Ökumenische Umweltgruppe Lichtenrade

Bericht aus der Lichtenrader Internetzeitung vom 28. November 2011
Ökumenische Umweltgruppe Lichtenrade hat Umweltpreis 2011 erhalten!

Das große Engagement der Lichtenrader Ökumenischen Umweltgruppe wurde nun besonders anerkannt und mit dem „Ökumenischen Umweltpreis 2011“ angemessen gewürdigt. Der Pfarrer a.D. Reinhart Kraft, einer der Motoren der Gruppe, freute sich sehr über den „großen Bahnhof“, der zur Preisverleihung am Montag in das Gemeindezentrum in die Goltzstraße nach Lichtenrade gekommen war. Die Fraktionen aus der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg haben Vertreter geschickt und der neue und alte Stadtrat Oliver Schworck (SPD) sprach ein Grußwort. Er hat der sachkundigen und hartnäckigen Einmischung dieser Bürgergruppe in ein umstrittenes städtebauliches Projekt Respekt gezollt.
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Stadtrat Oliver Schworck zollt seinen Respekt
Die Preisverleihung erfolgte durch Pröpstin Friederike von Kirchbach und dem Vorsitzenden des Diözesanrates Wolfgang Klose. Vom Brandenburger Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz sprach auch Staatssekretär Dr. Heinrich-Daniel Rühmkorf. (Die Linke).

Mit 1.000 Euro wurden die insgesamt drei Preisträger vom Erzbistum Berlin und der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesisiche Oberlausitz für „ihr hervorragendes Engagement im Umweltbereich“ ausgezeichnet.
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Die Ökumenische Umweltgruppe bei der Preisverleihung (v.lks.n.re.Pröpstin v.Kirchbach,Diöz.rat W.Klose,M.Raß,R.Kraft,L.Jordan-Pohl,K.Ohms,A,Stellwag/verd.,U.Wagner,Dr.G.Wagener-Lohse,H.Herzau,V.Schmidt-Zerfowski,M.Schmidt,W.Oehmicke/Diö.rat-Aussch.)
Die Ökumenische Umweltgruppe Lichtenrade geehrt wurde für ihre Initiative, Umweltschutz und Nachhaltigkeit im lokalen Kontext umzusetzen. Sie organisierte unter anderem die „Lichtenrader Klimakonferenz“ sowie Bürgerversammlungen zu umstrittenen stadtplanerischen Projekten. Besonders zu nennen ist hier das Engagement rund um das geplante Einkaufszentrum an der alten Mälzerei, einschließlich der Bemühungen, das ehemalige „Haus Buhr“ unter Denkmalschutz zu stellen. Auch hat sich die Umweltgruppe die teilweise katastrophale Verkehrssituation in der Bahnhofstraße angeschaut, Expertenmeinungen gesammelt und erste Bürgerdiskussionen veranstaltet.
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Reinhart Kraft,Karen Ohms,Dr. Georg Wagener Lohse,Helmut Herzau von der Umweltgruppe
Die Mitglieder der Umweltgruppe Lichtenrade zahlen eine freiwillige Klimasteuer und finanzieren daraus unter anderem die Anpflanzung von Bäumen.

Lichtenrade mit Perspektive

Für Pfarrer Kraft hat sich am Abend der Preisverleihung so etwas wie ein „Bürgernetzwerk Lichtenrade“ gezeigt, da viele Lichtenrader Initiativen vertreten waren. Neben den katholischen und evangelischen Kirchengemeinden war die Bürgerinitiative Dresdner Bahn, die BI „Rettet die Marienfelder Feldmark“, der Trägerverein Volkspark Lichtenrade, das Unternehmernetzwerk Lichtenrade und auch Initiativen für ein Nachtflugverbot vertreten. Für Kraft wird es immer deutlicher: „Lichtenrade kann mehr!“

Die Umweltgruppe sieht sich „bei der Umsetzung der Ideen ganz am Anfang“. Angefangen hat die Gruppe mit dem Umweltschutz und widmet sich jetzt verstärkt der lokalpolitischen Herausforderung. Diese Art der Umweltarbeit nimmt die Gruppe in christlicher Verantwortung war.

Weiter führt der ehemalige Pfarrer aus: „Die Anerkennung durch den Umweltpreis tut uns als Gruppe gut und gibt unserer Stimme ein bisschen mehr öffentliches Gewicht.“

Der Link zur Ökumenischen Umweltgruppe Lichtenrade http://www.oekumenische-umweltgruppe-lichtenrade.de

Weitere Hintergrundinformation: Was hat die Ökumenische Umweltgruppe Lichtenrade bewegt?

Lichtenrade war während der Zeit der Mauer ein eher verschlafener bürgerlicher Ortsteil am südlichen Ende der Stadt. Der Ortsteil ist in den letzten Jahrzehnten in die Dimensionen einer kleinen Stadt angewachsen (rund 50.000 Einwohner) und gewinnt eine gewisse Brückenfunktion für das Umland. Das soll sich auch niederschlagen in einem neuen Stadtteilzentrum am S-Bahnhof Lichtenrade. Die Umweltgruppe bemüht sich intensiv um die städtebauliche Qualität und um eine nachhaltige Ausrichtung dieses Zentrums.

Ein namhafter Investor sieht hier ein 9.000 Quadratmeter großes Einkaufszentrum mit über 300 Parkplätzen nach herkömmlichem Muster vor. Die Umweltgruppe fürchtet, dass dies zu einem unguten Verdrängungswettbewerb gegenüber dem Einzelhandel führt und dass ein Zentrum dieser Größenordnung neue Verkehrsströme in die ohnehin überlastete Bahnhofstraße zieht. Daher setzt sich die Gruppe dafür ein, dass dieses Zentrum in seiner Größe maßvoll bleibt. Neue Einkaufsmöglichkeiten sollen den Einzelhandel in der Bahnhofstraße nicht verdrängen, sondern ergänzen. Es soll kein reines Shopping-Zentrum werden, sondern Einkauf, Wohnen, soziale Dienstleistungen, Arbeitsplätze, Spielplätze und Kulturtreffpunkte miteinander verbinden. Die Umweltgruppe drängt darauf, dass das denkmalgeschützte Gebäude der alten Mälzerei in diese Entwicklung einbezogen wird. Bisher hat die Gruppe für über tausend Personen Führungen durch dieses denkmalgeschützte Gebäude durchgeführt. Die Nachfrage ist nach wie vor sehr groß. Vor der historischen Kulisse dieses schönen Gebäudes wird ein autofreier Marktplatz gefordert. Das Gelände in der Nähe des Bahnhofs stellt mit der Salvator-Kirche, den alten Backsteingebäuden, der Mälzerei und dem traditionellen Ausflugslokal „Landhaus Lichtenrade" (früher Haus Buhr) aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert ein ortsprägendes Ensemble dar. Nach den Plänen des Investors würde dieses Gebäude verschwinden. Daher bemüht sich die Ökumenische Umweltgruppe darum, dieses ortsprägende Gebäude mit dem dazugehörenden Baumbestand vor dem Abriss zu retten. Eng verbunden mit dem Lichtenrader Zentrum ist die Bahnhofstraße selbst, für die nach Meinung der Gruppe ein neues Nutzungskonzept für das Miteinander von Fußgängern, Radfahrern und Motorfahrzeugen im Sinne einer „Begegnungszone“ entwickelt werden sollte.

Nach intensiver Auseinandersetzung mit der Thematik, nach vier Bürgerversammlungen und einer international besetzten Planungswerkstatt, nach Unterschriftenaktionen und zahlreichen Gesprächen mit den Mitgliedern des Ausschusses für Stadtplanung in der Bezirksverordnetenversammlung, hat die Gruppe Respekt und Gehör bei den in der BVV vertretenen Parteien gefunden.

Herzlichen Glückwunsch zum Umweltpreis sagt auch www.lichtenrade-berlin.de : „Sie haben es verdient!“

(alle Fotos: Helmut Herzau/ÖUL)

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