Wer sich mit der Vita der Lichtenrader CDU-Abgeordneten Hildegard Bentele (MdA) beschäftigt hat, wundert sich sicher nicht ganz so. Die in Lichtenrader direkt gewählte Abgeordnete will sich auf den Weg in die weite Welt machen oder besser gesagt dahin wieder zurückkehren. Zumindest nach Europa. In einer Kampfabstimmung kam sie am 10. November 2018 auf den ersten Listenplatz für die Berliner CDU und hat damit die besten Chancen in das Europäische Parlament einzurücken. Die sympathische Abgeordnete war vor Lichtenrade im Berliner Abgeordnetenhaus aus Friedenau seit 2011 tätig und war bis 2016 europapolitische Sprecherin der CDU-Fraktion.
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Das Büro der CDU-Abgeordneten Hildegard Bentele öffnete im Mai 2016 (Foto aus 2016 von Thomas Moser)
Sie hat eine interessante Vita, die man auf der Website des Abgeordnetenhaus nachlesen kann. Hier Auszüge davon: „1995 Abitur in Giengen a. d. Brenz (Baden-Württemberg). 1995 bis 1997 Studium der Politikwissenschaft, der Geschichte, des Öffentlichen Rechts in Heidelberg. 1997 bis 1998 Studium am Institut d’Études Politiques de Paris (Erasmus-Stipendium). 1998 bis 1999 Studium der Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. 1999 bis 2000 Studium an der Université Libre de Bruxelles (u. a. Praktika an der Ständigen Vertretung Deutschlands bei der EU und im Europäischen Parlament). 2001 Abschluss an der Freien Universität Berlin als Diplom-Politologin. Seit 2002 Referentin im Auswärtigen Amt: Referat für internationale Energiepolitik, USA-Referat, Deutsche Botschaften Zagreb (2005 bis 2008) und Teheran (Juni bis August 2006). 2010 bis 2013 Außenpolitische Referentin in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Sprachkenntnisse: Englisch und Französisch (verhandlungssicher), Spanisch und Kroatisch (gute Grundkenntnisse)…“

Nicht alle unterstützen Bentele

Im Pressedienst PaperPress heißt es am 11. November 2018 von Ed Koch dazu: „

Die sympathische 42-jährige Christdemokratin hat gute Chancen, im Mai 2019 für Berlin ins Europäische Parlament einzuziehen. Einigermaßen sicher ist dieser Wechsel vom Abgeordnetenhaus ins EP nur auf dem Listenplatz Eins der Berliner CDU. Platz Zwei ist ziemlich aussichts-los. Auf diesem stand sie aber, weil das der Landesvorstand so wollte. Carsten Spallek (47), Bezirksstadtrat in Mitte und stellvertretender Landesvorsitzender der CDU, stand auf Platz Eins und Bentele auf Zwei. Die Delegierten der Landesvertreterversammlung drehten gestern die Reihenfolge um, 141 stimmten für Bentele, 90 für Spallek. „So hatte sich das Berlins CDU-Chefin Monika Grütters sicher nicht gedacht“, schreibt die Berliner Morgenpost. Grütters sprach nach dem Rückzug von Angela Merkel über „neue Chancen für die Union.“ „Das setzten die Landesvertreter sogleich in die Tat um und versenkten den von Grütters auserkorenen Spitzenkandidaten für die Europawahl.“ „Damit hat die Parteibasis das alte Funktionärsdenken bei den Berliner Christdemokraten abgestraft, und die Landesvorsitzende Monika Grütters geht beschädigt aus dem Votum gegen Spallek hervor.“ Mein Mitleid hält sich in Grenzen, ist es doch nicht das erste Mal, dass Personalentscheidungen von Grütters auf wenig Gegenliebe bei der Basis treffen. Und: „Das Signal der Basis zeigt, dass die CDU-Mitglieder keine Lust mehr darauf haben, sich Kandidaten vorsetzen zu lassen.“, schreibt die Morgenpost.“

Weiter führt Ed Koch, dass es durchaus interessante Aspekte bei der Wahl gab: „Hildegard Bentele hat ihren Wahlkreis Lichtenrade für das Abgeordnetenhaus direkt gewonnen. In Lichtenrade ist sie stellvertretende Vorsitzende der CDU. Vorsitzender ist der Bundestagsabgeordnete Dr. Jan-Marco Luczak. Und solidarisch wie Männer nun ein-mal sind, sprach sich Luczak für Spallek aus. Dem Tagesspiegel zufolge sorgte das für „Erstaunen“ im Saal. Was für ein schäbiges Verhalten. Neben Grütters und Spallek ist Luczak der dritte Verlierer bei dieser Veranstaltung.

Schaut man sich die Biografien der beiden Kandidaten an, so ist zweifelsohne Hildegard Bentele die bessere Kandidatin. Die Delegierten haben nach Qualität, nicht nach Quote entschieden. 2004, 2009 und 2014 kandidierte sie auch schon für das EP. Ein Sieg im vierten Anlauf ist ihr zu wünschen. Sie gehört in der aktuellen Legislaturperiode u.a. dem Ausschuss für Bildung, Jugend und Familie an und ist bildungs-politische Sprecherin der CDU-Fraktion. In dieser Funktion ist sie die direkte Gegenspielerin von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

Hildegard Bentele ist mit dem Diplomaten Ivan Bojanic verheiratet und Mutter zweier Kinder. Sie spricht Englisch und Französisch und besitzt gute Grundkenntnisse in Spanisch und Kroatisch. „Man muss Europa kennen, um es zu können“, hatte sie in ihrer Bewerbungsrede gesagt.

Um nicht erneut mit einer Kandidatenempfehlung zu scheitern, schloss sie diese für die Neuwahl des CDU-Bundes-Vorsitzes im Dezember aus. Was ist bloß los mit der CDU? Ohne Vorgaben wählen zu dürfen, das ist revolutionär. Die CDU-Mitglieder werden diese neue Freiheit zu genießen wissen.“

In Facebook heißt es auf der Berliner CDU Seite: "Gemeinsam für Europa! Heute wählen wir auf der Landesvertreterversammlung unsere Kandidaten für Europa. Der erste Wahlgang ist vorbei: Mit 141 Stimmen wurde Hildegard Bentele auf Listenplatz 1 gewählt. Carsten Spallek erhielt 90 Stimmen. Eine leidenschaftliche Veranstaltung im Geiste Europas mit einer eindrücklichen Rede unserer Landesvorsitzenden Monika Grütters für das europäische Projekt und großem Dank an unseren bisherigen Europa-Abgeordneten Joachim Zeller. Auch die weitere Liste ist soeben gewählt: mit Carsten Spallek auf Platz 2, Susanne Zels #3, Christian Gräff #4, Jörg Schumacher #5, Beate Roll #6, Katarina Trump 7, Steffen Helbing #8, Sebastian Steinert #9. Glückwunsch an alle Kandidaten und Dank allen Vertretern!"

Lichtenrade als Zwischenstation nach Europa

Man kann gespannt sein, ob in dieser Angelegenheit noch Stellungnahmen aus der CDU zu erwarten sind. Sicher werden auch etliche Lichtenraderinnen und Lichtenrader den Weggang nicht verstehen und sehen sich vielleicht nur als politisches Sprungbrett für Europa. Eines ist sicher, dass die SPD-Abgeordnete aus Lichtenrade Melanie Kühnemann-Grunow weiterhin im Berliner Parlament vertreten sein wird.

Nach der Vita von Hildegard Bentele war der Weg aber auch schon etwas vorgezeichnet. Persönlich ist ihr alles Gute und Erfolg zu wünschen!

Thomas Moser


 

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