maelzerei vorstellung08072017 18
„Wenn es mit der Dresdner Bahn schon nicht klappt, dann muss es mit der Mälzerei doch was werden!“ Ein Besucher der gut besuchten Informationsveranstaltung zu den Entwicklungen in und um die ehemalige Mälzerei brachte die Stimmung der Anwesenden offensichtlich gut auf den Punkt. Informiert wurde kurz vor den Ferien am 18. Juli 2017 im Ulrich-von-Hutten-Gymnasium.

Um es vorweg zu nehmen, die sonst eher skeptischen und kritischen Lichtenrader scheinen von den Planungen grundsätzlich angetan zu sein, wenn man es am Applaus nach den Beiträgen messen kann.

Nachdem der Bezirksstadtrat und stellvertretende Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann die Besucherinnen und Besucher begrüßt hat, gab Sabine Slapa von „die raumplaner“ kurz einen Rückblick auf den Bearbeitungsprozess.

Das Planungsbüro ist für den Gesamtprozess und für das Geschäftsstraßen-Management im Rahmen des „Aktiven Zentrums Lichtenrade Bahnhofstraße“ zuständig.

Sabine Slapa informierte, dass die Alte Mälzerei schon zu Beginn des Prozesses als „Schlüsselimmobilie“ vom Aktiven Zentrum eingeordnet wurde. So fand dann die Ausschreibung eines Nutzungskonzeptes und im Oktober 2016 ein gut besuchter öffentlicher Workshop statt. Viele zwischenzeitliche Nutzungen, wie „Berlin leuchtet“, große Konzerte, Filmabende und Adventssingen, zeigten, dass die Mälzerei als Identifikationspunkt in Lichtenrade gerne angenommen wird.

Ein Nutzungskonzept für die Mälzerei

Für das Nutzungskonzept der Mälzerei bekam „urbos“ und „Kubeneck Architekten“ den Auftrag. Im eher allgemein gehaltenen Konzept wurden die bisherigen Prozesse zusammengefasst, kritische Punkte benannt und allgemeine Ideen entwickelt.



Als Schwierigkeiten für die Umnutzung wurden zum Beispiel identifiziert: Denkmalschutz, Brandschutz, Schallschutz, Wärmeschutz und Arbeitsstättenregeln.



Auch die Ergebnisse des Workshops sind in das Konzept eingeflossen. Dabei ging es im Wesentlichen darum, dass für Lichtenrade authentisch ein lebendiger Ort und Treffpunkt für Kultur und Bildung entwickelt wird.

Aus den Punkten wurden dann eher allgemein gehaltene Empfehlungen entwickelt. Es ging zum Beispiel um Ideen zur Gastronomie mit Biergarten, zum Einzelhandel, Bürobedarf, Angebote für Kinder und Jugendliche, gemischte Kulturangebote. Natürlich wäre bei einer alten Mälzerei auch ein „Bierbezug“ wünschenswert. Es geht insgesamt um eine Nutzfläche von circa 4500 bis 6000 Quadratmeter. Wichtig ist bei all den Wünschen, dass es sich nur um ergänzende Angebote handeln kann und der Einkaufsmeile Bahnhofstraße damit nicht die Kunden weggenommen werden sollen.

Der Eigentümer stellt seine Ideen vor

Richtig spannend wurde es dann, als der neue Eigentümer Thomas Bestgen seine Ideen vorstellte, wobei er auch eigene Fachplaner und Gutachter einbezogen hat.


Thomas Bestgen und seine Familie hat die historische Immobilie erworben. Der Eigentümer betont, dass er diese Immobilie dauerhaft sichern und mit Leben füllen will. Einen „Verwertungsdruck“ hat er jedoch nicht. Für Bestgen ist die Einbindung von Akteuren aus dem Bezirk und der Nachbarschaft wichtig. Thomas Bestgen will das Gebiet für eine urbane bezirkliche Nutzung erschließen.

Auf der Website http://alte-maelzerei-lichtenrade.tumblr.com/ heißt es zur weiteren Planung: „Die Alte Mälzerei soll sich zum kulturellen und kulinarischen Stadtplatz entwickeln. Denkbar sind eine eigene Brauerei mit Biergarten und Keller, daneben kleine lukullische Marktstände und im Obergeschoss Studios für Start-ups und Künstler.

Die UTB wird das Objekt mit Fingerspitzengefühl und Geduld entwickeln. Wir sind offen für Anregungen, Ideen und Gespräche mit allen Interessierten, die das schöne Gebäude auch schon vorab für kulturelle Events nutzen möchten – Konzert oder Catwalk, Ausstellungen oder Weihnachtsmarkt.“

Der Mälzerei wird Leben eingehaucht

90 Prozent des ehemaligen Industriegebäudes sollen unberührt bleiben. So rechnet Bestgen nur mit einer circa einjährigen Umbauzeit in der Mälzerei, wobei sich die Planungen und Genehmigungen dafür hinziehen werden. Bei dem ganzen geplanten Gebiet geht er davon aus, dass die Arbeiten zeitgleich mit den Bahnarbeiten beendet sein müssten. Der Fußboden der Mälzerei wird durchgehend einen Aufbau erhalten, damit auch der Schallschutz berücksichtigt werden kann. Wichtig wird der Einbau von leistungsfähigen Fahrstühlen sein, um die Barrierefreiheit zu gewährleisten.

Kurzfristige Zwischennutzungen der Mälzerei sind aus Brandschutzaspekten zurzeit nicht möglich. Das Bestreben ist jedoch, dass die Immobilie so ertüchtigt wird, dass -auch wenn noch nicht alle endgültigen Planungen abgeschlossen sind- die Räumlichkeiten erneut für lebendige Zwischennutzungen zur Verfügung stehen.

Ein multifunktionaler Raum mit Bühne soll ein wichtiger Bestandteil der ehemaligen Mälzerei werden. Konkret kann sich der Eigentümer auch ein Pop-Up-Kino, kleine Messen und Konzerte vorstellen: „Es soll ein Ort für Lichtenrade ohne Zaun werden!“ Auch ein Adventssingen sollte nach Meinung von Thomas Bestgen wieder möglich werden.

Die multifunktionalen Nutzungen stehen im Mittelpunkt der Überlegungen. So könnte eine Bücherei mit einem Café als angenehmer Aufenthaltsort entwickelt werden. Vorstellbar sind auch verschiedenste sportliche Angebote, wobei bei den Räumlichkeiten die eher geringe Höhe von unter 3 Metern zu berücksichtigen ist.

Für Büroflächen hat der Investor schon konkrete Kontakte. Darüber hinaus stellt er sich temporäre Arbeitsplätze für ein sogenanntes Co-Working vor. Auch die bezirkliche Jugendkunstschule und das Kindermuseum könnten Platz in der Mälzerei finden. Die verschiedensten Kontakte zur Bezirkspolitik bestehen. Für den unteren Bereich der Mälzerei werden Markthallenkonzepte geprüft. Wichtig ist noch, dass an einigen Stellen Licht in die Mälzerei geholt wird. Dafür finden bereits Gespräche mit dem Denkmalschutz statt.

Thomas Bestgen äußerte sich auf Nachfrage, dass der Ankauf und die Arbeiten bei der Alte Mälzerei mit rund 10 Millionen Euro langfristig (auf mindestens 30 Jahre) durchfinanziert sind.

Das Hochhaus soll ertüchtigt werden

Um das ganze Gebiet im Umfeld entwickeln zu können, hat der Investor auch das ehemalige Haus Buhr und das Hochhaus, das als „Wohnscheibe“ bezeichnet wird, erworben. Für die Entwicklung dieses Gebietes bringt Thomas Bestgen die Kompetenzen seines Unternehmens „UTB-Projetkmanagement GmbH“ ein. Geplant ist die sozialverträgliche Ertüchtigung des Hochhauses, wo sicherlich alle Leitungen erneuert werden müssen. Der vor Jahren geplante Abriss des Hochhauses ist vom Tisch. Die Wünsche der Lichtenrader gehen bei der „Wohnscheibe“ besonders in Richtung Verschönerung der Außenfassade.

Eine Kontaktaufnahme mit den Mietern hat noch nicht stattgefunden. Dies kann erst nach der formellen Übergabe der Immobilie im September erfolgen. Dann plant der neue Eigentümer schnell mit den Mietern in Kontakt zu treten.

„Haus Buhr“ und zusätzliche Wohnungen

Das ehemalige Landhaus beziehungsweise „Haus Buhr“ ist in einem sehr schlechten Zustand und es regnet rein. Der Anbau dürfte jedenfalls nicht zu retten sein. Das Fachwerkhaus soll auf jeden Fall erhalten bleiben. Die Planungen für das Landhaus sind erst am Beginn.

Die Bäume neben dem Haus Buhr bleiben stehen. Das Gebiet wird jedoch geöffnet und einen Zugang zum hinteren Areal ermöglichen. Insgesamt wird es auf dem Areal vor und neben der Mälzerei drei Plätze zur Begegnung geben.

Weiter sind auf dem Grundstück circa 120 bis 200 Wohnungen geplant. Die UTB will dabei ihre Kompetenzen für den genossenschaftlichen Wohnungsbau einbringen. 60 Prozent der Wohnungen sollen genossenschaftliche Wohnungen werden, wobei ebenfalls für gemeinschaftliches Wohnen Raum geschaffen werden soll. Ein Drittel der Wohnungen sind für den sozialen Wohnungsbau mit Mieten unter 6,50 Euro geplant. Zwei Tiefgeragen sind ebenfalls in Planung.

Mit den Planungen will Thomas Bestgen und die UTB auch dem Bedarf einer wachsenden Stadt entsprechen. Das heute noch auf dem Grundstück befindliche Einfamilienhaus wird in Kürze frei sein. Mit dem Einkaufsmarkt steht man auch in Verhandlung.

Wichtig für den Investor ist der Zugang von der Bahnhofstraße. Leider wird es einen Zugang zur S-Bahn absehbar nicht geben. Thomas Bestgen betont, dass die Arbeiten der Bahn die Entwicklung des Gebietes jedoch nicht betreffen werden.

Die Äußerungen und Nachfragen machten deutlich, dass die anwesenden Lichtenraderinnen und Lichtenrader die vorgestellten Planungen positiv aufgenommen haben und diesen Teil der Lichtenrader Entwicklung äußerst optimistisch sehen. Stadtrat Jörn Oltmann betont abschließend, dass das Bezirksamt alles Denkbare tun wird, damit das Projekt zum Erfolg geführt wird.

Thomas Moser (auch Fotos)

Zur Geschichte der Mälzerei: http://www.lichtenrade-berlin.de/historisch-maelzerei


 

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