Religionen loben die Schöpfung

Eine Sendung des rbb aus dem Frühsommer 2016 hatte Gabriela Brauer nicht mehr losgelassen. Der Kreiskantor aus Jüterbog hatte Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften zum Singen in die große Kirche nach Jüterbog geladen. Es bildete sich ein Team und setzte sich mit Chören und Gesangsgruppen mit jüdischem und muslimischen Hintergrund sowie mit verschiedenen Chören aus der katholischen und evangelischen Gemeinde  aus Lichtenrade zusammen, um ein Chorfest in der kath. Salvatorkirche in Lichtenrade vorzubereiten. Wie weit sollten die Texte der vorgetragenen Lieder  einen verbindenden Inhalt erhalten? War es zu heikel mit anderen Religionen, von denen man sich ja für gewöhnlich abgrenzt, über einen gemeinsamen Inhalt, gar von einem Geist zu sprechen? Dann drängte sich im Zusammenhang mit unserer Arbeit über gesunde und gerechte Ernährung und praktischen Klimaschutz fast auf, dass natürlich die Schöpfung im Mittelpunkt stehen müsste. Juden, Christen und Moslems, die sich alle auf gemeinsame religiöse Wurzeln beziehen, sind davon auch im Zusammenhang mit allen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen überzeugt, dass wir den Kosmos, unsere kostbare Erde und die Gemeinschaft von Pflanzen, Tieren und Menschen einem Schöpfer zu verdanken haben und bewahren müssen.
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v.l.n.r.: Moderator Georg Wagener-Lohse, Birgit Henniger, Melanie Knebel, Tania Alon, Gabriela Brauer, Margrit Schmidt, Johanna v.Götze, Jens Seipolt. Die 5 Muslime mussten leider schon bald wieder nach Kreutzberg fahren... Foto Ökumenische Umweltgruppe Lichtenrade
Am 28. Jan reichte die Kirche kaum aus, um alle interessierten Zuhörer zu fassen. Was für ein Erlebnis, als 5 junge muslimische Männer – alle mit grünem Fez ihr Haupt bedeckt - im Altarraum standen und zur Ehre Allahs in deutscher Sprache sangen, begleitet  von einem Trommler. Sie waren aus der Umar-Ibn-Al-Khattab Moschee in Kreuzberg zu uns gekommen und setzen sich dort im Masari-Zentrum für eine De-Radikalisierung junger Muslime durch Aufklärung über die wahre Botschaft des Islam ein.

Im Anschluss las der türkische Künstler Alper Emeklier aus der 55. Sure des Korans über den Schöpfer, dem wie in der jüdischen und christlichen Tradition auch, die Gerechtigkeit am Herzen liegt.

Unter der Leitung von Melanie Knebel trat der Kinderchor pizzicanto aus der Lichtenrader Dietrich-Bonhoeffer Kirche auf. „Wer die richtigen Augen hat, der sieht Berge und Hügel tanzen…Alles jubelt, alles springt“ waren Worte in einem ihrer Lieder, die so lebhaft und mitreißend mit Gitarren- und Keybordbegleitung vorgetragen wurden, dass ihnen  ein großer Beifall zuteilwurde.

Das erste Stück des bereits 32 Jahre aktiven Dietrich-Bonhoeffer-Chores unter der Leitung von Birgit Henniger lobte das Licht der tausend Sonnen und des Sternenheers sowie die kleinste Vogelbrust, die uns stumm vor Staunen machen können, wenn wir lernen, uns in Beziehung zu ihnen zu bringen.

Der katholische Chor der dis-Harmoniker, Leitung Johanna von Götze, folgte mit drei Stücken in modernen Arrangements über die Kraft, die der Schöpfer auch heute jeden Tag neu, auch in uns Menschen entfaltet, und über die Schönheit der Erde, die John Rutter wunderbar vertont hat.

Tania Alon mit Gitarre und einer wunderbaren Stimme und Valentina Bellanova mit verschiedenen Flöten kamen zu uns aus der jüdischen, reformierten Gemeinde in der Pestalozzistraße. Mit einer schönen Stimme und wunderbarer Begleitung entführten uns die beiden Frauen in die Welt des Nahen Ostens: „Niemals soll aufhören, der Strand und das Meer, das Rauschen des Wassers“ wie es als Zusage seit alters durch die Geschichte Noahs in der jüdischen Bibel festgehalten wurde. Ergänzt wurde ihr Beitrag durch ein Danklied für die gute Ernährung „Tsur mishelo achalnu“ und einen Dank für den Samen.

Georg Wagener-Lohse, der das Konzert mit kurzen Erläuterungen zu den Künstlern und Stücken moderierte, erinnerte an das Gebet des Konzilpapstes Johannes XXIII (1958-1963). Kurz vor seinem Tode hatte dieser damit im Bild von Kain für das durch die Jahrhunderte auch mit kirchlichem Antrieb vergossene Blut  des Abel um Vergebung gebeten.

Das Ensemble Estragon, unter der Leitung von Prof. Jens Seipolt , bildete mit  einer stilsicher vorgetragenen Mischung von englischen Traditionals, Barockmusik und modernen Klängen den Abschluss. Der aus der ev. Gemeinde Neu-Buckow entstandene Chor feiert nächstes Jahr sein 20 jähriges Bestehen. „Ich bin das HERZ, das den Kern umgibt“ und „Ich bin der Kern, der in dem HERZ zu Hause ist“ waren Anfang und Schluss des letzten Liedes.

Es sind viele Stimmen, aber es ist ein Geist, der sich in in den verschiedenen Darbietungen hörbar machte. Der “Eine Geist“, der uns alle vereint, und eine tiefe Freude waren in der Kirche zu spüren.

Georg Wagener-Lohse


 

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