Den Sonderzug nach Pankow zelebrierte Udo Lindenberg und sein Panikorchester erst zum Ende der dreistündigen fulminanten Bühnenshow.
Zuerst erstürmen rund 60.000 Besucher, die in vielen Sonderzügen kamen, das Berliner Olympiastadion. Der türkisch-deutsche Comedian Bülent Ceylan heizte im Vorprogramm das Publikum gut ein und vertrieb die letzten Regenschauer. Ein herrlich milder Sommerabend verwandelte das Stadion in eine bunte Rockarena. Das Raumschiff von Udo Lindenberg nimmt 2015 Kurs auf drei deutsche Städte, darunter natürlich Berlin.

Foto: Tine Acke
In einer offenen Gondel schwebt Udo Lindenberg zu „Odyssee-Klängen“ über die Köpfe der Besucher ein. Einmal einen Eierlikör gurgeln und die „Goldene Stimme“ wird wieder geschmeidiger. Der Maler der bekannten Likörelle zelebriert auch gerne diese Eigenart. Jedenfalls merkt man, dass Udo (69) topfit ist. Daran ändern auch die dunkel geschminkten Augen unter der großen Sonnenbrille nichts.

Mit „Ich mach mein Ding“ startet der 69-jährige Rocker und trifft das Freiheitsgefühl seiner Generation: „Ich nehme eure Liebe dankend entgegen und gebe sie zurück. Es ist ein Hammer hier!“ Im Laufe des Abends wird Udo noch oft seine Begeisterung zeigen und meistens ein „Yeah“ als Ausrufezeichen hinzufügen. Und seine Fans sind mit Udo sehr zufrieden. Eine ganze Reihe von männlichen Anhänger hatten auch ein mehr oder weniger perfektes Udo-Lindenberg-Outfit an: Hut, dunkle Sonnenbrille und den leicht schlaksigen, elastischen Gang imitierend.

Foto: Tine Acke
Udos Sprache ist bekanntermaßen etwas nuschelig, aber genau das ist Udo und das wollen auch seine Fans so. Mit seinem jungen Freund Clueso und „Cello“ startet er die Reihe der vielen special guests bei dieser „Familienfeier“, wie Udo selbst den Abend nennt. Auch gut zum mitsingen ist der lyrisch gefühlvolle  „Ich lieb dich überhaupt nicht mehr“ –Song. Eindeutig positioniert sich Udo schon immer gegen Kriege, Aufrüstung, Nazis und Fremdenhass. Auch diesmal stellt er seine Überzeugung klar und die Menge applaudiert begeistert. Bei „Wozu sind Kriege da?“ wird der gefühlvolle und gesellschaftskritische Künstler von einem Kinderchor begleitet. Udo schreit laut und vernehmlich, auch wenn er auf die dunkle Geschichte des Olympiastadions zu sprechen kommt: „Nazis brauchen wir nicht mehr…diese neuen Nazischweine! Nazis: Nein danke!“ Einen neuen Song hat er nach einer Begegnung in einem Containerdorf von Flüchtlingen geschrieben. Hier hat ihm die Boxerin Susi Kentikian ihre leidvolle Flüchtlingsgeschichte erzählt. Für Udo sind diese persönlichen Treffen das Entscheidende und er ist über das sächsische Freital erschüttert: „Wo sollen die Flüchtlinge denn hin? Zu ihren Mördern? Zur ISIS?“ Udo Lindenberg will die „Bunte Republik Deutschland“ und besingt dies mit seinen musikalischen Freunden inbrünstig.

Udo Lindenberg, so etwas wie der Erfinder deutscher Rockmusik und rockiger Balladen, wird im FDJ-Hemd von der Hauptdarstellerin des erfolgreichen Musicals „Hinter dem Horizont“, Josephine Busch, unterstützt. Seine vielen Gäste, zum Beispiel Eric Burdon, Jan Delay, Adel Tawil, Helge Schneider und Otto Walkes kamen musikalisch, mehr oder weniger lange, zum Einsatz. Eine einmalig abgestimmte Show, die keinen Hänger oder Leerlauf hatte. Viele Tänzerinnen und Artistinnen umschwärmten den Rockstar. Die Bühnenanimation und der Sound waren einmalig und Udo hat wohl alles geboten, was möglich war. Sogar die Außerirdischen schwebten in einem Raumschiff ein.

Beim „Mädchen aus Ostberlin“ zeigte das Publikum grenzenlose Begeisterung. Udo ist immer noch von der Zeit des Mauerfalls begeistert: „Das war die schönste Zeit meines Lebens!“

Udo Lindenberg zelebrierte eine rockige Honky-Tonky-Show mit vielen jazzigen Elementen. In Onkel Pös Carnegie Hall wird zum Finale geblasen, die Bühne füllt sich mit allen Mitwirkenden und Udo schwebt zu Candy Jane noch einmal über die Köpfe seiner begeisterten Fans. Udo hat alles gegeben: Udo, wie er leibt und lebt. Das wird vom Publikum mit minutenlangem Applaus gedankt! Eine gigantische tolle Show!

Thomas Moser

Einige Fotoimpressionen von Thomas Moser:



 

Jetzt geht die Party richtig los! Der Orchesterleiter, Arrangeur und Musiker James Last ist seit über 50 Jahren so etwas wie der Party-Meister der Nation. Vor Jahrzehnten gab es fast keine Party, auf der die typische James-Last-Musik fehlen durfte. Jetzt ist der ambitionierte Musiker auf Europatournee gegangen und absolviert seine letzten Auftritte. Es wurde die große Abschiedstournee angekündigt. James Last (86), der gesundheitlich schwere Zeiten durchleben musste und jetzt körperlich noch etwas wacklig wirkt, glaubt auch nicht recht an ein Leben ohne Konzerte. Die Musik ist sein Leben und so verspricht er: „Auf Wiedersehn, ernst gemeint, wir kommen wieder.“ Während des gesamten Konzertes stand James Last, macht lustige Sprüche und gab -kaum merklich- mit der rechten Hand genau den swingenden Takt seiner junggebliebenen Musik an. Ein Musiker durch und durch!

Foto Christian Kaspers (promo) James-Last-Tour 2015

Musik ohne Ende

4000 Besucher sind in die O2-World gekommen und die Stimmung war von der ersten Minute an gut. James Last hat einen einzigartigen Musikmix zusammengestellt. Rocky neben Johann Sebastian Bach, Pop neben Klassik, Partymusik neben getragenen Tönen: Wer hätte sich so etwas sonst getraut? James Last bringt die Stücke aber so zusammen, dass man denkt, dass all diese Vielfalt auch zusammengehört. James Last Sound ist nicht nur Schunkel- und Tanzmusik. Der Sound ist sehr vielfältig: Evergreens, Ohrwürmer und Gassenhauer, Potpourris, Shanty-Musik, Square Dance oder Walzer. Da musste Last nicht lange bitten und der Raum vor der Bühne füllte sich mit tanzenden Fans. James „Hansi“ Last hatte einen Tag vor dem Berlin-Auftritt Geburtstag. Erst kläglich vorsichtig, dann doch kraftvoll, wurde „Happy Birthday“ vom Publikum gesungen.

James Last hat nicht nur Hits und Musik von Anderen arrangiert, sondern auch selbst bekannte Stücke, wie die Traumschiff-Melodie, geschrieben. Einige wurden auch an diesem Abend präsentiert. Besonders beeindruckend war „Der einsame Hirte.“ Diese Melodie von 1977 wurde mehrmals als Filmmelodie genutzt. Der bekannteste Film war wohl „Kill Bill“ von Quentin Tarantino.

Einzigartig und heute etwas Besonderes: ein großes Tanzorchester

Im Orchester von James Last sind einmalige Musiker. Über 30 Musiker bevölkern die Bühne, die jungen Streicherinnen und Streicher haben richtig Spaß und zeigen dies auch. Sie wippen, klatschen, Tanzen und machen Quatsch. Alles sehr passend und kurzweilig. Die fünf Sängerinnen und Sänger sind mehr als ein Chor. Einmalige Solostimmen, die aber auch gemeinsam optimal harmonieren!

Eine interessante Ausstellung über James Last und ein Fan

Im Tempelhofer MedienPoint, in der Werderstraße 13 –ganz in der Nähe der ufaFabrik, findet noch bis zum 5. Mai 2015 eine kleine aber feine James-Last-Ausstellung statt. Unter dem Motto „50 Jahre Non-Stop Dancing – James Last” wurde eine interessante Hommage an den großen Musiker mit über 150 Exponaten zusammengestellt.

Der ausgewiesene James Last Fan, Günter Krüger und seine Frau Karin, haben Hansi Last und seine Frau Christine persönlich kennengelernt. Krüger hat natürlich das Berliner Konzert besucht und war begeistert: „Es war erfreulicherweise viel besser als in Hamburg. Da waren der Sound und die Stimmung längst nicht so gut.“ Jetzt überlegt Krüger, ob er noch das Köln-Konzert besucht. Bei der Ausstellung in Tempelhof kann man auch eine goldene Last-Schallplatte bewundern, die James Last dem ehemaligen Radio-Musikchef und Ausstellungsmacher, Henning Hamann, geschenkt hatte. Diese Geschichten erfährt man beim Ausstellungsbesuch.

Musik ist sein Leben!

Der Veranstalter stellt Last so vor: „Hans James Last ist ein Gute-Laune-Mensch, einer, der das Leben leicht und seine musikalische Arbeit sehr ernst nimmt. Das Ergebnis sind bombastische Shows, in denen sich alle miteinander in ausgelassenster Partystimmung verbunden fühlen, Mütter mit ihren Töchtern Walzer tanzen oder der Chef sich mit seinen Mitarbeitern in einer langen Polonaise verbandelt. Wer im Alltagsstress steckt, verzweifelt und verdrossen ist, dem sollte man einen Abend mit „Hansi“ und seinen Musikern verordnen. Denn am Ende des Konzerts schwingt ein jeder in Glückseligkeit.“ Und dem ist dann noch kaum etwas hinzufügen!

Das Berliner Publikum war begeistert und applaudierte stehend dem großen Meister und sympathischen Menschen. Ob er wirklich wieder kommt? Die Berliner würden sich jedenfalls freuen. Aber selbst wenn Last nicht mehr auf Tournee geht. Er wird mit Musik weitermachen. Denn Musik ist sein Leben!

Thomas Moser


 

Das Schlosspark Theater Berlin hat mit „Das Lächeln des Barrakuda" von Esther Vilar witzige und niveauvolle Unterhaltung auf die Bühnenbretter gezaubert.

Der Zauberer der Regie war Thomas Schendel, selbst Schauspieler, der damit schon bereits die 8. Produktion im Schlosspark Theater gelungen gestaltet hat. Schauspielerisch wurde das Stück um Macht, Liebe und Sex mit viel Temperament und Leidenschaft einmalig gekonnt von den Schauspielern Eleonore Weisgerber und Ulrich Gebauer, beide aus vielen Fernsehproduktionen bekannt, umgesetzt.

Zum Schlussapplaus ist auch Esther Vilar (Mitte) auf der Bühne.
Die Autorin Esther Vilar wurde als Schriftstellerin mit ihrem Buch „Der dressierte Mann" bereits 1971 bekannt. Sie war Gast bei der Premiere. Auch diesmal ein Thema von Vilar, das sie schon jahrzehntelang begleitet und mit einer klaren Wortwahl das Spiel von Frau und Mann skizziert. Esther Vilar zu der aktualisierten Fassung ihres Werkes: „Es wäre mir unmöglich gewesen, dieses an die Geschichte von Bill und Hillary Clinton angelehnte Bühnenstück nicht zu schreiben. Zu sehr habe ich mir all diese Jahre gewünscht, einmal eine Frau an der Spitze der US-Politik zu sehen.“

Der amerikanische Präsidentschaftskandidat Frank Marvin, gekonnt gespielt von Ulrich Gebauer, will dem gesellschaftlichen Ruin (Staatsbankrott, Umweltzerstörung und marode Sozialsysteme) ein Ende setzen. Dabei wird er von seiner Frau Deborah Marvin, einer brillanten Anwältin, unterstützt und fast getrieben. Die Ehefrau wird wunderbar von der beliebten Schauspielerin Eleonore Weisgerber gespielt. Und es kommt, wie es kommen musste. Die jahrelange blonde Liebschaft bringt die Ehe und Karriereplanung beider Protagonisten ins Wanken. Oder wusste die gehörnte Frau schon lange von der Liebelei und erhoffte sich dadurch, quasi durch die Hintertür, die Macht der Frauen in der Politik zu etablieren? Eine Talk-Show mit Deborah soll besonders die weibliche Wählerschaft die Liebschaft des Mannes vergessen lassen. Es geht schließlich um den Präsidenten, und nicht um den Papst, wie Deborah es treffend nennt.

Eine wahrhaft starke Frau hat ihren Weg in eine bessere Zukunft ganz genau im Auge. Verletztheit und Verliebtheit sind oft kaum zu trennen. Eine Art Jobsharing im Präsidentenamt, wäre das eine Chance für die Zukunft? „Einen ausgekochteren Partner als dich könnte ich für diesen Job sicherlich auf der ganzen Welt nicht finden," sagt Frank aus tiefer Überzeugung zu seiner Frau, der von der Presse das Lächeln eines Barrakudas, eines nicht so prachtvollen Raubfisches, nachgesagt wird.

Manchmal mutet das bereits am 8. Juni 1994 am Wiener Theater in der Josefstadt uraufgeführte "Lächeln des Barrakuda" wie ein Einpersonenstück an, da die weibliche Rolle inhaltlich und schauspielerisch den dominierenden Part innehat. Aber die schauspielerische Harmonie sorgt für einen ausgewogenen schönen Theaterabend.

Die Film-Einspieler mit Oliver Mommsen und Navina Heyne bringen eine abwechslungsreiche Variante in das Stück.

Intendant Dieter Hallervorden hat wieder das richtige Händchen bei der Auswahl des Stückes bewiesen. Die Premiere am 7. Februar begeisterte das Publikum. Gute kurzweilige Unterhaltung, jenseits von Klamauk!

Thomas Moser (auch alle Fotos)


 

31. Januar 2015 Das Zirkuszelt vom Berliner Tempodrom verwandelt sich in „Die verbotene Stadt“, wenn der „Große Chinesische Nationalcircus“ mit einem grandiosen Circusprogramm die Zuschauer verzaubert und fasziniert. Einzigartige Circuskunst auf hohem Weltniveau! Das Programm hat eine schlüssige Handlung, das vom Leben und der Kunst an Chinas Kaiserhof erzählt. Deutsche Erzähltexte begleiten angenehm durch die Vorstellung und die einzelnen Circus-Nummern werden ohne viel Schickimicki spektakulär präsentiert.

Das Ganze ist hundertprozentig kompatibel für den europäischen Markt. Obwohl man sich in das Reich der Mitte versetzt fühlt, muss man als Europäer nicht ständig ungewohnte Klänge von chinesischer Musik hören. Viele klassische und auch jazzige Elemente begleiten die einzigartigen Künstler. Was hinter den Kulissen passiert, ist eine euroasiatische Kooperation um ein Kulturprojekt. Raoul Schoregge, als kreativer Kopf der Gruppe, möchte sich deshalb als Mittler zwischen den Kulturen verstanden wissen: „Der Chinesische Nationalcircus als Brücke zwischen den Menschen!“

Im nicht ganz ausverkauften Tempodrom werden Tanz, Spiel, Akrobatik und chinesische Kampfkunst gelungen kombiniert. Verschiedenartige Stuhl-, Fahrrad und Menschenpyramiden lassen die Zuschauer staunen. Seilspringen wird mit mehrfachen Salti aus dem Stand dargeboten und gekreuzte Seile in Wellenform geschwungen, werden einmalig mit Lasso-Einlagen verknüpft. Kartenzauberei und ein wenig Clownsklamauk lockern auf eine sehr angenehme Art und Weise das spannende Programm ab. Es gibt viel Jonglage zu bewundern. Neben einigen witzigen Hut-Jonglagen sind die Fußakrobatikteile für das begeistere Publikum der Renner. Tische werden liegend mit den Füßen synchron in alle Richtungen bewegt, am Tuch und Seil und in den unmöglichsten Konstellationen verdrehen sich Körper „wie von selbst“ in die unmöglichsten Richtungen. Das tut schon beim Zuschauen weh und man will nicht wirklich wissen, wieviel Tränen hier in den jahrelangen Proben geflossen sind.

Der Chinesische Nationalcircus überzeugt mit spektakulären Künsten, ohne dass man auch nur in einer Minute den Eindruck hat, dass hier dem Wahnsinn von immer mehr, höher und besser gefrönt wird. Die Handlung, mit den ergreifenden Geschichten zwischen Kaisern, Konfuzius, Karma und Konkubinen, ist von Länge und Inhalt genau richtig. Leise und kraftvoll ist das Programm eine gelungene europäische Variante, um das alte China lebendig werden zu lassen.

Der Chinesische Nationalcircus war jetzt nur einen Tag in Berlin. Tag für Tag reisen die Künstlerinnen und Künstler in Europa von Ort zu Ort. Die nächste chinesische Circus-Sensation würde ich mir, an Ihrer Stelle, nicht entgehen lassen!

Thomas Moser (auch Fotos)

http://www.chinesischer-nationalcircus.eu

http://www.semmel.de




Fotos Thomas Moser


 

Langjährige Liebesbriefe auf Papier, statt ganz schnell mal eine SMS oder WhatsApp-Nachricht! Wo gibt es denn heute noch so etwas?

Das Schlosspark Theater Berlin hat sich an ein Bühnenstück aus dem Jahr 1959 von Jerome Kilty (1922-2012), einen US-amerikanischen Schauspieler und Autoren, herangewagt. Es geht um einen hoch emotionalen Briefwechsel zwischen dem irisch-britischen Dramatiker G.B. Shaw und der britischen Schauspielerin Beatrice Stella Campbell, der auf die Bühne gebracht wird.

Das Wagnis mit diesem Zwei-Mann-Frau-Stück ist geglückt! Ein Briefwechsel auf einer Bühne darzustellen, ist wohl immer ein schwieriges Unterfangen. Aber dank der besonderen Schauspielkunst von Brigitte Grothum und Achim Wolff, zwei überaus beliebten Schauspielern, konnte der Spannungsbogen gehalten werden. Nicht ganz einfache Kost im Sinne von purer Spaß-Unterhaltung, aber eine Besinnung auf eine tiefgründige Freundschaft und Liebe. Ich denke, ein besonders hoch einzuschätzender Wert in unserer schnelllebigen Zeit. Das Ganze ist eine sehr gelungene Regiearbeit von Philip Tiedemann.


„Wir beide wollen Ihnen heute eine Liebesgeschichte erzählen, wie sie sich aus dem Briefwechsel ergibt zwischen dem großen Dramatiker und Vegetarier Bernard Shaw und der fleischessenden Schauspielerin Beatrice Stella Campbell“, so beginnt dieser berühmte, längst zum „Klassiker“ gewordene Bühnendialog. „Dear Liar“ basiert auf einer 1952 – zwei Jahre nach Shaws Tod – erschienenen Korrespondenz, die den lebenslangen Kleinkrieg einer ebenso kratzbürstigen wie leidenschaftlichen Zuneigung offenbart. Ende des 19. Jahrhunderts hat sich der Star der Londoner Bühnenwelt Stella als junge Schauspielerin Hals über Kopf in den damals 45jährigen George Bernard Shaw verliebt. Im Programmheft wird treffend die Beziehung beschrieben: „…liegen sich dauernd selig in den Haaren, reizen einander, verwunden einander, sind bockig, frech, ironisch und albern – und lieben sich doch auf eine merkwürdige bizarre wie eindrucksvolle Weise…“ Campbell selbst schrieb über den Briefwechsel: „Ihre Briefe sind ein Karneval von Worten.“ Shaw schrieb für Stella die Rolle des Blumenmädchens Eliza Doolittle in „Pygmalion“. Seit der deutschsprachigen Erstaufführung wurde der „Geliebte Lügner“ immer wieder an deutschen Theatern gespielt.

Die Premiere am 10. Januar 2015 begeisterte die Zuschauer im Steglitzer „Schlosspark Theater Berlin“ von Dieter Hallervorden. Die Schauspieler haben die Herausforderung des Stückes mit Bravour gemeistert!

Thomas Moser

Bühne & Kostüm: Stephan von Wedel

Musik: Henrik Kairies

Regieassistenz Viktoria Feldhaus

http://schlosspark-theater.de





Alle Premiere-Fotos Thomas Moser - BerLi-Press


 

31.10./1.11.2014 Zwei Tage Ostrock in der Berliner O2-World . Da steppt der Bär, zumindest der legendäre Eisbär der PUHDYS, der ohne Kenntnis des Eishockey-Hintergrundes mittlerweile auch bei vielen Après-Ski-Partys gegrölt wird. Am zweiten Tag in Berlin füllen die PUHDYS zusammen mit den Rocklegenden von CITY und KARAT die Halle.

PUHDYS, die Erste

Der Freitagabend ist der PUHDYS-Abend zum 45-jährigen Bühnenjubiläum. Gleichzeitig ist es auch der angekündigte offizielle Auftakt zur Abschlusstournee. Kein Wort haben die Ostrocker im Konzert zum Ende gesagt; man wird sehen, ob dies der endgültige Abschied bleibt. Die Fans haben von den PUHDYS jedenfalls noch längst nicht die Nase voll. Mit 11.000 begeisterten Besuchern war die Eventhalle sehr gut gefüllt. Der Innenraum war voll mit tanzenden und klatschenden Fans.

Die PUHDYS haben einige Vorgruppen mitgebracht und damit dem Nachwuchs eine Chance gegeben. Mit dabei „Goldmannpark“, Alexa Feser und „Elaiza“. Fast war das Publikum vom verzögerten Konzertbeginn genervt. Aber die zwei Musikerinnen von Elaiza, Elzbieta „Ela“ Steinmetz und am Akkordeon Yvonne Grünwald –Teilnehmerinnen für Deutschland beim letzten Eurovision Song Contest-,.überzeugten die ungeduldigen Fans mit ihrer Ohrwurm-Musik, mit Natürlichkeit und Ela mit ihrer besonderen Stimme.

Mit „Geh zu ihr“ und „Melanie“ konnten die PUHDYS von Beginn an ihr Publikum mitreißen. Die Interaktion mit dem Publikum klappt fast blind. Frontmann Dieter „Maschine“ Birr streckt seitlich seine schlaksigen Arme aus, bewegt die Hände leicht hoch und runter und die Fans wissen, was sich gehört. Deutsche Rockmusik ist ungebrochen bei den Fans beliebt. Im Takt wird geklatscht, wenn die PUHDYS an Deutschland denken und bei all den alten Hits, die so etwas wie Evergreens der deutschen Ostrock-Musik darstellen. Von der „Wenn ein Mensch lebt“-Hymne, vom erfolgreichen legendären DDR-Spielfilm-Klassiker „Paul und Paula“, ist nicht nur Bundeskanzlerin Angela Merkel bekennend begeistert, sondern es ist auch für die Fans immer wieder ein besonderer Konzert-Höhepunkt. Da können fast alle textsicher mitsingen. Die Show, natürlich mit Licht und etwas Pyrotechnik, ist im Wesentlichen –im positiven Sinne- unspektakulär. Es geht hier um solide Deutsch-Rock-Musik mit wenig Schnick-Schnack.

Foto: promo - Michael Petersohn
Der Ur-Puhdy Peter „Eingehängt“ Meyer sitzt entspannt an den Tasten und bewegt sich nur bei der Bandvorstellung zu seiner obligatorischen Saxophon-Einlage und freut sich wie immer über die alte “Holzmichel-Meyer-Einlage“. Peter „Bimbo“ Rasym zupft unaufgeregt seinen Baß, während Klaus Scharfschwerdt am Schlagzeug mit einem Trommelfeuer überzeugt. Schwerstarbeit auf der Bühne, die das Publikum beim Solo mit viel Applaus dankt! Dieter „Quaster“ Hertampf ackert mit seiner Gitarre das eine und andere Mal über die Bühne. Er zeigt bei „Bis ans Ende der Welt“ seine Coolness, wenn er im Rauch der Windmaschine an seinem Instrument wie ein echter Rocker rüberkommt. Und Maschine ist halt Maschine!

Zusammen mit Alexa Feser singt Maschine über die Träume, die sterben. Ela von Elaiza bringt dann beim PUHDYS-Softsong „An den Ufern der Nacht“ eine ganz besonders interessante Klangfarbe ein.

Wenn zwei in „Lebenszeit“ durch alle Meere fahren und dabei „Alt wie ein Baum“ werden möchten, ist der Jubel beim altersmäßig sehr gemischten Publikum groß.

Der „Es war schön“ Song aus 2012, quasi eine Abschiedshymne, ist zwar nicht so bekannt, kann aber mit dem gewissen Gänsehaut-Faktor überzeugen. Ganz neu ist das Lied über die „Sternstunden“, gemeinsam mit City und Karat aufgenommen. Es wird von den positiven Gefühlen erzählt, die mit dem 25jährigen Mauerfalljubiläum verbunden waren: „Plötzlich konnten wir fliegen, zum Horizont und zurück.“ Ein gelungener Song, der auf der neuesten Rock-Legenden-CD der drei Bands zu finden ist.

Ein Abschluss, den man kennt und den die Fans lieben: Die „Rockerrente“ wird besungen und die großartige unweigerliche Eisbären-Hymne. Wenn bei dieser Abschiedstour musikalisch „Das Buch“ zugeklappt wird, ist die freudige Erwartung auf den zweiten Tag Ostrockmusik sehr groß.

Ostrock, die Zweite mit Verstärkung: Karat, City und Puhdys vereint!

Wenn die Rocklegenden des Ostens sich ankündigen, sind die Fans nicht zu bremsen. Die O2-World war mit 15.000 Besuchern ausverkauft.

Foto promo - Ron Marzok
Die drei Rockgiganten präsentierten sich nicht nur mit kleinen eigenen Teilkonzerten, sondern entfalteten eine ganz eigene Qualität, wenn die einzelnen Musiker der verschiedenen Bands sich gegenseitig unterstützten. Beim „blauen Planeten“ von KARAT wurden mit Unterstützung von Puhdys Schlagzeuger Klaus Scharfschwerdt im kraftvollen Sound aufgespielt. Der „Albatros“ und der „Schwanenkönig“ sind dabei, genauso wie die sieben Brücken, über die man gehen muss. KARAT interpretiert zum Abschluss ihres Teils „An den Ufern der Nacht“ von den PUHDYS. Diese gefühlvolle Interpretation ist auch auf der aktuellen CD der Rocklegenden zu finden. Sänger Claudius Dreilich hat 2005 die Nachfolge von Herbert Dreilich, seinem verstorbenen Vaters, angetreten und hat trotz stimmlicher Ähnlichkeit sein eigenes Profil entwickelt. Am 20. Juni 2015 feiert Karat in der Waldbühne ihr 40jähriges Jubiläum.

CITY stellt beim Amerika-Song klar: „Ich bin immer noch hier!“ Und das stellen die Musiker dann auch unter Beweis. So wird „Casablanca“, „Berlin“ und auch „Susann“ besungen. Wenn Toni Krahl die „Kleinen Hände“ anstimmt, auf die man nicht schlagen darf, kommt eine besondere Stimmung auf. Er erzählt, dass die damaligen DDR-Funktionäre Herpes bei den Zeilen „Leute ohne Rückgrat - haben wir schon zuviel“ bekamen. Die Fans applaudieren und flippen richtig aus, als CITY „Am Fenster“ anstimmt. Georgi „Joro“ Gogows Geigenspiel gibt der Band das Besondere und das Unverwechselbare. Wenn er seine Geige einem Vogel gleich zwitschern lässt, hält es keinen Bewegungsmuffel mehr auf seinem Stuhl. City wird unplugged mit Sebastian Krumbiegel von den Prinzen am 27. Dezember 2014 in der Gethsemane Kirche auftreten.

Die PUHDYS lassen „Hey, hey, hey“ ihren Drachen steigen, singen mit Toni Krahl vom Menschen, der lange Zeit lebt und auch bei „Alt wie ein Baum“ werden die Träume zwischen Himmel und Erde eingefangen. Die Eisbären-Hymne ist dann wieder der absolute Höhepunkt des PUHDYS-Auftritts, bevor abschließend die gesamte Ostlegenden-Formation die Bühne rockt. Beim aktuellen Song der „Sternstunden“ waren alle Bands vereint. Die Kombi der drei Bands, gemeinsam auf der Bühne, hätte das Publikum gerne noch länger gehört. Nichtsdestotrotz ein schöner Abend mit den Ostrockern.

Zwei Tage Ostrock sind vorbei. Der Ostrock ist immer noch frisch und lebendig!

Thomas Moser - BerLi-Press


 

Die Abschiedstournee von Peter Kraus kann lange dauern. Dies versprach er am Ende seines Konzertes im Berliner Tempodrom. Am 18. Mai feierte er seinen 75jährigen Geburtstag und zeigt auf der Bühne ungebrochen seinen „verruchten“ rollenden Hüftschwung, der zu seinen besten Zeiten die Mädels kreischen ließ. Unendlich begeistert sind noch heute seine meist mit ihm alt gewordenen Fans.

Nach dem Motto „Das Beste kommt zum Schluss“ verabschiedet sich (zumindest vorerst) Peter Kraus nach rund 60 Jahren Bühnenleben vom Tourbetrieb. Aber wie er augenzwinkernd betonte, kann so eine Tour lange dauern.


Der schlanke Seniorrocker zeigt es den Jungen, dass Musik fit hält. Auch wenn er nicht mehr jede Turnübung mitmacht, kann er mit Gelenkigkeit, Temperament und Esprit überzeugen.

Eine Superband, mit der er seit 15 Jahren auftritt, verschiedene Bläser und ein kleiner Chor zeigen Live-Rock-Musik vom Feinsten. Außerdem ist die Show so ausgerichtet, dass die Musiker auch ein Stück in den Mittelpunkt kommen, zumal sich so der agile und dynamische Rocker-Rentner auch mal verschnaufen kann. Der Rock ’n Roller Peter präsentiert natürlich auch Schnulzen aus seiner Jugend. Peter Kraus, ausgebildeter Schauspieler, spielte in jungen Jahren in etlichen Schlagerfilmen mit. Als „netter Junge von nebenan“ sang Peter im Duett mit dem weiblichen Teenageridol Conny Froboess. Dieses nachgestellte Duett-Potpourri kam sehr gut bei den Tempodrom-Zuhörern an.

Besonders bei den rockigen Stücken kommt das Publikum in Stimmung. Sein musikalisches Vorbild Elvis Presley wird in einem Medley in Peter-Kraus-Manier bedacht. Auch der damalige Hitstürmer „Wenn Teenager träumen“ ist dabei. Den „Tiger“ interpretiert er in einer bayerischen Schunkelversion und nimmt sich und sein Alter so ein wenig selbst auf die Schippe.

Mit seiner aktuellen CD „Zeitensprung“ hat Peter Kraus mit gecoverten aktuellen Songs im Peter-Kraus-Stil ein beliebtes Rezept aufgegriffen. Die Mischung ist vielfältig und durchaus etwas Besonderes. Von Udo Lindenberg und dem nicht zu reparierenden Herzen, über „Gib mir Sonne“ von Rosenstolz, über „Hamma“ (Culcha Candela), Tim Benzko und Helene Fischer bis zu „Alles nur geklaut“ von den Prinzen: Durch seine eigene Interpretation ist es mehr als nur ein Cover-Album geworden. Die Songs kommen durchaus bei seinem Publikum an.

Wenn dann jedoch „Sugar Baby“ und „Jailhouse-Rock“ erklingt, gehen viele weibliche Fans vor die Bühne, tanzen und flippen fast aus. Am Schluss tanzt oder wippt zumindest das ganze Peter-Kraus-Publikum. Mit der „Schwarzen Rose“ verabschiedet sich der besondere Künstler, der bis ins hohe Alter sein Publikum behalten hat. Peter Kraus überzeugt mit absoluter Qualität und braucht keinen Altersbonus: Ein Rocktitan, der auch Schnulzenliebling war!

Thomas Moser


 

Taksim Forever

#Rüyalar parki

Für eine kurze Zeit wurde der Gezi-Park in Istanbul zum „Park der Träume.“

Im aktuellen Musiktheater von Can Erdogan-Sus (Komposition) und Kerem Can präsentiert die Neuköllner Oper Einblicke in die Proteste, die im Jahr 2013 im Zuge eines geplanten Bauprojektes im Gezi-Park für große Unruhen sorgten.

Am Anfang ging es um drei Bäume. Dann ging es jedoch um viel mehr.

In der erzählten Geschichte verliebt sich der deutsche Klangkünstler Ben, gespielt von Johannes Hubert, in die Stimme aus dem Radio. Diese Stimme gehört der Aktivistin der Protestbewegung Leyla, die von Pınar Erincin dargestellt wird.

Ben reist nach Istanbul und gerät in Polizeieinsätze rund um den Taksim-Platz, der schon 1977 als Ort für ein Massaker mit 34 Toten traurige Berühmtheit erlang. Bei den aktuellen Unruhen verliebt sich Ben richtig in die junge Frau. Die Staatsmacht räumt den Platz mit Gas und Wasserwerfern und übertüncht alles mit Farbe.

Die Eltern der jungen Leuten zeigen den Blick in die Vergangenheit. Der Taksim-Radio-Reporter Deniz, dargestellt von Murat Dikenci, präsentiert sich als lebendiges und verbindendes Element, gelegentlich auch als Beatboxer.

Foto Neuköllner Oper / Matthias Heyde

Die Darstellerin von Leyla war selbst zeitweise in der Gezi-Bewegung aktiv und sagt: „Ich glaube, es hat mich stärker gemacht.“ Das spürt man auch!

Die Bühne stellt sich anfangs zweigeteilt, einfach aber eindrucksvoll dar. Der trennende Vorhang dient zu Beginn dazu, dass türkische Liedtexte ins Deutsche übersetzt angezeigt wurden. Dies war so lange effektiv, bis sich die Rauchschwaden vor dem Vorhang versammelten. Vorhänge waren dann auch für die kraftvollen Videos die Grundlage. Zusammen mit dem starken Sound war Vincent Stefan für diesen Bereich verantwortlich und überzeugte mit seiner Arbeit.

Es ist in der Neuköllner Oper immer wieder schön zu sehen, wie abwechslungsreich und frisch die Bühnenbilder sich in den verschiedenen Stücken präsentieren. Auch dieses Bühnenbild/Ausstattung von Yvonne Kalles überzeugte voll und ganz.

Die Musik von Can Erdogan-Sus ist gefühlvoll und traurig und gelegentlich kämpferisch, halt abwechslungsreich. Auf jeden Fall war die ansprechende Musik viel weniger „typisch“ Türkisch, wie man bei diesem Thema erwarten konnte. Das tat dem Gesamtkunstwerk des Musiktheaters aber keinesfalls einen Abbruch.

Foto Neuköllner Oper / Matthias Heyde
Mit Töpfegeklapper und dem Schlachtruf „vay, vay“ wird temperamentvoll und entschlossen gesungen: „Meine Gasmaske ist rot. Das Tränengas schmeckt nach Honig. Mein Wasserwerfer bespritzt mich. Wir werden das lösen, das Volk ist auf der Straße auf dem Weg nach Taksim, auf die Barrikaden.“

Besonders das exzellente Orchester, unter der musikalischen Leitung von Bijan Azadian oder alternativ Dominik Walenchiak, ist der Garant für ein zeitkritisches und künstlerisch beachtliches Musiktheater. Die guten schauspielerischen Leistungen rundeten den Abend ab. Das Premierenpublikum war begeistert.

Ein deutsch-türkisches verbindendes Gesamtkunstwerk!

„Taksim forever“ wird zeitlos sein, da Taksim immer wieder auch an anderen Orten zeitweise für Träume sorgen kann. Taksim im überall.

Thomas Moser

Musiktheater von Can Erdogan-Sus (Komposition) und Kerem Can (Text)

Regie: Nicole Oder

Musikalische Leitung: Bijan Azadian/Dominik Walenciak

Ausstattung: Yvonne Kalles · Dramaturgie: Bernhard Glocksin
Video/Sounddesign: Vincent Stefan


 

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