Das neue Straßenverzeichnis von Tempelhof-Schöneberg

Vom Abendrotweg bis zur Züllichauer Straße: Alle rund 900 bezirklichen Straßen, Plätze und Brücken sind im neuen Straßenverzeichnis von Tempelhof-Schöneberg auf eine sehr anschauliche und übersichtliche Weise dargestellt.

Anschauliche Stellstafeln rundeten die Präsentation ab.
Warum heißt die Straße, in der ich wohne, so, wie sie heißt? Hatten die Straßen einst andere Bezeichnungen und wie sahen sie früher aus? Alle diese Fragen werden für den interessierten Leser im neuen Werk des Stadtentwicklungsamtes beantwortet.

Präsentation des neuen Straßenverzeichnisses

Im Rathaus Schöneberg stellte die Bezirksstadträtin Dr. Sibyll Klotz und der Leiter des Fachbereichs Vermessung und Geoinformation, Ulrich Hopp, das neue Buch vor.



Die Stadtentwicklungstadträtin spricht begeistert von der Arbeit des bezirklichen Vermessungsamtes: „Die vielen dort gelagerten Karten sind eine Schatzkammer für historisch Interessierte!“ Sibyll Klotz bedankt sich bei den Mitarbeitern des Amtes.

Besonders bedankt sie sich bei Michael Thiele (68) und Hans-Ulrich Schulz (62). Michael Thiele war vor seinem Ruhestand Gruppenleiter im Vermessungsamt. Thiele erzählt, dass er vor Bezirks-Fusionszeiten ein Straßenverzeichnis in Tempelhof erstellt hat und auch einige Ausstellungen organisiert hat. Eine Ausstellung behandelte den Flughafen Tempelhof. Dazu gibt es sogar noch die interessante Broschüre „Landing on Tempelhof“. Das gemeinsame Bezirksverzeichnis hat Thiele in seiner aktiven Dienstzeit bis zum Buchstaben „M“ erstellt. Danach hat er seine ehemaligen Kollegen bei Bedarf immer noch gerne unterstützt.

Ulrich Hopp, Michael Thiele, Hans-Ulrich Schulz und Sibyll Klotz freuen sich über das neue Verzeichnis.

Historische Straßenzüge auf Postkarten

Das Buch hat mit fast 500 Seiten einen beachtlichen Umfang und wird mit über 350 historischen Fotos und Postkarten ergänzt. Die Abbildungen machen das Werk erst richtig lebendig. Hans-Ulrich Schulz hat rund die Hälfte der Postkarten beigesteuert und betont: „Ich habe besonders alte Straßenzüge ausgesucht. Einzelne Gebäude hätten nicht so schön den Eindruck der Straße wiedergegeben.“ Schulz ist „alter“ Mariendorfer, kennt dort jede Ecke und sammelt seit Jahrzehnten historische Postdokumente.

Vermessungsamtsleiter Ulrich Hopp gerät ins Schwärmen: „Das Verzeichnis macht neugierig zum tiefer Einsteigen!“. Der Leiter des Fachbereichs Vermessung ist davon überzeugt, dass es sich um ein lebendiges Werk handelt. Er freut sich schon auf Hinweise und Anregungen von Bürgern. Hopp bedankt sich bei Volkhard Göthlich, der auch viele Postkarten aus seiner Privatsammlung beigesteuert hat, und für die besondere Unterstützung der Archive bei den Museen in Tempelhof-Schöneberg.

Viele Fragen werden genau beantwortet

Warum heißt die Baumeisterstraße am S-Bahnhof Friedenau Baumeisterstraße? Ist Sie zu Ehren aller Baumeister dieser Welt benannt? Reinhard Baumeister war tatsächlich auch ein Baumeister. Als Bauingenieur gilt er als „Mitbegründer des auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhenden modernen Städtebaus“. Die „jüngste“ Straße und auch der letzte Eintrag in das Straßenverzeichnis ist die Hertha-Block-Promenade am S-Bahnhof Südkreuz, die erst Ende 2012 ihren Namen erhalten hat.

Wem solche Details gefallen, der muss sich einfach das neue Straßenverzeichnis holen.

Marius Feldkamp (Bündnis 90/Die Grünen), Bezirksverordneter, blättert interessiert im neuen Verzeichnis.
Für nur 5 Euro Schutzgebühr, dem Selbstkostenpreis für den Druck, kann das Verzeichnis in der Plankammer im Rathaus Schöneberg (4. Stock/Raum G 14) erworben werden. Zum Buch gehört eine sehr interessante Bezirkskarte im Maßstab 1:20 000, in der die Umbenennungen der Straßen überschaubar in rot gekennzeichnet wurden. Um es vorwegzunehmen, die Karte ist mit historischen roten Straßenbezeichnungen nur so übersät.

Übrigens kann die oben erwähnte Broschüre „Landing on Tempelhof“ für 10 Euro in der o.g. Plankammer und in den Bürgerämtern des Bezirks erworben werden.

Thomas Moser


 

Seine Augen glänzen, wenn er über sein Hobby und seine Leidenschaft spricht. Dann findet er kaum ein Ende und weiß immer neue Geschichten zu erzählen. Hans-Ulrich Schulz (62) ist Mariendorfer mit Herz und Seele und hat sich mit Postdokumenten, wie historischen Briefen und Postkarten, und mit vielen historischen Zusammenhängen auseinandergesetzt. „Ich bin immer wieder fasziniert, wie vielfältig Philatelie ist,“ erzählt mit viel Temperament der agile Sammler.

Ein eingefleischter Mariendorfer „durch und durch“

Hans-Ulrich Schulz, alle Bekannte und Freunde nennen ihn nur Uli, ist in Berlin-Mariendorf aufgewachsen. Mittlerweile lebt er in der vierten Generation in seinem Ortsteil Mariendorf im Bezirk Tempelhof-Schöneberg von Berlin. Er arbeitet als Sozialarbeiter im bezirklichen Jugendamt und ist in seinem Job für die pädagogische Vernetzung in seinem Ortsteil zuständig. Hans Ulrich-Schulz kennt hier jeden Stein.

In seiner Freizeit hat Uli-Schulz noch nie Langeweile verspürt. Neben der Philatelie hat er bis vor einigen Jahren mit seiner Frau Romy auf vielen Turnieren getanzt. Aber auch jetzt begleitet er neben seinem Hobby noch Ferien-Zeltlager der Diakonie mit Kindern und Jugendlichen und ist dort für das Catering zuständig.

Wie die Sammelleidenschaft begann

Wie fing alles mit seinem Geschichtsinteresse an? Hans-Ulrich Schulz begleitete seinen Großvater, der eine Bäckerei und Konditrei mit Café in Mariendorf besaß, beim Ausfahren von Backwaren. Mit dem Roller war er viel im Stadtteil unterwegs und hatte sich schon in früher Kindheit für seinen Ortsteil und die Veränderungen interessiert. Seit dem 8. Lebensjahr sammelte Schulz Briefmarken. Ab circa 1980 wurde sein Interesse für Berliner Heimat- und Postgeschichte immer größer. Der Vorsitzende des Briefmarkenvereins brachte ihn auf die Idee: „Bau doch mal eine richtige Sammlung auf und schreibe etwas für den Ausstellungskatalog zur Geschichte des Flughafens Tempelhof.“ So fing alles an! Die Regale im Arbeitszimmer in seiner Mariendorfer Wohnung sind mittlerweile von oben bis unten mit Dokumenten und Literatur für seine Hintergrundrecherchen bestückt.

Uli Schulz, der mittlerweile nur noch Dokumente und keine Briefmarken mehr sammelt, hat eine umfangreiche Sammlung über Tempelhof, Mariendorf und Marienfelde mit Dokumenten, Ansichtskarten, Fotos und Briefen. Der Sammler hat keine elektronische Datenbank seiner Schätze, aber mit einem Griff findet er sich in seinen gut sortierten Ordnern sofort zurecht. So ganz nebenbei hat er bei seinen Recherchen einige Lücken in der Geschichtsschreibung füllen und auch fehlerhafte Hinweise in den Archiven aufdecken können.

Die Berliner Flughäfen, vom Zeppelin und der „Tante Ju“

Besonders interessiert sich Uli Schulz für die Postgeschichte der Berliner Flughäfen. Er hat spannende Postkarten, die die Geschichte vom Tempelhofer Feld zum Zentralflughafen erzählen. Ob Zeppeline oder die gute alte „Tante Ju“, das bekannte Flugzeug Ju 52 von Junkers, der Sammler kennt immer noch eine neue Geschichte.

Für Sammler ist es immer etwas ganz Besonderes, wenn die Briefmarken auf den Postkarten auf die Ansichtsseite geklebt wurden. Die „Franzosen“ und „Engländer“, wie sie bei den Sammlern genannt werden, sind so begehrt, weil Postkarten mit Wertzeichen auf der falschen Seite so selten tatsächlich verschickt und befördert wurden bzw. „gelaufen“ sind. Diese Karten werden deshalb so bezeichnet, weil sie in der Regel nur von Franzosen und Engländer verschickt wurden.

Aber Uli Schulz kann auch einiges zu den Pionierflügen nach China im Jahr 1931 erzählen, wo der Brief auch nur 11 Tage unterwegs war. Andere Storys weiß Schulz über die „Katapultbriefe“. In Katapultschiffen der Lufthansa wurden Briefe im südatlantischem Postverkehr vor dem Zweiten Weltkrieg befördert.

Ob die Beförderung mit der Rohrpost geschah, die natürlich auch zusätzliches Porto gekostet hat, der Transport im Zeppelin erfolgte oder andere Vorkommnisse passierten: Jeder Schritt in der Beförderung wurde mit Stempelaufdruck oder anderen Hinweisen genau dokumentiert und kann daher noch heute dem Experten viele Geschichten erzählen.

Die Crash-Post und der Cholerabrief

So ist die gerettete „Crash-Post“, zum Beispiel nach Flugzeugabstürzen, für den Sammler besonders interessant. Teilweise angekokelte Briefe zeugen von Tragödien und Geschichten, die hinter den Papierresten stehen.

Spannend ist auch der Cholerabrief aus dem Jahr 1831, der sich im Besitz des Mariendorfer Sammlers befindet. Dieser Brief wurde geräuchert, was man heute wiederum noch am Zangenabdruck erkennen kann. Für Uli Schulz ist auch ein Brief vom 31. August 1939 symbolisch, weil er einen Tag vor dem Beginn des 2. Weltkrieges von einer abgestürzten Ju 52 befördert wurde. Uli Schulz erzählt und erzählt und man kann stundenlang wie gebannt seinen Geschichten zuhören.

Über seine Sammelschwerpunkte hat er schon Bücher geschrieben, viele Vereine und Institutionen mit Veröffentlichungen und Vorträgen unterstützt und sich mit Erfolg an nationalen und internationalen Wettbewerben beteiligt. Mit Stolz präsentiert er seine bisherigen Auszeichnungen in der Vitrine im Arbeitszimmer.

Mit der Sammlung unterwegs bei Ausstellungen

Für Ausstellungen hat Uli Schulz einzelne Blätter zusammengestellt und Dokumente kombiniert, die eine besondere Geschichte erzählen und Geschichte in einem ganz neuen lebendigen Kontext erscheinen lassen. Der Mariendorfer hilft immer wieder gerne, wenn seine Fachkompetenz und seine Schätze gefragt sind. Sein Hobby ist nicht ganz billig. So sind 50 Euro für eine Karte schnell ausgegeben. Über Geld spricht Uli Schulz nicht so gerne, weil es ihm um die Sache geht. Aber erst kürzlich hat er eine Lücke in seiner Sammlung schließen können und hat dafür einige Tausend Euro für einen einzelnen Brief bezahlen müssen. Besonders stolz ist der Postgeschichtler auf seine lückenlose Sammlung historischer Telegram-Schmuckblätter von 1928 bis 1941.

Neue Sammelstücke bekommt er oft nur per Zufall, bei Auktionen, mit Hilfe der Internetsuche und, mittlerweile ganz selten, auf Flohmärkten. Oftmals gibt es nur noch wenige Exemplare. Es ist eine mühsame Sisyphos-Arbeit eine Lücke in der Sammlung zu schließen und manchmal hilft nur der Zufall.

Mit dem Sammler-Verein „Berliner Bär“ im Tempelhofer Hafen

Die Ausstellung zum 65. Geburtstag des Briefmarkensammlervereins Berliner Bär e. V. im Tempelhofer Hafen Anfang November 2012 hat der Sammler mit einigen Exponaten gerne unterstützt, obwohl er hier kein Mitglied ist.


Der Vorsitzende vom „Berliner Bär“, Franz-Josef Pütz (Foto: rechts neben U. Schulz), freut sich immer, wenn Uli Schulz sich beteiligt: „Wir halten immer ganz engen Kontakt.“ So konnte Schulz bei dieser gut besuchten Ausstellung auch wieder alte und neue Kontakte knüpfen.


Für die aktuelle Festschrift des Vereins hat Hans-Ulrich Schulz einen Text mit vielen Bildern und Dokumenten zum Thema „80 Jahr Post in der Mariendorfer Königstraße – vom Postamt zum Postbank-Finanzcenter (1932 bis 2012)“ beigesteuert.




Die Besucher hören Uli Schulz gebannt zu, wie er im Einkaufszentrum am Tempelhofer Hafen, vor den Geschäften, von seinen Exponaten berichtet. „Der kann spannend erzählen,“ war die begeisterte Anmerkung einer jüngeren Frau. „Mit dem Nachwuchs ist es in der Philatelie so eine Sache“ erzählt Schulz. Jüngere Leute kann man heute nicht für Briefmarken gewinnen: „Erst wenn die Menschen so um die Fünfzig sind, fangen sie an sich näher für die Heimatgeschichte zu interessieren.“ In der Jugend von Schulz konnte man noch gelegentlich mit seiner Briefmarkensammlung die Freundin beeindrucken. So hat Hans-Ulrich Schulz auch ein klein wenig seine Frau Romy mit der Sammelleidenschaft angesteckt. Sie hat bei der Ausstellung im Hafen auch eine eigene Vitrine zum Thema „Vom Schamanentanz zur Rumba“ mit Briefmarken zusammengestellt.

Historische Kalender für das Jahr 2013 und kein bisschen Langeweile!

Für das Jahr 2013 hat Hans-Ulrich Schulz wieder zwei schöne Kalender mit historischen Postkarten rausgebracht. In einem Kalender hat sich der Sammler „Tempelhof und seine Vororte in alten Ansichten“ vorgenommen und der zweite Kalender hat den Titel „Gruß aus den Lüften - Berliner Luftfahrt in alten Ansichten“ bekommen. Diese drucktechnisch hochwertigen Kalender waren für jeweils nur 12 Euro in Tempelhofer Buchhandlungen und im Fliegerladen am ehemaligen Flughafen Tempelhof erhältlich. (Direktkontakt zum Morgana-Verlag www.berliner-kiez-kalender.de ).Mittlerweile gibt es schon viele Kalender-Fans, die Hans-Ulrich Schulz wohl auch im nächsten Jahr nicht enttäuschen wird.

Hans-Ulrich Schulz hat sich noch viele Projekte vorgenommen und ist der vollen Überzeugung, dass es sich auch später als Rentner nicht langweilen wird. Wir sind uns da auch ganz sicher! Uli Schulz wird noch viele Spuren in der Tempelhofer und Mariendorfer Geschichte hinterlassen!

Thomas Moser (auch alle Fotos)
Hier noch Fotos von der Ausstellung:




 

Berliner Traditionsunternehmen von Lichtenrade nach Britz umgesiedelt


Lesezirkel, was ist denn das? Das sind doch die Zeitschriften, die oft beim Arzt oder Friseur ausliegen. Hier sind gerade die Hefte sehr beliebt, die man sonst nicht ließt. Klatsch und Tratsch aus den Könighäusern Europas und dann noch schnell ein Kreuzworträtsel lösen. Da wird das Warten fast zum Vergnügen! Genau diese Vorstellungen von Lesezirkel hört die Chefin Ute Weißgerber-Knop (51) immer wieder: „Wie haben jedoch eine Vielfalt von über 150 Magazinen und Zeitschriften und wir freuen uns auch über die vielen Privatkunden.

Seniorenchefin Helga Weißgerber, Seniorchef Lothar Weißgeber und Inhaberin Ute Weißgerber-Knop

Die Geschäftsidee ist einfach, aber zeitlos genial. Der Lesezirkel vermietet mehrfach Zeitschriften und Magazine. Die Kunden entscheiden, ob sie aktuelle oder auch schon etwas ältere Zeitschriften lesen wollen. Die Zeitschriften werden von den Lesezirkelfahrern wöchentlich geliefert und abgeholt. Damit die Zeitschriften geschont werden, sind sie in einem dickeren Deckel verpackt. Der Deckel dient gleichzeitig als Werbeträger. Durch den Umlauf der Zeitschriften, die regelhaft bis zur vierten Woche nach Erscheinen Woche für Woche vermietet werden, kann der Kunde bis zu 50 Prozent einsparen. Wichtig ist für die Firmenchefin: „Da gibt es keinen Haken für den Kunden. Das Abonnement kann jederzeit verändert oder gekündigt werden.“ Diese Freiheit der Kunden und das Erfüllen der individuellen Wünsche ist für den Seniorchef Lothar Weißgerber (80) das Erfolgsgeheimnis des Unternehmens. Für die Verlage ist der Lesezirkel auch sehr interessant, da die Hefte immer garantiert abgenommen werden.


Weißgerber Lesezirkel ist schon seit 87 Jahren im Geschäft. Weißgerber ist einer von drei in Berlin ansässigen Lesezirkeln und ist als echtes Berliner Familienunternehmen in der Branche bundesweit bekannt. Lothar Weißgerber kann noch davon erzählen, dass es in Berlin über 120 Lesezirkel gab. Als kleiner Junge half der heutige Senior seinem Vater beim Ausliefern. Er fuhr in den Ferien die Hefte noch mit dem Fahrrad aus. Viele Jahre residierte der „Weißgerber Lesezirkel“ in Lichtenrade. Die Räumlichkeiten an der Buckower Chaussee platzen aber aus allen Nähten. So war der Umzug in die Neuköllner Mohriner Allee 30-34 vor einiger Zeit eine logische Folge für das Unternehmen. Im Oktober wurden offiziell die neuen Geschäftsräume in Britz eingeweiht.

Wenn man die Halle vom Lesezirkel auf dem Firmengelände betritt, riecht man die Druckerschwärze. Regal an Regal, gefüllt mit blauen Umschlägen und Stapeln von den unterschiedlichsten Zeitschriften: Stern, Spiegel, Bunte, Geo, Mickey Mouse, PC-Welt und wie sie alle heißen.

Etwas Unruhe ist im Raum zu spüren, wo jetzt gerade um die zehn Personen rumwuseln. Die „Gala“ ist noch nicht da! Es ist 7.30 Uhr. Arbeitsbeginn ist hier um 6 Uhr, einige sind sogar schon vorher da. Die Zeitschrift kommt heute etwas später aus der Druckerei. Die meisten Tourenpakete sind schon fast vollständig zusammengestellt. An vielen Stellen weist ein Fähnchen in den Mappen noch darauf hin, dass an dieser Stelle die „Gala“ nachsortiert werden muss. Auf einmal kommt, kaum merkbar, wieder Bewegung in die Halle. Paletten der fehlenden Zeitschrift werden durch den Wareneingang geschoben und die Zeitschrift kommt nun direkt zu den Heftmaschinen. Hier erhält jedes Heft einen stabilen Umschlag. Heft für Heft wird hier alles, mit fast historischen Maschinen, zusammengetackert. Alles ist ruhig, sehr freundlich, aber hochkonzentriert.

Andre Bever (lks) an der Heftmaschine

An den Heftmaschinen müssen sich die langjährigen Mitarbeiter immer noch konzentrieren, damit kein Unfall passiert. Aber Andre Bever (43) hat immer noch Zeit, um die Kollegen mit einem kleinen Scherz aufzumuntern. Die eine Heftmaschine liebt Bever besonders: „Das ist mein Porsche!“ Aber Andre Bever gibt auch zu, dass er schon manche Nacht vom Tackern an seiner Heftmaschine geträumt hat.

Yvonne Simat hat Alles im Blick
Die Zusammenstellung der verschiedenen Mappen, mit den vielfältigen Zeitschriften in den unterschiedlichsten Wochen erfordert Genauigkeit in der Arbeit. In den Gesichtsausdrücken kann man diese Konzentration förmlich spüren, wenn beispielsweise die Klassikmappe, die Freizeitmappe, die Wissensmappe und auch die Kindermappe zusammengestellt wird. Yvonne Simat (43) kann aber bei dieser Arbeit nichts aus der Ruhe bringen.

Jan Weber-Göhr beim Heften

Beim Weißgerber Lesezirkel ist alles sehr familiär. Da kann man spüren, wie die Mitarbeiter freundlich miteinander umgehen. Das bedeutet aber auch, dass alle ein offenes Auge für notwendige Arbeiten haben. So ist Jan Weber-Göhr (35) mal an der Heftmaschine tätig, dann stellt er seine Mappen zusammen, bevor er mit dem Firmenwagen auf Tour geht und 77 Kunden beliefert. Hat denn schon einmal am Ende der Tour ein Heft gefehlt? Dank der gut organisierten Arbeitsabläufe konnten alle Fahrer bestätigen, dass dies noch nicht passiert ist. Eine Reservemappe haben die Fahrer jedoch immer dabei: „Man weiß ja nie.“

Thorsten Johne, die "Allzweckwaffe" und der "Deckelweltmeister"

Auch Torsten Johne, einer von 40 Beschäftigten, fehlt an dem Auslieferungstag nicht in der Halle, obwohl er sonst für den Kundenservice und die Systemadministration der Computeranlage zuständig ist. Torsten Johne wird von einem Kollegen auch liebevoll der „Deckelweltmeister“ an der Heftmaschine genannt. Johne ist auch dafür da, wenn eine der alten Heftmaschinen kurzfristig ihren Geist aufgibt. Bislang hat er noch alles zum Laufen gebracht. Heute reichten ein paar Tropfen Öl, um die Maschinen in Schwung zu halten. Bei allen Mitarbeitern hat man den Eindruck, dass sie mit Spaß bei der Sache sind und hier gerne arbeiten.

Seniorchef Lothar Weißgeber hilft noch regelmäßig...

Lothar Weißgerber ist stolz auf das Unternehmen und auf seine Familie: „Ohne meine Frau wären wir nicht so weit gekommen.“ Liebevoll tätschelt er die Hand der beherzten Seniorchefin Helga Weißgerber. Ob Seniorchefs und Juniorchefin; die Weißgerbers pflegen und hegen ihre Beschäftigten und wissen ganz genau, was sie an ihren Mitarbeitern haben. Im freundlich gestalteten Frühstücksraum des Unternehmens ist eine gelöste Atmosphäre zu spüren. Hier kann jeder in Ruhe seine Brote essen und einen Kaffee trinken.


Die Inhaberin Ute Weißgerber-Knop bestätigt, dass das Unternehmen langsam, aber stetig wächst. Mit 14 Lieferfahrzeugen werden über 150.000 Zeitschriften ausgeliefert. Eine Filiale hat man sogar in Forst, in der Nähe von Cottbus. Ute Weißgerber-Knop macht es „Spaß auf Kundenwünsche einzugehen“. Hier wird sogar darauf geachtet, dass für Kunden mit älteren Exemplaren auch mal bereits gelöste Rätsel ausgetauscht werden. „Der private Kundenstamm hat heute eher ein etwas höheres Einkommen“ erzählt die Chefin. Besonders bei dieser Kundengruppe hat man erkannt, dass der Lesezirkel Kosten einspart und außerdem sehr bequem ist. Eine Erfolgsgarantie sind die sehr zuverlässigen und freundlichen Ausfahrer. Überhaupt sind im Unternehmen viele Menschen beschäftigt, die schon jahrelang dem Lesezirkel Weißgerber die Treue halten. Weißgerber Lesezirkel hat aber immer etwas von ihrem Erfolg abgegeben. So werden regelmäßig Jugendeinrichtungen und andere soziale Projekte mit Firmenspenden unterstützt.

Thomas Moser – BerLi-Press

http://www.weissgerberlesezirkel.de

Bericht aus der Internetzeitung von Lichtenrade zum 85. jährigen Firmenjubiläum: http://weblog.lichtenrade-berlin.de/archive/2010/02/27/wei-gerber-lesezirkel-wird-85-jahre-jung.htm

Die Chronik vom Weißgerber Lesezirkel: http://www.lichtenrade-berlin.de/weissgerber.html


 

In der Tempelhofer ufa-Fabrik hat man allen Grund zum Feiern. Das Nachbarschafts- und Selbsthilfezentrum, kurz NUSZ, ist 25 Jahre alt geworden.

Zu der Festveranstaltung mit anschließendem Galaprogramm wurden die Freunde, Förderer und Besucher der ufa-Fabrik eingeladen.


Ein großes Kinder- und Familienfest brachte besonders den kleinen Besuchern viel Spaß. Leider regnet es beim Kinderfest noch ein wenig, bevor dann doch das sommerliche Wetter die Überhand gewann.


Bei der Geburtstagsshow lässt sich die ufa-Fabrik natürlich nicht lumpen. Ein grandioser Auftakt bot „Pop meets Klassik“ mit dem JugendKammerOrchesterBerlin e. V. in Kooperation mit dem Jugendorchester der Schostakowitsch-Musikschule aus Lichtenberg und den Spirale Allstars.

Hier wird noch fleißig geprobt...


Renate Wilkenig, Angelika Schöttler, Sigrid Zwicker (v. lks.)

Die Begrüßung ließen sich die beiden Geschäftsführerinnen, Renate Wilkening und Sigrid Zwicker, nicht nehmen. Für den Vorstand des NUSZ sprach Gudrun Chen-Wagner. Der Mitbegründer und „Multikulturimpressario“ der ufa-Fabrik freute sich auch mit dem NUSZ-Team über den runden Geburtstag.

Für das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg dankte die Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) dem Nachbarschafts- und Familienzentrum für seine engagierte Arbeit.


Barbara John mit Renate Wilkening
Die Vorstandsvorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin, Prof. Barbara John, findet die Arbeit von NUSZ sehr wertvoll: „Die Nachbarschafts- und Gemeinwesenarbeit liegt uns als Wohlfahrtsverband sehr am Herzen, denn sie sind für uns die zentralen Punkte in unserer Gesellschaft, in denen Partizipation, Teilhabe und Mitbestimmung der Bürgerinnen und Bürger erst lebendig werden. Nachbarschaft wird gestalt- und erlebbar.“


Georg Zinner fühlt sich bei den Frauen sichtlich wohl.

Als Vorsitzender des Verbandes für sozial-kulturelle Arbeit gratulierte Georg Zinner dem NUSZ.
Noch viele kulturelle Highlights rundeten das Festprogramm ab. Unter dem Motto „California Dreaming“ trat der NUSZ Chor mit musikalischer Unterstützung von Hinrich Scheffen und Eva Lenkering auf.

Hier übt Hinrich Scheffen schon das Dirigieren!

Ein Genuss! Viele Tanzeinlagen folgten, die Jongliergruppe „Mallos“ der Circusschule ufaFabrik zeigten ihre Künste und zum Finale wurde mit Samba Reggae der Percussionschule ufaFabrik den Festgästen eingeheizt.
Als Gäste waren die Stadträte Dr. Sibyll Klotz (Bündnis 90/Die Grünen) und Oliver Schworck (SPD) und weitere Bezirksverordnete vertreten.

Sibyll Klotz und Thomas Härtel, Staatssekretär a.D. vergnügt mit Juppy im Gespräch.


Stellv. BVV-Vorsitzender Martina Zander-Rade (Bündnis 90/Die Grünen) im Gespräch mit Christine Fidancan vom bezirklichen Ehrenamtsbüro.


vom Jugendamt: v.lks.:Detlef Große, Manfred Schulz, Claudia Dorow, Anne Eilers-Helmich, Ulrich Schulz und vorne in rot die Gastgeberin Renate Wilkening

Auch viele Jugendamtsmitarbeiter und Trägerkollegen freuten sich über Einladung vom NUSZ.

Hoher Besuch: Neben Juppy Angelika Schöttler, Senatorin Dilek Kollat (SPD) und von der BVV Melanie Kühnemann (SPD)

Die Senatorin mit der Geschäftsführerin
Ein gelungenes Fest für die Festgäste und für das NUSZ-Team, die aber hauptsächlich damit beschäftigt waren, dass es den Gästen an nichts fehlte.

Was ist dann überhaupt das NUSZ?

Der jugendpolitische Pressedienst „Paper Press“ schreibt etwas schelmisch die Kurzbezeichnung vom NUSZ: „Was sich auf den ersten Blick wie ein Schokoriegel mit Nüssen anhört, ist die Kurzform vom Nachbarschafts- und Selbsthilfezentrum der ufaFabrik e. V.“

Elke Ahlhoff (Fraktionsvorsitzende der SPD in der BVV-rechts) im Gespräch mit Regina Pribyl und Michael Delor von der BI "Rettet die Marienfelder Feldmark!

Als Erinnerung von der BI Rettet die Marienfelder Feldmark gab es eine "Urkunde".
Das Nachbarschaftszentrum ist in den Jahren zu einem beachtlichen „Unternehmen“ gewachsen. Für circa 220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist das NUSZ Arbeitgeber. Weitere 100 ehrenamtliche Helfer sind auf den verschiedensten Feldern aktiv. Hauptstandort für den Verein ist das Gelände der ufa-Fabrik in der Tempelhofer Viktoriastraße.

1979 wurde das ehemalige Kopierwerk der Universum-Film-AG (Ufa) von einer Gruppe junger mutiger und kreativer Menschen instand besetzt, heißt es in Paper Press. Heute ist die ufa-Fabrik, in unmittelbarer Nähe des Tempelhofer Hafen, für viele Berliner eine bekannte Kultureinrichtung. Und Juppy, mit seinem Hund Willy, ist immer mittendrin. Die Seele der ufa-Fabrik „Juppy“, mit bürgerlichen Namen Josef Becher, ist von Anfang an dabei und ist so eine Art Markenzeichen geworden. Das Internationale Kultur Centrum ist aber nur ein Teil der ufa-Fabrik.


Pfarrer Thilo Haak aus Lichtenrade gratuliert herzlich!

1987 wurde das NUSZ gegründet. Anfänglich mit vier Mitarbeitern. Heute sind die vielen Mitarbeiter auf 23 Standorte verteilt. Dazu gehören Kindertagesstätten, Jugendeinrichtungen, ein Kinderbauernhof, ein Interkultureller Mehrgenerationsgarten und vieles mehr. NUSZ hat vielfältige Angebote für alle Altersstufen, vom Baby bis zum Rentner. Mit der Übernahme der Jugendkultureinrichtung Spirale in Wilmersdorf ist man inzwischen über die Bezirksgrenzen hinaus aktiv geworden.

Die Jugendhilfeausschuss-Vorsitzende Marijke Höppner (SPD) ist bester Laune!
Die Geschäftsführerin Renate Wilkening äußert sich zur Frage, was für sie das Besondere am NUSZ ist: „Die Lage und das Gesamtkunstwerk ufa-Fabrik! Dieses wunderschöne Gelände: 16.000 Quadratmeter groß, mitten im Stadtteil, traumhaft gelegen am Teltow-Kanal. Ein Dorf voller Flair und Charme, mitten in der Stadt – mit Bäckerei, Bio-Laden, einem Restaurant, der Kinderzirkusschule und dem Nachbarschaftszentrum mit dem Kinderbauernhof, den Tanz- und Musikstudios, dem Dojo und dem Familientreffpunkt. Und das ganze Jahr über Kultur- und Musikveranstaltungen auf vier Bühnen. Für ein Nachbarschaftszentrum ist das schon einmalig.“ Besonders freute man sich im letzten Jahr, als auf dem Gelände der ufa-Fabrik das gänzlich neu gestaltete „Rote Haus“ für das Nachbarschaftszentrum eingeweiht werden konnte.

Für die Geschäftsführerin Sigrid Zwicker entfaltet sich das Nachbarschaftszentrum entsprechend den Bedürfnissen der Benutzer: „ Neue soziale Hilfen entstehen: Kinderladen, Familienpflege, Familienunterstützung und Beratungsangebote.“

Thomas Moser – BerLi-Press (alle Fotos oben BerLi-Press)

Herzlichen Glückwunsch dem NUSZ auch vom Verfasser!

www.nusz.de

25 Jahre NUSZ – Ein Interview

Zum Jubiläum ist eine dicke Broschüre erschienen, die alle Aktivitäten des Nachbarschafts- und Selbsthilfevereins der ufaFabrik ausführlich darstellt. Die beiden Geschäftsführerinnen, Renate Wilkening und Sigrid Zwicker, äußern sich in Interviews über ihre Arbeit.

Mit freundlicher Genehmigung des NUSZ hat Paper Press das Interview veröffentlichet; dies wollen wir hier auch nicht vorenthalten:

Vor 25 Jahren wurde das NUSZ als Verein gegründet. Seitdem ist das Nachbarschaftszentrum kontinuierlich gewachsen. 23 Einrichtungen gehören heute dazu. In welche Richtung möchten Sie sich weiter entwickeln?

Renate Wilkening: Mein Grundsatz ist: aktiv und aufmerksam in der Gegenwart sein, nach vorn schauen und dabei das Positive, das wir in den vergangenen 25 Jahren geschaffen haben, bewahren. Weiterentwicklung beinhaltet für mich mehrere Aspekte: zum einen die Weiterentwicklung der Angebote für unsere Nutzer inklusive der Verbesserung der Räumlichkeiten. Zuletzt geschehen im Familientreffpunkt, den wir mithilfe des Konjunkturprogramms barrierefrei und energiesparend umgebaut haben. Eine wirkliche Weiterentwicklung, die zum Wohlgefühl unserer großen und kleinen Besucher beiträgt. Zum anderen die persönliche Weiterentwicklung: Ich habe in den zurückliegenden Jahren unendlich viel gelernt. Zum Beispiel turbulenten Situationen mit Gelassenheit und Ruhe zu begegnen und zu wissen: Wir sind ein starkes Team. Wir können uns aufeinander verlassen und bewältigen den Alltag miteinander. Weiterentwicklung heißt auch, unseren Mitarbeitern alle Möglichkeiten zu bieten, mit Freude und Elan ihre Arbeit zu tun, sich beruflich und persönlich weiterzuentwickeln. Dazu gehören: Fort- und Weiterbildung, Zeit für Gespräche, Unterstützung in Problemsituationen, familienfreundliche Arbeitsbedingungen. So können Mitarbeiter teilweise Zuhause arbeiten, wenn ihre Familiensituation dies erfordert. Am Herzen liegt mir, unsere jungen Leute zu fördern, damit sie später den Staffelstab von uns übernehmen können, unsere Vision und Mission weiterleben und mit Mut und Freude das NUSZ weiterführen.

Geht es im Wachstum weiter?

Renate Wilkening: Behutsames Wachstum ist für mich das Gebot der Stunde. Das Wichtigste: Räume und Angebote in unseren 23 Einrichtung bedarfsgerecht so zu gestalten, dass sich unsere Besucher und Nutzer wohl fühlen. Es ist regelmäßig zu prüfen, was wir wo verbessern können. Bevor wir ein neues Projekt starten, schauen wir genau hin und fragen: Passt dieses Projekt, diese Einrichtung zu uns? Wenn Menschen sich für ihre Sache, für eine lebenswerte Umwelt, für ein freundliches, respektvolles Miteinander engagiert einsetzen, können Sie sicher sein: Das Nachbarschaftszentrum wird sie unterstützen!

Jeder, der ein Projekt auf die Beine stellen will und dabei Hilfe braucht, kann Sie ansprechen?

Renate Wilkening:

Ein Beispiel: Engagierte Eltern haben an einer Grundschule ein wundervolles Musikprojekt mit den Schülern konzipiert, eine Theaterpädagogin gewonnen, und wir haben die erforderlichen finanziellen Mittel eingeworben. So kam „Music of my life“ auf die Bühne.

Was ist für Sie das Besondere am NUSZ?

Renate Wilkening: Die Lage und das Gesamtkunstwerk ufafabrik! Dieses wunderschöne Gelände: 16.000 Quadratmeter groß, mitten im Stadtteil, traumhaft gelegen am Teltow-Kanal. Ein Dorf voller Flair und Charme, mitten in der Stadt – mit Bäckerei, Bio-Laden, einem Restaurant, der Kinderzirkusschule und dem Nachbarschaftszentrum mit dem Kinderbauernhof, den Tanz- und Musikstudios, dem Dojo und dem Familientreffpunkt. Und das ganze Jahr über Kultur- und Musikveranstaltungen auf vier Bühnen. Für ein Nachbarschaftszentrum ist das schon einmalig. Es geht so in die Richtung „Settlement“, wie wir es von den „Ur“- Nachbarschaftshäusern aus England und den USA kennen: miteinander leben, arbeiten, künstlerisch aktiv sein, feiern und füreinander da sein.

25 Jahre aktiv im Stadtteil – und nicht nur das: Sie sind ja auch international aktiv. Wie sieht Ihr Engagement auf internationaler Ebene aus?

Renate Wilkening: Nachbarschaft hört nicht an den Grenzen des Bezirks, der Stadt oder des Landes auf. Nachbarschaft kann man weiter denken: unsere Nachbarn in Europa, unsere Nachbarn weltweit.  Wir sind Mitglied im weltweiten Verband der Nachbarschaftszentren IFS (International Federation of Settlements and Neighborhood Centers). In jeder Mitgliedseinrichtung des IFS sind Nachbarn aus aller Welt willkommen. Wenn also ein Besucher oder Mitarbeiter eines Nachbarschaftszentrums aus Toronto, New York, Tel Aviv, Indien oder Spanien Berlin besuchen möchte, kann er sich an das NUSZ wenden. In der Regel holen wir die Gäste vom Flughafen oder Bahnhof ab, bringen sie in ihre Unterkunft, ermöglichen die Teilhabe an den Aktivitäten unseres und anderer Nachbarschaftshäuser und helfen ihnen, sich in der fremden Umgebung heimisch zu fühlen. Dies ist ein IFS-Projekt mit dem Namen „VIN – Very Important Neighbor“. Wir organisieren mit unseren Partnerorganisationen internationale Austauschprogramme für unsere Fachkräfte und für alle Interessierte. Wir erfahren, wie andere das machen: Wie organisieren sie Bildung und Betreuung? Wie sind ihre Schulsysteme? Wie organisieren sie die Gemeinwesenarbeit? Wie wird Inklusion gelebt? Wer ist wie einbezogen? Alte, Junge, Kranke, Gesunde. Dieser Austausch ist fruchtbar für unsere Mitarbeiter. So manches Problem relativiert sich, wenn wir sehen mit welch geringen Mitteln aber großem Enthusiasmus zum Beispiel Nachbarschaftsarbeit in Rumänien oder Indien läuft. Auch zu uns kommen Fachkräfte, Praktikanten und junge Menschen aus aller Welt, um Erfahrungen zu sammeln und zu erleben, wie wir unsere Arbeit machen. Eine kleine Geschichte zum Schluss: Am 1. Juni dieses Jahres – einem stürmischen Tag – haben wir den Internationalen Tag der Nachbarn gefeiert. Kinder und Eltern haben Hunderte von Luftballons in die Luft steigen lassen. Zwei Tage später bekamen wir eine EMail: Eine Lehrerin aus einem polnischen Dorf, 400 km von Berlin entfernt, schrieb uns, der Ballon sei bei ihnen gelandet und sie seien begeistert von der Idee des Festes der Nachbarn. Seit diesem Tag sind auch wir gute Nachbarn und pflegen zunächst via Internet den Gedankenaustausch und die Kommunikation.

Wie ist das NUSZ entstanden?

Sigrid Zwicker: Aus dem Bedürfnis, das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen und gemeinsam Träume und Visionen zu verwirklichen, entstehen in den 70er und 80er Jahren zahlreiche Aktivitäten unter dem Dach des Vereins „Fabrik für Kultur, Sport und Handwerk“, der späteren ufafabrik. Kultur-, Gesundheits- und Selbsthilfeinitiativen sowie Gruppen für asiatische Kampfkünste, wie Aikido und Karate beleben die alten Lagerhallen des ehemaligen UFA-Kopierwerks in Berlin- Tempelhof und finden regen Zulauf. Seit 1987 ist es die Aufgabe des NUSZ, die freizeitlich organisierten Gruppen zu unterstützen, Gebäude instand zu setzen, und die Arbeitsbedingungen zu verbessern, um auch zukünftig die Teilhabe zu ermöglichen.

Wie ging es weiter?

Sigrid Zwicker: Das Nachbarschaftszentrum entfaltet sich entsprechend den Bedürfnissen der Benutzer. Neue soziale Hilfen entstehen: Kinderladen, Familienpflege, Familienunterstützung und Beratungsangebote. Die Gebäude werden nach und nach instand gesetzt. Kulturgruppen nutzen die enge räumliche Verbindung mit den weiteren Einrichtungen der ufafabrik, beispielsweise dem ufafabrikCircus und dem internationalen Kultur-Centrum ufafabrik. Dies erlaubt immer wieder neue, vernetzte Projekte: Feste und Veranstaltungen bieten Auftrittsmöglichkeiten, internationale Artisten unterrichten im NUSZ, Ehrenamtliche des Bauernhofclub organisieren generationsübergreifende Kulturcafés, die Talentshow „Action House Party“ gibt Übenden Gelegenheit, auf einer Profi-Bühne ihr Können zu präsentieren. Im NUSZ probt auch die international aktive Sambaband Terra Brasilis und der ufafabrik KinderCircus bietet Kindertraining an. Die inklusive Samba- Trommelgruppe „Auf alle Felle“ begeistert 2012 bei Stadtteilfesten. Kultur- und Interessengruppen bieten eine Möglichkeit für jeden die eigenen Soft Skills zu schulen. Ob mit Patchwork, mit der Stimme, mit einem Instrument oder in der Bewegung – die eigene kulturelle Betätigung ist eine großartige Kommunikatorin für das friedliche Zusammenleben von Menschen. Sie übt Ausdauer, Geduld und Präzision, macht Spaß, hält wach und neugierig.

Das NUSZ ist auch Mitglied im Verband für sozialkulturelle Arbeit, dem Fachverband der Nachbarschaftsheime und -zentren. Was ist sozial-kulturelle Arbeit?

Sigrid Zwicker: Die sozial-kulturelle Arbeit ist eng verbunden mit dem Gedanken des Zuganges zu Bildung und mit dem Ziel, durch Begegnungsangebote und gegenseitige Unterstützung die eigene Lebenssituation zu verbessern. Im Fokus ist die Teilhabe unter Beachtung der sich wandelnden Lebenskonzepte! Es entstehen immer wieder neue Herausforderungen, die wir mit Leben füllen. So beispielsweise die Inklusion.

Was bedeutet Inklusion?

Sigrid Zwicker: Inklusion kommt von lateinisch inclusio und bedeutet Einbeziehung. Gemeint ist die Teilhabe aller Menschen an Bildung und Lebenslangem Lernen. Inklusion ist aufgrund der UN-Behindertenkonventionen auch geltendes Recht in Deutschland. Im Nachbarschaftszentrum sind von Beginn an auch behinderte Menschen grundsätzlich einbezogen: in Selbsthilfe-, Musik- und Tanzgruppen, in Gesundheitskursen und in den Kinderbetreuungseinrichtungen. Im Jahr 2011 realisierten wir das Pilotprojekt „Tempelhof Inklusiv“, in dem schwerpunktmäßig behinderte Erwachsene mit Lernschwierigkeiten einbezogen wurden.

Wie wird das konkret umgesetzt?

Sigrid Zwicker: Nach einer Bedarfserhebung werden die bestehenden Angebote Aikido, Free Dance und Yoga für die Zielgruppe geöffnet. Das Pilotprojekt „Tempelhof Inklusiv“ wurde gemeinsam mit dem Paritätischen Berlin, dem Bezirksamt Tempelhof Schöneberg und mit Beteiligung von Studierenden der Katholischen Hochschule für Sozialwesen unter der Leitung von Frau Prof. Monika Seifert angeschoben. Die wissenschaftliche Begleitstudie von Frau Dr. Seifert finden Sie auch auf www.nusz.de. Die Studie zeigt Bedürfnisse, Erfahrungen und gibt Anregungen aus dem Projekt Tempelhof Inklusiv.

Wie geht es weiter?

Sigrid Zwicker: Bildung, Teilhabe und Förderung sind wesentliche Voraussetzungen für die Wahrnehmung eigener Rechte und für eine reale Selbstbestimmung. Es gilt, dafür ein öffentliches Bewusstsein zu schaffen. Im Mai 2012 veranstalteten wir gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern vom Runden Tisch „Teilhabe Jetzt“, das erste Inklusionsfest des Bezirkes Tempelhof-Schönberg in der ufafabrik. Für die ufafabrik heißt Inklusion auch, dass man trotz begrenzter finanzieller Möglichkeiten, Bedingungen anstrebt, die eine Teilhabe aller ermöglichen. Eine Kultur der Achtsamkeit und die Akzeptanz verschiedener Lebenskonzepte fördern das Miteinander, die Vielfalt und die Inklusion. In diesem Sinne sind wir: Offen für Alle.

 
Gruppenfoto vom NUSZ-Team mit Juppy (Foto NUSZ)


 

Radiomacher Henning Hamann ist die Seele vom Geschäft!

In der Tempelhofer Werderstraße 13, in unmittelbarer Nähe der ufa-Fabrik, befindet sich ein kleines Ladengeschäft der ganz besonderen Art. Im „Medienpoint Tempelhof“ gibt es Bücher, Schallplatten, Kassetten, Videos und CDs. Diese Medien kann man einfach so, ganz ohne Kosten, mitnehmen: „Wir geben nur drei Stück je Besucher ab, damit hier nicht die professionellen Händler die Regale leer räumen“ erläutert Henning Hamann.

In den Medienpoint kann Jeder kommen. Es werden keine Nachweise über eine Bedürftigkeit verlangt, wenn hier Menschen aus der näheren Umgebung dem Laden einen Besuch abstatten. Der Medienpoint ist mittlerweile ein kleiner Nachbarschaftstreff geworden, wo man gerne auch ein Pläuschchen hält. Der Empfangschef Markus Seifert begeistert die Besucher für die Ausstellungen. Er gibt auch gerne den Newsletter und andere aktuelle Informationen an die Besucher ab.

Der Medienpoint Tempelhof ist ein vom Jobcenter Tempelhof gefördertes Projekt vom „Kulturring in Berlin e. V.“. Fast wäre es mit dem Medienpoint schon aus gewesen, als Anfang des Jahres die Förderung gestrichen werden sollte. Dann säßen die zehn Beschäftigten, die sich jetzt die Arbeiten und die Öffnungszeiten aufgeteilt haben, im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße. Stadtrat Oliver Schworck (SPD) hat sich dafür starkgemacht, dass diese Institution nicht aufhören muss.

Henning Hamann, die ehrenamtliche Seele des Medientreffpunktes, findet es wichtig, dass es solche Institutionen gibt, die Menschen zusammenführt. Voller Stolz zeigt er die fast vollen Regale: Romane, Sachbücher, die beliebten Krimis, religiöse Literatur, sogar ein wenig Erotikliteratur und vieles mehr ist hier zu finden. Henning Hamann freut sich immer über Nachschub, denn es gehen eine ganze Menge dieser Medien über den Ladentisch. „Gut erhaltene Bücher und Medien sind hier gerne gesehen“ erläutert Hamann. Auch können größere Mengen schon mal nach Absprache von zu Hause abgeholt werden. Also, wer seine Bücher nicht wegschmeißen will, andererseits aber sein Zuhause etwas lichten will und noch etwas Gutes tun will, der sollte sich mit dem Medienpoint in Verbindung setzten. Die Medien werden gekennzeichnet, damit sie nicht anderswo verkauft werden. Der Medienpoint ist auch mit mobilen Büchertischen unterwegs.

Etwas ganz Besonderes sind aber die wechselnden Ausstellungen. Sicher hat man hier nicht viel Platz, aber man versucht immer eine individuelle Gestaltung der Schaufenster und Räume hinzubekommen.


Im Juli war eine eisige Langnese-Ausstellung mit wundervollen Exponaten in den Räumen. Auch Winnetou und Karl May waren schon „Besucher“ dieses Nachbarschaftstreffs in der Werderstraße. Im August betörte nun Marilyn Monroe die Besucher und die Rolling Stones rocken zu ihrem 50. Jubiläum mit den bekannten Covers die Schaufenster des besonderen Kulturbuchladen „Medienpoint“. Das Team ist mit vollem Einsatz bei der Gestaltung der Ausstellungen dabei. Besonders hervorzuheben sind die Leistungen der Chefdekorateurin, Christa Scholz, und ihre Ausstellungsideen. Sie ist sich auch nicht dafür zu Schade ist, jede Menge roter Stones-Zungen auszuschneiden.


Markus S., Claudia L. und Henning Hamann

Besonders stolz ist Henning Hamann auf den neuen Newsletter mit dem treffenden Namen: „Werdi“. Mittlerweile wird diese elektronische Information schon über 900-mal verschickt und einige hundert Exemplare liegen im Medienpoint aus. Hier wird über die jeweiligen Ausstellungen informiert, Bücher besprochen und auch besondere gesellschaftliche Themen auf die Schippe genommen.


Durch Zufall haben sich jetzt auch Ed Koch, Pressesprecher im Jugendamt Tempelhof-Schöneberg und Herausgeber des kommunalpolitischen Pressedienstes Paperpress, und Henning Hamann nach vielen Jahren wieder getroffen. Hamann und Koch haben schon vor 40 Jahren im Jugendclub Bungalow am Mariendorfer Damm zusammengearbeitet und den Vorläufer von Paperpress entwickelt. Henning Hamann war als Discjockey im Bungalow und Wolfgang Ed Koch war der Chef der Einrichtung. Jetzt planen die Zwei ihre Zusammenarbeit wieder zu intensivieren.

Henning Hamann ist als erfahrener Radiomann viel rumgekommen. Er hat dem Sender „Hundert,6“ als Musikchef ein besonderes Profil gegeben, war Musik- und Unterhaltungschef beim RIAS und entwickelte hier die erste Radiokochsendung und last, but not least war Hamann Mitbegründer der OSTSEEWELLE und dort als Moderator und Musikchef tätig. Bei dem Radiopionier gaben sich viele Schlagerstars die Studioklinke in die Hand. Ob Udo Jürgens, Roy Black, Howard Carpendale, Nicole, Peter Kraus und Drafi Deutscher: Alle waren bei ihm.

Udo Jürgens und Henning Hamann

Peter Kraus war auch bei Henning Hamann
Auch die Schauspieler Nadja Tiller, Walter Giller und Senta Berger besuchten das Studio des Radiomachers. Ein bewegtes Leben!

Senta Berger fühlte sich sichtlich wohl...
Die Projektleiterin beim Kulturring in Berlin e. V. Aninika Ebert zu Hamann: „Das heißt, dass hier jemand Energie für zwei hat, Ideen für drei und Engagement für vier!“ Diese Power hat Henning Hamann heute immer noch, obwohl er nach einem Unfall mittlerweile etwas kürzertreten muss.

Die Begegnungsstätte Medienpoint ist für die engagierten Beschäftigten und für die Nachbarschaft ein wahrer Glücksfall. Und die Seele vom Geschäft, Henning Hamann, ist immer mittendrin!

Thomas Moser -BerLi-Press
LINK: Bericht im Lichtenrader Magazin 09/2012

Die Öffnungszeiten im Medienpoint sind Montag bis Freitag von 9 Uhr bis 17.30 Uhr.

Telefonischer Kontakt mit dem Medienpoint unter 030-7889 3194

http://www.kulturring.org


 

Flughafenseelsorge „ready for take off“!

Berlin-Lichtenrade-Schönefeld 4. Mai 2012 Die Flughafenseelsorge ist gut vorbereitet und kann mit ihrer Arbeit beginnen!

Der neue Flughafen Berlin-Brandenburg „Willy Brandt“, oder kurz auch BER genannt, wird in Kürze Realität werden. Sicher freuen sich darüber nicht die Fluglärmbetroffenen, aber der Alltag mit dem neuen Flughafen vor den Toren von Berlin wird einkehren.

Ein kleiner, aber wichtiger, Baustein für einen reibungslosen Ablauf eines Flughafenbetriebes ist die Flughafenseelsorge. In der Schönefelder Dorfkirche wurden Anfang Mai 2012 insgesamt zwölf Frauen und Männer in ihr neues Ehrenamt eingeführt.


Die ehrenamtlichen Flughafenseelsorger wurden ein halbes Jahr intensiv auf ihre neue Aufgabe vorbereitet. Seelsorgerische und psychologische Themen wurden angesprochen, Schulungen über den Betriebsablauf am Flughafen fanden statt, Vorortbesichtigungen wurden durchgeführt und man musste sich dem Sicherheitscheck der Behörden unterziehen.Die ehrenamtlichen Helfer werden an fliederfarbenen Westen mit der Aufschrift „flughafenseelsorge airport chaplaincy BERLIN“ auf dem Flughafen erkennbar sein.

Sie können von den Reisenden und Flughafenbeschäftigten mit all ihren Sorgen und Nöten angesprochen werden. In der Kapelle wird an jedem Sonntag ein Gottesdienst stattfinden. Am Mittwoch wird es eine Mittagsandacht geben.

Nun war es soweit und ein ökumenischer Gottesdienst fand zur „Einführung und Beauftragung“ der engagierten Christen aus Berlin und Brandenburg statt. Die hauptamtlichen Flughafenseelsorger, die auch den Einführungskurs begleiteten, lasen gemeinsam die Messe: der katholische Pfarrer i.R. Bernhard Motter und der evangelische Kollege Justus Fiedler. Mit dabei war auch Jesuitenpater Wolfgang Felber SJ, der Bernhard Motter als hauptamtlichen katholischen Flughafenseelsorger ablösen wird. „Damit wird die gute ökumenische Zusammenarbeit auch am neuen Flughafen fortgesetzt“, sagt Pfarrer Justus Fiedler von der evangelischen Kirche.

Die evangelischen und katholischen Männer und Frauen sind gut vorbereitet worden für diese verantwortungsvolle Tätigkeit. Pfarrer Bernhard Motter betont: „Wir freuen uns sehr, dass es uns gelungen ist, dieses Team aufzubauen.“ Es werden noch weitere Helfer für den BER gesucht. Die beiden Pfarrer sind selbst begeisterte Flugreisende und haben auch schon auf dem Flughafen Tegel gewirkt.

In die Schönefelder Dorfkirche sind viele Angehörige und Freunde der Ehrenamtler gekommen. Es war ein würdiger und feierlicher Rahmen mit Orgel- und Flötenmusik von Händel. Mit Gitarrenbegleitung wurde von Pastor Fiedler „Immer noch auf dem Weg“ angestimmt: Sicherlich ein gutes Motto auch für die vielen Reisenden, die den Flughafen künftig durcheilen werden.

Die künftigen Betreuer werden auf dem neuen Flughafen auch im „Raum der Stille“ auf der Ebene E 2 im Terminal anzutreffen sein. Diese Kapelle soll aber ganz bewusst auch für alle Menschen offen sein. Bernhard Motter sagte in seiner Ansprache: „Dies wird am Flughafen wohl der einzige Ort der Stille sein, wo viele Menschen wieder neue Kräfte schöpfen können.“ Dem ehrenamtlicher Helfer Norbert Moser ist der ganze Presserummel fast etwas viel: „Wir wollen ganz im Stillen für die Menschen wirken!“ Der evangelische Pfarrer Justus Fiedler fragte in seiner Predigt, wer schon alles einen Flug vom neuen Airport gebucht hat? Es waren schon einige, die konkrete Reisepläne hatten: „Sie werden künftig alle Flughäfen in der Welt mit ganz anderen Augen betrachten“ versprach Justus Fiedler den ehrenamtlichen Helfern.

Aus der katholischen Salvatorgemeinde in Lichtenrade sind im neuen Team Wilfried Ceczka und Norbert Moser mit dabei. Sie haben künftig sicher den kürzesten Weg zu ihrer neuen „Arbeitsstelle“.

Bernhard Motter und Justus Fiedler
„Nun danket allen Gott“ sang die versammelte Gemeinde und das neue Seelsorgerteam feierte noch ein wenig die absolvierte Ausbildung. Alle freuen sich auf den ersten Einsatz auf dem BER.

ToM –BerLi-Press (www.berli-press.de)


 

Berlin-Buckow Ein Radiostudio in einer Wohnung in Berlin-Buckow. Die Außenstelle von „Radio Landeck“ aus Hessen hat den Sitz des Studios in der Nähe der Gropius-Passagen im Neuköllner Süden. In einer kleinen Nebenstraße hat Peter Sturm sein Wohnzimmerstudio und produziert hier seine wöchentliche Sendung.
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Peter Sturm (63) will das etwas andere Radio! Der agile Radiomacher arbeitet als Computerbetreuer in einer mittelständigen Firma und will in seiner Freizeit einfach ehrliche Sendungen machen: „Ich will den Hörer nicht verschaukeln!“ Peter Sturm ärgert sich über die modernen Radiosender, die immer das Gleiche spielen und nicht auch mal zwischen den musikalischen Richtungen wechseln. Er liebt das Radio von früher, dass gerne auch klassische Stücke mit Popmusik und Wortbeiträgen kombiniert präsentierte.

Dem eher ruhigen Peter Sturm merkt man die Begeisterung beim Radiomachen an. Wenn er den Regler vom Mikrofon aufzieht ist er hochkonzentriert und doch auch locker bei seinen Wortbeiträgen. Der Britzer Moderator hat seine Sendung, die immer sonntags neu ins Internet gestellt wird, circa zwei Stunden vorbereitet. Er überlegt schon die ganze Woche, welche Musik er aus seinen Archiven rauskramen könnte. Neben moderner digitaler Rundfunktechnik hat Peter Sturm seine Musik als CD oder als Schallplatte in Vinyl gepresst. Die älteren Musikbestände sind liebevoll gepflegt. Da kann es zwar schon einmal kurz knistern, aber der Musikliebhaber achtet auch auf eine vernünftige Tonqualität für seine Hörer. Bei der Musik wird darauf geachtet, dass sie für die Jahreszeit passend ist. Ein sonniger Frühlingstag wird musikalisch bei Peter Sturm nicht so aussehen, wie eine Sendung am Totensonntag oder im Advent. Aber auch hier will der Internetradiomacher flexibel bleiben und sucht gute Übergänge für abwechslungsreiche Musik. Klassische Musik, Blues, Jazz und Popmusik sind für Sturm keine sich ausschließenden Musikrichtungen: Auf die richtige Mischung kommt es halt an.
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Bei der alten Standuhr wird das Pendel angehalten, damit die Uhr nicht schlägt. Das Telefon und sein Handy sind ausgeschaltet. In das Studio-Wohnzimmer ist die absolute Ruhe eingekehrt. Nur die modernen Musikmaschinen in der Schrankwand sind jetzt in Betrieb und eine Lampe über den Reglern spendet etwas Licht. Die ersten Musikstücke sind schon eingelegt und positioniert. Immer abwechselnd nutzt er den Schallplattenspieler, den Profi-CD-Player und den Laptop, damit er mühelos ohne Pause die Übergänge hinbekommt. Peter Sturm beginnt mit der Aufnahme seiner Sendung, die er live aufnimmt und auch später nicht mehr bearbeiten wird. Er setzt den Kopfhörer auf und spielt den ersten Jingle von „Radio Landeck – Studio Berlin“ ein.

Mit einer sonoren Stimme begrüßt der Hobby-Radiomacher seine Hörer und nimmt sie mit auf eine musikalische Reise, die mindestens eine Stunde dauert. Seine Texte sind für die Zuhörer wie die Erklärungen eines Reiseleiters. An seine eigene Mikrofonstimme hat sich Peter Sturm mittlerweile gewöhnt. Peter Sturm ist mit viel Spaß bei der Sache, aber keinesfalls flapsig: „Ich will nicht so fröhlich aufgesetzt wirken, wie es sonst heute oft im Radio ist.“

Manchmal bringt er in seiner Sendung Veranstaltungstipps unter, spricht von Geburtstagen der Musiker und erläutert Interessantes zu der gespielten Musik. Die Sendung beginnt mit eher getragenen Tönen, dann wird traditionelle Folkmusik von temperamentvollen klassischen Klängen abgelöst. Gerne bringt Peter Sturm seine geliebte Jazzmusik unter. Der rundfunkverrückte Sturm gönnt sich dann „Lemon Tree“ von Fools Garden, bevor er die etwas andere alpenländische Musik auflegt. Heute sind fast 80 Minuten Sendung zusammengekommen. Peter Sturm freut sich über Mail-Kontakte mit seinen Hörern, denn so ist er letztlich auch zum Radiomachen gekommen.

Der Motor der Radiomacher vom „Radio Landeck“ ist Hans-Karl Schmidt. Ein Urgestein des Rundfunks, der im HR 3 und auch bei Radio Luxemburg jahrelang hauptberuflich seiner Leidenschaft nachging. Diese Begeisterung hat er nie verloren und gründete dann das kostenfreie Internetradio. So schreibt das „Radio-Journal“ in einer aktuellen Ausgabe: „Mit 80 noch aktiv! Atze und Co wieder auf Sendung“.

Im HR 3 ist Peter Sturm dann auf besagten „Atze“ gestoßen. Sie mailten eine Zeit miteinander und dann bat ihn der Profi-Radiomacher, dass er ihn mal vertritt. Ganz schnell war klar, dass Peter Sturm das Potenzial für eine eigene Sendung hat. Dann begann er bald mit der Produktion seiner ersten eigenen Sendung im März 2011. So machen nun bei „Radio Landeck“ fünf Radio-Enthusiasten das etwas andere Radio. Ihr Programm beschreiben sie als „einen wohltuend anderen Musikmix aus Klassik, Pop und Schlager. Kombiniert mit Genres wie Filmmusik oder Lounge sind Musikmischung, redaktionelle Inhalte und Moderation darauf ausgelegt, unaufdringlich zu wirken. Radio Landeck ist damit ´anders´, ein Premium-Produkt für die positiven Töne, denen Sie als Hörer gern Ihr Gehör schenken.“

Die Sendungen in der Urlaubszeit werden vorproduziert. Selbstverständlich wird auch beim alten „Dampfradio“ daran gedacht, dass alles rechtlich einwandfrei ist. So werden natürlich die GEMA-Gebühren von den Hobbyradiomachern bezahlt. Wegen der Kosten freuen sich die fünf Herren mit den Radiostimmen über jede finanzielle Unterstützung von Firmen und von ihren Hörern.

Peter Sturm produziert seine Sendung in der Regel am Freitag. Mit „Bleiben sie gesund“ verabschiedet sich Peter Sturm von seinen Hörern, spielt den letzten Jingle ein und drückt dann die Stopptaste für das Ende der Aufnahme. Jetzt nimmt er den Kopfhörer ab und kann entspannt seinen Tee austrinken.
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Die ersten Ideen für seine Sendung in der nächsten Woche hat er schon Kopf. Der Radioliebhaber hat seine Passion gefunden und macht sein eigenes Radio für Alle, die noch individuell liebevoll gestaltete Sendungen mögen.

Mein Tipp: „Hören Sie ruhig mal rein, bei Atze, Matze, Johannes, Eberhard und Peter. Sie werden begeistert sein!“

„Radio Landeck“, auch für Berliner ein Genuss!

Thomas Moser –BerLi-Press(auch Fotos)- Der Artikel ist auch im Rudower Magazin (01/2012) erschienen.

http://www.radio-landeck.de

Direktlink zu Peter´s Musicmix: http://www.radio-landeck.de/peter.html


 

 

Auch in diesem Jahr feierte der Britzer Garten den (fast) längsten Tag des Jahres mit einem unterhaltsamen Sonnenwendkulturabend, der von einem Höhenfeuerwerk gekrönt wurde. Rund um den „Großen See“ im Britzer Garten gruppietren sich Kunst- und Kulturdarbie­tungen.
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Poppige und unterhaltsame Musik gab es den ganzen Abend über auf der See­bühne mit „The Beez“ und „Di grine Kuzine“. Der Festplatz am See wurde vom Duo Dolak mit finnischem Tango und französischen Muzetten bespielt.
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An der großen Spiel- und Liegewiese brachten „Schrebers Erben“ mit artistischen und komödiantischen Einlagen das Publikum zum Staunen. Das Ensemble Kechio musizierte und tanzte dort temperamentvoll den Flamenco.
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Auf einem Boot am Kalenderplatz wurde der italienische Sommer lebendig und von einem Bassbarriton entzückt besungen. Das Trio La bella musica sorgte mit Mandolinenklängen aus Napoli für dolce vita am Steg des Kalenderplatzes.
Die Besucher trafen auf den Wegen auch Wassergeister, sommerliche Waldwesen und sich liebende Pantomimen.
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Am Abend wurde der „Große See“ auf eine besondere Weise in den Mittelpunkt gerückt. Gegen 22.45 Uhr startete ein musikalisches Höhenfeuerwerk, das sich im Glanz des Wassers vielfach spiegelte.

Fotos: Thomas Moser -BerLi-Press-


 

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