„Lichtenrade bevorzugt eher dunkle Schokolade!“
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Das ist die Erkenntnis von Susanne Anders, die seit 30 Jahren in der Lichtenrader Bahnhofstraße mit ihrem Fachgeschäft vertreten ist. Am 1. Januar 1987 haben sie und ihr Mann das Geschäft mit guter Schokolade und Pralinen in der Lichtenrader Bahnhofstraße von ihrem Vater Kurt Wegner aus gesundheitlichen Gründen übernommen. Das Geschäft existiert in Lichtenrade seit 1955, also schon seit 62 Jahren.
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Bereut hat sie die ungeplante Übernahme des Geschäftes nie, obwohl sie vorher als Reiseverkehrskauffrau in einer ganz anderen Branche gearbeitet hat: „Ich liebe Schokolade und mich erfüllt die Arbeit im Lichtenrader Geschäft.“

Ein noch viel längeres Jubiläum konnte Susanne Anders ebenfalls in diesem Jahr feiern.

Vater Kurt Wegner im Geschäft in Tempelhof
Seit 111 Jahren lebt ihre Familie für gute Schokolade und Pralinen: „Wir sind in Berlin das älteste Süßwarengeschäft in einer Familie.“ Der Großvater war Konditor und hatte am 1. März 1906 am Tempelhofer Damm (ehemalige Berliner Straße) schräg gegenüber vom damaligen Warenhaus „Elend“ später „Walden“ (jetzt Karstadt) ein Süßwarengeschäft eröffnet: „Da hat er noch die Pralinen selber gemacht, genau wie noch anfangs mein Vater.“ Ob und wie lange die Familientradition fortgesetzt wird, wird die Zeit zeigen: „Man weiß ja nie, ob vielleicht doch jemand aus der Familie noch Interesse bekommt.“ Mittlerweile arbeitet Susanne Anders im Lichtenrader Geschäft mit zwei Teilzeitkräften.

Susanne Anders hat nicht unbedingt den typischen Stammkunden. „Wir haben eine bunte Kundschaft. Sozusagen querbeet. Zu uns kommen auch Kinder, die genau wissen, was sie für ihre Eltern oder Großeltern als Geschenk kaufen wollen. Dafür sparen sie dann auch.“ Die Geschäftsinhaberin ist glücklich, dass immer eine Kundschaft nachwächst.

Weihnachten-Nascherei erst später, dafür aber frisch
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Es ist Anfang November und in den Discountern und Supermärkten werden die Kunden schon seit Monaten mit Weihnachtsnaschereien überschwemmt. Ganz anders im Schokoladen- und Pralinengeschäft von Susanne Anders. Für sie ist es wichtig, dass sie die Weihnachtsnaschereien aus der laufenden Produktion erhält. Das Motto: „Je später, umso frischer“. So werden ihr die ersten Weihnachtssachen erst im November geliefert und das Schaufenster schmückt sie weihnachtlich traditionell erst nach dem Totensonntag. Bestellt hat sie die Süßwaren jedoch schon lange vorher.
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...die weihnachtliche Deko ist jetzt fertig...
Zu Weihnachten wartet ein reichhaltiges Sortiment auf die Kundschaft. Dazu gehören zum Beispiel Marzipankartoffeln, Teekonfekt, Bethmännchen, Baumkuchen, Plumpudding, verschiedene Dominostein mit den unterschiedlichsten Füllungen, Spirituosen, Adventskalender und unzählige weitere Leckereien.

Alles wird getestet und der schnelle Draht zu den Firmen

„Ich esse gerne Schokolade und ich kann alles wertfrei testen. Aber ich habe mir angewöhnt, dass ich nichts zu Hause habe. Sehr zum Leidwesen meines Mannes.“ Manchmal bringt sie dann doch einige Leckereien für ihren Mann mit nach Hause. Es wird jede Lieferung und jedes Produkt ihrer persönlichen Warenkontrolle unterzogen. Das heißt viel probieren: „Man kann nur darüber reden, wenn man weiß wie es schmeckt und wenn man weiß, wie es hergestellt wird.“

Sie hat gute Kontakte zu den Vertretern und direkt zu den Firmen. So hat sie auch schon in diesem Jahr vom Weihnachtssortiment etwas zurückgeschickt, weil es ihren Qualitätsansprüchen nicht genügte: „Die Ware war nicht so, wie sie sein sollte. Ich gehe den Produzenten dann ganz schön auf den Nerv.“ Es wurden manche Traditionsprodukte auch schon aus dem Sortiment genommen, wenn sich bei der Qualität was verändert: „Ich muss voll und ganz hinter den Produkten stehen.“ Merkmale für eine schlechte Qualität sind dabei „zu flach und zu süß“. In eine Schokolade gehören Kakao, Kakaobutter, Zucker, Milch und entsprechende Ingredienzien. Aber auch nicht mehr: „Ich habe es gerne, wenn man merkt was man isst.“

Sie weiß, wie die Produktionen besonders von den Berlinern Produzenten aussehen und hat den unmittelbaren Draht, wenn etwas nicht stimmt. Wenn Sie Pralinen sieht, weiß sie genau, wie sie hergestellt werden. Susanne Anders hat auch Firmen im Sortiment, die nicht ganz so geläufig sind. Sie bietet der Kundschaft auch neu entwickelte Produkte zum Kauf an.

Viele Kunden fragen heute nach Inhaltsstoffen und da kann Susanne Anders ganz genau Rede und Antwort stehen: „Ich weiß ganz genau, was in den Dingen drin ist. Egal was die Kundschaft kauft.“

Die Berliner, die schokoladentechnisch zu den Norddeutschen zählen, mögen bevorzugt die dunkle Schokolade und bevorzugt alkoholfreie Schokolade und Pralinen. Für Susanne Anders ist eins wichtig: „Die Zunge soll etwas zu tun haben.“

Mit Sorge betrachtet Susanne Anders bei der Entwicklung rund um die Lichtenrader Bahnhofstraße den Verlust von circa 80 bis 100 Parkplätzen: „Das wird der Bahnhofstraße nicht guttun. Wir haben viele Menschen, die nicht in unmittelbarer Nähe wohnen.“ Sie findet es sehr wichtig, dass besonders Gehwege für die Passanten und Kunden eben gestaltet werden.

Wenn Suanne Anders von der Schokolade und von Pralinen spricht, kommt sie förmlich ins Schwärmen. Man merkt ihr die Liebe zum Beruf an und man spürt, dass es für sie keine schönere Arbeit gibt.

Thomas Moser (auch Fotos; historische Fotos privat)


 

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