Alternative Fortbewegung oder „modern gemeinter Quatsch“

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler, Bundestagsabgeordneter Dr. Jan-Marco Luczak, Mälzerei-Besitzer Thomas Bestgen und Weinfestbetreiber Claudia Scholz und Stefan Piltz diskutieren mit.

Da werden sich die Geister in Lichtenrade scheiden und die Kommentare in Facebook & Co sind vorprogrammiert! In der Lichtenrader Bahnhofstraße werden in absehbarer Zeit Rikschas einen Teil des Bus- und PKW-Verkehrs übernehmen. Der Start soll bereits am 2. Juli sein. Freie Rikschas können einfach auf der Straße angehalten werden. Die Nutzung wird kostenfrei sein.

Diese vielleicht abwegig klingende Idee kommt aber nicht von ungefähr. Ende Februar 2018 erklärte bereits Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD), dass der Einsatz von Lastenfahrräder in einem Pilotprojekt mit der DB Schenker AG für die Bahnhofstraße im Rahmen des Aktiven Zentrums geprüft wird. Bei den Rikschas will man nun mit einer Testphase schneller sein.

Zum Start werden 10 Rikschas von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr und am Samstag bis 13 Uhr eingesetzt. Es geht vom Pfarrer-Lütkehaus-Platz vor der Salvatorkirche bis zum Lichtenrader Damm / Ecke Alt-Lichtenrade, dort wo noch der Mühlstein der ehemalige Mühle zu finden ist.

Einen sogenannten Pre- bzw. Vortest wird es am ersten April, also direkt am Ostersonntag geben, damit die ersten Erfahrungen schon bei wenig Verkehr gemacht werden können. Dies war eine sehr kurzfristige Entscheidung. Die Sperrung der Bahnhofstraße wegen einer "Versackung" der Fahrbahn wurde wegen dieses Erprobung schnell wieder aufgehoben und der Schaden wurde repariert.

Etwas muss zum Start dieses alternativen Fortbewegungsmittels noch improvisiert sein, da noch ein eigener Fahrradstreifen auf der Bahnhofstraße fehlt und die Fahrbahn Mängel aufweist. Ein kleinen Teil in der Prinzessinnenstraße direkt am S-Bahnhof Lichtenrade wurde bereits für Versuchszwecke für Fahrräder und Rikschas abgesperrt (siehe Bericht). Dies könnte auch für Versuche mit schmalen sogenannten autonomen Kleinbussen genutzt werden. Mit dem Rikschas soll mal ausnahmsweise nicht jahrelang geplant und diskutiert werden, sondern schnell Innovationen eine Chance erhalten. Aus der BVV hört man, dass so ein Stück der Politikverdrossenheit entgegengewirkt werden soll.
Angelika Schoettler Rikscha Aug2016 WahltourSPD
Die Bezirksbürgermeisterin hat schon mal die Bequemlichkeit in einer Rikscha im Tempelhofer Hafen geprüft und für gut befunden. Sie findet die Idee für Lichtenrade überzeugend: „Warum mal nicht ganz unkompliziert neue Wege gehen? Die Lichtenraderinnen und Lichtenrader sind doch bekannt für ihre Aufgeschlossenheit.“
ThomasBestgen Alte Maelzerei 09032018
Der Eigentümer der Alten Mälzerei und des angrenzenden Areals einschließlich vom ehemaligen Haus Buhr, Thomas Bestgen, ist entzückt: „Tolle Idee: von der Mälzerei via Bahnhofstraße zum Dorfteich. Das kann ich mir gut vorstellen! Vor der Alten Mälzerei werde ich dafür gerne Rikscha-Parkplätze zur Verfügung stellen.“
erntedank volkspark lichtenrade moser 6
Auch die Betreiber vom Lichtenrader Weinfest und von „Kunst trifft Wein“, Claudia Scholz und Stefan Piltz sind begeistert: „Das können wir uns besonders bei den Festen gut vorstellen. So könnte man gut eine Verlängerung von der Bahnhofstraße zum Dorfteich planen und damit besonders gehbehinderten Menschen entgegen kommen.“

Bei einer kleinen Umfrage auf der Bahnhofstraße hingegen war auch Skepsis zu spüren. Der Lichtenrader Richard Z. (87) ist richtig sauer: „Nur immer die Radfahrer! Und wir Autofahrer werden irgendwann ganz ausgesperrt.“
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Der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Jan-Marco Luczak (hier Archivfoto) kann den Unmut gut nachvollziehen: „Ein absoluter nur modern gemeinter Quatsch! Das stört doch nur den Bus- und Autoverkehr! Die Lichtenrader haben andere Sorgen.“
Moghul rikschas 1
Nach Redaktionsschluss der Druckausgabe vom Lichtenrader Magazin meldeten sich noch die Inhaber von Moghul-Rikschas, Andreas Neumann und Simone Rosenau aus Neukölln: „Wir unterstützen sehr gerne den Test mit unseren vielfältigen Rikschas. Die Lichtenrader kommen sicher auf den Geschmack.“ Auf der Website heißt es: „Unsere Räder kommen aus Holland und China, den Ländern, wo seit ewigen Zeiten Menschen und Lasten mit Fahrrädern transportiert werden. Wir bauen sie hier in Berlin zusammen und endfertigen sie unter deutschen Qualitätsstandards. Unsere Rikschas haben sich im professionellen Betrieb bei Stadtrundfahrten tausendfach bewährt. Bauweise und Technik sind robust, genial einfach und wartungsarm. Ein Stück östliche Tradition, unterwegs auf westlichen Straßen und Wegen, um seinen Siegeszug auch hier anzutreten. Fahrspaß inbegriffen und Klimaschutz garantiert!“

Die Redaktion der Lichtenrader Internetzeitung wird über die Testphase berichten.

Thomas Moser

Vordere Fotos: Thomas Moser

Fotos der Rikschas und vom Geschäft: Moghul Rikschas
Rikschas Lichtenrade Lichtenrader Magazin04 2018
Oben: Kurz-Bericht Lichtenrader Magazin 04/2018

Ein kleiner Vorgeschmack:

Moghul-Rikschas

Inhaber: Andreas Neumann und Simone Rosenau

In der Neuköllner Elbestraße 1 /Ecke Sonnenallee, 12045 Berlin

www.moghul-rikschas.de

Eine kleine Auswahl der Rikschas:
Moghul rikschas 2

... und Lastenräder sind auch schon im Einsatz...


 

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