Ein Kinderfest, offizielle Spenden-Übergaben und Anti-Gewalt-Schmetterlinge erstmals in Berlin


Der Tannenhof Berlin-Brandenburg e. V. in der Lichtenrader Mozartstraße, besonders durch seine Suchthilfeeinrichtungen mit Kinderbegleitung bekannt, feierte mit Eltern und Kindern am 9. Juni 2017 ein Fest.

Zum Sommerfest waren die Kinder, die im Kinderhaus in der Mozartstraße wohnen und auch die Kinder von Wohngruppen von den anderen vier Standorten in Lichtenrade und Marienfelde eingeladen. Der Sommer zeigte an diesem Freitag dann auch seine ganze Strahlkraft.

Der Zauberer begeisterte Groß und Klein

Auch Babett Schott wurde vom Zauberer verzaubert.
Es wurden viele Spiel- und Spaßangebote für die Kleinen angeboten. Besonders begeisterte der Zauberer mit seinen Künsten und seiner kurzweiligen Unterhaltung. Die bekannt leckere Verpflegung durch das Küchenteam aus dem Haupthaus durfte natürlich nicht fehlen.
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So war für einen perfekten kulinarischen Rahmen gesorgt. Hot-Dogs und Eis waren die Renner des Tages.

Spendenübergaben für das Kinderhaus

Im Rahmen des Kinderfestes bedankte sich die Leiterin der Einrichtung, Heike Tzschoppe, bei einigen Kinderhaus-Spendern.

So kam von Weber Industrietechnik Berlin der stellvertretende Geschäftsführer Frank Braun. Das Unternehmen mit Sitz in Marienfelde hatte dem Tannenhof-Kinderhaus schon Ende letzten Jahres Outdoor-Spielgeräte und Kinderfahrräder gespendet, die im Rahmen des Kinderfestes jetzt endlich auch offiziell an die Kinder übergeben werden konnten. Frank Braun freut sich, wenn sie Spenden für kieznahe Einrichtungen ermöglichen können: „Dann sieht man, wie sinnvoll das Geld genutzt wird.“ Die Kids nahmen jedenfalls gleich begeistert die Fahrräder in Empfang und testeten sie ausgiebig.


Frank Braun von Weber Industrietechnik und Heike Tzschoppe

Zum wiederholten Male unterstützt auch die „Eric Gustav Adler Stiftung“ das Kinderhaus. So kann die jährliche Eltern-Kind-Sommerreise angeboten werden. Vom Vorstand kam Peter Adler etwas später. Er schaute sich intensiv das Gelände und die geförderte Einrichtung an.

Kobolde helfen bei Sucht- und Gewaltprävention für kleine Kinder

Und dann hatten die Kistenkobolde aus dem Papilio-Projekt ihren Auftritt: Denn auch wenn es dieses Sucht- und Gewalt-Präventionsprojekt für kleine Kinder in vielen Bundesländern schon seit über 12 Jahren gibt, in Berlin geht es mit dem Datum 9. Juni 2017 das erste Mal an den Start.

Cassandra Täschner, Karina Rynski, Heike Tzschoppe und Babett Schott bei der Urkundenübergabe

Vom Tannenhof-Kinderhaus haben sich Karina Rynski und Cassandra Täschner über einen langen Zeitraum zu Papilio-Erzieherinnen ausbilden lassen und erhielten im Rahmen des Sommerfestes ihre Ernennungsurkunden überreicht. Die "Besondere Vertreterin" von Tannenhof Berlin-Brandenburg e.V., Diplom Pädagogin und Familientherapeutin Babett Schott, dankte den Erzieherinnen und überreichte die Urkunden.

Damit ist das Kinderhaus vom Tannenhof Berlin-Brandenburg offiziell „Papilio-zertifiziert“ und kann diese besondere Präventionsarbeit nun erstmalig in Berlin umsetzen. Die Figuren begleiten die Kinder über Wochen und zeigen so auch spielerisch Wege zur Konfliktlösung.

Grobibold, Heulibold, Bibberbold und Freudibold… so heißen die „Kistenkobolde“ und heimlichen Stars, welche die berühmte Augsburger Puppenkiste als Figuren für das Präventionsprojekt „Papilio“ entwickelt hat. Seit 2005 bietet „Papilio“ (lateinisch für Schmetterling) Sucht- und Gewaltprävention für Kinder im Kita-Alter an und schult bundesweit Erzieherinnen und Erzieher.

Schöne Räume und ein großes Gelände mit Spielplatz

Direkt an der Lichtenrader Mozartstraße liegt das große Grundstück vom TANNENHOF Berlin-Brandenburg. Die roten Klinkersteine vom Kinderhaus leuchten fast bei Sonnenschein, auch wenn hohe Bäume das Grundstück an vielen Stellen überschatten. Die Räume sind hell und freundlich ausgestattet. Hier im Haus und auf dem grünen Grundstück werden Kinder im Alter von 0 bis 12 Jahren betreut.

In der stationären Reha-Einrichtung werden drogenabhängige Frauen und Männer ab 18 Jahre therapiert. Sie haben den körperlichen Entzug hinter sich und nehmen an einer in der Regel sechsmonatigen Entwöhnungsbehandlung teil. Diese Maßnahme wird vom Renten- bzw. Krankenversicherungsträger finanziert.

Für die Betreuung der Kinder werden 16 teilstationäre Plätze im Rahmen von Jugendhilfeleistungen zur Verfügung gestellt. Es gibt die „Sonnenkäfer“ – Gruppe, die für die ganz kleinen Kinder zur Verfügung steht. Die „Stadtpiraten“ sind dann die etwas älteren Kinder ab 3 Jahren.

In Deutschland wachsen zwischen 16 bis 22% der Kinder in suchtbelasteten Familien auf, wie aktuelle Zahlen aus der Suchtlandschaft belegen. In Berlin-Lichtenrade wurde 1983 eine Hilfeeinrichtung eröffnet, welche speziell Kinder betreut, deren Eltern sich für eine Drogentherapie entschieden haben. Damit wurde eine Vorreiterrolle eingenommen. Bereits im Sommer 1979 begannen engagierte Fachkräfte in Berlin-Lichtenrade die Arbeit mit drogenabhängigen Menschen und dem Aufbau einer suchttherapeutischen Einrichtung. Dafür konnten die dortigen Gebäude und ein parkähnliches Areal in der Mozartstraße genutzt werden, welches schon immer sozialen Zwecken gewidmet war und seit 1901 unter dem Namen „Tannenhof“ bekannt ist. Dieser Name wurde für die Einrichtung übernommen und diente später auch dem Trägerverein als Anregung. So heißt die Einrichtung noch heute „Tannenhof Zentrum I“ und der Gesamtverein inzwischen offiziell „TANNENHOF Berlin-Brandenburg e.V.“!

In jener Anfangszeit der Suchttherapie war die parallele Mitbetreuung von Kindern oder gar die direkte Mitaufnahme von Kindern aus suchtbelasteten Familien überhaupt nicht üblich, obwohl die Beziehung zum eigenen Nachwuchs für Suchtkranke häufig ein zentraler Punkt im Leben der Eltern und damit wichtigste Motivation in der Therapie war und ist.

Aufbauend auf dieser Erkenntnis wurde erstmalig 1982 eine süchtige Mutter mit ihrem Kind im Tannenhof aufgenommen. Da der Bedarf an Kinderbetreuung während der stationären Therapiephase bereits damals sehr groß war, erfolgte 1983 die Anerkennung der Kindergruppe im Tannenhof! Damit wurden völlig neue Wege beschritten und in die Suchttherapie der Eltern wurden erstmalig auch die Begleit- und Folgebelastungen für die Kinder mit einbezogen.

Die Kinder motivieren oft ihre suchtkranken Eltern!

Die Eltern wohnen mit ihren Kindern in speziell ausgestatten Räumen im Haupthaus. Die Verantwortlichen der Einrichtung sind sehr stolz darauf, dass deutlich mehr Eltern die Therapie regulär beenden und die Abbrüche signifikant zurückgegangen sind. Die Beziehung zu den eigenen Kindern ist für suchtkranke Eltern häufig eine wichtige Motivation für die Therapie. Der Erfolg beruht laut dem Geschäftsführer im Wesentlichen darauf, dass man im Tannenhof die therapeutischen Notwendigkeiten und die menschlichen Aspekte verbindet. So wird parallel zur Sucht-Rehabilitationsbehandlung der Eltern gemeinsam mit den Kindern und Eltern ein pädagogisch-therapeutisches Konzept umgesetzt.

Was verbirgt sich hinter dem fachlichen Ansatz?

Die Familientherapeutin Heike Tzschoppe ist die Leiterin vom Kinderhaus. Mit dem sogenannten Zentrum I arbeiten die Fachkräfte ganz eng in Teams zusammen.

Die verantwortlichen systemischen Familientherapeuten beschreiben ihren lösungsorientierten Ansatz so: „Wir wenden uns den Familien respektvoll mit großer Neugier zu, unterbreiten Ihnen verlässliche Beziehungsangebote, hinterfragen vorangegangene Lösungsversuche, indem wir das bestehende System mit Fragen irritieren, aus dem Gleichgewicht bringen und somit einen Raum schaffen neue Lösungen zu erproben. Dabei stehen die Bedürfnisse der Kinder auf eine entwicklungsfördernde Familienatmosphäre im Vordergrund.“

Text und Fotos: Thomas Moser

Informationen zum Kinderhaus

http://www.tannenhof.de/kinderhilfe/das-kinderhaus/