Berlin-Lichtenrade 23. April 2018 Ein knappes Jahr nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes vom 29. Juni 2017 zur Dresdner Bahn scheint das Interesse an Informationen in der Bevölkerung eher zugenommen zu haben. Die „Bürgerinitiative Lichtenrade - Dresdner Bahn“, die schon Jahrzehnte gegen die ebenerdige Führung der Bahn durch Lichtenrade gekämpft hatte, lud zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung ins Gemeinschaftshaus Lichtenrade. Das Gemeinschaftshaus war bis zum letzten Platz besetzt und die letzten der circa 350 Besucher mussten während der über zweistündigen Veranstaltung stehen.

Alles drehte sich um die Informationen rund um den Baufortschritt und die Planungen der Dresdner Bahn, die vom Projektleiter der DB Netz Holger Ludewig mit Unterstützung seines Kollegen Benjamin Döring beantwortet wurden. Von der BI begrüßte der 1. Vorsitzender Klaus Roesler die Gäste der Bahn und die vielen interessierten Lichtenraderinnen und Lichtenrader. Kurz erklärte Roesler von der Bürgerinitiative, dass das Verfahren rund um die Verfassungsbeschwerde läuft und bereits in Kürze zu erwarten ist, dass über die sogenannte „Anhörungsrüge“ entschieden wird. Klaus Roesler machte aber auch immer wieder deutlich, dass dies eine Informationsveranstaltung ist, Fragen gestellt werden können, dass es aber an dieser Stelle nicht um die Grundsätzlichkeit der Maßnahme gehen kann. Erwartungsgemäß war der Unmut über die Dresdner Bahn durch Lichtenrade zu spüren. Durch die konsequente und angenehme Moderation von Klaus Roesler standen die Informationen zu den Bautätigkeiten im Vordergrund.

Foto: Mitte 1. Vorsitzender Klaus Roesler, links daneben der stellvertretende Vorsitzende Michael Küpper und Vorstandskollege Gerd Jenke. Rechts neben Klaus Roesler saßen Holger Ludewig und Benjamin Döring.

Für die Lichtenrader, die schon viele Veranstaltungen zum Thema Dresdner Bahn besucht und aufmerksam die Lokalpresse verfolgt hatten, gab es nicht so viele neue Informationen, was aber auch nicht erwartet werden konnte. Interessant ist es jedoch immer wieder, wenn in übersichtlicher Art und Weise die verschiedenen Schritte aus erster Hand dargestellt werden. Es ist unübersehbar, dass es rund um die Bahn mit aller Macht losgeht. So wird Teilen der Bevölkerung jetzt erst deutlich, was es bedeutet und wie breit die Bahntrasse ist. Begonnen haben Rodungsarbeiten und der Freischnitt bereits in der vegetationsarmen Periode. Damit ist der erste Grundstein über vorbereitende Maßnahmen gelegt. Auf der insgesamt 16 Kilometer langen Strecke der Baumaßnahmen (rund 11 Kilometer davon in Berlin) werden neun Bahnübergänge aufgelöst. Damit wird es, wie die Bahnvertreter immer wieder betonen, nach Fertigstellung keine bzw. deutlich weniger Wartezeiten an den Bahnquerungen geben. Diese Wartezeiten haben sich gerade spürbar verlängert, da die erste Stufe eines neuen elektronischen Stellwerks eingerichtet wurde. Für diese Bautätigkeit war Lichtenrade einige Wochen vom Schienennetz abgeschnitten. Diese neue Technik wird es jedoch möglich machen, dass die S-Bahn während der Bauarbeiten meistens zumindest eingleisig bis Lichtenrade pendeln kann.

Im ausgebauten Zustand ist mit circa 600 Zugbewegungen pro Tag auf dieser Strecke zu rechnen.

Schienenersatzverkehr, Wolziger Zeile und andere Aufreger-Themen

Über den Schienenersatzverkehr gab es bei den anwesenden Bürgerinnen und Bürgern viel Unmut. Hier wird eine deutliche Verbesserung eingefordert. Bei der letzten großen Unterbrechung gab es viele Probleme, zumal einige Tage Teile der Bahnhofstraße wegen einer Straßenunterspülung geschlossen werden mussten.

Bei den Baumaßnahmen soll weitestgehend der Bahnverkehr bis Lichtenrade gewährleistet werden. Nacht- und Wochenendbautätigkeiten sollen möglichst vermieden werden. Jedoch ist auch damit zu rechnen, dass dafür von der Bahn Einzelgenehmigungen beantragt werden. Zu Lärmfragen hat die Bahn einen besonderen Telefonkontakt eingerichtet. Bei besonderen Beeinträchtigungen können auswärtige Übernachtungen beantragt werden.

Als die Bahnvertreter die Grundsätzlichkeit der Baumaßnahmen verteidigten und auf eine zehnminütige Fahrzeiteinsparung, auf Kapazitätsgrenzen der Anhalter Bahn und besonders auf die Anbindung des irgendwann mal fertigen Flughafens BER hinwiesen, war das Gelächter und der Unmut erwartungsgemäß groß.
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Der Frage rund um die Belastungen am Bahnübergang Wolziger Zeile wurden bei dieser Veranstaltung erstmalig deutlich und oft angesprochen. Dieses Thema war in der Vergangenheit nur sehr kurz betrachtet worden, obwohl auch der Lichtenrader Kiezreporter öfters darauf hinwies. Man konnte den Eindruck haben, dass Teilen der Bevölkerung in diesem Bereich von Lichtenrade erst jetzt die Auswirkungen rund um die Dresdner Bahn bewusstwurde. So ging es um längere Zeiten für Rettungsfahrzeuge, wenn im Bereich der Wolziger Zeile künftig nur noch Fußgänger und Radfahrer die Bahn queren können. Rettungswagen werden laut Bahn durch die dann fehlenden Wartezeiten an den Schranken Umwegzeiten ausgleichen können. Eingefordert wurde auch, dass die Baufahrzeuge möglichst nicht durch Lichtenrade fahren sollen. Die Bahn will dafür, sofern möglich, auch auf die Schiene ausweichen. Auch die Mehr-Belastungen wegen Zunahme des ausweichenden Autoverkehrs für die Straßen in Lichtenrade Süd wurden deutlich benannt. Für die Verkehrsplanung rund um die Baustelle ist ein Unternehmen beauftragt worden. Deutlich wurde jedoch auch, dass auf die Verkehrslenkung Berlin eine große Aufgabe wartet.

Start in Lichtenrade: 2020 und die Befürchtung vor Überschwemmung

In Lichtenrade werden die richtigen Bauarbeiten an der Bahn im Frühjahr 2020 beginnen, was immer wieder vorbereitende Arbeiten nicht ausschließt. Zu den vorbereitenden Tätigkeiten gehören auch noch sogenannte Kampfmitteluntersuchungen, die besonders in Richtung Marienfelde erfolgen werden. Auch rechnet man mit der Umsiedlung von geschützten Tierarten. Für 2018 sind noch fünf S-Bahn-Unterbrechungen für jeweils drei bis vier Tage geplant. Die Bahn und auch in der Lichtenrader Internetzeitung werden jeweils darauf hinweisen.

Am Bahnhof Lichtenrade wird vor Beginn der Bautätigkeit direkt südlich des jetzigen Bahnübergangs eine barrierefreie Querung über Rampen ermöglicht werden. Für den gesamten Autoverkehr ist dann der Bahnübergang geschlossen. Die Bauarbeiten beginnen westlich der Bahn auf dem Teilabschnitt Prinzessinnenstraße. Der Pfarrer Lütkehaus Platz wird anfangs teilweise als Lagerplatz benötigt. Erst wenn östlich der Bahn die Bauarbeiten für die Unterführung beginnen, wird der Platz in Gänze benötigt. Für Busse werden zwischen Steinstraße und Riedinger Straße Haltemöglichkeiten eingeplant. Im Jahr 2023 sollen diese Bauarbeiten westlich der Bahn abgeschlossen sein. Solange an der Bahnunterführung am S-Bahnhof Lichtenrade gebaut wird, solange wird der bisherige Übergang Wolziger Zeile geöffnet bleiben.

Es sollen teilweise dort schon Lärmschutzwände errichtet werden, wo es bautechnisch möglich ist. Damit soll der Lärm während der Bauarbeiten möglichst reduziert werden. Die Pfähle für diese Wände sollen wegen der Erschütterungen nicht eingerammt werden. Angefangen werden soll damit auf der westlichen Seite an der Wolziger Zeile.

Ein Aufreger-Thema war immer wieder, ob bei starkem Regen die Unterführung befahrbar sein wird. Verschiedene Fragesteller sahen dies sehr skeptisch, obwohl die Bahn aus ihren Sicht die Vorsorgemaßnahmen als ausreichend bezeichnet. Ein Regenrückhaltebecken wird einen fünfzehnminütigen stärkeren Regen ohne Pumpen bewältigen. Danach würden Pumpen das Becken immer wieder freimachen. Skepsis war in vielen Gesichtern zu sehen, zumal bei Stromausfällen diese Sicherungen nicht mehr greifen werden.

Der Bahnhof Lichtenrade wird Richtung Süden verlegt und der Bahnsteig wird direkt über der Unterführung für die Fahrzeuge gebaut werden. Die Lärmschutzwände werden in Lichtenrade eine Höhe von circa 2 Meter bis 5 Meter bekommen; an einigen Stellen wird es zwischen S-Bahn (die teilweise in Richtung Westen verschwenkt wird) und Fernbahn eine Mittel-Lärmschutzwand geben. Der Bezirk und das Aktive Zentrum Lichtenrade werden an der Farbauswahl und an der geplanten Begrünung beteiligt. Ebenfalls ist die Bahn zum Thema Anbindung in Verhandlung mit dem neuen Eigentümer der Alten Mälzerei.

Die Lichtenrader CDU-Abgeordnete Hildegard Bentele (MdA) spürte den Unmut der Lichtenrader, erklärte aber anerkennend: „Informativ war es auf jeden Fall. Der Projektleiter Ludewig ist für den Info-Punkt am Bahnsteig zu loben und für seinen Mut sich auch der Konfrontation zu stellen.“ Die Bauzeit rund um die Bahnhofstraße sieht sie eher skeptisch: „Die Bahnhofstrasse soll 3 bis 3 1/2 Jahre unterbrochen werden, wobei es meiner Ansicht nach einem Wunder gleichkäme, wenn ein Zeitplan einmal eingehalten würde.“ Auch wird von der BI mit längeren Beeinträchtigungen der Bahnhofstraße gerechnet.

Die Bahn wird an Häusern, wo Beeinträchtigungen zu erwarten sind, Beweissicherungsmaßnahmen für mögliche Schäden durchführen. Hier ist sind aber auch die Eigentümer selbst gefordert und die BI sieht darin auch eine künftige Aufgabe. Mit dem Eigentümerverein in Lichtenrade will man zusammenarbeiten. Für mögliche Schäden hat die Bahn eine Versicherung abgeschlossen. Zum Thema Lärmschutz sind nach den Bahn-Berechnungen nur 13 Gebäudeteile bzw. Fenster im gesamten Lichtenrader Bereich betroffen.

Weitere Bautätigkeiten nördlich von Lichtenrade, Wünsche und Ideen

Am Rande kamen die Bahnvertreter auch auf die Schließung der Säntisstraße und der stark kritisierten provisorischen Fußgängerüberführung zu sprechen. Hier plant die Bahn als Zugeständnis so eine Art Schiene, damit Fahrräder leichter geschoben werden können. Die Bauzeit dieser Unterführung soll drei bis vier Jahre dauern. Für bestimmte Bauzeiten wird auch auf die Möglichkeit von sogenannten kostenfreien Ruf-Taxis hingewiesen.

Die jetzigen Bauarbeiten am S-Bahnhof Schichauweg sind von den Wasserwerken zu vertreten, wobei dies auch vorbreitende Tätigkeiten für die Bahnanpassungen sind. Hier wird neben dem jetzigen Bahnhof eine extra Brücke für den Fernverkehr geplant.

Für die Bahn wäre es wünschenswert, wenn der Schichauweg eine direkte Anbindung zur B 101 bekäme, damit Baufahrzeuge einen direkteren Weg nutzen könnten. Diese Forderung wurde bereits auch vom „UnternehmerNetzwerk Motzener Straße“ für das Industriegebiet vorgebracht. Bei einer anderen Veranstaltung äußerte sich dazu jedoch die Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler skeptisch.

Ein Regionalbahnhalt Buckower Chaussee wird diskutiert, ist jedoch von Berlin noch nicht bei der Bahn bestellt. Der Tagesspiegel berichtete, dass die Planungen schon weiter sind. Der Platz ist zwar grundsätzlich vorgesehen, aber viele Fragen sind noch offen. Im Zusammenhang mit einem Halt der Regionalbahn ist aus Bahnsicht immer zu bedenken, dass es wegen der Halte zu Verzögerungen beim Bahnverkehr kommt. Auch ist eine ausreichende Parkplatzsituation in der Nähe dieser Bahnhöfe sehr wichtig.

BI Vorsitzender Roesler (lks) mit Bahnprojektleiter Holger Ludewig
Eine Informationsveranstaltung, die weitestgehend dank der Diskussionsleitung des BI-Vorsitzenden Roesler in einer ruhigen Atmosphäre verlief. Weitere Informationsveranstaltungen sind geplant. Die BI freut sich jedoch auch über neue Mitglieder.

Thomas Moser (auch Fotos)

Weiterführende Links:

Link zur Bürgerinitiative Lichtenrade – Dresdner Bahn e.V. : http://www.dresdner-bahn.de

Link Deutschen Bahn / Bauprojekt Dresdner Bahn: https://bauprojekte.deutschebahn.com/p/dresdner-bahn

Projektseite der Bahn: http://www.dresdnerbahn.de/Aktueller-Stand------_site.site..ls_dir._nav.46_likecms.html

Bericht in der Lichtenrader Internetzeitung einer ähnlichen Informationsveranstaltung des Abgeordneten und CDU-Fraktionsvorsitzenden im Abgeordnetenhaus Florina Graf: http://www.lichtenrade-berlin.de/news/aktuelle-news-internetzeitung/945-der-bau-der-dresdner-bahn-startet-2018-richtig


 

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