Zum offiziellen Start der Bauarbeiten rund um die Dresdner Bahn gab es Pfiffe von verärgerten Lichtenraderinnen und Lichtenrader zu hören. Viele fanden es zynisch, dass besonders hier in Lichtenrade im Rahmen einer geschlossenen Veranstaltung der Baustart gefeiert wurde. Lichtenrade und besonders die Bürgerinitiative Lichtenrade – Dresdner Bahn hat über Jahrzehnte für eine Alternative zum ebenerdigen Bau der Bahn gekämpft. Das Motto der heutigen Mahnwache war: „Ein schwarzer Tag für Lichtenrade“ und wegen der hohen Schallschutzmauern und dem Wegfall des Bahnübergangs Wolziger Zeile für Kraftfahrzeuge: „Ein Kiez wird geteilt.“ Circa 100 Menschen kamen zu den Protesten.
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Klare Botschaft: Der Tunnel wäre das Richtige gewesen.


Eine goldene Axt für die Bahn "für einen erfolgreichen Kahlschlag in Lichtenrade" vom Lichtenrader Künstler Gerhard Moses Heß






Die Bürgerinitiative wollte den Ausbau der Bahn nicht verhindern, aber man hätte am liebsten zumindest im Teil von Lichtenrade einen Tunnel für die Bahn gehabt.

BI Vorsitzender Klaus Roesler
Dafür hat man öfters demonstriert und im Hintergrund um eine Lösung gerungen. Dieser Traum ist ausgeträumt, zumal 2017 das Bundesverwaltungsgericht die Pläne der Deutschen Bahn bestätigt hat.

Nun ist noch das Bundesverfassungsgericht am Zug, aber mit wesentlich anderen Entscheidungen ist nicht zu rechnen. Bauvorbreitende Arbeiten im Bereich Lichtenrade sind fast abgeschlossen und die ersten Lärmschutzwände wurden errichtet. Die Genehmigung für den Abschnitt in Brandenburg ist noch nicht erteilt. Bei dem offiziellen Start in Lichtenrade wurde ein letztes Teil der Schallschutzmauer an der Wolziger Zeile eingesetzt.

Stellungnahmen aus der Politik und von der BI wurden in der Lichtenrader Internetzeitung im Vorfeld veröffentlicht: https://www.lichtenrade-berlin.de/news/aktuelle-news-internetzeitung/1364-dresdner-bahn-durch-lichtenrade-feierstunde-eine-mahnwache-ein-leserbrief-und-eine-moritat

Was für die Zukunft wichtig wäre – Auswirkungen noch unabsehbar (Hinweise vom Kiezreporter)

Besonders sollten nun alle Verantwortlichen darauf achten, dass die Bauarbeiten mit möglichst geringen Beeinträchtigungen von statten gehen und später wegen des fehlenden Bahnüberganges Wolziger Zeile anwohnerverträgliche Lösungen für den Verkehr gefunden werden. Hier wurden noch keine Planungen veröffentlicht und vielleicht auch noch gar nicht vorhanden. Die Chance und Notwendigkeit wäre, dass man an dieser Stelle noch ganz praktisch Schlimmeres verhindern kann.
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Die Bahn veröffentlicht am 5. Februar 2019 folgende Erklärung:

Mit dem Einhub des letzten Elements einer Schallschutzwand am Bahnübergang Wolziger Zeile in Berlin-Lichtenrade wurde am 5. Februar 2019 mit dem symbolischen Bau der Dresdner Bahn begonnen. Die Hauptbauarbeiten zwischen Marienfelde und der Landesgrenze nach Brandenburg werden Schritt für Schritt umgesetzt. Unter anderem werden Fußgängerunterführungen an der Wolziger Zeile und eine Straßenunterführung an der Säntisstraße neu gebaut. Insgesamt neun Bahnübergänge werden aufgelöst und dafür Brücken oder Unterführungen gebaut.
Die folgenden vier Fotos wurden mir freundlicherweise von Niels Dettmer zur Verfügung gestellt (Danke!):
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Die oberen 4 Fotos sind von Niels Dettmer!
Weitere Fotos von Thomas Moser

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Der Druck auf den roten Startknopf...


Symbolisch wurde das letzte Stück der ersten Schallschutzmauer eingesetzt.



Weiter heißt es in den Presseinformationen der Bahn

Baubeginn für Dresdner Bahn im Süden Berlins

Auf der ausgebauten Strecke fahren Züge künftig in 20 Minuten vom Berliner Hauptbahnhof zum Flughafen BER • Ziel für Berlin–Dresden: 80 Minuten • Teil des europäischen Korridors Orient/Östliches Mittelmeer

Mit dem Einheben des letzten Elements einer Schallschutzwand am Bahnübergang Wolziger Zeile in Berlin-Lichtenrade wurde heute symbolisch mit dem Bau der Dresdner Bahn begonnen. Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Vertreter der Länder Berlin, Brandenburg und Sachsen sowie der EU-Koordinator für den TEN-V-Kernnetzkorridor „Orient/Östliches Mittelmeer“ Mathieu Grosch starteten gemeinsam mit DB-Vorstand Infrastruktur Ronald Pofalla das regional und international bedeutsame Großprojekt. Für rund 560 Millionen Euro sollen bis Dezember 2025 zwischen Berlin Südkreuz und Blankenfelde zwei neue, elektrifizierte Fernbahngleise einschließlich einer Verbindungskurve zum Berliner Außenring entstehen. Über die „Dresdner Bahn“ ist der Flughafen BER aus der Mitte Berlins in 20 Minuten zu erreichen und die Fahrzeit zwischen Berlin, Dresden und Prag kann verkürzt werden.

Enak Ferlemann: „Die Dresdner Bahn bringt die Berliner zukünftig schnell zum Flughafen BER. Die Strecke ist zudem weit über die Hauptstadtregion hinaus als leistungsfähige, umweltfreundliche Schienenachse zwischen Berlin, Dresden und Prag von Bedeutung. Kurzum: Mit dem leistungsfähigen Ausbau dieses Streckenabschnitts erzielen wir größtmögliche Wirkung im Bahnnetz und dazu mit wirkungsvollem Lärmschutz für die Anwohner.“

Ronald Pofalla, DB-Vorstand Infrastruktur: „Auf diesen Tag haben wir lange gewartet. Endlich können wir mit dem Wiederaufbau der Dresdner Bahn beginnen. Diese Verbindung ist für den Flughafen BER, für schnellere Fahrzeiten nach Dresden und Prag sowie für die Entlastung der Strecke von Berlin Richtung Leipzig und München wichtig. Eine gute Nachricht für die Anwohner: Überall dort, wo es möglich ist, sorgen wir bereits vorab für Lärmschutz und bauen Schallschutzwände entlang der Strecke.“

Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz in Berlin: „Der Baubeginn der Dresdner Bahn öffnet neue Perspektiven für Berlin: Ich freue mich, dass wir in Zukunft schnell, umweltfreundlich und klimaschonend von Berlin zum Flughafen BER, nach Dresden oder Prag fahren können. Mit diesem wichtigen Infrastrukturprojekt verkürzen sich Reisezeiten, drei Berliner Bahnhöfe werden barrierefrei modernisiert. Damit wird Bahnfahren noch attraktiver.“ 

Verkehrsministerin Kathrin Schneider: „Für mehr Züge und bessere Angebote ist der Ausbau der Dresdner Bahn ein wichtiger Meilenstein. Wir haben nach der Fertigstellung die Kapazität für neue Linien und bessere Takte auf den Strecken zwischen dem Flughafen BER und Cottbus, Eberswalde und Oranienburg. Ein Gewinn ist die Strecke auch für den Brandenburger Süden, denn hier verkürzen sich die Fahrzeiten nach Berlin.“

Sachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister Martin Dulig: „Ich freue mich, dass mit dem Beginn des Ausbaus der Dresdner Bahn ein weiterer wichtiger Meilenstein auf der Strecke Berlin–Dresden in Angriff genommen wird. Dadurch wird sich in nicht allzu ferner Zukunft die Reisezeit zwischen den Hauptbahnhöfen der Landes- und Bundeshauptstadt und auch in Richtung Hamburg um weitere zehn Minuten verkürzen.“

Mathieu Grosch, Koordinator TEN-Projekte, Europäische Union: „Der Ausbau der Dresdner Bahn ist gänzlich im Sinne der europäischen Verkehrskorridore, die u. a. dazu beitragen die Hauptstädte der EU Länder besser zu vernetzen. Das geschieht hier eindeutig zwischen Berlin, Dresden, Prag, Wien und Bratislava auf dem Kernnetzkorridor Orient/Östliches Mittelmeer. Dieses Bauprojekt verbessert aber auch den Nahverkehr über die Schiene sowie die Mobilität im Städtischen Raum und ermöglicht einen guten Schienenanschluss des neuen Berliner Flughafens. Derartige Projekte tragen maßgeblich zu einer modernen, multimodalen und nachhaltigen Verkehrsplanung bei und kommen durch ihre vielseitigen Vorteile im Nah- und Fernverkehr vielen Bürgern zugute.“

Bereits 2017 begannen die bauvorbereitenden Arbeiten südlich des Bahnhofs Lichtenrade und an der Säntisstraße in Marienfelde. 2019 beginnen zwischen Marienfelde und der Landesgrenze nach Brandenburg Schritt für Schritt die Hauptbauarbeiten, unter anderem mit dem Neubau der Fußgängerunterführung an der Wolziger Zeile und dem Neubau einer Straßenunterführung an der Säntisstraße. 

Insgesamt neun Bahnübergänge werden aufgelöst und dafür Brücken oder Unterführungen gebaut. Damit der Verkehr auf der Straße dabei nicht zum Erliegen kommt, wird so gebaut, dass von zwei benachbarten Bahnkreuzungen eine als Umleitungsstrecke offen bleibt.

Für den Schutz der Anwohner vor Lärm während der Bauarbeiten und während des Betriebs der Bahnstrecke entstanden bereits 350 Meter Lärmschutzwand südlich des Bahnhofs Lichtenrade. Auch zwischen der Attilastraße und dem Schichauweg wird in diesem Jahr eine Lärmschutzwand gebaut.

Hintergrund zur „Dresdner Bahn“

Die rund 16 Kilometer lange Dresdner Bahn ist Teil der Strecke Berlin–Dresden und existiert bereits seit 1875. Seit 1952 fahren hier keine Fernzüge mehr. Die Dresdner Bahn beginnt südlich des Bahnhofs Berlin Südkreuz, wo die Strecke von der Anhalter Bahn abzweigt, kreuzt nach 8,7 Kilometern die Landesgrenze Berlin/Brandenburg und führt nach Blankenfelde in Richtung Dresden. Sie gehört damit zum europäischen Korridor Orient–östliches Mittelmeer, der die strategisch wichtigen Häfen der Nord- und Ostsee mit dem Schwarzen Meer und dem Mittelmeer verbindet. Im Stadtgebiet ist die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 160 km/h begrenzt, im Land Brandenburg auf 200 km/h.

Max Maulwurf begleitet als DB-Botschafter für Bauarbeiten auch dieses Großprojekt. 

Informationen zum Projekt im Internethttps://bauprojekte.deutschebahn.com/p/dresdner-bahn


Fotos Thomas Moser

Weitere Fotos:




Und einmal die Perspektive gewechselt:
perspektivegewechselt schallschutzmauer


 

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