„Meet one“ muss schließen: Abschied und Neuanfang!

Ende Juli 2018 ist Schluss mit einer 40jährigen Kneipen-Familientradition.
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Direkt am S-Bahnhof Lichtenrade muss die Raucherkneipe „Meet one“ dem Vorhaben der Dresdner Bahn weichen. Das Lokal befindet sich auf einem Grundstück der Bahn. Die letzten Mieter wurden gekündigt und müssen den Bahnplanungen Platz machen. Viele Stammkunden trauern um den beliebten fast familiären Treffpunkt. Hier traf sich über viele Jahre „Jung und Alt“, schaute die Bundesliga-Spiele, spielte Billard, redete beim Bier über dieses und jenes und hatte einfach nur etwas Spaß.

Katharina Jeske (47) ist die Chefin des Lokals und bei den Kunden äußerst beliebt, wobei sie bei ihrer Kundschaft immer wieder von „ihrer Familie“ spricht und traurig auf den Abschied von diesem Lichtenrader Standort schaut: „Hier habe ich viel erlebt, meine Kindheit verbracht und kann mich an viele schöne Familienfeiern erinnern.“ Im „Meet one“ wurden immer wieder beliebte öffentliche Partys zu den verschiedensten Anlässen gefeiert: Sylvester, Fasching und Halloween. „Aber wir hatten auch Techno-Partys,“ berichtet Katharina Jeske. An den Wochenenden trifft sich im „Meet one“ immer eine größere Anzahl Jugendlicher, die durch den Weggang einen wichtigen Treffpunkt in der Nachbarschaft verlieren. „Bei uns stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis,“ wie die Chefin ganz nebenbei bemerkt.

Das „Meet one“ wird in Mariendorf weiterleben. Katharina Jeske schaut optimistisch, aber auch ein wenig mit Sorge auf den Neunanfang: „Wie bleiben bei unserem Konzept, freuen uns weiter auf unsere Stammkunden und wollen dann noch die Mariendorfer dazu gewinnen.“ Bei dem Abschied aus Lichtenrade klingt ebenfalls bei der Kundschaft immer wieder Wehmut durch. Stammgast Winne wird jedenfalls regelmäßig nach Mariendorf kommen: „Da fährt der Bus genau vor die Tür und es ist gar nicht viel weiter.“

Winne: „Mein zweites Zuhause!“

Der Lichtenrader Winne oder mit vollem Namen Winfried Zain (63) war schon Stammgast bei der Großmutter von Katharina Jeske. Auf die Kneipe ist er vor vielen Jahren durch Zufall gestoßen, weil er nach einer Nachtschicht morgens als Absacker noch ein Bierchen in aller Ruhe trinken wollte. Dann blieb Winne bis heute dem Lokal über Jahrzehnte treu: „Die Chefin ist für mich eine wunderbare Freundin geworden.“

Die Großmutter Ilse Lüdtke, die 2006 verstarb, hatte die Kneipe 1978 eröffnet und als „Treffpunkt 1“ geführt. Sie kam aus der Gastronomie und hat verschiedene Lokale gehabt. 2003 wollte sie aus Altersgründen die Kneipe aufgeben und hatte schon einen Nachmieter für ihren Laden. Für die Enkelin Katharina kam das gar nicht in Frage: „Das geht nicht. Ich mach das!“

Nach dem Wechsel gab es viel zu tun...

...das Ergebnis konnte sich sehen lassen.
Die Lichtenraderin hing an ihrer Heimat und an der Lokalität, die für sie ein wichtiges Stück Kindheit war: „Die ganze Familie war immer hier und ich bin hier groß geworden!“ Die Lichtenraderin Katharina Jeske ist in Lichtenrade groß geworden, hat hier die Grundschule und das Georg-Büchner-Gymnasium besucht.

Katharina Jeske: „Hier habe ich meine Kindheit verbracht und viel gespielt!“

Besonders an den Garten hinter der Gaststätte, mit Wohnwagen, Grillplatz und mit Pool kann sie sich gut erinnern: „Mein Vater hatte hier einen Birnbaum gepflanzt, als mein Bruder geboren wurde.“ Obwohl Katharina Jeske beruflich in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft in einer ganz anderen Branche tätig war, wollte sie das Lokal weiterführen. Nach etlichen Umbauten startete sie unter dem Namen „Meet one“ und führte die Kneipen-Familientradition fort: „Jetzt kann ich mir gar nichts anderes mehr vorstellen. Darum mache ich weiter!“

Wenn man in die hinteren Räume des „Meet one“ ins Büro geht, sieht man erst, das die Räumlichkeiten größer als gedacht sind. Hier wird schon gepackt und der Umzug nach und nach vorbereitet. An der Theke und in den Nebenräumen sieht man von Aufbruch noch nichts. Nur ein Plakat weißt auf den neuen Standort an der Gersdorf-/ Ecke Kaiserstraße hin. Im Nebenraum wird in der Musikbox ein Hit der achtziger Jahre ausgewählt. Der junge Mann spielt mit seinem Freund Billard.

Im Hintergrund ist eine Wand, an der sich die Stammkunden der letzten Jahre verewigt haben. „Wir planen, dass wir nicht nur eine Fototapete, sondern die ganze Wand mit ins neue Lokal nehmen,“ erläutert Katharina Jeske.
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...was wohl nicht ganz geklappt hat...

An der Theke versammeln sich gerne die anwesenden Stammkunden zu einem Familienfoto. An diesem Tag sitzen viele Gäste im kleinen Vorgarten, um die Sonnenstrahlen in den frühen Abendstunden zu genießen.

Rocchigiani und viele Familienfeiern

In diesem Lokal hat schon die Hochzeitsfeier der Eltern, die Feier zur Einsegnung und die Feier zum 18. Geburtstag von Katharina Jeske stattgefunden. Aber auch ihr Sohn hat seinen 18. Geburtstag im „Meet one“ gefeiert: „Ganz groß wurde der 65. Geburtstag meiner Oma gefeiert.“ Zu diesem Zeitpunkt wurde Graciano Rocchigiani Box-Weltmeister. Sie erinnert sich noch gut daran, dass der Box-Profi ab und an das Lokal besucht hat: „Gerade kürzlich war er mit seinem Bruder bei mir.“ Die frühen Fotos vom Weltmeister hat sie, trotz intensiver Suche mit ihrer Mutter, nicht gefunden: „Ich kann mich noch gut erinnern. Er hatte sein Weltmeisterauto direkt vor der Tür abgestellt.“ 1988 wurde Rocchigiani nach Max Schmeling und Eckard Dagge der dritte und damit der jüngste deutsche Boxweltmeister.

Abschied und ein Neuanfang

In Facebook ist das „Meet one“ vertreten und verabschiedet sich über dieses soziale Netzwerk: „Zeit zu gehen ... auch wir sind vom Dresdner-Bahn-Ausbau in Lichtenrade betroffen und müssen leider unseren Laden nach 40 Jahren im Familienbesitz und in dritter Generation schließen. Schweren Herzens stellen wir Ende Juli 2018 den Betrieb ein.

Am Samstag, 28.7.2018 ab 20 Uhr möchten wir mit Euch Abschied feiern. Es ist Zeit, für das, was war, danke zu sagen, damit das, was werden wird, unter einem guten Stern beginnt... danke für die tolle Zeit und die zahlreichen Erfahrungen!!! Und so geht es weiter .... wir sind auch zukünftig für Euch da und eröffnen am Samstag, 4.8.2018 ab 12 Uhr unseren neuen Laden in der Mariendorfer Gersdorf-/Ecke Kaiserstraße. Ab 20 Uhr findet dann die Eröffnungsparty statt.“


Die Lichtenrader verabschieden sich und die Redaktion wünscht einen guten Neustart!  Mit der Busanbindung M76, X76, 282 ist das neue „Meet one“ in der Gersdorfstraße 60 /Ecke Kaiserstraße in 12105 Berlin-Mariendorf gut erreichbar.

Und wie ging es weiter:
Das Meet one lebt weiter, in Mariendorf...
Meet one neu
Und das alte Meet one wurd Mitte August 2018 gleich abgerissen:
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Thomas Moser (auch Fotos)


 

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