richtig lebendig. Hans-Ulrich Schulz hat rund die Hälfte der Postkarten beigesteuert und betont: „Ich habe besonders alte Straßenzüge ausgesucht. Einzelne Gebäude hätten nicht so schön den Eindruck der Straße wiedergegeben.“ Schulz ist „alter“ Mariendorfer, kennt dort jede Ecke und sammelt seit Jahrzehnten historische Postdokumente.

Vermessungsamtsleiter Ulrich Hopp gerät ins Schwärmen: „Das Verzeichnis macht neugierig zum tiefer Einsteigen!“. Der Leiter des Fachbereichs Vermessung ist davon überzeugt, dass es sich um ein lebendiges Werk handelt. Er freut sich schon auf Hinweise und Anregungen von Bürgern. Hopp bedankt sich bei Volkhard Göthlich, der auch viele Postkarten aus seiner Privatsammlung beigesteuert hat, und für die besondere Unterstützung der Archive bei den Museen in Tempelhof-Schöneberg.

Viele Fragen werden genau beantwortet

Warum heißt die Baumeisterstraße am S-Bahnhof Friedenau Baumeisterstraße? Ist Sie zu Ehren aller Baumeister dieser Welt benannt? Reinhard Baumeister war tatsächlich auch ein Baumeister. Als Bauingenieur gilt er als „Mitbegründer des auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhenden modernen Städtebaus“. Die „jüngste“ Straße und auch der letzte Eintrag in das Straßenverzeichnis ist die Hertha-Block-Promenade am S-Bahnhof Südkreuz, die erst Ende 2012 ihren Namen erhalten hat.

Wem solche Details gefallen, der muss sich einfach das neue Straßenverzeichnis holen.

Marius Feldkamp (Bündnis 90/Die Grünen), Bezirksverordneter, blättert interessiert im neuen Verzeichnis.
Für nur 5 Euro Schutzgebühr, dem Selbstkostenpreis für den Druck, kann das Verzeichnis in der Plankammer im Rathaus Schöneberg (4. Stock/Raum G 14) erworben werden. Zum Buch gehört eine sehr interessante Bezirkskarte im Maßstab 1:20 000, in der die Umbenennungen der Straßen überschaubar in rot gekennzeichnet wurden. Um es vorwegzunehmen, die Karte ist mit historischen roten Straßenbezeichnungen nur so übersät.

Übrigens kann die oben erwähnte Broschüre „Landing on Tempelhof“ für 10 Euro in der o.g. Plankammer und in den Bürgerämtern des Bezirks erworben werden.

Thomas Moser


 

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