Bombenangriff

Abschrift aus der Festschrift: „75. Jubiläum der Käthe-Kollwitz-Grundschule Berlin-Lichtenrade 22./23. Mai 1987)

Bombenangriff auf Lichtenrade (29.12.1943)

Unser Schulgebäude wurde am 29.12.1943 zwischen 22.00 und 23.00 Uhr von den Bombern der englischen Luftflotte getroffen. Unser Ortsteil im Süden der Stadt war bis dahin verschont geblieben. Als die Luftüberwachung den Anflug der Geschwader meldete, konnte Lichtenrade glauben, sie flögen erneut in das Lausitzer Kohlengebiet, um die dortigen Benzin Hydrier Anlagen etc. zu treffen. Wider Erwarten drehten die Bomberverbände über Elsterwerda scharf nach Norden um und flogen die Hauptstadt, immer entlang der in Nord Süd Richtung verlaufenden Straße Berlin Dresden, an. Mit großer Genauigkeit gingen Brandbomben und Luftminen zur Erde, als die Flieger die Stadtgrenze am Kirchhainer Damm erreicht hatten. Rechts und links der Hauptstraße wurden die Gebäude schwerstens getroffen. Die Bauernhöfe im alten Dorf (Lehmann, Fritz Happe, Gebert, das alte Lehnschulzen Gut, Paetsch, Karl Lehne usw.) gingen in Flammen auf. In dieser geschlossenen Dorflage machte das Feuer ganze Arbeit. Die Kirche brannte aus, die Glocken schmoIzen im Flammenmeer. In diese Maßarbeit genau rechts und links der Hauptstraße Berlin Dresden wurde auch unser Schulgebäude einbezogen.

Die Brandbomben fielen durch das Dach in den damaligen Physikraum über der Dienstwohnung des Rektors Brehmer. Auf Veranlassung des Bezirksamtes waren alle kleineren Nebenräume geräumt worden, wurden alle Landkarten, Anschauungstafeln, Filmmaterial und dergleichen in diesem Raum untergebracht. Als der Luftschutzwart, der Lehrer Reinhold Sperling, den Raum betreten wollte, schlug ihm ein einziges Flammenmeer entgegen. Eine Phosphorbombe von 1,40 m Länge nährte das Flammenmeer. Die Löschversuche waren erfolglos. Die Feuerwehr aus Lichtenrade konnte zunächst auch nicht helfen, weil eine Bombe ein Hauptwasserrohr getroffen hatte. In der Nähe der Schule war kein Wasser zu finden. Erst bei der Bäckerei Kühn in der Bahnhofstraße wurde ein Hydrant gefunden, der noch Wasser gab. Das Legen der Schlauchleitung dauerte sehr lange. Dann war der Wasserdruck sehr gering. Also brannte der südliche Flügel mit Dach und oberem Stockwerk nieder. Er erhielt in den nächsten Wochen ein Notdach aus Balken, Brettern und Dachpappe. Es mußte bis zum Aufbau 1951 den Rest des südlichen Gebäudeteiles schützen. Das Notdach besteht noch heute. In dieser Nacht brannte auch das Haus der Familie Kollwitz nieder.

Aus der alten Schulchronik
lichtenrade-berlin-bombenfund_lenau.JPG

Bombenfund Lenaustraße 1946
Foto hat Doris Herrmann zur Verfügung gestellt!

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen