Die Berliner Luftbrücke diente während der Blockade vom 24. Juni 1948 bis 12. Mai 1949 der Versorgung der West-Berliner Bevölkerung durch Flugzeuge der Westalliierten. Heute noch sichtbares Zeichen der Verbundenheit ist das Luftbrückendenkmal vor dem Hauptgebäudekomplex des ehemaligen Flughafens Tempelhof, das von Berlinern liebevoll „Hungerharke“ genannt wird. Am 7. August 2018 wurde vor dem Denkmal eine feierliche Gedenkveranstaltung begangen.

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Die Berlin-Blockade durch Josef Stalins Sowjetunion war ein Ritt auf der Rasierklinge und entschied letztlich über das Schicksal Berlins, vor allem über das des Westteils. Hätten die Westalliierten in diesen elf Monaten nicht Stalin die Stirn geboten, wäre die Gründung der Bundesrepublik am 23. Mai 1949 vielleicht anders verlaufen. Und ohne den weltweit zur Kenntnis genommenen Appell von Berlins Bürgermeister Ernst Reuter am 9. September 1948 auf dem Platz der Republik vor der Reichstagsruine, wäre die Geschichte vielleicht auch anders verlaufen: „Ihr Völker der Welt, ihr Völker in Amerika, in England, in Frankreich, in Italien! Schaut auf diese Stadt und erkennt, dass ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft und nicht preisgeben könnt!“

Der 12. Mai 1949, als Stalin die Blockade aufhob, ist der wichtigste Tag der deutschen Nachkriegsgeschichte, wichtiger als der 17. Juni 1953 und die Kennedy-Rede am 26. Juni 1963. Noch bis zum 6. Oktober 1949 wurden die West-Berliner aus der Luft versorgt, erst dann funktionierten wieder alle Land- und Wasserwege. Am 7. Oktober 1949 wurde übrigens die DDR gegründet, vom Fluglärm der Rosinenbomber nun verschont.
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Gedenkveranstaltung am Luftbrückendenkmal, © Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg
Am 7. August lud der Bezirk Tempelhof-Schöneberg zu einer Gedenkveranstaltung zum 70sten Jubiläum der Luftbrücke auf den Platz der Luftbrücke vor dem ehemaligen Flughafen Tempelhof ein. Vern Gibson, der Präsident der Berlin U.S. Military Veterans Association, begrüßte die Gäste und Mercedes Wild, beste Berliner Freundin des inzwischen 97-jährigen Candy-Piloten Gail Halvorsen, las aus ihrem Buch „Mercedes und der Schokolade Pilot“ vor. In dem Buch beschreibt sie, wie sie Halvorsen, der von 1970 bis 1974 Kommandant des Flughafens Tempelhof war, kennenlernte.

Teilgenommen haben bis 1994 in Berlin stationierte Veteranen des U.S. Militärs, der Luftbrücken-Veteran William J. D. Freeman, „Kinder der Luftbrücke“ und Vertreterinnen und Vertreter der amerikanischen und britischen Botschaft.

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Mercedes Wild, beste Freundin von Gail Halvorsen (Foto Lothar Duclos)


Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler mit dem „Luftbrückenkind“ Mercedes Wild und Veteran William Freeman, © Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler hat in ihrer Ansprache allen Veteranen für ihren herausragenden Einsatz für Demokratie und Freiheit gedankt: „Das Wunder der Luftbrücke besteht für mich insbesondere in dem Geist, des ihr tief zugrunde liegenden Humanismus. Es ist unglaublich, dass nur drei Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges durch die Berliner Luftbrücke aus ehemaligen Feinden Freunde wurden. Die Berichte der Zeitzeugen beschreiben immer wieder eindrucksvoll, wie sich die Luftbrücke bei den Berlinern für immer in die Herzen eingebrannt hat. Sie hat deutlich gezeigt, dass Solidarität, Menschlichkeit und eine gute internationale Zusammenarbeit für ein Leben in Frieden unerlässlich sind. Unsere Aufgabe ist es der jungen Generation, die in Freiheit und Frieden aufwachsen durfte, die Geschichte vom Wunder der Berliner Luftbrücke zu erzählen und uns weiterhin für Freundschaft und Demokratie einzusetzen… Es ist mir eine besondere Ehre, die Helden der Luftbrücke zum 70. Jahrestag in unserem Bezirk begrüßen zu können. Mit Ihrem unermüdlichen Einsatz haben Sie die Herzen der Berlinerinnen und Berliner gewonnen.“

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Den Opfern der Berliner Luftbrücke wurde mit Kranzniederlegungen und einer Schweigeminute gedacht.

Die 298th Army Band sorgte für Unterhaltung bei der Gedenkveranstaltung, ©  Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg
Für die musikalische Umrahmung sorgte die 298th Army Band. Von „Hello Dolly“ und den „River Kwai Marsch“ über „Die Berliner Luft“ und „Alte Kameraden“ bis hin zum „Stars and Stripes March“ reichte das Repertoire der Band. Eine sehr gelungene Veranstaltung, bei der die Veteranen der Luftbrücke im Vordergrund standen. Neben Bezirksverordneten hat auch der Chef der Senatskanzlei Staatssekretär Christian Gaebler an der Veranstaltung teilgenommen.

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Heimatforscher und Philatelist: Im Zeichen der Luftrücke

Vor einigen Jahren hat der engagierte Heimatforscher und Philatelist Hans-Ulrich Schulz eine vollkommen überarbeitete und erweiterte Auflage seines Buches „Im Zeichen der Luftbrücke“ herausgebracht. Das meist farbig bebilderte Buch ist bestückt mit jeder Menge zeitgeschichtlicher Informationen, die teilweise so noch gar nicht bekannt waren oder auch in Vergessenheit geraten sind. Hans-Ulrich Schulz erzählt, dass er die zweite erweiterte Auflage gänzlich überarbeitet hat:„Zwischenzeitlich gibt es neue postgeschichtliche Erkenntnisse und Belege.“ Aber auch diese Ausgabe ist leider bereits vergriffen. Schulz plant eine dritte erneut überarbeitete Ausgabe für Anfang bis Mitte 2019.

Das über 270 seitige Werk ist ein „Katalog und Handbuch der Blockade- und Luftbrückenbelege“. Das klingt zwar etwas trocken, bezeichnet aber genau die Ursprungsintention des Autors. Er wollte einen Katalog über wichtige postalische Belege dieser Zeit herausbringen. Herausgekommen ist ein über viele Jahre recherchiertes Geschichtsbuch mit vielen interessanten Details.

Spannende Details zur Blockade und Luftbrücke

Wer weiß heute noch, dass es vor der eigentlichen Blockade eine sogenannte „Paketblockade“ gab? „Nach dem der Alliierte Kontrollrat am 20. März 1948 seine Arbeit einstellte, nahmen die Verkehrsbehinderungen in die westlichen Berliner Sektoren ständig zu“, heißt es im neu verlegten Buch. Weiter heißt es: „Die ersten Vorboten der Blockade im Postverkehr gab es durch die am 1. April 1948 nicht offiziell ausgesprochene Beförderungssperre der Sowjets.“ Pakete und Päckchen durften nicht von Berlin in die Westzonen befördert werden.

Ein Highligt jeder Luftbrückensammlung: Die Ankündigungskarte des MWST "Luftbrücke Berlin" mit der persönlichen Unterschrift von Dr. Holthöfers (Sammlung Hans-Ulrich Schulz)

Frühsommer 1948- Die Douglas C-47 in der Entladereihe vor den Tempelhofer Hangars (Sammlung Hans-Ulrich Schulz)
Der komplette Artikel über die Luftbrücke aus Philatelistensicht und über Hans Ulrich Schulz / Link zur Lichtenrader Internetzeitung: https://www.lichtenrade-berlin.de/news/nachbarn-news/532-zum-ende-der-berlin-blockade-vor-65-jahren-im-zeichen-der-luftbruecke

„Im Zeichen der Luftbrücke“ (ISBN 978-3943844)

Thomas Moser und Nutzung von paperpress sowie der PM BA T-S


 

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