15. April 2018 - Kunst, Informationen, Bilder, Geschichten
Unter dem Thema "Hilfe, die Wölfe kommen! -Umgang mit Wildtieren am Stadtrand für Kinder, Erwachsene und Hundehalter" fand im Lichtenrader LortzingClub der 4. Salon Hermione statt.

Der NaturRanger Björn Lindner und der Jäger Hans-Joachim Luczak waren als Fachgäste eingeladen. Für den künstlerischen Rahmen mit Lieder und Geschichten von wilden Tieren sorgten "Die Hermonies", vier Sängerinnen, die ansonsten ein Quintett bilden.


Nicht mit den Wölfen heulen und keine Wildtiere füttern

Der Salon Hermione beschäftigte sich Mitte April mit Wildtieren. Wie es sich aber für einen „Salon“ von Hermione von Preuschen (1854 - 1918), der historisch bekanntesten Künstlerin von Lichtenrade, gehört, kam die Kunst auch nicht zu kurz.
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Im ersten Teil des Programms ging es in einer hohen Qualität literarisch und musikalisch zu. Die vier Frauen von „Die Hermonies“ sangen Lieder und Volksweisen und trugen Texte rund um wilde Tiere vor. Tolle Stimmen interpretierten die Texte und Lieder. Bei der tierischen Literatur waren auch Texte von Goethe und Ringelnatz dabei.

Die Moderatoren wurden umrahmt vom Jäger Luczak (lks) und Björn Lindner (re).
Ein liebevoll gestaltetes Programm mit viel Abwechslung, das für einen sonnigen Sonntagnachmittag vielleicht etwas lang geraten ist. Aber genossen hat die kleine Runde von Kunst- und Wolfinteressierten das Programm sehr. Gerhard Moses Hess und die Co-Moderatorin Ruth Thomas führten durch den Nachmittag, an dem es um Bären, Wölfe, Wildschweine und andere für viele Menschen oft emotional besetzte wilde Tiere ging.

Der NaturRanger und ein Jäger

Den inhaltlichen Teil des Programms gestaltete der NaturRanger aus Marienfelde.


Björn Lindner (Foto oben) wurde dabei vom Jäger Hans-Joachim Luczak (Foto unten) unterstützt.

Luczak geht seit 60 Jahren als Hobby zum Jagen und hat auch die Ausbildung als Jäger absolviert. Früher, zu Grenzzeiten, war er in Hessen aktiv und hat jetzt eine Jagd in Fläming und betreut Flächen auf Brandenburger Seite am Berliner Stadtrand, von der B 96 in Lichtenrade bis zur B 101 in Marienfelde. Viele Wildtiere hat er gesehen und mit der Wildkamera Fasane, Wildschweine, Schwarzwild oder Rehwild „eingefangen“. NaturRanger Lindner, der übrigens auch als Stadtjäger manchmal von der Polizei gerufen wird, konnte ebenfalls interessante Nachtfotos vom Dachs, Steinmarder und Fuchs zeigen. Er erzählte von der Wichtigkeit für Rückzugsgebiete in Wälder und Feldern für den Schwarzspecht, Waldkauz, Habicht und Feldhasen, um nur einen Teil der „Naturwunder“ aufzuzählen. Für den Jäger Luczak ist in der Winterzeit die Fütterung der Wildtiere seine wichtigste Aufgabe.

Wenn wilde Tiere in die Stadt kommen

Das Thema Fütterung ist jedoch ein ganz wichtiges Thema, wenn es darum geht, dass Wildtiere in der Stadt von Menschen durch Fütterung angelockt werden. Für den NaturRanger Björn Lindner ist es klar, dass der Mensch das Problem ist: „Es wird Alles gefüttert, was nicht bei Drei auf dem Baum ist.“ Über dieses von Menschen selbst gemachte Problem ärgert er sich.

Es gibt immer wieder Panikreaktionen beim Thema Wolf. Auch werden dem Wolf teilweise Dinge zugeschrieben, die bei genauerer Prüfung gar nicht zutreffen. So sind durchaus öfters auch freilaufende Hunde (eher die Hundehalten) die Übeltäter. Richtig ist, dass alle Hunde vom Wolf abstammen und teilweise noch den Jagdinstinkt in sich tragen.

Der Wolf meidet den Menschen

Der Wolf, oder wissenschaftlich „Canis lupus“, ist ein Langstreckenläufer. Für ihn sind 1000 Kilometer kein Problem.

Nach statistischen Erhebungen von vor zwei Jahren wurden 46 Rudel in Deutschland gezählt, die über Polen kamen und von der Lausitz ihre Reise in den nördlichen Teil von Deutschland fortsetzten. Am Rand von Berlin wurden auch Wölfe und Wolfspuren entdeckt. Circa 25 Wölfe werden jährlich Unfallopfer auf den Straßen. Der Wolf bevorzugt eher Truppenübungsplätze und meidet die Menschen. Das Problem ist tatsächlich die Fütterung von Jungwölfen. Wer Wölfe mal sehen will, dem sei der Wildpark Schorfheide empfohlen.

Die Marienfelder Feldmark: Hotspot der Natur
Björn Lindner betreut die Naturschutzstation in Marienfelde, den angrenzenden Freizeitpark Marienfelde sowie die Marienfelder Feldmark. Die Feldmark zieht sich bis an die Grenze von Lichtenrade. Lindner spricht von einem „Hotspot der biologischen Vielfalt“ und übertreibt damit kein bisschen. Neben der Betreuung des 40 Hektar großen Geländes steht der Bildungsauftrag des NaturRangers und der Naturwacht Berlin e.V. i im Mittelpunkt der Arbeit. 10 Jahre arbeitet Lindner schon in dem Gebiet und zitterte Jahr für Jahr um eine Grundfinanzierung. Im Augenblick ist zumindest die Finanzierung für zwei Jahre gesichert, danach muss aber gesehen werden, mit welchen Mitteln es weiter geht. Planungssicherheit ist auch in diesem Bereich sehr wichtig! Stolz erzählt Björn Lindner: „Kinderarbeit ist bei uns erwünscht!“ Die Kinderarbeit bedeutet jedoch, dass die JuniorRanger, die „Zwiebelfrösche“, sich viel und intensiv mit der Natur beschäftigen.

So hat seine Tochter Leila die Präsentation zum Thema Wolf gestaltet. Klassen besuchen die Naturschutzstation und in den Ferien findet regelmäßig die „Grüne Schule“ statt.

Respekt vor der Natur

Der Respekt vor der Natur und vor freien Flächen ist Björn Lindner sehr wichtig. Dazu gehört für ihn auch, dass Hunde und ihre Hundebesitzer nicht frei über Felder laufen, zumal teilweise die Hinterlassenschaften der Hunde so groß sind, dass landwirtschaftliche Flächen am Randbereich von Berlin von den Bauern aufgegeben werden mussten. Eine wirtschaftliche Landwirtschaft war nicht mehr möglich, da die Ernte durch die Menge des Hundekots nicht mehr verwertet werden konnte.

Zum Abschluss des informativen und künstlerischen nachmittags wurde noch ein kleiner musikalischer Ausklang zu Gehör gebracht.

Thomas Moser

https://www.naturwachtberlin.de

Alle Fotos Thomas Moser

Der Salon Hermione
Der Salon Hermione soll für Stadtrandbewohnerinnen und Bewohner ein geselliger Ort für Information, Kennenlernen, Austausch und Diskussion sein, und bei Kaffee und Kuchen und mit Musik und Poesie brennende wie erfrischende Themen aufgreifen.
Es wird über Geschichte und Gegenwart Lichtenrades informiert und gezeigt, dass Lichtenrade kein verschlafener, langweiliger Ort ist, der nur viel Grün und Ruhe zu bieten hat. Es gab hier tolle Menschen, von denen wir erzählen wollen, es gibt hier viele interessante Menschen, die wir vorstellen wollen, und es gibt hier spannende Orte.

Die Namensgeberin:
Benannt wurde der Salon nach Hermione von Preuschen (1854 - 1918), einer Malerin, Dichterin, Weltreisenden und Frauenrechtlerin, die ihre letzten 10 Lebensjahre in Lichtenrade verbrachte, hier ihre Bilder ausstellte und durch große Feste neues Leben in den verschlafenen Ort brachte.
Furore machte Hermione durch ein Gemälde, das den König als Totengerippe in vollem Ornat abbildete – es durfte bei der Berliner Kunstausstellung nicht gezeigt werden, sie organisierte daraufhin selbst seine Ausstellung – was ihr einen Prozess wegen Majestätsbeleidigung einbrachte. Weitere Infos zu dieser interessanten Künstlerin: http://www.lichtenrade-berlin.de/persoenlichkeiten/kuenstler/persoenlichkeiten-hermione-von-preuschen

Lesungen, Musik, Gespräche am Stadtrand mit Gerhard Moses Heß und Gästen mit Keksen, Kaffee, Kakao und Tee - Eintritt frei
Programmtipp:
5. Salon Hermione am Sonntag, 6. Mai 2018, 15 Uhr "Abgehängt?! Lichtenrader und die Dresdner Bahn"

www.salon.io/hermione