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Salem-Das ehemalige Mutterhaus der Diakonissen in Lichtenrade

„Sie hat auf Gott vertraut“

Die Geschichte des Mutterhauses ist auch die Geschichte der
Gründerin Cäcilie Petersen

- geb. am 20.3.1860 in Sonderburg/Nordschleswig
- gestorben am 2.7.1935 in Niendorf/Ostsee
- Beisetzung in Berlin-Lichtenrade.
- Auf dem Grabstein/Kreuz steht: ”Sie hat auf Gott vertraut”


Mit 18 Jahren traf sie die bewusste Entscheidung für den
Weg für Jesus Christus. In Sonderburg fand 1878 eine Evangeli-
sationswoche statt. Am ersten Tag nahm sie daran teil, am
nächsten Tag erklärte sie voll Ablehnung: ”Ich will lieber
Schlittschuh laufen!”. Später hörte sie, dass der Prediger für
sie gebetet habe. Nach unruhigen Nächten und schweren
innerlichen Kämpfen wurde Cäcilie nach einem viertel Jahr
klar, dass sie den Weg Gottes beschreiten muss: ”Fürchte
dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe deinen Namen
gerufen; du bist mein!”






Sie wurde als Rote-Kreuzschwester in Krankenhäusern und Privatpflege ausgebildet. 1898
wurde sie Oberin des Magda lenenstiftes in Berlin-Plötzensee, später in Teltow. Cäcilie ging
es immer darum, besonders „gescheiterten“ jungen Mädchen zu helfen. Das Kuratorium in
Teltow hatte andere Vorstellungen: ”Hier habe ich nicht Raum, meinen Dienst so zu tun, wie
ich ihn gewissensmäßig vor Gott, dem ich verantwortlich bin, tun sollte.” Im Spätsommer
1903 trennt sie sich mit 15 Schwestern von Teltow; später folgten 12 Schwestern.


Der überzeugte Christ Eduard Graf von Pückler hatte sich auf einer Reise verfahren und
stand plötzlich vor den heimatlos gewordenen Schwestern in Teltow. Er lud sie alle in sein
Schloss Schedlau in Ober schlesien ein und schenkte ihnen später auch noch 2.000 Mark Reisegeld. Am 2. November trat Cäcilie Pertersen aus der Schwesternschaft aus und reiste
mit den anderen Schwestern in der Eisenbahnwagen klasse 4 nach Schedlau. Dem Schloss-
verwalter telegrafierte der Graf: ”Hoher Besuch zu erwarten, alle Fremdenzimmer (mit 25
Betten) zurichten”. Man freute sich auf dem Schloss, da man vom ledigen Schloßherren
erhoffte, dass er mit einer Braut und ihren Angehörigen kommt. Wie erstaunt, ja enttäuscht
waren aber die Kutscher, die die hohen Gäste am Bahnhof abholen wollten, als mit dem
Zug ”nur” weiße Hauben ankamen!

Den Aufenthalt hat der Graf mit der Bedingung verknüpft, dass Cäcilie Petersen das Evan-
gelium verkünden sollte. Sie sträubte sich zuerst und meinte, das könne sie nicht. Aus
Gehorsam gegen Gott tat sie es dann doch. Bald zeigte sich, dass die weitangereisten sonntäglichen Besucher im Schloss kaum Platz fanden. Später hielt sie große Evangeli-
sationssversammlungen mit über 500 Menschen in Berlin, Hamburg, Breslau, im Ruhrgebiet
und anderen Orten ab.

Dann entschloss sie sich von Schedlau nach Berlin zurückzukehren und ein Mutterhaus zu gründen, was im August 1904 geschah. Ein geeignetes Grundstück stellte Landwirt Bochow
zum Kauf zur Verfügung.

Cäcilie Petersen lebte seit dem 1. Mai 1904 mit ihren Schwestern erst in einer kleinen Villa
an der Dorfstraße und dann in einer bescheidenen Arbeiterwohnung. Die Kasse war meist
leer, aber es wurde ihnen auf wundersamer Weise doch immer geholfen. Sie suchte einen
zu Tode verurteilten Mörder oft in der Zelle auf, der dann auch für sie betete, dass Cäcilie
ein Haus bekommen solle, damit sie andere arme Geschöpfe retten kann. In einen Brief an
ihre Schwestern schrieb später die Oberin: ”Den ersten Kontrakt mit Gott schloss ich, als ich
den Raubmörder Ludwigsen besuchen wollte.”



Grabstellen der Diakonissen

Das Mutterhaus Salem-Lichtenrade

„Sie hat auf Gott vertraut“


Am 21. August 1904 wurde feierlich der Grundstein
gelegt. Am 27.3.1906 war die Einweihung des neu er-
bauten Diakonissen-Mutterhauses ”Salem” in Lichtenrade
bei Berlin. 70 Schwestern zogen mit der Oberin in das neue Mutterhaus. Es wurde ganz in Nähe des Mutterhauses ein ”Zufluchtsheim” (Zoar) für gefährdete ”Fürsorgemädchen” errichtet. 1907 kam das Haus ”Emmaus” hinzu. Hier wurde zunächst ein Altersheim für alleinstehende Damen unter- rgebracht; später zogen hier die älteren Diakonissen ein.
Heute ist ”Emmaus” ein „lebendiges“ Wohnhaus. Im
November 1907 wurde das Pfarrhaus von Pastor Asmus Christiansen bezogen. Später kamen noch mehr Grund-
stücke z.B. gegenüber des Mutter hauses hinzu. Es erfolgte auch die Übernahme von Gemeinschafts-, Gemeinde und Krankenhausarbeiten.

So gab es weit verbreitet über 200 Stationen mit Diako-
nissen, 16 Krankenhäuser, 3 Säuglingspflegen, 16 Kinderschulen, 13 Seelsorge und Jugendpflegeeinrichtungen,
4 Einrichtungen Magdalenenarbeit, die Gefängnisseelsorge,
die Fürsorge, Privatkrankenpflege, 6 Altersheime und 2 Erholungsheime. Hier arbeiteten 1931 498 Schwestern.

Die Schwesternschaft wuchs schnell (1908: 126 Diako-
nissen, 1910 waren es 168 Diakonissen, 1925 459
Schwestern, 1931 -nach 25 Jahren- 617 Diakonissen und
284 Arbeitsplätze. Die Jahre der Hiltlerdiktatur hatten auf
die fortschreitende Ent wicklung kaum Einfluss. Nach
Kriegsende gab es über 700 Diakonissen. 1920 wurde
dann in Niendorf/Ostsee ein Kinder haus Nazareth
eingeweiht.

Neben der Leitung und Betreuung der Schwesternschaft
besuchte Sr. Cäcilie Petersen Gefängnisse und Zucht-
häuser und hielt Evangelisationsveranstaltungen ab.

Im Herbst 1924 wurde in der Nähe des Bahnhofs ein
einstöckiges Haus und ein kleines danebenliegendes Fabrikgrundstück gekauft. Seit 1930 war da eine Buch-
handlung unmittelbar an der Bahnhof straße. Im Juli
1923 wurde dann auch die ”Kinderschule” eröffnet.
Das später in “Cäcilienheim” umbenannte “Zoar” wurde
in den letzten Dezembertagen 1943 bei einem schweren
Fliegerangriff vollkommen zerstört. 15 Personen, darunter
3 Salemschwestern konnten nur als Leichen geborgen
werden. Die Mädchenarbeit hat aber nicht aufgehört.

Das Mutterhaus stand zu Zeiten der innerdeutschen Mauer
direkt an der ”Zonengrenze” bzw. Grenze zur DDR und
südlich davon ist das Kiefernwäldchen. Zu finden ist das
Haus in der Hohenzollern - Ecke Rohrbachstraße.

Im Jahre 1960 wurde die Leitung des Mutterhauses nach
Bad Gandersheim verlegt. In Lichtenrade gab es noch
lange einen Kindergarten mit 30 Plätzen (Bahnhofstraße/
Ecke Riedlinger Straße) und die Buchhandlung mit evangelischem Schrifttum. Die Grundstücke und Häuser
wurden verkauft. Seit Mitte der neunziger Jahre befindet
sich im Mutterhaus eine Vorschule (bzw. Hortbetreuung
der Käthe-Kollwitz-Schule
) und ein Kindergarten.

1996 erfolgte durch die Evangelische Berlin-Brandenburg
die Beauftragung zum "stellvertretenden gemeindlichen
Dienst" innerhalb der evangelischen Kirche. Damit können
alle Kirchenhandlungen selbständig vorgenommen werden.
Die Gemeinschaft wählte den Nenn-Namen "Salem-
Gemeinde".

Ende 2005 kaufte die Gemeinde das Gemeindehaus in der Wünsdorfer Straße 88 vom Diakonissenhaus, mit dem
immer noch eine geistliche und freundschaftliche Ver-
bundenheit besteht.

Ende 2005, seit 1984 im Dienst, ging die 6. Oberin des Mutterhauses, Schwester Inge Puhle, in den Ruhestand.
Auf eine Nachfolge wurde verzichtet. Heute (2006) gibt es
noch 57 Schwestern des Diakonissenmutterhauses
Salem-Lichtenrade mit jetzigem Sitz in Bad Gandersheim.

 

 

Der Vorstand des Diakonissenvereins Salem e.V.
um 1906:


Fr. von Beerfelde 1. Vorsitzende, Berlin
Fr. Generalleutnant v. Prittwitz, stellv. Vorsitzenden, Berlin
Fr. Hauptmann Müller, 2. stellv. Vorsitzende, Berlin
Fr. Gräfin Pfeil, Hausdorf
Diakonisse Cäcilie Petersen, Oberin
Architekt Schober, Kassierer, Lichtenrade
Pastor Hahn, stellv. Kassierer, Markt-Alvensleben

Auszug aus den Aufnahmebedingungen für Salem:

”Willkommen sind gesunde, bildungsfähige, unbescholtene Jungfrauen und alleinstehende Frauen aller Stände im Alter
von 18 bis 32 Jahren, die durch Buße und Glauben zum
Heiland bekehrt sind, zu dienen dem lebendigen Gott...”

Quellen:

-Salem von 1906 bis 1931 (Jubiläumsbericht)
-Die dem Himmelreich Gewalt antun von Johannes Weber-
-Aus-dem-Leben der Diakonisssen-Oberin Cäcilie Petersen,
-Feb. 1936, -5. Auflage -1957
-1906-1956 - 50 Jahre Diakonissen-Mutterhaus Salem
-Berlin-Lichtenrade
-Glaubensgruß aus dem Diakonissen-Mutterhaus ”Salem”
-in Berlin-Lichtenrade zum Gedenken an den 100.
-Geburststag der Gründerin -des Werkes Oberin Cäcilie
-Petersen (1960)
-1906-1981 Zum 75. Mutterhausjubiläum. Glaubensgrüße
-aus Salem Lichtenrade ”Gott macht Berge zum Wege”
-Glaubengrüße und Nachrichten aus dem Diakonissen-
-Mutterhaus -Salem Lichtenrade/Bad Gandersheim im Mai
-1986

-100 Jahre Salem Lichtenrade - Festschrift der Salem-
-Gemeinde

Ich danke besonders Sr. Anneliese Pfotenhauer aus dem Diakonissenhaus Salem-Lichtenrade in Bad Gandersheim für
die Unterstützung, Fotos etc.

Die Jubiläumsfeierlichkeiten fanden vom 14.-16. Juni 2006 in
Bad Gandersheim statt.

Emmaus mit starken Kriegsschäden
Kapelle
Kindergarten an der Bahnhofstraße
Pfarrhaus
Nähsaal
Lehrsaal


 







-Grabsstellen der Diakonissen 2005