Anträge für die BVV-Sitzung am 18. September 2019 mit Lichtenrade-Bezug von SPD (2 x) und CDU (2 x)

- Lichtenrader Graben als Aufenthaltsort und als Wegeverbindung ertüchtigen (SPD)

- Nachnutzung altes Pumpwerk Lichtenrade (SPD)

- Lichtenrader Wochenmarkt erhalten - neuen Standort finden (CDU)

- Historische Lichtenrader Postagentur (1893-1904) in Alt-Lichtenrade vor dem Verfall schützen (CDU)


Anträge der SPD-Fraktion

Lichtenrader Graben als Aufenthaltsort und als Wegeverbindung ertüchtigen

Die Bezirksverordnetenversammlung möge beschließen:

Die Bezirksverordnetenversammlung ersucht das Bezirksamt den Lichtenrader Graben, der die längste zusammenhängende Grünfläche im Ortsteil Lichtenrade darstellt, durch geeignete Maßnahmen aufzuwerten. Neben einer Aufenthaltsqualität, die zum Verweilen anregt, soll auch der Aspekt des Verbindungsweges für Fußgänger*innen bei der Maßnahmenplanung Berücksichtigung finden.

Der BVV ist bis März 2020 zu berichten.

Begründung:

Sowohl aus der Spielleitplanung als auch aus der Bürgerkonferenz des ISEKs wurde die Notwendigkeit einer Aufwertung des Lichtenrader Grabens als Aufenthaltsort und als Wegeverbindung erkennbar. Der Lichtenrader Graben ist eine verkehrssichere Nord-Südverbindung, die aber aufgrund des derzeitigen Zustandes oftmals nicht genutzt wird. In der Spielleitplanung wird dazu ausgeführt: „Kinder und auch Jugendliche meiden die Grünanlage, da sie ein Angstraum ist, und können daher nicht von der schnellen und verkehrstechnisch sicheren Verbindung profitieren. Eine Aufwertung würde auch die Zugänglichkeit der Spiel- und Sportflächen für alle Kinder und Jugendlichen zu den existierenden verbessern. Auch als Spiel- und Aufenthaltsraum besitzt der Grünraum ungenutzte Potentiale, die zu einer Qualitätsverbesserung beitragen können.“

Der Antrag soll dem Anliegen Rechnung tragen.

Ingrid Kühnemann, Manuela Harling

Ergänzung von der SPD-Fraktion:

Die SPD-Bezirksverordnete Manuela Harling: "Der derzeitige Zustand des Lichtenrader Grabens zwischen Barnetstraße im Norden und der Bahnhofstraße im Süden muss dringend verbessert werden. Dabei geht es nicht nur darum, die Aufenthaltsqualität für die Lichtenrader Bürgerinnen und Bürger und den Zugang zu den vorhandenen Spiel- und Sportflächen zu verbessern, sondern auch eine attraktive und vor allem verkehrssichere Verbindung zwischen den beiden Straßen zu schaffen.


Archivfoto Thomas Moser / Tag der Städtebauförderung 13.5.2017


Nachnutzung altes Pumpwerk Lichtenrade

Die Bezirksverordnetenversammlung wolle beschließen:

Die BVV empfiehlt dem Bezirksamt bei den zuständigen Stellen des Landes zu sondieren, welche Möglichkeiten zur Umnutzung des alten Pumpwerks Lichtenrade für soziale Zwecke des Bezirks bestehen.

Als Grundlage für weitergehende Beratungen soll der BVV bis März 2020 berichtet werden.

Christoph Götz-Geene
pumpwerk alt
Archivaufnahme Thomas Moser


Antrag der CDU-Fraktion

Lichtenrader Wochenmarkt erhalten - neuen Standort finden

Die Bezirksverordnetenversammlung wolle beschließen:

Das Bezirksamt wird ersucht, den Händlern des Markts, der bislang samstags auf dem Pfarrer-Lütkehaus-Platz stattfand, kurzfristig einen Ersatzstandort in unmittelbarer Nähe zur Bahnhofstraße anzubieten.

Mit Aufnahme des Betriebs der bezirklichen Einrichtungen am Standort Alte Mälzerei, spätestens jedoch mit Beginn der Umbauarbeiten auf der Bahnhofstraße Ende 2020, ist darauf hinzuwirken, dass sich der Markt dauerhaft auf dem Platz vor der Alten Mälzerei etablieren kann.  

Begründung:
Der Betreiber des Markts auf dem Lichtenrader Pfarrer-Lütkehaus-Platz hatte eine Genehmigung für den Betrieb des Marktes bis zum September 2019. Durch die bald erfolgende Inanspruchnahme des Platzes im Rahmen des Ausbaus der Dresdner Bahn und der Untertunnelung der Bahngleise ist ein Verbleib am alten Standort unmöglich.

Dieser Markt ist einer der wenigen in den letzten Jahren, die sich nach der Eröffnung bis heute haben behaupten können. Es steht aber zu befürchten, dass es bei einer längeren Einstellung  des Marktbetriebs nicht mehr gelingt, ihn an anderer Stelle in örtlicher Nähe zum alten Standort dauerhaft zu etablieren. Der Bereich an der Alten Mälzerei scheint am ehesten als neuer Standort geeignet, zumal er auch im Konzept des sog. Lichtenrader Reviers eine Marktplatzfunktion erhalten soll.

Kliem, Hagen; Liesener, Patrick; Zander, Christian


Thomas Moser - Archiv


 Historische Lichtenrader Postagentur (1893-1904) in Alt-Lichtenrade vor dem Verfall schützen

Die Bezirksverordnetenversammlung wolle beschließen:

Das Bezirksamt wird ersucht, Maßnahmen zu ergreifen, damit die unter Denkmalschutz stehende Lichtenrader Postagentur vor dem Verfall gerettet wird.

Die BVV unterstützt die Aufforderung des Bezirksamtes gegenüber dem Landesdenkmalamt, endlich aktiv zu werden, ausdrücklich.

Außerdem soll geprüft werden, wie das Gebäude und das Grundstück genutzt werden können, falls eine Rettung des Gebäudes nicht möglich ist.

Begründung:
In Zeiten von Flächenmangel in Berlin können wir ungenutzte Objekte wie die historische Lichtenrader Postagentur nicht dulden.

Im Bericht aus der Verwaltung des Stadtentwicklungsausschusses wurde berichtet, dass das Gebäude sich inzwischen im Besitz einer Firma in Großbritannien befindet, scheinbar zu Spekulationszwecken:

"Bereits zum Zeitpunkt der Aufnahme in die Denkmalliste im Jahre 1995 zeigte das Gebäude, das offensichtlich längere Zeit nicht genutzt worden und ungesichert war, Verfallserscheinungen, wie ein Kurzgutachten zur Denkmalsubstanz im Jahre 1996 befand. Seinerzeit wurde eigentümerseitig ein Abriss mit anschließender Neubebauung erstellt und ließ erwartungsgemäß einen deutlichen wirtschaftlichen Vorteil für die Neubebauung erkennen. Dennoch wurde - ohne dass es zu förmlichen Antragsverfahren kam - seitens der Denkmalschutzbehörden an einem Erhalt festgehalten.

Im Jahre 2012 fanden erneut Abstimmungen zwischen Landesdenkmalamt (LDA), Unterer Denkmalschutzbehörde (UD) und dem Eigentümer statt, der seinerzeit bereit schien, Maßnahmen, ggf. mit finanzieller Unterstützung des Landesdenkmalamtes, durchzuführen. Leider erfolgte dies nicht, sondern das Gebäude wurde kurz danach an eine Gesellschaft mit Sitz in Großbritannien veräußert. Mehrfache Versuche der Kontaktaufnahme scheiterten.

Parallel wurde geprüft, ob und inwieweit Zwangsmaßnahmen zur Sicherung des Gebäudes möglich seien. Da jedoch der Aufwand erkennbar sehr hoch sein würde, wurde aus Gründen der personellen und finanziellen Ressourcen davon zunächst abgesehen; das LDA wurde im Jahre 2016 gebeten, vorsorglich erneut den Denkmalwert angesichts des aktuellen Zustands des Gebäudes zu bewerten. Diese Bewertung steht trotz Erinnerung, zuletzt anlässlich der Thematisierung in der Ausschusssitzung am 12.6.2019, weiterhin aus."

Diesem Treiben muss Einhalt geboten werden. Auf der Internetseite des Landesdenkmalamtes ist eindrucksvoll beschrieben, warum dieses Gebäude nicht seinem Verfall überlassen werden sollte:

"Die 1838 fertig gestellte Chaussee von Berlin nach Cottbus verbesserte die wirtschaftliche Lage der Dorfbewohner. In Lichtenrade siedelten sich Handwerker, Gewerbetreibende und Händler an, die vom Durchreiseverkehr lebten. Das Dorf dehnte sich nach Norden aus. Nördlich der Groß-Ziethener Straße entstanden kleine Büdnerhäuser. Der Schneidermeister Carl Schulze ließ um 1840 das Wohnhaus Alt-Lichtenrade 81 errichten. Das einstöckige, traufenständige Gebäude mit Satteldach zeigt, wie die ländlichen Wohnbauten vor der Mitte des 19. Jahrhunderts aussahen. (...) Um 1890 wurde das Haus geringfügig nach Süden verlängert. Von 1893 bis 1904 war in diesem Gebäude die Postagentur für Lichtenrade eingerichtet."

Liesener, Patrick

alte postagentur heinz koeppe
Fotos von Heinz Köppe, der schon lange Zeit engagiert gegen den Verfall protestiert


 

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