Geboren am 7. 8. 1854 in Darmstadt,
gestorben am 12. 12. 1918 in Lichtenrade bei Berlin.
Tochter des Oberkonsistorial- und
Regierungsrates Freiherr von Preuschen. Mit 19 Jahren kam
sie in das Haus des Dichters Gustav zu Put(t)litz nach Karlruhe, wo sie
vielfältige literarische
Anregungen erhielt. Nach dreijähriger Ausbildung an der Karlsruher
Malerakademie bei
Ferdinand Keller unternahm Hermione von Preuschen Studienreisen in viele
europäische
Länder, u. a. nach Sizilien, Rom, Paris und Berlin.
Nach den Recherchen von Dr. Rüdiger Freiherr von Preuschen wurde dieses Bild von der Kronprinzession, später Kaiserin Friedrich, gemalt. Ihr richtiger Name ist Victoria, da sie Tocher der Königin von England war.
Über die Entstehung des Bildes schreibt Hermione in ihrem "Der Roman meines Lebens", Berlin/Leipzig, 1926: auf Seiten 58/59:" Ja, das waren goldene Lebenstage, die Tage des Arbeitens mit der Kronprinzessin...Sie war unendlich liebenswürdig gegen mich. Bald nahm sie mich zu sich ins eigene Atelier..Und dann malte mich die hohe Frau! Ich habe es gezählt, zweiundzwanzig Sitzungen hatten wir. ..Geschmeichelt war ich wirklich nicht, im Gegenteil.
Trotzdem sehr, sehr ähnlich, aber...zum "abgewöhnen" (wie ihr späterer Mann sagte). Die Kronprinzessin schenkte mir das Bild im Rahmen als Hochzeitsgabe" (die Ehe wurde später geschieden).
auf Seite 134: "Im alten (Wiener) "Kunstverein" schlug ich meine (Ausstellungs-)Stätte auf...: ich hatte auch mein von der Kaiserin Friedrich gemaltes Porträt dabei. Der Hausdiener erkannte es gleich, meinte aber: "Das sind wohl gnädige Frau, wie sie älter waren!" (und es war doch in meiner zartesten Jugend gemalt!)".
Ich bedanke mich bei Dr. Rüdiger Freiherr von Preuschen für die Übermittlung seiner Recherchen!
Hermione von Preuschen galt als Begründerin des sogenannten »Historischen Stillebens«.
1882 heiratete sie den Arzt
Oswald Schmidt, die Ehe wurde jedoch nach kurzer Zeit wieder geschieden.
Berühmt wurde Hermione von Preuschen durch den Skandal um ihr Bild
Mors Imperator, das 1887
vom Vorstand der Berliner Kunstausstellung wegen Majestätsbeleidigung
zurückgewiesen wurde,
da das Werk als Anspielung auf den greisen Kaiser Wilhelm I. interpretiert
wurde.
Selbst der Kaiser schaltete sich ein und ließ verlautbaren, dass
er keine Bedenken gegen das Bild
habe. Dennoch lehnte die Akademie die Aus stellung ab. Erbost über
die Entscheidung der Jury,
mietete Hermione prompt ein Lokal und stellte das umstrittene Bild auf
eigene Faust aus.
Am Eröffnungstag standen Hunderte von Berlinern vor der Tür,
um das Bild zu sehen, auf dem ein
Herrscher mit Totenkopf abgebildet war. Seit dieser Zeit war Malerin in
aller Munde und die Bilder
wurden zu Höchstpreisen gehandelt.

„Mors Imperator“ -
„Der Tod des Kaisers“
1887 - eine Majestätsbeleidigung?
Erläuterung siehe oben!
1891 heiratete Hermione von Preuschen den Schriftsteller Konrad Zitelmann (Schriftsteller-Pseudonym: Konrad Telmann)
und lebte mit ihm in
Italien und Höckendorf (bei Stettin).
Nach dem Tod ihres Mannes (1897)
verlegte sie ihren Wohnsitz nach Berlin.
Die letzten zehn Jahre lebte sie in Lichtenrade. In ihrem Buch „Der
Roman meines Lebens - Ein
Frauenleben um die Jahrhundertwende“ schreibt sie: „Ich male
sehr fleißig im Winter und im ersten
Frühling 1908 führte mich der Zufall nach Lichtenrade bei Berlin.
Bekannte hatten mir gesagt, dort
sei Grund und Boden noch erschwinglich...Ich fuhr also nach Lichtenrade,
an dem Tag, da ich zum
ersten Mal seinen Namen gehört hatte.

Das (ehemalige) Anwesen in der Prinzessinnenstraße
Wir besichtigten eine Pazelle im kahlen Feld, ziemlich weit vom Bahnhof
(Prinzessinnenstraße 14).
Ein kleines, weißes Haus mit Säulenportikus, auf einer Anhöhe
stehend, darum ein großer schlecht-
gehaltener Garten. Ich war entzückt von den architektonischen Verhältnissen
des Hauses, und wir
traten ein, um nach seinen Hausmeister zu fragen. Ich war Feuer und Flamme,
ging ganz auf in
dem neuen Plan, schmolz mit meiner Villa, die Tempio Hermione heißen
sollte (was Freund
Sundermann mir mit aller Gewalt ausreden wollte), förmlich in eins
zusammen.

Dann wurde der Garten völlig verändert und umgepflanzt. Ich
kaufte ein paar hundert Zypressen,
die wurden als Hecke um das Grundstück gesetzt“. 1909 kaufte
sie das angrenzende Grundstück
auf, um eine eigene Gemälde halle für ihre über zweihundert
Bilder zu bauen. Die Gemäldehalle
wurde am 2.6.1911 eröffnet.
Im Gästebuch eingetragen haben sich z.B. Robert Koch und die gesamte
Berliner „höhere“ Gesell-
schaft. Einige kamen aus New York, Tokio, Caracas, Afrika. Dem großen
Eröffnungsfest folgten
z.B: ein „Rosenfest“ und ein „Griechisches Mondfest“.
Im Gästebuch, dass sich im Heimatmuseum Tempelhof befindet, haben
sich viele Persönlichkeiten eingetragen; Lichtenrader Nachbarn sind
aber nicht vertreten. Die Nachbarn waren der schillernden Persönlichkeit
wohl zu gewöhnlich. Sie ist sicherlich die interessanteste Persönlichkeit
der Geschichte aus Lichtenrade. Leider ist keine Straße nach ihr
benannt. Herminone von Preuschen unternahm viele Weltreisen. Ihr Dekolleté
sorgte in Berlin für Gesprächsstoff.
Sie war eine Frau zwischen Erotik und altgriechischen Idealen, eine Weltbürgerin, sorgte für
Abwechslung im dörflichen Lichtenrade, die auch „Berlins griechische
Morgengöttin“ genannt wurde
aber sie war auch eine mutige Frau.
„Geehrte Versammlung! Es heißt zwar mulier taceat in ecclesia‘,
und ich habe dies Lieblingszitat
der Männer bisher beherzigt, d.h. habe lieber gemalt und geschrieben
als gesprochen... ich hatte
nämlich noch den naiven Glauben, die Männer seien unparteiisch,
und wenn eine Frau wirklich
einmal etwas wahrhaft Großes leiste, erkennten sie es bereitwillig
an.... Im Laufe der Jahre und
Erfahrungen bin ich leider von dieser Ansicht zurückgekommen.“
Mit diesen Worten begann die Malerin und Schriftstellerin Hermione von
Preuschen ihre
kämpferische Rede auf dem Internationalen Kongress für Frauenwerke
und Frauenbestrebungen
1896 in Berlin. Sie beklagte die schlechte Ausbildungssituation der Künstlerinnen
und die Wider-
stände seitens der Professoren in Kunstakademien, die in jeder talentierten
Künstlerin eine
unliebsame Konkurrenz erblickten:
„Der talentvollen, hübschen Anfängerin schaut der Mann
gutmütig duldsam von oben herab auf die
Finger, wehe aber der Frau, die ernst genommen werden muss und die es
wagt, ebenso Gutes oder gar Besseres zu leisten, als der Durchschnittsmann.
Da bilden plötzlich alte Feinde selbst eine
brüderlich geschlossene Phalanx gegen den Eindringling, den sie boy
kottieren möchten durch alle
Länder der Erde.“
Hermione von Preuschen war, als sie diese Rede in Berlin hielt, bereits
eine bekannte Malerin und
Dichterin. In Darmstadt, wo sie vor 150 Jahren, am 7. August 1854 geboren
wurde, kannte man
auch ihre Familie bestens: Ihr Vater war der Oberkonsistorial- und Regierungsrat
Freiherr von
Preuschen. Die adlige Familie war seit längerer Zeit in Darmstadt
ansässig.
Eigene Recherche:
Das Stadtarchiv Darmstadt stellte Melderegisterblätter
(in Kopie) der Familie von Preuschen
zur Verfügung. In der Literatur waren bisher keine weiteren Daten
der Eltern zu finden. Diese
Lücke kann nun geschlossen werden:
Hermine Ernstine Henriette Anna geb. 7.8.1854
Vermerk in Urkunde:
verheiratet mit Rentner Dr. Schmidt zu München seit 3.8.82
Vater: Maximilian von Preuschen geb. am 6.9.1818
Am 21.2.75 wurde er Geheimer Oberkonsistorialrath und war Mitglied
des Verwaltungsgerichtshof
beigesetzt am 11.2.1897 auf dem Alten Darmstädter Friedhof.
Danach ist die Familie nach Heidelberg verzogen.
Mutter: Friederike Anna Albertine Ottilie geborene „Schesser"
oder „Scheßer"
von Althattendorf in Kurhessen im Jahr 1854 (Jahr steht in der Urkunde,
muss a
ber falsch sein!) am 6.5. Geboren; Rel. ....
Schwester: Wilhelmine Ottilie Anna Ida Eduardine geb.
am 17.12.1860
Dank Frau Winter konnte die Urkunde entziffert werden
und einige „Fehler" wurden
festgestellt! Ich danke dem Oberbürgermeister
der Stadt Darmstadt Herrn Hoffmann
und Dr. Friedrich Wilhelm Knieß -Stadtarchiv
Seit einiger Zeit habe ich intensiven Mail-Kontakt mit
den Amerikaner David Riechard
McCusker. Der Urgroßvater Heinrick (Henry) Reichard war der Cousin
von Hermione
von Preuschen. Die Zeitung St. Louis Post-Dispatch berichtete am 23. Oktober
1810
in einer Titelstory. Anbei ein kleiner Auszug: St.
Louis Post-Dispatch
Quellen:
Stadtarchiv Darmstadt und
David Riechard McCusker
Wer gerne den englischen Text übersetzen will, möge
sich bei mir melden.
DANKE
Thomas Moser
Grabsteininschrift:
Ein weiterer Verwandter, Dr. Rüdiger Freiherr von Preuschen, hat uns die Inschrift (ein Gedicht von Konrad Telmann) vom Grabstein von Hermione von Preuschen und Konrad Telmann übermittelt. Das Grab befindet sich auf einem protestanischen Friedhof in Rom (siehe auch http://www.dkinst-rom.dk/protcem/work/pcGE.html#Stone708):
KONRAD TELEMANN
GEB. 26/11 1854 GEST. 23/1 1897
HERMIONE VON PREUSCHEN
GEB. 7/8 1857 GEST. 12/12 1918
DEN KOMMENDEN
EUCH WEIHTEN WIR DIE UNRAST UNSRER TAGE,
EUCH UNSRER NÄCHTE HOFFNUNGSSCHWANGREN GRAM,
EUCH GALT DER TOGEWEIHTEN RUHM UND KLAGE
BIS EURES FRUHROTHS" JUNGES LEUCHTEN KAM.
UND WARD DAS WERDE EURER ZEIT GESPROCHEN
AUS UNSRER ASCHE IST DIE GLUTH GEBROCHEN
DIE STILL UMLODERT EURES FRIEDENS HERD.
KONRAD TELMANN
Das abweichende Geburtsdatum auf dem Grabstein von Hermione von Preuschen (1857 statt, wie bisher bekannt, 1854) ist noch nicht geklärt.
Ihr erster Gedichtband Regina
vitae erschien 1888, danach folgten weitere Gedichtbände (Via
passionis 1895; Vom Mondberg 1900; Flammenmal 1903; Kreuz des Südens
1907; Perlenkrönlein
1912) und auch Novellen (u. a. Tollkraut 1893; Dunkelkammer 1900; Halbweiber
1905).
Erwartung
Tagüber hatten sie so geschwatzt,
geraucht und gespielt im Hafen-Café,
Albanesen und Juden, Griechen und Türken.
Dick war die Luft und weiß und schwer,
hemmte den Atem, betäubte den Sinn.
Ich saß dazwischen, scheu in der Ecke,
trank schon den vierten süß-türkischen Mokka.
- Noch immer kein Schiff - die Stunden zerrannen,
Tropfen für Tropfen im Schneckengang.
Die Sonne sank und die Nacht stieg zum Thron,
herrschte, schwül lastend, mit dunkler Hand
über Ozeanen und Bergen und Welt!
Noch immer kein Schiff, das Schiff mit dir,
das dich, deine Liebe mir bringen sollte,
deine dunkle, süße, betörende Liebe!
Schon tragen die Wasser dich näher und näher ...
... So harrte in Träumen ich Stund' um Stunde,
fühlt wieder geborgen mich, dir am Herzen,
das Weib im Mann, seiner Welt beschlossen!
... Rings lärmten die Griechen, die Juden und Türken,
und rauchten und schwatzten. Von kläglichen Lampen
nur trüb drang ein Scheinen durch Dünste und Dampf.
Ich träumte von dir und mir klang deine Stimme:
»So ist nun dein Dämon dennoch gekommen.«
Trompetentusch von der Felsenfestung, -
feierlich klingt's in die Nacht hinaus.
Da naht auch der Fährmann: »Kyria, das Schiff kommt -
Zwölf Stunden Verspätung!«
Ach, auch die Folter wär Wonne gewesen -
harrend auf dich!
Im kleinen Nachen mit anderen Barken
fahr ich zum Koloß mit den farbigen Lichtern.
Und wieder ein dröhnend Trompetenklingen.
So fahr ich hinaus in die Nacht, dir entgegen,
- der Liebe, dem Glück!
- - - - - - - - - - - - - - -
Unter Sprachgewirr, unter drängenden Fremden
such ich vergebens - - - du bist nicht gekommen!
... Und so fahr ich immer dem Glück entgegen
und finde es nie!
Bei der Landung aber, wieder vom Felsen,
feierlich dröhnend, Fanfarenklänge!
Das ist das Leben!
In den Jahren 1905 bis 1907 bereiste sie Indien, Ceylon und Birma; 1909
veröffentlichte sie ihren Reisebericht Durch Glut und Geheimnis.
Ihre Autobiographie Roman meines Lebens erschien 1926 postum.
Platzbenennung in Berlin-Lichtenrade
Am 19. April 2008 regte der Betreiber der Kiezwebsite www.lichtenrade-berlin.de Thomas Moser in einer Presseerklärung an, dass nach der Künstlerin eine Straße in Lichtenrade benannt werden sollte.
Die Bezirksverordnete von der SPD-Fraktion Melanie Kühnemann brachte den Antrag zur Platzbenneung ein.
90 Jahre nach dem Tod von Hermione von Preuschen hat die Bezirksverordnetenersammlung
des Bezirks Tempelhof-Schöneberg von Berlin am 17. September 2008 entschieden, dass der Hohenzollern-Platz
nach der Lichtenrader Persönlichkeit benannt wird!
Am 2. Oktober 2009 erfolgte in Berlin-Lichtenrade die feierliche Benennnung in "Hermione-von-Preuschen-Platz".
Freiherr Dr. Rüdiger von Preuschen kam zur Namensgebung.
Link zum kompletten Bericht und Rede

Dr. Rüdiger von Preuschen / Oliver Schworck
Literatur:
Gisela Brinker-Gabler, Karola Ludwig, Angela Wöffen: Lexikon deutschsprachiger
Schriftstellerinnen 1800-1945, München 1986 und www.mathilde-frauenzeitung.de
eBooks
mit Texten von Hermione von Preuschen
Gedichte von Hermione von Preuschen
Link zu Wikipedia
Brockhaus 1906:
Preuschen-Telmann, Hermione, Freiin von, Malerin und Dichterin,
geb. 7. Aug. 1885 in Darmstadt. Witwe (seit 1897) des Dichters Konrad
Telmann, lebt seit 1898 in Berlin; bes. Blumenstücke, Stilleben,
allegorische Bilder, Interieurs, Gedichte, Novelletten u.a.
Bilder können mit freundlicher Genehmigung der Museen
Tempelhof –Schöneberg veröffentlicht werden