Liebhaber historischer Ansichten können sich auch das nächste Jahr an hochwertigen Postkarten-Kalenderblättern aus dem Tempelhofer Kiez erfreuen. Schon seit vielen Jahren verzaubert der Heimatforscher und Postkartensammler Hans-Ulrich Schulz mit einem sehr ansprechenden Kalender „Tempelhof uns seine Vororte in alten Ansichten“ mit historischen Postkarten aus Tempelhof. Auch für 2019 hat er wieder in seinen umfangreichen Schätzen gestöbert und in Zusammenarbeit mit dem Verlag Morgana-Edition einen Kalender herausgebracht. In den Tempelhofer inhabergeführten Buchhandlungen kann das Werk für 13 Euro erworben werden. Ein perfektes Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk!

Das Deckblatt zeigt eine interessante Lithokarte aus Freibergs-, später Blümels Garten, der direkt am Eingang zum heutigen Volkspark Mariendorf gelegen war. In dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude, viele Jahre Kindertagesstätte, ist heute das Jugendfreizeitheim Bungalow beheimatet. Der Kartentext, geschrieben 1905, weist auf einen Mariendorfer Kriminalfall hin: „Unweit der Bobbe-Falle sitzen wir hier und gedenken Euer bei einem Glase Bier.“ Schulz erläutert jeweils in kurzen Begleittexten die Hintergründe zu den Postkarten. So gibt er auch Hinweise zu diesen Hintergründen: Dies weist auf ein grausiges Verbrechen hin, das 1901 nahe dem Eckernpfuhl in einem alleinstehenden Haus geschah. Bobbe war der Name eines Zuchthäuslers, der die Frau seines Vermieters sowie zwei Jungen ermordete, einen Geldbriefträger schwer verwundete und bei seiner Flucht auch noch seinen Vermieter anschoss, bevor er sich selbst mit einem Kopfschuss tötete. Die Opfer warf er in eine selbst ausgehobene Gruppe unter seinem ebenerdigen Zimmer, der sogenannten „Bobbe-Falle“.

Für die Lichtenrader hat Hans-Ulrich Schulz gleich drei Ansichten gefunden.
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Im März zeigt die Postkarte den Blick auf das Christophorus-Kinderkrankenhaus, Pfarrhaus und Kirche der St. Salvator-Kirche (damals noch ohne Turm) um 1940 in Briesing- Ecke Bahnhofstraße. Das Kinderkrankenhaus wurde am 5. Februar 1933 eröffnet und 1995 in des Tempelhofer St. Joseph Krankenhaus eingegliedert. Heute ist im umgebauten ehemaligen Krankenhaus unter anderem das Bezirksamt Tempelhof mit dem Bürger- und Jugendamt vertreten. Für die Bibliothek ist der Umzug in den Alte Mälzerei geplant.

Im August geht der Blick in den Lichtenrader Heimweg um 1922. Nach dem ersten Weltkrieg wurde durch die Siedlungsgemeinschaft der Gemeinde Lichtenrade die Abendrotsiedlung mit Gartenstadtcharakter zur Selbstversorgung erbaut. Die würfelförmigen Häuser entstanden als Doppel- und Reihenhäuser mit Gärten und Kleintierhaltung.

Lichtenrade Süd 1917 wird in einer weiteren Karten betrachtet: Mietshäuser stehen zu dieser Zeit in der Umgebung Papestr./Ecke Moltkestraße nur wenige. Beide Straßen wurden nach dem 2. Weltkrieg umbenannt, heute Horstwalder Straße / Ecke Rehagener Straße.

Insgesamt werden 13 Karten von Hans-Ulrich Schulz präsentiert.

Für Marienfelder dürfte der noch heute bewirtschafte „Gasthof zur grünen Linde“ in der Dorfaue Marienfelde (Dorfstraße 40, heute Alt-Marienfelde 28) besonders interessant sein. Errichtet wurde die „Grüne Linde“ bereits 1830. Hier wurden auch Ausspann- und Übernachtungsmöglichkeiten angeboten. Der Saal für Festlichkeiten wurde während des 2. Weltkrieges durch Bomben zerstört.

Für alle Tempelhofer dürfte die „Urzelle“ des heutigen Karstadt-Kaufhauses für Aufmerksamkeit sorgen. Edmund Elend eröffnete das Kaufhaus Tempelhof an der Berliner Straße/ Ecke Friedrich-Wilhelmstraße. Später baute er ein großes Gebäude am heutigen Standort Ecke Kaiserin-Augusta-Straße. In der NS-Zeit arisiert als Kaufhaus Sera übernahm Carl Walden es 1950. Im Jahr 1967 hat Karstadt das Geschäft erworben. Das Gebäude wurde um 1980 unter Nachbildung der ehemaligen Fassade neu errichtet.

Und Schulz macht noch viel mehr

Im Jahr 2009 veröffentlichte der Heimat- und postgeschichtlich interessierte Mariendorfer das Handbuch mit Katalog „Im Zeichen der Luftbrücke.“ Diese Ausgabe ist leider vergriffen. Eine dritte erneut überarbeitete Auflage wird Anfang bis Mitte 2019 erscheinen.

Vom 26. bis 28. April 2019 findet die „AeroBerlin 2019“, eine Briefmarken-Ausstellung Rang 2, mit internationaler Beteiligung im Rathaus Schöneberg statt. Themen: 100 Jahre erste amtliche Luftpost in Deutschland, 70 Jahr Berliner Luftbrücke und 60 Jahre Forschungsgemeinschaft Berlin. Veranstaltungsleiter ist, wie kann es anders sein, der engagierte Hans-Ulrich Schulz. Die Vorbereitungen laufen schon auf Hochtouren.

Technische Daten für die Kalender: 13 Seiten Bilderdruck auf 250 g Papier, Größe 31 x 37 cm; die Ansichtskarten sind auf 26 x 17 cm vergrößert und mit einem erklärenden Text versehen. Der Kalender erscheint in einer limitierten Auflage und ist in den Tempelhofer inhabergeführten Buchhandlungen zu einem Preis von 13 Euro zu erwerben (Kalcher-Kronauer in der Manfred-von-Richthofen-Str. 19, Menger am Tempelhofer Damm 186, Lichtenrader Bücherstube in der Bahnhofstraße 25 und für Mariendorf bei Lotto-Kaiser am U- Bahnhof Westphalweg) oder kann beim Verlag (Porto 5 €) bestellt werden. Der Kalender ist für Tempelhof interessierte Menschen sicherlich genau das richtige Weihnachtsgeschenk.

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Thomas Moser

Artikel zum Bericht über „Im Zeichen der Luftbrücke“: http://www.lichtenrade-berlin.de/news/nachbarn-news/532-zum-ende-der-berlin-blockade-vor-65-jahren-im-zeichen-der-luftbruecke

Vorab-Terminhinweis für eine ganz besondere Briefmarken-Ausstellung:

Vom 26. bis 28. April 2019 findet die „AeroBerlin 2019“, eine Briefmarken-Ausstellung Rang 2, mit internationaler Beteiligung im Rathaus Schöneberg statt. Themen: 100 Jahre erste amtliche Luftpost in Deutschland, 70 Jahr Berliner Luftbrücke und 60 Jahre Forschungsgemeinschaft Berlin.

Thomas Moser


 

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