Im Zeichen der Luftbrücke: 70 Jahre Berliner Geschichte

Geschichte erlebbar machen… aber wie? Keine leichte Angelegenheit! Postalische Belege und Postkarten müssen nicht nur langweilig und altbacken sein. Es sind sozusagen Zeitzeugen, die Geschichte äußerst lebendig aufzeigen können. Besonders dann, wenn diese Belege in einen lebendigen geschichtlichen Kontext gestellt werden. Dies ist bei dem Buch über die Luftbrücke gut gelungen.
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Den Mariendorfer Hans-Ulrich Schulz (Jahrgang 1950) beschäftigt schon lange die Geschichte rund um die „Berliner Luftbrücke“. Schulz hat viele Belege über die Blockade und Luftbrücke gesammelt und stellt zum siebzigsten Jahrestag der Beendigung der Berliner Blockade eine neue, erweiterte und überarbeitete Auflage „Katalog und Handbuch der Blockade- und Luftbrückenbelege Berlin 1948/49“ unter der Überschrift „Im  Zeichen der Luftbrücke“ vor. Dieser Katalog mit postalischen Belegen und Fotos ist eher ein lebendiges Geschichtsbuch, dass anschaulich in diese Zeit eintaucht.

Die Bezirksbürgermeisterin dankt für das ganz besondere Geschichtsdokument

Die Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg bedankt sich bei dem Autor mit einem Grußwort. Dort heißt es:“… wer diesen Katalog in den Händen hält, erkennt mit wie viel Herzblut und Sachkenntnis hier postalische Belege über die Berliner Luftbrücke zusammen getragen worden sind. Hans-Ulrich Schulz, dessen Interesse für Briefmarken schon seit seinem achten Lebensjahr geweckt wurde und der heute über eine beachtliche Sammlung über Blockade- und Luftbrückenbelege verfügt, ist es gelungen, ein ganz besonderes Geschichtsdokument vorzulegen. Neueste Erkenntnisse und entdeckte Schätze wurden in der aktualisierten 3. Auflage des Handbuches aufgenommen. Das Wunder der Luftbrücke" eine der größten humanitären Rettungsaktionen für die von Lebensmitteln und anderen wichtigen Gütern abgeschlossen West-Sektoren während der Berlin Blockade wird hier durch die vielen akribisch zusammen getragenen Postbelege lebendig. Mit vielen Illustrationen wird erklärt, wie sich das tägliche Leben in der eingeschlossenen Stadt damals gestaltete, wie die Postwege während der Blockade aussahen, was erlaubt und was verboten war. Briefmarken mit Aufschriften wie ,,Helft Berlin" oder ,,Notopfer Berlin" dokumentieren die besondere Dramatik dieser Zeit. Vor 70 Jahren endete die Luftbrücke eines der bedeutsamsten Ereignisse der Berliner Nachkriegsgeschichte, aber natürlich auch der Tempelhofer Geschichte. Schließlich sind die ,Rosinenbomber" mit ihren Waren, Paketen und Briefen auf dem damals rasant ausgebauten Flughafen Tempelhof gelandet. Hans-Ulrich Schulz sei auf diesem Wege ganz herzlich für sein jahrzehntelanges philatelistisches und heimatgeschichtliches Engagement gedankt. Ich bin sicher, alle Leser innen werden mit dem vorliegenden Handbuch tief in die damalige Welt eintauchen!“

Blockade und Luftbrücke – Was war denn da?

Für viele Berliner ist die „Berliner Luftbrücke“ wenn überhaupt nur noch Geschichte. Für die Älteren  ist es oft mehr, denn sie können sich noch hautnah an Entbehrungen und politischen Spannungen während der Blockade des westlichen Teils von Berlin erinnern. Damals waren sie noch Kind oder Jugendlicher. Die „Berliner Luftbrücke“, die während der Blockade vom 24. Juni 1948 bis 12. Mai 1949 das Überleben der Insulaner sicherte, ist in der Erinnerung wie eingebrannt. Berlin war quasi in der Nachkriegszeit von der Welt abgeschnitten. Flugzeuge der Westalliierten sicherten bis September 1949 die Versorgung der Stadt, nachdem die sowjetische Besatzungsmacht die Land- und Wasserwege gesperrt hatte. Über die Flugzonen erfolgte die gesamte Versorgung in unvorstellbaren Mengen. So wurde das Überleben der Stadt gesichert. Kinder freuten sich besonders, wenn Piloten aus dem sogenannten „Rosinenbomber“ Süßigkeiten warfen, die an selbstgebastelten Fallschirmchen herunterschwebten.

In den unterschiedlichsten Fassetten wird Geschichte lebendig. In der Einleitung geht es um die Nachkriegszeit und die Zeit, in der die Siegermächte Berlin in 4 Sektoren aufteilten: „In den ersten sechs Monaten wurden insgesamt 442 Passagiere nach Berlin geflogen, fast ausschließlich Militärangehörige, Deutsche konnten nur mit ausdrücklicher Genehmigung fliegen, denn bis zum 2. März 1948 war den Deutschen das Fliegen untersagt! Die Berliner Luftbrücke wurde damit zur Lebensader der Berliner in den Westsektoren der Stadt. Zugleich fand in dieser Zeit bei den Bewohnern der Stadt ein zunehmender Stimmungswandel bezüglich der anwesenden alliierten Soldaten statt. Aus Besatzern wurden Freunde. Dies geschah schleichend und nicht in allen Westsektoren gleichzeitig, da die Franzosen zwar die Luftbrücke logistisch unterstützten, aber bis in das Jahr 1949 zugleich die Demontagen in ihrem Sektor fortsetzen und z. B. die Maschinen der Tegeler Borsigwerke herausrissen und im Tegeler See versenkten!“

Beachtenswerte Themenvielfalt rund um die Luftbrücke

Neben einer ausführlichen Chronologie der Berliner Luftbrücke werden die verschiedensten Themen aufgegriffen. Es geht zum Beispiel um die Flugzonen, die Rolle Frankreichs im blockierten Berlin, um Illegale Westpost und um die Luftpost. In Auszügen aus einem Tagebuch einer Insulanerin wird das alltägliche Lebensgefühl dieser Zeit beeindruckend deutlich.

Und natürlich gibt es einen Katalog mit Postkarten, Briefen, Briefmarken, Stempeln u.a., wo sogar auch Fälschungen zu finden sind.

Einige interessante Themen werden hier in kurzen Auszügen angerissen:

DIE PAKETBLOCKADE: Nachdem der Alliierte Kontrollrat am 20.3.1948 seine Arbeit einstellte, nahmen die Verkehrsbehinderungen in die westlichen Berliner Sektoren ständig zu. Dies führte bereits Anfang April 1948 zu einer sogenannten ,,Baby-Luftbrücke", in der die West-Alliierten versuchsweise ihre Truppen durch die Luft versorgten. Zugleich wurde versucht, Nahrungsmittelreserven anzulegen, so dass zu Beginn der Blockade Lebensmittel für ca. 4 Wochen für die knapp 2,1 Mio. Westberliner eingelagert waren… Die ersten Vorboten der Blockade im Postverkehr gab es durch die am 1.4.1948 nicht offiziell ausgesprochene Beförderungssperre der Sowjets, Pakete und Päckchen von Berlin in die Westzonen zu befördern.
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SUNDERLAND -FLUGBOOTE UNTERSTÜTZEN DIE BERLINER LUFTBRÜCKE:
Neben dem amerikanischen Flughafen Tempelhof und dem britischen Flughafen Gatow wurde die Havel ab 5. Juli 1948 bis zum Beginn der Vereisung am 15. Dezember 1948 als Landeplatz genutzt… Die Briten setzten hier ihre aus Hamburg-Finkenwerder anfliegenden Short-Sunderland- sowie zwei zivile Hythe-Flugboote ein, die im Bereich des Großen Wannsee wasserten und vor der kleinen Insel Schwanenwerder entladen wurden.
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Plusbrief individuell mit Logo der Stiftung Luftbrückendank zugunsten der Stiftung anlässlich "60 Jahre Luftbrücke" mit einem Rosinenbomber (DC 3) noch ab Zentralflughafen Tempelhof auf einem Rundflug über Berlin und Potsdam befördert.
Die Luftbrücke geht weiter: 78 Personen ließen während dieser Zeit ihr Leben…  Aus den Sieger- und Besatzungsmächten waren für die Westberliner die alliierten Schutzmächte geworden. Den 78 Opfern der Luftbrücke wurde auf dem Platz der Luftbrücke am 10.7.51 ein Denkmal gesetzt… Das 20 Meter hohe, von Eduard Ludwig entworfene Denkmal symbolisiert die drei Luftkorridore... Der ursprüngliche Entwurf des Künstlers sah einen Aluminiumüberzug über das gesamte Denkmal vor, der die Aluminiumflugzeughaut widerspiegeln sollte. Aus Kostengründen wurde dieser Entwurf nicht umgesetzt, so harrt das Betondenkmal noch heute auf seine Vollendung. Die Berliner tauften dieses Denkmal in ihrem Jargon sogleich Hungerharke. Alljährlich werden hier am 12. Mai Kränze niedergelegt.
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Frühsommer 1948- Die Douglas C-47 in der Entladereihe vor den Tempelhofer Hangars.
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Eine spannende und wichtige Geschichte für die Berliner Nachkriegszeit wird in der Dokumentation „Im Zeichen der Luftbrücke“ mit sehr viel Fachkenntnis und Liebe zum Detail aufgegriffen. Die Luftbrücke darf auch nach 70 Jahren nicht vergessen werden. Hans-Ulrich Schulz leistet einen gewichtigen Anteil, dass diese Zeit, die so lange noch gar nicht her ist, nicht so schnell in Vergessenheit gerät. „Im Zeichen der Luftbrücke“ ist eine wichtige Erinnerung, die neben der „Hungerharke“ vor dem ehemaligen Tempelhofer Flughafen einen wichtigen Platz in der Geschichte einnimmt.

Thomas Moser (auch Fotos, sofern nicht historisch)
Historische Fotos und Postkarte aus der Sammlung von Hans-Ulrich Schulz

Letzter Bericht:

https://www.lichtenrade-berlin.de/news/nachbarn-news/532-zum-ende-der-berlin-blockade-vor-65-jahren-im-zeichen-der-luftbruecke

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Passend zum Thema ein Vortrag mit Hans-Ulrich Schulz

Vortrag und Get-together "Im Zeichen der Luftbrücke"

70 Jahre Ende der Berliner Luftbrücke

Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg lädt alle „Luftbrücken-Kinder“ und Geschichtsinteressierte zu einem Zeitsprung in die Berliner Geschichte ein.

2. September 2019, 16:00 Uhr, Rathaus Schöneberg, Goldener Saal, John-F.-Kennedy-Platz, 10825 Berlin (barrierefreier Zugang über den Eingang Freiherr-vom-Stein-Straße)

Nach der Begrüßung durch die Bezirksbürgermeisterin und Gastgeberin Angelika Schöttler wird Hans-Ulrich Schulz mit allen Interessierten in die Geschichte der Berliner Blockadezeit einzutauchen.
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Unter dem Motto „Im Zeichen der Luftbrücke“ präsentiert der Post- und Heimatgeschichtler in seinem bilduntermalten Vortrag Alltagseinblicke aus dem Leben der „Luftbrücken-Kinder“ und wird der Frage nachgehen, was die Luftbrücke für das Leben der Berliner_innen bedeutete.

Im Anschluss des circa einstündigen Vortrages wird herzlich zum gemeinsamen „Get-together“ eingeladen. Dieses soll Raum für einen regen Erfahrungsaustausch von Jung und Alt sowie zum Geschichtenerzählen und –lauschen bieten.

Da die Sitzmöglichkeiten begrenzt sind, ist eine Anmeldung erforderlich!

Wir weisen darauf hin, dass während der Veranstaltung Foto- und Videoaufnahmen gemacht werden. Nähere Informationen zur Verwendung können bei telefonischer Anmeldung erfragt werden.

Kontakt:

Pressestelle Veranstaltungsmanagement

Frau Meyling

Telefon: (030) 90277-6390

E-Mail an Frau Meyling: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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Passend zum Thema zwei sogenannte Te-Damm Taler der Unternehmer-Initiative Tempelhofer Damm


 

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