Ein Bericht von Dagmar Seidlitz, Ev. Kirchengemeinde Berlin-Lichtenrade

Leider habe ich keine Antwort auf diese Frage im Juni-Gemeindebrief bekommen, also schau’n wir mal: Wie berichtet, rufen vom Turm unserer Dorfkirche drei verschieden gestimmte Glocken, man kann sie also gut unterscheiden. Dann hören Sie – vorwiegend dienstags und donnerstags – die Glocke des Kirchhofs. Sie hängt in dem allein stehenden Turm am hinteren Eingang in der Paplitzer Str. 24, so kann sie sowohl im alten als auch im neuen Teil unseres Kirchhofes gut gehört werden, wenn sie gerade einen Trauerzug zur Grabstelle begleitet. Wenn man allerdings dann direkt an ihr vorbeigeht, wünscht man sich, sie würde etwas gedämpfter klingen.
glocken Dietrich Bonhoeffer Kirche Rackebueller Weg,
Glocken der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche, Rackebüller Weg
Im Turm der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche im Rackebüller Weg hängen weitere drei Glocken: (Te Deum-Geläut) nach dem altkirchlichen „Herr Gott, wir loben dich". Sie sind gestimmt auf h' „Zuflucht", Psalm 90,1, d'' „Gottesruf". Jesaja 43,1c und e'' „Hoffnung", Römer 12,12a.

Sicher sehr häufig hören Sie die Bronzeglocken der Salvatorgemeinde, also unserer katholischen Schwestergemeinde. Sie sind gestimmt auf fis‘, h‘ und a‘. Da haben wir dann schon mal 10 Glocken, die regelmäßig durch den Ort tönen. Dann haben wir noch eine im „stillen Kämmerchen“: Im Gemeindezentrum Nahariyastraße hängt sie an einem mobilen Glockenstuhl – vielleicht haben Sie sie dort auch schon einmal gesehen. Natürlich kann man sie herausholen und mobil einsetzen, allerdings ist das recht aufwendig und mühevoll. Das wird daher nur zu ganz besonderen Gelegenheiten praktiziert. Dann gibt es aber noch eine, die vermutlich nur ganz alt-eingesessene Lichtenrader noch gehört haben: Im ehemaligen Diakonissen-Mutterhaus Salem an der Rohrbachstr., in dem heute ein Kindergarten untergebracht ist, hängt die Glocke im Dachreiter. Sie verkündigte hier früher das geistliche Leben der Salem-Schwestern und rief sonntags um 10 Uhr zum dortigen Gottesdienst..  Das heißt also: Es gibt in Lichtenrade 12 Kirchenglocken, acht gehören zu unserer Kirchengemeinde und eine davon schweigt in der Regel. Auch von den weiteren vier muss eine jetzt schweigen, denn ein Kindergarten mit Glockengeläut - das ist nicht statthaft. Und was sagen uns die Glocken, wenn sie nicht schweigen?

Dreimal am Tag rufen uns die Glocken in der Dorfkirche und in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche zum Gebet, morgens 8 Uhr, mittags 12 Uhr, abends 18 Uhr. Natürlich beten nicht alle Christen zu diesen festgelegten Zeiten, und natürlich kann man auch zu jeder anderen Zeit Gott anrufen, mit oder ohne Glockengeläut. In früheren Zeiten hatte dieses Läuten auch ganz praktische Gründe, es war für die Menschen auf den Feldern oder in den Ställen die Zeitansage. Aber auch wenn wir heute alle Armbanduhren tragen und im Handy und in allen möglichen Elektrogeräten Uhren mitlaufen, ist es gut – z.B. mittags – auf die Glocke zu achten und kurz innezuhalten. Ein Kirchenlied formuliert es so: „Der Tag ist seiner Höhe nah, nun blick zum Höchsten auf, …“ (EG 457). Das Abendläuten kann den Feierabend einläuten, dienstags beginnt damit die Andacht „Haltestelle Gott“ in der Dorfkirche, und am Sonnabend ist es dann ein besonderes, es läutet den Sonntag ein: Die kleinste, die mittlere und die größte, tiefste Glocke läuten je für eine Minute, und dann läuten alle drei noch zusammen zwei Minuten lang. Im Sommer – zwischen Ostern und Erntedankfest – beginnen wir dann in der Kirchhofkapelle mit unserer Wochenschluss-Andacht. Weiterhin rufen die Glocken zu den Gottesdiensten: ½ Stunde vorher (für die Menschen, die einen weiteren Weg haben) und ¼ Stunde vorher (für die näher Wohnenden) läutet jeweils eine Glocke, die letzten 5 Minuten vor Beginn ruft dann das volle Geläut zum Gottesdienst in die Kirche. Und wenn Sie mitten in der Gottesdienst-Zeit eine Glocke hören, dann wird gerade das Vaterunser gebetet – ein schönes Zeichen der Verbundenheit für die, die heute nicht im Gottesdienst dabei sind. Manchmal ist auch zu ungewöhnlichen Zeiten Glockengeläut zu hören, dann handelt es sich vermutlich um eine Trauung oder – gerade zwischen Ostern und Pfingsten – um eine Konfirmation. Manchmal läuten auch alle Glocken gemeinsam, so z.B. mit einem 8-minütigen Geläut zu Beginn der Eröffnungsgottesdienste des Deutschen Evangelischen Kirchentages. Am Anfang hatte ich noch die Glocke auf dem Kirchhof erwähnt. Sie ruft nicht zu Gebetszeiten oder zum Gottesdienst, sie begleitet die Trauerzüge auf ihrem Weg von der Kapelle zum Grab – unabhängig davon, ob der Verstorbene christlichen Bekenntnisses war oder nicht. Vielleicht achten Sie einmal darauf, wenn Sie Glocken hören, zu welcher Kirche sie gehören könnten und wovon ihr Läuten gerade kündet?!  Ich z.B. freue mich immer über die Vaterunser-Glocke und ganz besonders darüber, wenn ich Neujahr um 0 Uhr zwischen der ganzen Knallerei auch noch die Glocken heraushören kann.

Aus der Kirchengemeinde (Gemeindebrief September 2017)

Danke für den Bericht an Dagmar Seidlitz 


 

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