Nach 20 Jahren Pause hat die „Britzer Museumsbahn Berlin" den weltweit einmaligen Nachbau der „1. Straßenbahn der Welt" von 1881 wieder abgestaubt und in Betrieb genommen. Die Schmalspurbahn fährt nun wieder zur Freude von Groß und Klein über die Gleise der Museumsbahn im Britzer Garten.

Der Museumsleiter und Lokführer Gränert berichtet begeistert: „Die Rekonstruktion wurde in guter Zusammenarbeit mit der Firma Siemens möglich. Es ist alles wie beim Original, auch die Größe stimmt hundertprozentig! Bei der Farbgebung habe ich lange mit den Techniker von Siemens rumgetüfftelt." So weiß Gränert auch zu berichten, dass um die Jahrhundertwende von 1900 die Straßenbahnen aus Konkurrenzgründen besonders prunkvoll gestaltet wurden. Damals waren noch viele verschiedene Betreiber für die Straßenbahnen zuständig.

 

Rekonstruktion der 1. Straßenbahn

1987 wurde der rekonstruierte Triebwagen mit einer feierlichen Einweihungsfahrt auf der damaligen Bundesgartenschau zur 750-Jahrfeier von Berlin der Bevölkerung vorgestellt. Seit dieser Zeit verkehren, fast ohne Unterbrechung, Züge durch die schöne Parkanlage und geben den Passagieren einen ganz anderen Blick auf Blumen, Pflanzen und Bäumen.


Original Feldbahn-Reisezugwagen der Jahre 1904 bis 1906

„Die Straßenbahn konnte lange wegen der tiefen Wagenfedern nicht mehr eingesetzt werden, da diese Teile teilweise den Boden berührten. Jetzt ist an den Schienen der Rasen gemäht worden." erzählt begeistert der Museumsbahnchef. „Ich habe mein Straßen- und Eisenbahnhobby zum Beruf gemacht!" Sein Alter verrät der rüstige junggebliebene „Pufferküsser" nicht, sondern deutet verschmitzt nur an, dass er zur „Generation 65 plus" gehört.


Straßenbahn mit Museumschef Gränert

„Vor 20 Jahren, als der Park und die Seenlandschaft aus dem Nichts erschaffen wurde, sah der Garten noch ganz anderes aus. Jetzt hat die Schönheit der Anlage, ohne Fahrräder und Hunde, den vollen Glanz entfaltet," berichtet begeistert ein Parkbesucher mit Dauerkarte, der sich auch über den Betrieb der Straßenbahn freut.

Die Straßenbahn fährt in nächster Zeit immer Samstag ab 10 Uhr und pendelt zwischen 2 Stationen (Buckower Damm bis Freilandlabor). Später soll sie auch wieder über weitere Strecken fahren. Der Fahrpreis beträgt für diesen Abschnitt 2 Euro, für Kinder 1 Euro.

Ein Besuch des Britzer Gartens und eine Fahrt mit der Feldbahn lohnt sich immer!

Hintergrundinformation / Straßenbahn-Rückblick:
Die Bevölkerung wunderte sich seinerzeit über dieses „merkwürdige" Fahrzeug, das sich ohne Pferde und Dampf ganz alleine bewegte. Die Straßenbahn wurde dann aber gerne angenommen, weil sie sich ohne viel Geräusche bewegte. Da zum Beispiel Pferde beim überqueren der Gleise einen elektrischen Schlag bekamen, hat dann später ein Siemenstechniker einen Stromabnehmer für Oberleitung, einen sogenannter „Pantograph", erfunden. Dieser sogenannte Doppelbügel ist bis heute das Vorbild auch für die modernen Loks und Triebwagen.
Die erste elektrische Straßenbahn sollte ursprünglich als Hochbahn auf Brückenviadukten der Friedrichstraße verkehren. Aus ästhetischen Gründen wurde diese „Seiltänzerbahn", wie sie der Volksmund nannte, dort dann doch nicht errichtet. Werner Siemens wich dann auf die nicht mehr genutzte Militärbahnstrecke Berlin-Lichterfelde/Ost aus.


Thomas Moser (auch Fotos) - BerLi-Press für www.lichtenrade-berlin.de

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